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Steuerpläne und Kartellprüfung: Sarkozy greift Google an

Ungewöhnlicher Vorstoß aus Frankreich: Präsident Sarkozy will seine Kartellwächter auf Google ansetzen. Sie sollen ermitteln, ob der Konzern eine marktbeherrschende Stellung bei Online-Werbung hat. Außerdem will er eine Google-Steuer prüfen lassen - das hatte eine Regierungskommission vorgeschlagen.

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AFP

Nicolas Sarkozy: Steuer für Internetsuchmaschinen?

Paris - Nicolas Sarkozy hat Kartelluntersuchungen gegen Google gefordert. Die nationale Wettbewerbsbehörde solle ermitteln, ob der Internetriese eine marktbeherrschende Stellung im Bereich Online-Werbung innehabe, sagte der französische Präsident am Donnerstag. Außerdem solle das Finanzministerium prüfen, ob in Frankreich die Einnahmen großer Suchmaschinen aus dem Geschäft mit Online-Werbung besteuert werden könnten: "Derzeit müssen diese Unternehmen in den Ländern Steuern zahlen, in dem sie ihren Hauptsitz haben, obwohl sie einen großen Teil unseres Werbemarktes bilden."

Sarkozy folgte damit den Plänen einer sogenannten Google-Steuer, die zuvor am Donnerstag bekannt geworden waren. Ein Expertenausschuss schlug die Abgabe auf Online-Werbung in einem Bericht vor, der Kulturminister Frédéric Mitterrand am Mittwochabend übergeben wurde - den Begriff "Google-Steuer" verwenden die Kommissionsmitglieder selbst. Sie solle dazu dienen, legale Angebote im Netz über Internetwerbung zu finanzieren.

Frankreich hatte jüngst beschlossen, Internetangebote mit millionenschweren Subventionen zu fördern. Dabei sind neben Hilfen für die Web-Auftritte von Presse- und Medienhäusern auch Unterstützungen für Anbieter von onlinevertriebener Musik und Filmen sowie elektronischen Büchern geplant. In diesem Jahr braucht das Ministerium dafür rund 50 Millionen Euro, für 2011 und 2012 sind jeweils zwischen 35 und 40 Millionen Euro vorgesehen. Allein die französischen Online-Medien sollen insgesamt 60 Millionen Euro bekommen. Die gesamte französische Presse kann in diesem Jahr mit Hilfszahlungen von 900 Millionen Euro rechnen.

Wie die von der Beraterrunde vorgeschlagene Steuer konkret aussehen soll, war bislang nicht zu erfahren. Es geht aber offenbar um eine Abgabe für Unternehmen, die mit Online-Werbung Geld verdienen. Den Plänen zufolge würde die neue Steuer Firmen auch dann betreffen, wenn sie in Frankreich keine Niederlassung unterhalten. Laut der Zeitung "Liberation" käme es ausschließlich darauf an, dass "der Benutzer, der auf eine Bannerwerbung oder eine Textanzeige klickt, sich in Frankreich befindet".

"Bereicherung ohne Grenzen oder Gegenleistung"

Über 40 Prozent aller weltweit erzielten Online-Werbeeinnahmen erzielt der Suchmaschinenkonzern Google Chart zeigen (siehe Tabelle in der linken Spalte), vor allem mit Textanzeigen auf der Suchseite selbst und mit seinem Anzeigen-Programm AdSense, mit dem auch andere Seitenbetreiber, etwa Blogger, ihre Seiten einfach mit Werbung bestücken können.

Von der nun erwogenen Steuer wäre nicht nur der Marktführer betroffen, sondern auch Konkurrenten wie Microsoft Chart zeigen und Yahoo Chart zeigen. Unklar ist, ob außer Suchmaschinen auch andere Firmen, die im Netz Werbung zeigen, zahlen sollen, etwa Verlagsangebote. Das Einziehen von Werbe-Steuern von allen in Frankreich verfügbaren werbefinanzierten Internet-Angeboten wäre jedenfalls eine Herkulesaufgabe.

Die Tageszeitung "Liberation" zitiert einen der Autoren des Vorschlags mit den Worten, die Regelung könne der "Bereicherung ohne Grenzen oder Gegenleistung" durch die Web-Konzerne ein Ende setzen. Gesagt haben soll das Guillaume Cerutti, der Chef des französischen Ablegers des Auktionshauses Sothebys und ein Mitglied der von der Regierung eingesetzten Kommission. Neben ihm sitzen auch Jacques Toubon, ein ehemaliger Minister, und Patrick Zelnik, ehemals Manager in der Musikbranche in dem Gremium. Zelnik hat Reuters zufolge unter anderem die Musik der Präsidentengattin Carla Bruni-Sarkozy produziert.

Sarkozy, Frankreichs starker Mann im Internet?

Betreibern von Suchmaschinen und Aggregatoren wird immer wieder vorgeworfen, sie profitierten von den Inhalten, die andere Unternehmen erstellten. Das Gegenargument lautet stets: Die Suchmaschine bringt Internetangeboten ja neue Kundschaft - und der kann man dann Werbung zeigen oder sie gar zum Geldausgeben überreden.

Frankreich hat sich in den vergangenen Monaten immer wieder durch ungewöhnliche Ansätze hervorgetan, um den Problemen zu begegnen, die diversen Branchen durch das Internet entstehen. Ein neues Gesetz gegen illegale Musik- und Filmdownloads sieht vor, dass Nutzer, die wiederholt dabei erwischt werden, mit dem Entzug ihres Internetzugangs bestraft werden. Präsident Sarkozy gibt sich gern als Verteidiger der kulturellen Identität seines Landes in Zeiten der digitalen Globalisierung. Erst kürzlich rief er dazu auf, Konkurrenzprojekte zu Googles Online-Bibliothek Google Books zu unterstützen.

In diesem Punkt ist sich Sarkozy mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einig. Die Bundesregierung hat kürzlich erst bekräftigt, man brauche eine deutsche Digitalbibliothek - die ganz explizit eine Alternative zu Google Books sein soll.

Die schwarz-gelbe Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag auch Maßnahmen angekündigt, um der deutschen Medienlandschaft in Zeiten des Medienwandels zu helfen. Ein sogenanntes Leistungsschutzrecht für Verlage soll es ermöglichen, einfacher und möglicherweise auch auf völlig neue Weise Kompensation für die Nutzung von Inhalten im Netz zu erlangen. Gedacht ist das Leistungsschutzrecht als Basis für eine Art Online-Gema - die dann für die Benutzung von Texten oder anderen Inhalten im Netz auf ähnliche Weise Gebühren erheben könnte wie die Gema das für im Radio oder live gespielte Songs tut. Die würden dann allerdings nicht vom Staat eingezogen, sondern von einer noch zu gründenden Verwertungsgesellschaft.

cis/AFP/Reuters

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 35 Beiträge
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1. die spinnen
aintnostyle 07.01.2010
"die Regelung könne der "Bereicherung ohne Grenzen oder Gegenleistung" durch die Web-Konzerne ein Ende setzen" wie auch immer. die gegenleistung ist das sich seiten die sonst kein mensch aufsuchenwürde weil niemand davon wüsste hohe besuchzahlen haben. desweiteren ist die erbrachte gegenleistung googles z.B. werbung (wenn man dafür adwords oder was auch immer bezahlt). wie im echten leben gell? ich bezahle für eigenwerbung und die gegenleistung (die im überigen nciht versprochenwerden kann) ist dann das kaufinteresse der evtl. erreichten kunden. desweiteren denke ich nciht das man jemanden besteuern kann/sollte der NICHT im eigenen land ansässig ist. eine internetseite ist keine nationale vertretung
2. Unsinn
überrationell 07.01.2010
Was ist denn das für ein himmelschreiender Unsinn? Wo liegt denn die ungezügelte, unrechte Bereicherung wenn Google auf Seiten, die das explizit wollen und dafür entsprechend entlohnt werden, Werbung anbietet? Wenn Google per Google News und Google Suche überhaupt erst dafür sorgt, dass irgendjemand die Seiten von Verlagen und anderen besucht und dafür nicht einmal den Einsatz von AdSense auf den entsprechenden Seiten voraussetzt? Ohne die Impressions von Google wären 90% der Verlagsseiten einsame Inseln, mit Links haben die es schließlich alle nicht.
3. versager an die macht !
deccpqcc 07.01.2010
Zitat von sysopEine Kommission der französischen Regierung schlägt eine "Google-Steuer" vor. Demnach müssten Unternehmen, die an Online-Werbung verdienen, künftig eine Abgabe entrichten - egal, ob sie in Frankreich ansässig sind oder nicht. Frankreich unterstützt die eigene Verlagsbranche mit Abermillionen Euro. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,670598,00.html
so ist es richtig. selbst keine ideen und nicht in der lage etwas im net auf die beine zu stellen ? gegen diese ungerechtigkeit muss dringend etwas getan werden ! her mit der innovations-und erfolgs-steuer !
4. Wie soll das funktionieren?
John.Moredread 07.01.2010
Wie zum Geier soll das funktionieren? Sagen wir mal, ich schalte Werbung auf meiner Seite, die ich in Deutschland als deutscher Unternehmer hoste. Zudem übersetze ich mein Angebot ins französische. Jetzt kommen natürlich Franzosen auf meine Webseite und klicken auch auf die dort sichtbare Werbung. So weit, so nachvollziehbar. Kriege ich dann einen Brief vom französischen Finanzamt? Und was hindert mich daran, einfach nur darüber zu lachen? Ein anderes Beispiel wären Webseiten aus dem französischen Teil von Kanada. Was interessiert es die dort ansässigen Unternehmen, das Frankreich eine Steuer erhebt? Sehr mysteriös...
5. Na super
franklinber, 07.01.2010
also ich finde, es sollte eine Steuer auf Atemluft geben, denn wie können sich diese bösen Menschen auf Kosten der Atemluft nur so Bereichern, wie auch immer. Und neben bei bemerkt, wenn die Preise für Online Werbung steigen geht der gesamte Umsatz zurück, denn diese Preise sind ja keine fiktiven Preise, sondern werden durch den Markt bestimmt, wenn jetzt ein gieriger Staat mitkassieren will, dann wird der Umsatz enorm zurückgehen. Außerdem, siz Google in Irland und wird entsprechend der EU Regelung Besteuert (Umsatzsteuer).
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Web-Konzern: Alles, was Sie über Google wissen müssen

