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Staatstrojaner: Behörden spähten 100-mal Computer aus

Deutsche Behörden haben offenbar in hundert Fällen Computer mit Hilfe von Schnüffelsoftware ausspioniert. Das erklärte der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion Hans-Peter Uhl. Er hält die Zahl für gering - und die Trojaner- Debatte für "hysterisiert". Kritiker hingegen sprechen von Rechtsbruch.

Hans-Peter Uhl (CSU): "Unverantwortliche Hysterisierung" der Debatte? Zur Großansicht
dapd

Hans-Peter Uhl (CSU): "Unverantwortliche Hysterisierung" der Debatte?

Hamburg - Alles halb so schlimm? Das ist offenbar die Sicht von Hans-Peter Uhl (CSU), dem innenpolitischen Sprecher der Unionsfraktion, wenn es um den Einsatz sogenannter Staatstrojaner geht. Insgesamt hätten die Behörden von Bund und Ländern in den vergangenen drei Jahren in rund hundert Fällen die umstrittene Spionage-Software eingesetzt, erklärte Uhl. Er selbst hält dies für eine geringe Fallzahl.

Der "Osnabrücker Zeitung" vom Samstag sagte der Unionsexperte, dass alle Sicherheitsbehörden zusammen seit 2009 etwa 35-mal pro Jahr Trojaner eingesetzt hätten, "um verschlüsselte Kommunikation am Computer abzugreifen". Allein Bayern habe in der Zeit bei Verdacht auf schwere Kriminalität 25-mal Trojaner eingesetzt, dabei seien vereinzelt auch Screenshots, also Aufnahmen des Bildschirms, weitergeleitet worden.

Eine Lappalie?

Vor diesem Hintergrund sprach Uhl von einer "unverantwortlichen Hysterisierung" der derzeitigen Debatte über Staatstrojaner. Die Schuld daran, dass die Polizeibehörden mit dem Einsatz der Schnüffelsoftware wahrscheinlich Rechtsbrüche begangen haben, wies Uhl in verklausulierter Form den Liberalen zu: Er warf Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) vor, Polizei und Staatsanwälte seit Jahren im Regen stehen zu lassen.

Wörtlich sagte Uhl: "Wir haben die Ministerin immer wieder darauf hingewiesen, dass die Ermittler beim Einsatz von Spionage-Software in Strafverfahren in einer gesetzlichen Grauzone arbeiten." Geschehen sei aber "absolut nichts", sagte Uhl der "NOZ". Die Äußerung impliziert, dass die Aufregung um den potentiellen Rechtsbruch hätte vermieden werden können, wenn man die Rechtslage entsprechend geändert hätte.

Genau daran war 2007 der damalige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) gescheitert: Für die Ermöglichung der damals als Bundestrojaner und Online-Durchsuchung thematisierten erweiterten Kompetenzen für Fahnder wollte er zeitweilig sogar das Grundgesetz ändern. Die Sicherheitspläne stießen auf breite gesellschaftliche Ablehnung, das Bundesverfassungsgericht stutzte sie schon im Ansatz zurück. Am Ende kam es zur Novelle des BKA-Gesetzes, das zumindest ein bisschen mehr Schnüffeln unter Auflagen erlaubte - nicht aber das, was deutsche Fahndungsbehörden in den vergangenen drei Jahren offenbar zur Praxis gemacht haben.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hatte am Dienstag die Bundesländer aufgefordert, die zuvor vom Chaos Computer Club (CCC) enttarnte Spionage-Software nicht mehr einzusetzen. Zunächst müsse geklärt werden, ob das Programm mehr könne, als gesetzlich zulässig sei. Am Mittwoch räumte die Bundesregierung den Einsatz von Spionage-Software bei den Zollbehörden in 16 Fällen ein.

pat/AFP

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insgesamt 159 Beiträge
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1.
Walter Sobchak 15.10.2011
Uhl sollte selber mal Opfer des Staatstrojaners werden, schliesslich tritt er fortwaehrend das Grundgesetz mit Fuessen.
2. ......
Pupsie 15.10.2011
Zitat von sysopDeutsche Behörden haben offenbar in 100 Fällen Computer mit Hilfe von Schnüffelsoftware ausspioniert. Das erklärte der*innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion Hans-Peter Uhl. Er*hält die Zahl für gering - und die Trojaner- Debatte für "hysterisiert". Kritiker hingegen*sprechen von*Rechtsbruch. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,791941,00.html
Baaah ... so ein Verbrecher! Warum wundert es mich nur nicht, dass der Bengel bei der Union ist?!
3. Auf Thema antworten
kdshp 15.10.2011
Zitat von Walter SobchakUhl sollte selber mal Opfer des Staatstrojaners werden, schliesslich tritt er fortwaehrend das Grundgesetz mit Fuessen.
Hallo, so "wie man hört" wird er ja auch gegen politiker eingesetzt. Warum auch nicht wenn diese sich kriminell verhalten zb. korruption da wird ja nur viel übers telefon/internet gereglt.
4. Grundgesetz?
abita 15.10.2011
Für manche Politiker ist das Grundgesetz offenbar ein Hemmschuh, das die totale Überwachung ihrer Bürger nur behindert.
5. Banalisierung
no_panic 15.10.2011
Die Debatte ist nicht hysterisiert, wie Uhl meint, sondern banalisiert. Wenn man 100 Mal gegen ein Urteil des Verfassungsgerichtes verstößt, handelt es sich eben nicht um ein Kavaliersdelikt.
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Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potenziell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.


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