Causa Bettina Wulff Innenminister Friedrich fordert mehr Schutz im Internet

Bettina Wulff kann in diesen Tagen Beistand gebrauchen. Nun stellt sich Bundesinnenminister Friedrich hinter die Frau des ehemaligen Bundespräsidenten und fordert nach Informationen des SPIEGEL mehr Persönlichkeitsschutz im Internet.

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Hamburg - In der Causa Bettina Wulff scheint es zurzeit nur zwei Lager zu geben: Entweder man befürwortet die offensive Öffentlichkeitsarbeit der ehemaligen Bundespräsidentengattin für ihre Biografie "Jenseits des Protokolls", oder man lehnt sie kategorisch ab.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich unterstützt die 38-Jährige immerhin in ihrem Kampf gegen üble Nachrede im Internet: "Das Beispiel von Bettina Wulff dokumentiert, wie wichtig der Schutz der Persönlichkeitsrechte im Netz ist", sagte der CSU-Politiker in einem Gespräch mit dem SPIEGEL. "Ich habe großes Verständnis für das Anliegen von Frau Wulff und verstehe, dass sie verletzt ist."

Wulff hat unter anderem gegen den Suchmaschinenkonzern Google geklagt, weil dessen sogenannte Autocomplete-Funktion Suchanfragen nach ihrem Namen automatisch um Begriffsvorschläge wie "Prostituierte" ergänzt. Bei Amazon hatten Nutzer das Wulff-Buch mit unschmeichelhaften bis beleidigenden Schlagwörtern versehen, die von Amazon-Mitarbeitern gelöscht werden mussten.

Mit Blick auf die sogenannte Netzgemeinde kritisierte Friedrich den Anspruch, die "schrankenlose Freiheit im Internet bedingungslos" zu verteidigen. Dies gehe "automatisch zu Lasten des Schutzes der Persönlichkeitsrechte". Zugleich kündigte der in der Bundesregierung für die Regulierung des Internets mitverantwortliche Minister an, sich für schärfere Regeln im Netz einzusetzen.

"Wenn man sieht, dass durch Cyber-Mobbing in sozialen Netzwerken Jugendliche im Extremfall in den Tod getrieben werden, sage ich ganz klar, dass wir internationale Standards für den Persönlichkeitsschutz brauchen", so Friedrich.

"Man lernt, sich eine Maske zuzulegen"

Nie zuvor hat eine deutsche First Lady die persönliche Belastung durch das Amt so detailliert - und vor allem intim - geschildert wie Bettina Wulff in drei exklusiven Interviews, die zeitgleich erschienen sind. "Aus meiner Sicht war es unvorstellbar, dass es so weitergehen konnte", sagt sie in der "Bunten". Und: "Man lernt, sich eine Maske zuzulegen."

"Ich verstehe nicht, wie sich jemand über zu viel Öffentlichkeit beklagen kann, der gleichzeitig sein Leben mit intimsten Details nach außen kehrt", sagte Renate Künast, Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, der "Welt". Sie werde das viel diskutierte Buch von Bettina Wulff nicht lesen. "Das will ich alles gar nicht wissen. Mein Bedarf an der Causa Wulff ist schon seit Monaten gedeckt."

jjc

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