Googles Geschichte
1995 - When Larry met Sergey
Angeblich konnten Larry Page und Sergey Brin einander erst einmal nicht besonders gut leiden, als sie sich im Jahr 1995 zum ersten Mal trafen. Der 24-jährige Brin war übers Wochenende in Stanford zu Besuch, der 23-jährige Page gehörte angeblich zu einer Gruppe von Studenten, die Besucher herumführen mussten. Der Legende nach stritten Brin und Page ununterbrochen miteinander.
1996 - Es begann mit einer Rückenmassage
Die erste Suchmaschine, die Page und Brin gemeinsam entwickelten, hatte den Arbeitstitel "BackRub" (Rückenmassage), weil sie im Gegensatz zu anderen zu dieser Zeit eingesetzten Suchtechniken auch "Backlinks" berücksichtigte, also Links, die auf die entsprechende Web-Seite verwiesen.
1998 - Finanzierung
Nachdem die Versuche gescheitert waren, die eigene Entwicklung an ein Unternehmen wie Yahoo zu verkaufen, entschlossen sich Brin und Page entgegen ihren ursprünglichen Plänen, selbst ein Unternehmen zu gründen. Der Legende nach bekamen sie von Andy Bechtolsheim, einem der Gründer von Sun Microsystems, einen Scheck über 100.000 Dollar - ausgestellt auf Google Inc., obwohl ein Unternehmen dieses Namens zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht existierte. Insgesamt brachten die beiden eine Anfangsfinanzierung von knapp einer Million Dollar zusammen - was reichte, um in der Garage eines Freundes in Menlo Park, Kalifornien, ein Büro einzurichten und einen Angestellten zu engagieren. Im September wurde das mit einer Waschmaschine und einem Trockner ausgestattete Büro eröffnet - was heute als offizielle Geburtsstunde von Google betrachtet wird.
1999 - Mehr Geld und ein neues Heim
Schon im Februar 1999 zog das rasant wachsende Unternehmen in ein richtiges Bürogebäude um. Inzwischen hatte es acht Mitarbeiter. Erste Firmenkunden bezahlten Geld für Googles Dienste. Am 7. Juni wurde eine zweite Finanzierungsrunde verkündet: Die Wagniskapitalgeber Sequoia Capital und Kleiner Perkins Caufield & Byers schossen insgesamt 25 Millionen Dollar zu. Noch im gleichen Jahr bezog das Unternehmen den "Googleplex", den Kern des heutigen Hauptquartiers in Mountain View, Kalifornien.
2000 - AdWords
Das Jahr 2000 muss als jenes gelten, in dem Google tatsächlich zu dem gemacht wurde, was es heute ist: dem mächtigsten Werbe-Vermarkter im Internet. Der Start eines "Schlüsselwort-gesteuerten Werbe-Programms" schuf die Basis für den gewaltigen kommerziellen Erfolg von Google. Man benutze "ein proprietäres Anzeigen-Verteilungssystem, um eine der Suchanfrage eines Nutzers sorgfältig angepasste Werbeanzeige beizugeben", erklärt die Pressemitteilung von damals das Prinzip. Die Anzeigen konnten online auf sehr einfache Weise eingekauft werden - AdWords war geboren und brachte sofort Geld ein. Noch heute ist die Vermarktung der Textanzeigen auf der Suchseite die zentrale Säule des Google-Imperiums, die den Löwenanteil aller Umsätze ausmacht. Parallel wurden im Jahr 2000 neue Kunden gewonnen, die Google-Suche in ihre Angebote integrierten, darunter Web-Seiten aus China und Japan. Im gleichen Jahr wurde auch die Google Toolbar veröffentlicht, die es erlaubte, mit Google das Netz zu durchsuchen, ohne auf die Google-Web-Seite zu gehen.
2001 - Profit und ein neuer Eric Schmidt
Schon im Jahr 2001 machte Google Profit - was man von den meisten anderen Start-ups, die zu dieser Zeit noch die Phantasien der Börsenmakler beflügelten, nicht behaupten konnte. Um den Anforderungen eines rasant wachsenden Unternehmens gerecht zu werden, wurde Eric Schmidt, der zuvor schon führende Positionen in Firmen wie Novell und Sun Microsystems innegehabt hatte, im August 2001 zum Chief Executive Officer Googles ernannt.
2002 - Corporate Search, Google News, Froogle
Seit 2002 verkauft Google auch Hardware - Such-Lösungen für die Intranets von Unternehmen. Im September des Jahres wurde die Beta-Version von Google News livegeschaltet, dem Nachrichten-Aggregator, der bis heute für zuweilen böses Blut zwischen Zeitungen, Nachrichtenagenturen und den Suchmaschinisten sorgt. Ein Algorithmus sammelt Schlagzeilen und Bilder und komponiert daraus nach bestimmten Kriterien eine Übersichtsseite. Im Dezember startete zudem Froogle, eine mäßig erfolgreiche Produkt-Suchmaschine. Heute heißt Froogle schlicht Google Product Search.
2003 - AdSense und Blogger
AdSense ist die zweite wichtige Säule im Google-Anzeigenimperium. Im Jahr 2003 wurde der Dienst vorgestellt, der den Text auf Web-Seiten analysiert und daneben passende Werbeanzeigen platzieren soll. Das System bietet auch Betreibern kleiner Web-Seiten die Möglichkeit, ihre Angebote zu monetarisieren - die Einkünfte werden zwischen Seiteninhaber und Google aufgeteilt. Im gleichen Jahr kaufte Google Blogger, einen großen Blog-Hoster.
2004 - Picasa, Googlemail, Bücher und ein Börsengang
Der Start des E-Mail-Dienstes Googlemail (in den USA Gmail) wurde am 1. April verkündet, mitsamt der Nachricht, dass die Nutzer ein Gigabyte Speicherplatz zur Verfügung haben würden. Es wurde schnell klar, dass es sich nicht um einen Scherz handelte - und dass Google daran selbstverständlich verdienen will. AdSense wurde von Anfang an eingesetzt, um E-Mails nach Schlüsselwörtern zu durchsuchen und mehr oder minder passende Reklame daneben einzublenden. Im Juli kaufte Google Picasa, ein Unternehmen, das sich auf die digitale Fotoverwaltung spezialisiert hatte. Heute ist Picasa ein On- und Offline-Angebot - Googles Antwort auf Flickr.

