Staranwältin Beth Wilkinson: Die Frau, die Google schlagen soll

Von

Die Federal Trade Commission macht ernst. Um kartellrechtlich gegen Google vorzugehen, hat die US-Behörde eine Staranwältin angeheuert. Beth Wilkinson hat schon Pharmagiganten verteidigt, gegen Diktatoren ermittelt - und den Oklahoma-Bomber Timothy McVeigh in die Todeszelle gebracht.

Beth Wilkinson mit ihrem Mann David Gregory: Talentierte Anwältin Zur Großansicht
AP

Beth Wilkinson mit ihrem Mann David Gregory: Talentierte Anwältin

Der Terrorist Timothy McVeigh starb, nachdem Beth Wilkinson das gefordert hatte. McVeigh, der im April 1995 eine Bombe vor einem Behördengebäude in Oklahoma City platziert hatte, deren Detonation 168 Menschen tötete und mehr als 800 verletzte, wurde im Juni 2001 hingerichtet. Beth Wilkinson war in dem Prozess gegen den Terroristen und seinen Komplizen Terry Nichols Staatsanwältin, die Verurteilung der beiden Männer machte sie zum Star. Jetzt soll sie Google in Bedrängnis bringen: Die Federal Trade Commission, eine US-Aufsichtsbehörde, hat Wilkinson angeheuert, um das kartellrechtliche Vorgehen gegen den Suchmaschinengiganten zu leiten.

Es geht um die Frage, ob Google eine marktbeherrschende Position hat und sie womöglich missbraucht - und darum, ob ein Prozess gegen den Giganten überhaupt Erfolgsaussichten hätte. Dass die FTC nun einen Star wie Wilkinson anheuert, gilt Beobachtern als Zeichen für die Ernsthaftigkeit, mit der die Regulierer den Giganten angehen wollen. Wilkinson hat den Ruf, Prozesse nicht nur zu führen, sondern auch zu gewinnen.

Die "New York Times" zitiert ein ehemaliges Mitglied der FTC, David Wales, zu der Personalie: "Damit sagt man Google, wenn ihr uns nicht entgegenkommt, werden wir vor Gericht gehen."

Ein Lebenslauf wie ein Geschichtsbuch

Der Lebenslauf der Star-Juristin liest sich wie ein Gang durch die jüngere Geschichte der USA. Sie begann ihre Karriere beim Militär, erreichte dort den Rang eines Captains. Unter anderem war sie am Prozess der USA gegen den früheren Diktator von Panama, Manuel Noriega beteiligt. Als Staatsanwältin arbeitete sie anschließend im östlichen Bezirk des Staates New York, ermittelte gegen Drogendealer und andere Schwerkriminelle, bevor sie gebeten wurde, die Anklage gegen McVeigh und Nichols zu übernehmen. Nach der Verurteilung wurde sie mit zwei prestigeträchtigen Auszeichnungen des US-Justizministeriums bedacht.

Dann ging Wilkinson in die Privatwirtschaft. Acht Jahre lang arbeitete sie für die Anwaltskanzlei Latham & Watkins und widmete sich dort dem Thema Wirtschaftskriminalität.

Nächste Station: Bankenkrise

2006 vollzog die Anwältin dann wieder einen radikalen Karrieresprung: Sie stieg als hausinterne Juristin bei der heute berüchtigten Hypothekenkasse Fannie Mae ein, einer der Institutionen, die für die US-Immobilien- und daran anschließende internationale Finanzkrise mitverantwortlich gemacht werden. Die faulen Hypotheken, die internationale Großbanken schließlich an den Rand des Abgrunds führten, stammten zum Teil von der Institution, deren juristische Interessen Wilkinson vertrat. Im September 2008 mussten Wilkinson und diverse andere Spitzenmanager Fannie Mae verlassen. Zwei Wochen zuvor hatten Vertreter der Regulierungsbehörden die Kontrolle über die Hypothekenbank und das Schwesterinstitut Freddie Mac übernommen.

Wilkinson aber brachte die große Nähe zum Immobiliendesaster keinen Karriereknick ein. Sie trat der Anwalts-Sozietät Paul, Weiss in Washington bei und begann dort sogleich, große US-Unternehmen in teils spektakulären Fällen zu vertreten. Darunter beispielsweise der Tabakkonzern Philip Morris und der Pharmariese Pfizer. Letzteren vertrat Wilkinson erfolgreich in mehreren Prozessen, in denen um das Hormonpräparat Prempro ging, das im Verdacht stand, das Brustkrebsrisiko zu erhöhen.

