StreamOn-Option Verbraucherschützer fordern Verbot von Telekom-Flatrate

Mit einem neuen Datentarif will die Telekom Kunden endloses Streaming ermöglichen, zum Beispiel auf YouTube und Netflix. Langfristig sei das Modell aber gefährlich für Kunden, warnen Verbraucherschützer.

Telekom-Website zu StreamOn

Telekom-Website zu StreamOn


Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) hat die Bundesnetzagentur am Freitag aufgefordert, die neue Datenoption StreamOn der Telekom zu verbieten. Das Angebot verstößt nach Einschätzung der Verbraucherschützer gegen das Gebot der Netzneutralität, nach dem alle Daten im Internet diskriminierungsfrei gleich behandelt werden müssen.

Bereits vor fünf Wochen hatte Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) nach Kritik von mehreren Seiten eine Prüfung durch die Bundesnetzagentur angekündigt.

Die Telekom hält die Kritik für unbegründet. "Es gibt keine Diskriminierung", betonte das Unternehmen am Freitag auf Anfrage. "Die Telekom steht für das offene und freie Internet, und wir halten uns an die Regeln zur Netzneutralität, wie sie die EU definiert hat." Bei dem neuen Angebot werden bestimmte Dienste etwa für Video- oder Musik-Streaming nicht mehr auf das Datenvolumen des Kunden angerechnet.

Die Befürchtung: weniger Wahlfreiheit, teurere Preise

Geht es nach dem VZBV-Medienexperten Florian Glatzner, führt das Geschäftsmodell auf lange Sicht zu weniger Wahlfreiheit der Verbraucher bei Streamingdiensten und zu höheren Mobilfunkpreisen. Außerdem stehe das Angebot Innovationen entgegen, heißt es in der Begründung des VZBV. Das Angebot habe langfristig zur Folge, dass sich kleinere Streaminganbieter zum Beispiel wegen administrativer und finanzieller Hürden nicht mehr am Markt behaupten könnten: "Das führt dazu, dass weniger Anbieter den Markt und damit auch Inhalt und Preise bestimmen."

Zu den ersten Partnern der Telekom zählen unter anderem Apple Music, Amazon, Netflix und YouTube, ebenso SPIEGEL TV und das Videoangebot von SPIEGEL ONLINE. Der Musikdienst Spotify ist vorerst nicht dabei. Das Partnernetz soll jedoch weiter ausgebaut werden.