Am 19. April konnte man Google-Aktien an der Technologiebörse Nasdaq erstmals kaufen. Eine Aktie kostete 85 Dollar. Heute ist sie knapp fünfmal so viel wert. Mit dem vielen neuen Geld stieß Google noch im gleichen Jahr verschiedene Projekte an - unter anderem Google Print: Mit den Universitäten Harvard, Stanford, University of Michigan, University of Oxford und der New York Public Library kam man überein, Bücher zu scannen, zu digitalisieren und online durchsuchbar zu machen. Im darauffolgenden Jahr wurde Google Print in "Book Search" umbenannt. Inzwischen sind zahlreiche andere Bibliotheken mit im Boot - auch deutsche.
2005 - Google Maps und Google Earth
Im Jahr 2005 kam die Google-Maschinerie richtig in Schwung. In rasantem Tempo veröffentlichte das Unternehmen, das bis zum dritten Quartal auf fast 5000 Mitarbeiter angewachsen war, eine Anwendung nach der anderen. Die im Rückblick wohl wichtigste: Google Maps, der Kartendienst, der die Welt geografisch durchsuchbar machen sollte, und sogleich mit der bis dahin nur mäßig erfolgreichen lokalen Suche Google Local verschmolz. Die im Jahr zuvor angekaufte Satellitenkapazität kam nun zum Einsatz: Sie bot die heute beinahe selbstverständliche Möglichkeit, Satellitenfotos statt abstrakter Karten anzusehen. Später im Jahr kam auch noch die Desktop-Software Google Earth, Googles Digitalglobus. Außerdem starteten: die "personalisierte Homepage", die heute iGoogle heißt, Googles Video- und Fotosuche, die Voice-over-IP und Instant-Messaging-Lösung Google Talk, der bis heute ziemlich glücklose Kleinanzeigendienst Google Base, ein eigener RSS-Reader. Und: Google kaufte das Unternehem Urchin und verwandelte dessen Webtraffic-Analysemethoden in sein Angebot Google Analytics. Damit bot das Unternehmen nun erstmals die vollständige Dienst-Palette einer Netz-Mediaagentur, eines Online-Werbevermarkters.

Die Geschäfte liefen auch 2005 hervorragend für Google - so gut, dass man eine Partnerschaft mit dem strauchelnden Online-Dinosaurier AOL verkünden und eine Millarde Dollar in das Unternehmen investieren konnte.
2006 - Google Video, Web-Applikationen , YouTube - und Kritik
Anfang des Jahres stellte Larry Page bei einem Vortrag bei der Consumer Electronics Show in Las Vegas Google Video vor - und Google Pack, einen ersten, offenkundigen Angriff auf Microsoft, denn das Software-Paket enthielt diverse Anwendungen, die als Konkurrenzprodukte zu Microsofts Angebot gelten können. Gegründet wurde die Wohltätigkeitsorganisation Google.org, an den Start gingen außerdem der Finanzinformationsdienst Google Finance und die Paypal-Konkurrenz Google Checkout. Vor allem aber ist 2006 das Jahr, in dem man bei Google ernsthaft damit begann, Office-Anwendungen ins Web zu verlegen. Neben dem Google-Kalender wurde am Jahresende auch Google Docs & Spreadsheets livegeschaltet. Zuvor hatte Google Upstartle gekauft, ein Unternehmen, das bis dahin das Online-Textverarbeitungsprogramm Writely hergestellt hatte - nur eine von mehreren Akquisitionen. Auch SketchUp (3-D-Gebilde für Google Earth) und die Wiki-Plattform JotSpot wurden 2006 ins Google-Reich integriert.

Der prominenteste Ankauf des Jahres war jedoch YouTube: Google zahlte 1,65 Milliarden Dollar für die Videoplattform und holte sich so Konkurrenz zum eigenen, eben erst gestarteten Videoangebot ins Haus. Zudem wurde eine Werbe- und Suchpartnerschaft mit dem eben von Rupert Murdoch aufgekauften MySpace verkündet: Google stieg endlich ernsthaft ins Geschäft mit dem Web 2.0 ein.

Parallel verlor Google in den Augen vieler Nutzer seine Unschuld: mit dem Start einer eigenen Suchmaschine für China, die sich den Zensurwünschen der dortigen Regierung beugt. Eine Tibet-Unterstützergruppe rief eine Initiative namens "No love 4 Google" ins Leben - und fasste damit einen globalen Meinungsumschwung zusammen. Der Engelsglanz des vermeintlich anderen, besseren Unternehmens, den Google lange hatte aufrechterhalten können, schwand nach und nach.

Ende 2006 hat Google mehr als 10.600 Angestellte.
2007 - Googlemail für alle, DoubleClick, Streetview und Android
Im Februar wird Googles E-Mail-Dienst für alle geöffnet - bis dahin brauchte man eine Einladung, um seine E-Mails von AdSense nach Schlüsselwörtern durchsuchen zu lassen.

