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Spiegelbest und Ebookspender: Polizei führt Razzien wegen E-Book-Kopien durch

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Wieder ein Schlag gegen deutschsprachige Seiten mit illegalen Kopien: Diesmal wurden die Wohnungen von Personen durchsucht, die unerlaubt E-Books verbreitet haben sollen. Betroffen ist auch ein in der Szene sehr bekannter Name.

E-Book: Plattformen mit illegalen Kopien offline Zur Großansicht
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E-Book: Plattformen mit illegalen Kopien offline

Hamburg/München - Die Staatsanwaltschaft München hat Durchsuchungsbeschlüsse gegen etwa 45 bis 50 Personen erlassen, die am Aufbau und Betrieb illegaler Download-Plattformen für E-Books beteiligt gewesen sein sollen. Konkret geht es um die Seite Ebookspender.me und das damit im Zusammenhang stehende Blog Spiegelbest.me. Eine Person, die im Netz unter dem Namen Spiegelbest auftritt, steht offenbar im Verdacht, einer der Betreiber zu sein.

Beide Websites sind schon seit Mittwoch offline. Nach Informationen der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) gab es am Dienstagnachmittag offenbar eine konzertierte Durchsuchungsaktion in diversen Wohnungen im Bundesgebiet. Die Staatsanwaltschaft München, die hinter den Ermittlungen steht, hat sich auf Anfrage bislang nicht geäußert.

Bei den Durchsuchungen wurden nach Informationen von SPIEGEL ONLINE Rechner und Festplatten beschlagnahmt, aber auch Mobiltelefone, Tablet-Computer und E-Book-Reader. In einem Durchsuchungsbeschluss, den der die auf Urheberrechtssachen spezialisierte Kanzlei Wilde Beuger Solmecke veröffentlichte, heißt es:

Seit mehreren Monaten bieten mehrere Personen im bewussten und gewollten arbeitsteiligen Zusammenwirken auf den Internetseiten www.spiegelbest.me und www.ebookspender.me ohne Einwilligung der jeweiligen Urheberrechtsinhaber einen großen Fundus an E-Books gegen eine geringfügige Mitgliedsgebühr zum - im Übrigen - kostenlosen Download an

Die Seiten seien auch zu dem Zweck betrieben worden, "sich hierdurch eine nicht unerhebliche und nicht nur vorübergehende Einnahmequelle zu verschaffen". Vorgeworfen werden den Betroffenen offenbar auch Steuervergehen.

"Keine Auswertung bei Boerse.bz"

Bei Spiegelbest.me wurden regelmäßig neue E-Books vorgestellt, die man aktuell bei Ebookspender.me herunterladen konnte. Dort wurde explizit mit "aktuellsten Verlagstiteln und einem Archiv von 50.000 deutschen E-books" geworben. Für ein "Abo" sollten Nutzer fünf Euro im Monat bezahlen. An die Rechteinhaber ging von den Gebühren nichts. Die Durchsuchungen gehen "Buchreport" zufolge auf Anzeigen der Verlage Random House, Bonnier, dtv, Bastei Lübbe und Holtzbrinck zurück.

Im Szene-Blog Tarnkappe.info war am Mittwoch spekuliert worden, die Durchsuchungen könnten mit Informationen zusammenhängen, die bei den Durchsuchungen im Zusammenhang mit dem ebenfalls auf illegale Kopien spezialisierten Portal boerse.bz gesammelt wurden. Christine Ehlers von der GVU verneint das: "Nach unseren Erkenntnissen hat es keine Auswertung bei boerse.bz gegeben, die diese Ermittlungen angestoßen hätte." Denkbar seien allerdings "Überschneidungen bei den Uploadern", also bei jenen Personen, die Kopien urheberrechtlich geschützter Werke auf die entsprechenden Plattformen hochgeladen hätten.

