Street View Polizei durchsucht Google-Büro in Südkorea

Der Suchmaschinenkonzern Google forciert seinen umstrittenen Street-View-Dienst, doch die Debatte über dessen datenschutzrechtliche Tücken ist längst nicht ausgestanden. In Südkorea erlebte Google nun sogar eine Razzia - wegen Verdachts auf angeblich illegales Datenfischen aus W-Lan-Netzen.


Seoul/Berlin/Hamburg - Die südkoreanische Polizei hat am Dienstag die örtliche Niederlassung des Internetriesen Google durchsucht. Anlass für die Ermittlungen gegen Google sind wie in zahlreichen anderen Ländern auch die von Google selbst öffentlich gemachten, angeblich versehentlich eingeleiteten Datensammlungen aus W-Lan-Netzen. Auch in Südkorea stehe der Konzern deshalb im Verdacht, illegal private Nutzerdaten aus drahtlosen Computernetzen aufgezeichnet zu haben, erklärten die Behörden.

Google hatte im April öffentlich gemacht, dass im Rahmen eines auf der Verortung von W-Lan-Netzen basierenden Kartografie-Projektes versehentlich über längere Zeiträume teils persönliche Daten aus diesen W-Lan-Netzen mit erfasst wurden. Das Eingeständnis führte zu einer internationalen Welle von Protesten von Datenschützern und in zahlreichen Ländern zu Untersuchungen durch Behörden. In Großbritannien wurde eine erste Untersuchung der Daten kürzlich abgeschlossen, mit einem für Google erfreulichen Ergebnis: Was auch immer Google das an Datengesammelt habe, befanden die Briten, sei weitgehend belanglos. In zahlreichen anderen Ländern dauern die Untersuchungen an, einschließlich der USA, wo 38 Bundesstaaten Untersuchungen einleiten wollen.

Auch in Deutschland steht Google, das am Dienstag offiziell ankündigte, Street View hier noch in diesem Jahr in Betrieb nehmen zu wollen, weiterhin in der öffentlichen Kritik. Namentlich Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner hat Google in den letzten Monaten wiederholt scharf kritisiert. Die Ministerin äußerte sich auch zur Ankündigung des Street-View-Starts in Deutschland: Sie gehe davon aus, dass dies erst geschehen werde, wenn alle Widersprüche von Bürgern gegen die Erfassung ihrer Wohnhäuser von Google umgesetzt worden seien.

Denn nicht nur die inzwischen eingestellte W-Lan-Erfassung steht hierzulande in der Kritik, der ganze Dienst an sich stößt bei hiesigen Datenschützern auf wenig Gegenliebe. So kritisierte der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar nun auch die Terminwahl des Internetkonzerns Google für das geforderte und vom Konzern nun zeitlich befristet angebotene Widerspruchsverfahren gegen die Erfassung. Die kurzfristige Einführung des Online-Werkzeugs für Widersprüche bereits ab kommender Woche und der Beginn der Widerspruchsfrist in den Sommerferien ließen "durchaus Zweifel aufkommen, ob Google an einer einfachen und bürgerfreundlichen Umsetzung der Widersprüche interessiert ist", erklärte Caspar am Dienstag in Hamburg. Er bemängelte zudem, dass Google es ablehne, eine Telefon-Hotline zur Beantwortung von Fragen der Bürger einzurichten.

pat/AFP/reuters



Forum - Weltmacht Google - wie gefährlich ist der Internet-Gigant?
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Seite 1
Acalot 09.01.2010
1.
Zitat von sysopGoogle strebt auf vielen Gebieten nach vorn. Das marktführende Suchportal hat sich längst als innovatives, aber auch datenhungriges Unternehmen profiliert. Das führte zu heftiger Kritik und Warnungen. Ihre Meinung: Wie gefährlich ist der Internet-Gigant?
Sehr, er stellt vielleicht bald, eine unkotrollierbare riesige Datenbank mit Informationen über Millionen Internetnutzer, das ist schlimmer als wenn ein Staat das haben würde.
Ferienhaus ImBirkenweg 09.01.2010
2.
Zitat von AcalotSehr, er stellt vielleicht bald, eine unkotrollierbare riesige Datenbank mit Informationen über Millionen Internetnutzer, das ist schlimmer als wenn ein Staat das haben würde.
Schlimmer als ein Staat? Oo. Wenn man sieht, was Staaten in der Geschichte bisher alles mit der repressiven Verwendung riesiger Datensammlungen angefangen haben, dann hat Google noch sehr viel Spielraum. