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Überwachung für jedermann: Firmen verkaufen Handy-Ortung weltweit

Handynutzer: Mobiltelefonortung weltweit, organisiert von Privatfirmen Zur Großansicht
REUTERS

Handynutzer: Mobiltelefonortung weltweit, organisiert von Privatfirmen

Einfach zu bedienen, 70 Prozent Trefferquote: Mehrere Firmen verkaufen Programme zum Orten von Mobiltelefonen nur auf Basis der Rufnummer, berichtet die "Washington Post". Ein Berliner Hacker lokalisierte zum Test eine Journalistin.

Mobiltelefone lokalisieren, das können nicht nur Geheimdienste oder die Polizei, die mit einem richterlichen Beschluss oder bei Gefahr im Verzug beim Provider vorstellig wird. Das Orten von Handys funktioniert viel einfacher, wie die "Washington Post" berichtet. Eine Software und eine Schwäche des internationalen Mobilfunksystems machen es möglich.

Mehrere Firmen haben demnach solche Programme im Angebot und vermarkten sie bei Regierungen und Behörden. Möglich wird die Ortung durch SS7, ein Protokoll, das weltweit im Einsatz ist, mit dem Provider Telefonanrufe und Datenverbindungen an Handys verteilen. Über dieses Steuerungsnetz lässt sich abfragen, in welche Funkzelle ein Handy mit einer bestimmten Telefonnummer gerade eingebucht war.

Das Protokoll ist jahrzehntealt, Sicherungsmechanismen sind offenbar kaum vorhanden. Diverse Provider bieten einen kostenpflichtigen Zugang zu SS7 an, damit Firmen Kommunikationsverbindungen routen können. Eine der Sicherheitsfirmen wirbt laut "Washington Post" damit, über Zugänge zu SS7 in mehreren Ländern zu verfügen.

Im Auftrag der Zeitung ortete der Berliner IT-Sicherheitsforscher Tobias Engel eine Reporterin - das gelang ihm mithilfe einer solchen Software in Washington bis auf einen Häuserblock genau. Engel hatte bereits im Jahr 2010 auf einem Vortrag beim Chaos Computer Club von der SS7-Lokalisierung berichtet.

Einige Provider versuchen anscheinend, die massenhaften Ortsabfragen zu unterbinden. In einem Werbeprospekt einer Überwachungsfirma, der nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist, wird nach Angaben der "Washington Post" aber mit einer Erfolgsquote von 70 Prozent geworben.

ore

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insgesamt 69 Beiträge
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1. wenn
Schweijk 25.08.2014
mein Mobiltelefon den Geist aufgibt werde ich mir kein neues besorgen. Ev. stampfe ich es sogar schon vorher ein.
2. Na und?
archback 25.08.2014
Was ist daran schlimm, dass man geortet werden kann? Früher bei den Festnetztelefonen hat man das doch auch akzeptiert. (Im übrigen wissen wir seit "Breaking Bad": Akku rausnehmen!) ;-D
3. einfach
lalito 25.08.2014
Wer will schon angerufen werden? ;-) Also, ausschalten und wenn ich telefonieren will dann so: Einschalten, anrufen, ausschalten und fertig. Gelegentlich mal schauen ob ne SMS reinkommt, nach dem gleichen Prinzip - und nix mit 70 %. Es ist doch völlig logisch, dass Überwachung auch und gerade im privaten Sektor seinen Niederschlag finden wird und bereits findet. Wenn erst mal NSA und Konsorten anfangen ihre gebunkerten Daten zu Kohle zu machen, return on investment, bekommt "Outsourcen" eine ganz neue Bedeutung.
4.
Frank Zi. 25.08.2014
Zitat von archbackWas ist daran schlimm, dass man geortet werden kann? Früher bei den Festnetztelefonen hat man das doch auch akzeptiert. (Im übrigen wissen wir seit "Breaking Bad": Akku rausnehmen!) ;-D
Und beim iPhone?
5. Ideal für Ganoven und Stalker
Urbayer 25.08.2014
Zitat von archbackWas ist daran schlimm, dass man geortet werden kann? Früher bei den Festnetztelefonen hat man das doch auch akzeptiert. (Im übrigen wissen wir seit "Breaking Bad": Akku rausnehmen!) ;-D
ja wo ist sie denn, die Freundin? Bei ihrer Freundin oder bei ihrem Liebhaber? Mal überprüfen, ob Familie X zu Hause ist? Wenn nein, dann räume ich mal die Wohnung aus...
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Mobilfunkmast (bei Reparaturarbeiten): Unternehmen bieten Handy-Ortung feil


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