Rechtsanwalt Christian Solmecke sagte SPIEGEL ONLINE, unter den von den Durchsuchungen Betroffenen seien seinen Informationen zufolge diesmal auch Personen, die keine Inhalte bereitgestellt, sondern nur Kopien von E-Books heruntergeladen hätten: "Einer meiner Mandanten schwört Stein und Bein, dass er da nichts hochgeladen hat."

Aus der Sicht der GVU hängen die nun offline gegangenen Seiten mit einer weiteren, bereits vor einiger Zeit verschwundenen Plattform namens boox.to zusammen. Das "Archiv von 50.000 deutschen E-books", mit dem Spiegelbest.me warb, könne das Archiv der im Dezember 2013 von den Betreibern abgeschalteten Seite boox.to gewesen sein: "Die GVU ordnet beide illegalen Angebote einer Person mit dem Nicknamen 'Spiegelbest' als Inhaber zu." Die Person mit diesem Netz-Spitznamen hat die Polizei aber offenbar bislang nicht dingfest machen können.

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insgesamt 116 Beiträge
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1. Na Gott sei Dank
metbaer 11.12.2014
Deutschland ist wieder ein Stück sicherer!
2. Selber schuld?
nickmason 11.12.2014
Raubkopien sind nicht schön, keine Frage. Aber man muss klar feststellen, dass diese vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels geradezu herausgefordert werden. Dort macht man alles falsch, was die Musik- und Filmindustrie inzwischen richtig macht. Die Nutzungsrechte an einem digitalen Buch (und etwas anderes bekommt man nicht) sind genau so teuer wie ein hochwertiges und teilweise sogar gebundenes Buch. Die Preisvorteile (keine Druck- und Vertriebskosten, keine Lagerhaltung, keine unverkaufte Überproduktion etc.) werden nicht an die Kunden weitergegeben. Dazu dürfen E-Books nicht einmal verliehen oder verkauft werden, was bei echten Büchern seit Jahrhunderten möglich ist. Es gibt auch keine Flatrates oder ähnliches, dafür aber eine teilweise komplizierte Nutzung durch restriktives DRM. Da ist es in der Tat kein Wunder, wenn sich viele Besitzer der Lesegeräte nach "alternativen Angeboten" umsehen, die es im Internet zu Hauf gibt. Beim Börsenverein reagiert man darauf aber in etwa so, wie ein kleines Kind, dem im Sandkasten das Förmchen klaut. Dieser erzkonservative Verein ist noch längst nicht im 21. Jahrhundert angekommen.
3. Nein
Bakturs 11.12.2014
Die Rechte der Autoren und Verlage wurden ein wenig gesichert. Und das ist gut so!!! Die Betreiber solcher Plattformen sollten zur weiteren Strafverfolgung in die USA ausgeliefert werden. Dort gibt es dann pro hochgelaufenen Titel 10 Jahre Haft. Ein entsprechender US-Verlag wird sich schon finden, der einen Antrag stellt.
4.
pauschaltourist 11.12.2014
Und ich dachte, mit der indirekt von jedem Endkunden elektronischer Speichermedien geleisteten Urheber-Pauschalabgabe seien Kopien bereits abgegolten. Falls nicht, wozu zahlt man für ein Smartphone 36€ "Kopierabgabe", wenn nicht kopiert werden darf? http://de.wikipedia.org/wiki/Pauschalabgabe
5. Wo ist denn da die Logik?????
Bakturs 11.12.2014
Zitat von pauschaltouristUnd ich dachte, mit der indirekt von jedem Endkunden elektronischer Speichermedien geleisteten Urheber-Pauschalabgabe seien Kopien bereits abgegolten. Falls nicht, wozu zahlt man für ein Smartphone 36€ "Kopierabgabe", wenn nicht kopiert werden darf? http://de.wikipedia.org/wiki/Pauschalabgabe
Wo ist denn da die Logik????? Und wenn ich eine Aktie der Lufthansa kaufe, bin ich Miteigentümer und darf kostenlos überall mit hin fliegen oder wie???
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