Straßenfotodienst Streetside Microsoft erlaubt nun doch Vorab-Widerspruch

Für seinen Straßenfoto-Dienst Bing Maps Streetside lässt Microsoft Straßenzüge in Deutschland fotografieren - eigentlich sollten besorgte Hausbesitzer erst nachträglich eine Verpixelung der Bilder beantragen können. Nun gibt der Konzern den Datenschützern nach.

Kamera auf einem Streetside-Fahrzeug: Widersprüchliche Widerspruchs-Pläne
DPA

Kamera auf einem Streetside-Fahrzeug: Widersprüchliche Widerspruchs-Pläne


Hamburg - Microsoft schickt Kamera-Autos durch Deutschland, um Straßenzüge zu fotografieren. Ursprünglich sollten Hausbesitzer, die damit nicht einverstanden sind, erst nachträglich eine Verpixelung ihrer Hausfassade erreichen können. Dann entschied sich der Konzern um, ein Vorab-Widerspruch sollte angeboten werden - dann wieder doch nicht. Am Donnerstag nun die nächste Kehrtwende.

Damit solle der gesellschaftlichen Diskussion um die Geodatendienste Rechnung getragen werden, teilte Microsoft am Donnerstag mit. Ähnlich wie bei Googles Kartendienst Street View hatten Datenschützer angemahnt, dass die Nutzer auch vorab eine Möglichkeit haben müssten, Widerspruch gegen die Veröffentlichung von Aufnahmen ihrer Hausfassaden und Wohnungen einzulegen.

"Wir sind bereit, auf die Datenschützer zuzugehen", sagte Ralph Haupter, Chef von Microsoft Deutschland. Eine politische Regelung sei jedoch dringend notwendig. Microsoft halte den Geodatenkodex inklusive der Selbstverpflichtungserklärung der Industrie für einen wesentlichen Maßstab. Das Unternehmen hatte bereits darauf verwiesen, dass eine Vorab-Widerspruchsfrist sehr aufwendig sei und sie die Erhebung einer großen Menge Daten erfordere. "Wir wollen die Bedenken aber ernst nehmen", sagte Haupter.

Vor wenigen Wochen hatte Microsoft damit begonnen, die Straßen in deutschen Städten für den Geodatendienst zu befahren und Aufnahmen zu machen. Nach der Debatte um den Kartendienst des Konkurrenten Google hatte sich Microsoft bewusst mit dem Start seines eigenen Angebots Zeit gelassen. "Wir hatten bereits zwölf Monate gewartet, weil wir es besser machen wollen und die Interessen der Verbraucher und Datenschützer ernst nehmen", sagte Haupter. In Microsofts Streetside können Nutzer auch unmittelbar nach der Einstellung der Panoramaaufnahmen jederzeit der Veröffentlichung widersprechen.

Nochmal fürs Protokoll - das Einspruchs-Hin-und-Her:

ore/dpa



insgesamt 4 Beiträge
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csar 09.06.2011
1. titulum delendam est
Interessant wird auf alle Fälle der Vergleich Google vs. Microsoft - Wo ist wer verpixelt Ich bin sehr gespannt ob entweder Google den Preis für "etwas Neues, erstmal dagegen" bezahlt hat oder ob MS wegen gesteigerter Sensibilität noch höhere Verpixelungsraten haben wird. Ich hoffe auf ersteres, ansonsten sehe ich etwas Schwarz für die Zukunft Deutschlands als Technologiestandort
cybbi 09.06.2011
2. Microsoft und Datenschutz
Zitat von csarInteressant wird auf alle Fälle der Vergleich Google vs. Microsoft - Wo ist wer verpixelt Ich bin sehr gespannt ob entweder Google den Preis für "etwas Neues, erstmal dagegen" bezahlt hat oder ob MS wegen gesteigerter Sensibilität noch höhere Verpixelungsraten haben wird. Ich hoffe auf ersteres, ansonsten sehe ich etwas Schwarz für die Zukunft Deutschlands als Technologiestandort
Ohje.. ich sehe ehrlich gesagt bei beiden schwarz... Ich hoffe sehr für Microsoft, dass sich die ganze Aufregung gelegt hat, weil die Leute jetzt endlich merken, dass das alles nicht so schlimm ist wie es von manchen "Datenschützern" behauptet wurde.
surfer541 09.06.2011
3. Datenschutz ?
Datenschutz sollte ja wohl so aufgefasst werden, dass nicht jeder Hinz und Kunz an meinen Daten rumfummeln darf. Deshalb ist mindestens genauso wichtig, wie das Recht auf Verpixelung das Recht des Eigentümers, dass sein Gebäude, auf das er vielleicht stolz ist, dargestellt wird und nicht aus einer Laune oder Unwissenheit von irgendeinem scheinbar Betroffenen auf immer und ewig gelöscht wird. Das ganze Verfahren zeigt nur wieder, dass diejenigen, die die Gesetze und Verordnungen machen nicht wirklich Lust haben, sich über die Folgen ernsthaft Gedanken zumachen, sondern lieber gerade politisch gewollte Entscheidungen treffen. Wenn die mit ihren Kindern an die Supermarktkasse gehen und das Kind schreit nach Schokolade stopfen die das Kind bestimmt auch bis oben mit Schokolade voll ... Bauchschmerzen hinterher ... da kann sich dann jemand anderes drum kümmern!
Phallus_Dei 10.06.2011
4. .
Zitat von surfer541Datenschutz sollte ja wohl so aufgefasst werden, dass nicht jeder Hinz und Kunz an meinen Daten rumfummeln darf. Deshalb ist mindestens genauso wichtig, wie das Recht auf Verpixelung das Recht des Eigentümers, dass sein Gebäude, auf das er vielleicht stolz ist, dargestellt wird und nicht aus einer Laune oder Unwissenheit von irgendeinem scheinbar Betroffenen auf immer und ewig gelöscht wird. Das ganze Verfahren zeigt nur wieder, dass diejenigen, die die Gesetze und Verordnungen machen nicht wirklich Lust haben, sich über die Folgen ernsthaft Gedanken zumachen, sondern lieber gerade politisch gewollte Entscheidungen treffen. Wenn die mit ihren Kindern an die Supermarktkasse gehen und das Kind schreit nach Schokolade stopfen die das Kind bestimmt auch bis oben mit Schokolade voll ... Bauchschmerzen hinterher ... da kann sich dann jemand anderes drum kümmern!
Häuser, die weder bei Streetview noch bei Streetside auftauchen, sollten einfach abgerissen und die Grundstücke der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden. Die Besitzer sollten als Entschädigung natürlich mindestens eine kostenlose Ganzkörperverpixelung erhalten.
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