Verheiratet mit einem Fernsehstar

Im Dezember 2011 wurde Pfizer von einem Schwurgericht dazu verurteilt, drei Krebspatientinnen, die das Medikament eingenommen hatten, insgesamt mehr als 72 Millionen Dollar Schadensersatz zu bezahlen. Doch an diesem Prozess war Wilkinson nicht mehr beteiligt. Sie hatte ihre drei Verfahren für Pfizer gewonnen. Ihr Arbeitgeber Paul Weiss bezeichnet Wilkinson als "eine der talentiertesten und meistrespektierten Prozessanwältinnen des Landes".

Auch privat wandelt Wilkinson in den oberen Sphären der US-Gesellschaft. Ihr Ehemann ist der TV-Star David Gregory, der für den Sender NBC die wöchentliche Talkshow "Meet the Press" moderiert. Kennengelernt haben sich die beiden während des McVeigh-Prozesses. Wilkinson selbst ist schon häufig in TV-Sendungen aufgetreten, verfasst Gastbeiträge für Zeitschriften und kommentiert aktuelle Ereignisse.

Nun also soll die Staranwältin mit der illustren Biografie Google in Bedrängnis bringen. Ihrem Image wird das kaum schaden. "Technologie verändert unsere Gesellschaft", sagte Wilkinson der "New York Times". "Als Mutter sehe ich das bei meinen Kindern, als Berufstätige sehe ich, wie es unsere Arbeit verändert. Und in der Gesellschaft hat es Auswirkungen auf Privatsphäre, Wettbewerb, unseren Umgang mit anderen Menschen - so ziemlich alles."

Was sie über ihren neuen Gegenspieler sagt, dürfte auch für alle vorangegangenen ihrer Karriere gelten: "Ich unterschätze Google nicht."

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Von Skrupellosigkeit und Staranwälten, der Ungeist von Filbinger lebt fort
doytom 27.04.2012
Zitat von sysopDie Federal Trade Commission macht ernst. Um kartellrechtlich gegen Google vorzugehen, hat die US-Behörde eine Staranwältin angeheuert. Beth Wilkinson hat schon Pharmagiganten verteidigt, gegen Diktatoren ermittelt - und den Oklahoma-Bomber Timothy McVeigh in die Todeszelle gebracht. Staranwältin Beth Wilkinson: Die Frau, die Google schlagen soll - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,830190,00.html)
Es gehört schon einiges an Skrupellosigkeit dazu, seine Karriere mit der Forderung und Unterzeichnung von Todesurteilen aufzubauen, aber noch abscheulicher ist es von der SPON Redaktion, solche Leute auch noch zu glorifizieren als Vorbildkarriere. Sicherlich, der UNA-Bomber hat ein abscheuliches Verbrechen begangen aus der eine harte Bestrafung gefordert wurde. Aber allein die Forderung nach der Todesstrafe ist die Fortführung eines grossen Verbrechens mit staatlicher Billigung und nichts weiter als die Weiterentwicklung der Lynchjustiz. Ich hoffe dass diese Dame Nachts Alpträume hat über ihre Skrupellosigkeit die mich an die Vergangenheit von Filbinger und seinen Todesurteilaffäre während der NS-Zeit erinnert. Das es auch ohne Skrupellosigkeit nicht um die Forderung der Todesstrafe geht, beweisen gerade die Norweger im Fall gegen den Massenmörder Breivik vorbildlich, davon könnte die amerikanische Justiz noch sehr viel lernen!
2.
trmro 27.04.2012
Zitat von doytomEs gehört schon einiges an Skrupellosigkeit dazu, seine Karriere mit der Forderung und Unterzeichnung von Todesurteilen aufzubauen, aber noch abscheulicher ist es von der SPON Redaktion, solche Leute auch noch zu glorifizieren als Vorbildkarriere. Sicherlich, der UNA-Bomber hat ein abscheuliches Verbrechen begangen aus der eine harte Bestrafung gefordert wurde. Aber allein die Forderung nach .....
Was für ein naiver Beitrag, wieso skrupellos? Ein Anwalt ist nicht skrupellos, es ist der Klient den er vertritt. Stellen sie sich vor, sie wären beschuldigt worden ein Serienvergewaliger von Zuchtkaninchen zu sein und jeder würde sie ja ach so abscheulich finden. Wollen sie dann nicht das ihr Anwalt ihnen glaubt und sich den Hintern aufreisst um entweder ihre Unschuld zu beweisen oder , falls sie schuldig sind, ihnen ein gerechtes Strafmaß und einen gerechten Prozess zu verschaffen? Und das dann auch noch mit der NS-Zeit in Verbindung bringen, ich hoffe sie sind keine Jurist und falls ja dann seh ich da in Deutschland recht düstere Zeiten auf die Juristerei zukommen.
3.
tentonhammer 27.04.2012
Was erwarten Sie von einem Rechtssystem, das auf dem Wilden Westen beruht? Unser Rechtssystem beruht auf römischem und griechischem Recht, hat jahrtaußende alte Tradition und ging über die besten humanistischen Köpfe der menschlichen Zeitgeschichte. Vergleichen Sie unser Rechtssystem mit einem Supercomputer und das Rechtssystem der Amis mit dem eines Casio Rechners aus den 80er Jahren...
4.
go4it2 27.04.2012
Also ich bin überrascht oder habe ich was verpasst? Das Google, dass amerikanische Internet Kronjuwel in Bedrängnis kommt ist doch überraschend auch wenn die Lage eindeutig ist, da Google eine marktbeherrschende Stellung hat und diese mit Sicherheit missbraucht dennoch hätte ich diesen Schritt nicht erwartet da ich dachte das der Amerikanische Staat eigentlich nicht mehr Existiert .
5.
pömpel 27.04.2012
immer wieder interessant zu lesen, dass in einem Rechtsstaat der Anwalt eine scheinbar größere Rolle spielt als die Richter/Jury oder gar das Gesetz. Hoffentlich ist das in unserm System noch nicht so weit.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Netzpolitik
RSS
alles zum Thema Google
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 10 Kommentare

