Streaming-Dienst Simfy Firma reicht Kartellbeschwerde gegen Apple ein

Der deutsche Musik-Streaming-Dienst Simfy fühlt sich von Apple ungerecht behandelt. Seit Monaten wartet man auf die Zulassung für die eigene iPad-App - kurz bevor Apple womöglich einen ähnlichen eigenen Dienst startet. Nun reicht Simfy eine Kartellbeschwerde ein.

Simfy: Streaming-Dienst-Betreiber fühlt sich von Apple unfair behandelt

Simfy: Streaming-Dienst-Betreiber fühlt sich von Apple unfair behandelt


Hamburg - Bei der eigenen iPhone-App hätte die Zulassung im vergangenen Frühjahr nur eine Woche in Anspruch genommen, erklärte Simfy-Sprecher Marcus von Husen. Auf die Zulassung der iPad-App warte man nun aber bereits dreizehn Wochen. Simfy bietet über seine Website aktuelle Musikstücke im Stream an, für Tablets und Smartphones wurden spezielle Apps entwickelt.

Natürlich seien iPad-Apps "etwas komplexer", aber die Verzögerung erscheine nun doch sehr lang, zumal es auch auf Nachfragen keinerlei Rückmeldung von Apple über den Zulassungsprozess gebe. Bei der hauseigenen iPhone-App habe es im Mai 2010 "keinerlei Schwierigkeiten" gegeben, sagt von Husen. Was er nicht sagt, ist: Damals stand Apple auch nicht kurz davor, ein Konkurrenzprodukt auf den Markt zu bringen.

Das aber dürfte die Argumentationslinie sein, auf der die nun beim Bundeskartellamt eingereichte Beschwerde fußt: Bremst Apple die Zulassung von Apps potentieller Konkurrenten gezielt aus? Man ärgere sich, dass die eigene App "über Monate hinweg anscheinend gezielt blockiert" werde, so Simfy-Chef Gerrit Schumann. Allerdings läuft auch die Simfy-iPhone-App auf dem iPad. Ausgesperrt ist der Dienst von Apples Tablet also nicht wirklich, die Nutzer müssen sich nur mit der fürs Telefon optimierten Benutzeroberfläche zufriedengeben.

Apple wird bei einer Entwicklerkonferenz am Montagabend aller Wahrscheinlichkeit nach einen eigenen Musik-Streaming-Dienst vorstellen. Der Konzern hat bereits einen Netzspeicher namens iCloud angekündigt, für die Präsentation am Abend deutscher Zeit wird erwartet, dass dieser Online-Speicher auch zum Musikreservoir gemacht wird. Amazon und Google bieten ähnliche Dienste bereits an, wenn auch mit Einschränkungen: Dort muss jeder Titel, den ein Nutzer sich per Stream anhören will, vorher hochgeladen worden sein.

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Apple-Konferenz: Neues MacOS, iCloud und mehr
Apple könnte sich das dank guter Beziehungen zu den Plattenfirmen vermutlich sparen. Schließlich weiß iTunes schon, welche Songs ein Nutzer besitzt. Apple könnte die entsprechenden Stücke dann aus der Wolke streamen, ohne dass vorher etwas eigens hochgeladen werden muss.

Acht Millionen Songs

Simfy bietet, ähnlich wie der aus Schweden stammende Dienst Spotify, etwas Ähnliches an, allerdings völlig ohne den Umweg über die eigene, stationäre Musiksammlung. Diese Dienste bieten Musik-Streaming auf Abruf, spielen Songs nach Wunsch. Beide Unternehmen bieten werbefinanzierte und mit Einschränkungen versehene kostenlose sowie werbefreie und erweiterte gebührenpflichtige Abo-Dienste an.

Eine kostenpflichtige Simfy-Mitgliedschaft schlägt mit 9,99 Euro im Monat zu Buche. Dafür kann der Nutzer Musik auf seinen Rechner ebenso streamen wie auf ein Smartphone, auf dem die entsprechende App läuft, ohne Werbung drumherum. Simfy hat eigenen Angaben zufolge Verträge mit allen großen Musiklabels und vielen Independent-Labels. Insgesamt könne man seinen Nutzern derzeit Zugriff auf etwa acht Millionen Musikstücke bieten, sagt von Husen.

Simfy gibt es bislang nur für den deutschsprachigen Raum, eigenen Angaben zufolge hat der Dienst eine Million registrierte Nutzer. Eine Expansion "ins europäische Ausland" ist geplant. Wie viele der Nutzer auch zahlende Nutzer sind, verrät das Unternehmen derzeit nicht. Profitabel sei Simfy derzeit noch nicht.

cis

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insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
Oberleerer 06.06.2011
1. .
Schon blöd das. So wie Rockefeller die Petroleumlampen verschenkt um Petroleum zu verkaufen, bringt Apple die Unterhaltungsgeräte unter die Leute, um Unterhaltung zu verkaufen. Der Unterschied ist eben,daß Apple seine Geräte so gut vermarkten kann, dass sie die ganze Welt haben will. Das die da keine Konkurrenz ranlassen wollen ist ja wohl klar. Da kann ich auch anfangen Benzin verkaufen zu wollen und Aral verklagen, dass sie mir die Tankstellen nicht zur Verfügung stellen.
chewie1337 06.06.2011
2. Gibt es schon längst kostenlos...
Streaming übers Internet ist dank schneller Internetverbindungen ja oft kein Problem mehr, aber sowas gibt es schon längst zum selber machen: Subsonic! http://www.subsonic.org/pages/index.jsp Klar, installieren muss man es alleine, aber das ist ruck zuck erledigt - ich höre dank der grandiosen Android-App nur noch ausschließlich über Subsonic meine Musik gestreamt auf mein HTC Desire und habe meinen Mp3-Player eingemottet. Kostenlos ist das Ganze auch noch, wenn man vom Stromverbrauch für den Homeserver absieht, aber dafür kann ich neben Musik auch Filme auf meinem Handy, Laptop und überhaupt jedem PC mit Internetanschluss genießen...
Walter Sobchak 06.06.2011
3. Bitte geben Sie einen Titel für den Beitrag an!
Einfach nix fuer Apple produzieren und das Problem Apple erledigt sich wie in den 90ern wieder wie von selbst.
shine31 06.06.2011
4. Re: Da kann ich auch anfangen Benzin verkaufen zu woll
Zitat von OberleererSchon blöd das. So wie Rockefeller die Petroleumlampen verschenkt um Petroleum zu verkaufen, bringt Apple die Unterhaltungsgeräte unter die Leute, um Unterhaltung zu verkaufen. Der Unterschied ist eben,daß Apple seine Geräte so gut vermarkten kann, dass sie die ganze Welt haben will. Das die da keine Konkurrenz ranlassen wollen ist ja wohl klar. Da kann ich auch anfangen Benzin verkaufen zu wollen und Aral verklagen, dass sie mir die Tankstellen nicht zur Verfügung stellen.
Unpassender Vergleich! Aral bietet ja keine Aral-Zapfsäulen mit der Option zum "Benzin-App" an und "sperrt" dann bestimmte Leute am Weiterverkauf deren Benzins aus.
rudolf07 06.06.2011
5. Urgh...
Zitat von Walter SobchakEinfach nix fuer Apple produzieren und das Problem Apple erledigt sich wie in den 90ern wieder wie von selbst.
Keinerlei Ahnung vom Thema haben, aber trotzdem die eigenen Vorurteile hemmungslos hinausgeplärren. Das sind mir die liebsten.
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