Vor allem aber ging Google 2007 auf Einkaufstour - in seinem Kerngeschäftsbereich, der Online-Werbung. Zunächst wurde Adscape, ein Spezialist für Werbung in Computerspielen, aufgekauft, dann DoubleClick. Über drei Milliarden Dollar ließ man sich den Online-Anzeigenvermarkter kosten - und eine Menge Ärger. Erst im März 2008 segnete die EU-Kommission den Kauf ab. Datenschützer sehen Google seit der DoubleClick-Akquisition noch kritischer, denn das Unternehmen ist nicht zuletzt darauf spezialisiert, möglichst gründlich Nutzerdaten zu sammeln, um personalisierte Werbung servieren zu können.

Außerdem schickte Google 2007 seine Foto-Autos los: Für die Maps-Erweiterung Streetview fuhren die Kamera-Mobile zunächst durch US-Großstädte - im Jahr 2008 sind sie auch in Deutschland unterwegs.

Außerdem beginnt Google verstärkt, Fühler in Richtung der alten Medienwelt auszustrecken - es gibt Testläufe für Werbevermarktung im Radio, in Print-Publikationen und im traditionellen Fernsehen.

Schon seit Jahren hatte Google verschiedene seiner Dienste in speziellen Handy-kompatiblen Versionen angeboten - Ende 2007 kam dann der ganz große Schritt in die mobile Welt: Das Handy-Betriebssystem Android wurde angekündigt, ein Open-Source-Projekt in Zusammenarbeit mit vielen Telekommunikationsanbietern und Handy-Herstellern.

Ein weiteres Open-Source-Projekt soll Google den Zugriff auf das Vermarktungspotential der Social Networks erleichtern: Die Plattform OpenSocial soll Netzwerkapplikationen transportabel machen, so dass sie bei MySpace genauso laufen können wie bei Xing. Die meisten der großen Communitys sind OpenSocial beigetreten - bis auf Facebook.
2008 - Knol, Chrome und kein Ende
Im laut offizieller Zeitrechnung zehnten Jahr seiner Existenz lässt die Suchmaschine im Tempo nicht nach. 2008 wurden eine kollaborative Wissensplattform (Knol), eine 3-D-Chatanwendung (Lively), Straßenansichten für noch mehr Großstädte - und ein eigener Google-Browser gestartet.

Gleichzeitig wächst die Kritik am Suchmaschinengiganten. Die immer neuen Projekte scheinen vielen Nutzern und Datenschützern inzwischen Ausdruck eines gewaltigen Datenhungers - sowohl auf persönliche Informationen über die Nutzer als auch auf nahezu jede beliebige Art von Information, die dem gewaltigen Weltarchiv Google einverleibt werden könnte. Der Google Leitspruch "Don't be evil" hat für manche inzwischen einen hohlen Klang, und die Missionserklärung, man wolle "alle Information der Welt organisieren", klingt zuweilen eher wie eine Drohung.
Google News und sein Erfinder
Krishna Bharat
Der Informatiker Krishna Bharat wurde bei Bangalore geboren, studierte Informatik am Institute of Technology Madras und schrieb eine Doktorarbeit am Georgia Institute of Technology. Er arbeitet seit 1999 bei Google, entwickelte Google News und leitet ein Google-Forschungszentrum in Bangalore. Nachrichten verfolgt er im Büro über Google News, abonniert hat er die "New York Times" ("nur die Wochenendausgaben, wir haben gemerkt, dass wir die Zeitung werktags kaum lesen") sowie "Economist", "New Yorker" und "Atlantic Monthly" ("Ich lese im Büro in Pausen in älteren Ausgaben und entdecke tolle Geschichten, die nicht altern, weil sie exklusiv sind"). Mit der Familie blättert er am Wochenende das Gratis-Lokalblatt "Palo Alto Daily News" durch ("Wir schauen uns an, was los ist – eine soziale Sache, das würde online so nicht funktionieren").
Google News
2002 als englischsprachiger Nachrichten-Sammler gestartet, erscheint Google News heute in 29 Sprachen und wertet mehr als 25.000 Online-Medien aus – davon 5000 in englischer Sprache. In Deutschland erreichte Google News im Mai 2009 laut Nielsen Netratings 2,8 Millionen Unique User. Zum Vergleich: SPIEGEL ONLINE hatte laut den AGOF internet facts in einem durchschnittlichen Monat 5,77 Millionen Unique User. Google gibt an, jeden Monat eine Milliarde Klicks auf die Web-Seiten von Zeitungsverlagen zu leiten.

Niemand muss seine Inhalte von Google analysieren lassen. Bei Google News kann man seine Nachrichtenseite per Web-Formular ausschließen lassen, vor einer Analyse durch Suchmaschinen schützt die Zeile im HTML-Quelltext.


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