Marktanteile der Tech-Riesen
Suchmaschinen (Desktop)
Google 75,68%
Baidu 11,95%
Yahoo 5,92%
Bing 4,24%
Stand: Februar 2012, Quelle: Net Applications
Suchmaschinen (Mobil)
Google 88,35%
Yahoo 6,63%
Baidu 3,34%
Bing 1,08%
Stand: Februar 2012, Quelle: Net Applications
Browser (Desktop)
Microsoft Internet Explorer 58,35%
Firefox 23,72%
Chrome (Google) 11,50%
Safari (Apple) 4,15%
*weltweiter Marktanteil, erhoben auf der Webbrowser-Angabe, Stand: Januar 2012, Quelle: Net Applications
Browser (Mobil)
Safari (Apple) 54,03%
Opera Mini 21,42%
Android Browser 12,74%
Symbian 6,89%
*weltweiter Marktanteil, erhoben auf der Webbrowser-Angabe, Stand: Januar 2012, Quelle: Net Applications
Betriebssysteme (Desktop)
Windows 91,92%
Mac 6,92%
Linux 1,16%
*weltweit, erhoben auf der Webbrowser-Angabe zum user-agent Stand: Februar 2012, Quelle: Net Applications
Betriebssysteme (Mobil)
Android (Google) 49,7
iOS (Apple) 30,1
Symbian 6,9
RIM 2,1
Nokia 1,8
andere 9,4
Marktanteil an Smartphone-Betriebsystemen im März 2011 in Deutschland (%). Quelle: InMob Mobile Insights, Basis der Auswertung sind 518,7 Millionen inMobi-Werbeeinblendungen auf Mobilgeräten in Deutschland im März 2011 und 470,3 Millionen Werbeeinblendungen im Januar
Werbung
Umsatz gesamt* Umsatz Google* Anteil Google (in %)
Internet 72,842 36,531 50,15
Magazine 43,122 0
TV 184,29 0
Zeitungen 91,495 0
gesamt 458,385 36,531 7,97
*Werbeumsätze 2011, weltweit in Mrd. Dollar, veröffentlicht von ZenithOptimedia 15. März 2012, Googles Werbeumsatz im Jahr 2011
Webnutzer
Angebot Unique Visitors (Mio.) Ø-Stunden
Webnutzer gesamt 366,8 26,75
Google 333,4 3.,14
Microsoft 270,8 3,22
Facebook 240,0 5,43
Wikimedia 161,3 0,22
Yahoo 141,0 1,23
eBay 107,6 0,99
Amazon 91,4 0,27
Top 30 Online Portale in Europa nach Gesamtzahl der Unique Visitors. Mai 2011, Internetnutzer in Europa, Alter 15+, Zuhause und am Arbeitsplatz; Quelle: comScore Media Metrix


Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon kaufen.