gru/dpa

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ihawk 26.05.2017
1. Wem gehört was
Der Internet-Benutzer hat mit den Anschlussgebühren das Internet aufgebaut. Diese Tatsache wird von der Industrie notorisch verschwiegen. Darüberhinaus haben die Netzbetreiber Milliarden-Zuschüsse aus diversen Staatshaushalten bekommen. Nun ist das Internet aufgebaut und Großkonzerne machen sich daran, sich das Internet unter den Nagel zu reißen. "Fake News" ist nur ein Segment der unterstützenden Propaganda. Ich denke, es bedarf einer klaren und unmissverständlichen Stellungnahme der Politik, diesen wohl geplanten Raubzug zu verhindern.
Sonnenschein11 26.05.2017
2.
Zitat von ihawkDer Internet-Benutzer hat mit den Anschlussgebühren das Internet aufgebaut. Diese Tatsache wird von der Industrie notorisch verschwiegen. Darüberhinaus haben die Netzbetreiber Milliarden-Zuschüsse aus diversen Staatshaushalten bekommen. Nun ist das Internet aufgebaut und Großkonzerne machen sich daran, sich das Internet unter den Nagel zu reißen. "Fake News" ist nur ein Segment der unterstützenden Propaganda. Ich denke, es bedarf einer klaren und unmissverständlichen Stellungnahme der Politik, diesen wohl geplanten Raubzug zu verhindern.
Du hast einen Denkfehler. das www wurde von dem US Militär entwickelt und aufgebaut. Sprich, die Basis ist US Amerikanisch. einige Jahre später wurde das www den Unis und div. Konzern zugänglich gemacht. Wieder ein paar Jahre später, konnten dann normale Bürger das www ernst nutzen. Ich habe z.B. 1988 das erste mal mich noch zu unverschämten Preisen eingeloggt. 1992 habe ich in einem EDV Institut angefangen und habe dort das www erst richtig schätzen gelernt. Wir hatten damals eine 2MB/s Standleitung gehabt. Kaum vorzustellen, was das für eine Revolution der Datenverarbeitung darstellte. Die Finanzierung erfolgte also zuerst vom Militär, später durch Spenden und Kabelanschlüsse von Unternehmen. Viele Jahre erst später wurde und konnten Privathaushalte eine Internetanbindung buchen.
irgendwieanders 26.05.2017
3. logischer Schritt
In Zeiten, wo Medien wie Bild und Ton immer mehr zum Kernbestandteil der Internetnutzung werden, macht es einfach nur Sinn, dass der Trend zu richtigen Flatrates geht. Wenn die Telekom anfängt, bestimmte Services aus dem üblichen Datenvolumen rauszunehmen, wird es nicht lang dauern, bis andere Mobilfunkanbieter dazu übergehen, entweder ein ähnliches Modell anzubieten, oder wirkliche Datenflatrates, und nicht nur volumenbegrenzte Pseudoflatrates. Nur keine Panik, Hüter des freien Internets, hier kann man sich wirklich darauf verlassen, dass der Markt es richtet....
bacillus.maximus 26.05.2017
4. Der Unsinn stirbt nie
Zitat von ihawkDer Internet-Benutzer hat mit den Anschlussgebühren das Internet aufgebaut. Diese Tatsache wird von der Industrie notorisch verschwiegen. Darüberhinaus haben die Netzbetreiber Milliarden-Zuschüsse aus diversen Staatshaushalten bekommen. Nun ist das Internet aufgebaut und Großkonzerne machen sich daran, sich das Internet unter den Nagel zu reißen. "Fake News" ist nur ein Segment der unterstützenden Propaganda. Ich denke, es bedarf einer klaren und unmissverständlichen Stellungnahme der Politik, diesen wohl geplanten Raubzug zu verhindern.
In Deutschland ist kein Cent jemals in den Netzausbau gegangen. Zu Zeiten der Post wurde mit den Gewinnen aus der "grauen" Telefonpost das Defizit der "gelben" Post ausgeglichen. Alles was darüber hinausging hat sich der jeweilige Finanzminister einverleibt, in der Regel einige Milliarden pro Jahr. Die Telekom hat die Infrastruktur erhalten, zusammen mit der Pflicht der Versorgung nach Postreform. Dafür wurde unter anderem heimlich still und leise der Artikel im GG (imho 87 Absatz xy?) der die Grundversorgung betrifft gekappt und dem Volk erzählt daß der Markt schon alles richten wird. Wie wir jetzt prima sehen können tut er das nicht, niemand streitet sich darum dem letzten Kaff ein Kabel oder eine Richtfunkstrecke zu spendieren, da wird knallhart kalkuliert. Die Innovationszyklen werden immer schneller, die Anschaffung von Hardware zur Reparatur ist ein kaum mehr kalkulierbares Risiko. Wir reden von Baugruppen die im Ernstfall schnell zur Hand sein sollen aber mal eben 22.000 Euro kosten, da gehen dann gerade mal 144 Kunden dran. Als die Mauer fiel hat die Telekom auch keinen Pfennig für den Aufbau einer Infrastruktur bekommen sondern etwa 50 Milliarden Kredit aufgenommen. Für jede UMTS-Lizenz wurden nochmals Milliarden vom Staat kassiert. In Südkorea sieht es genau andersrum aus, da hat der Staat vor zwei Jahrzehnten auf der Suche nach einer Vision für morgen entschieden unfassbare Mengen Geld ins Netz zu pumpen, daher auch deren Ausbau und deren Preise.
bacillus.maximus 26.05.2017
5. Ein jahr vor Beginn des www schon darin eingeloggt?
Respekt. Dann war es gar nicht Berners Lee der das www begründet hat, denn der hat erst im April 1989 mit dem www angefangen.
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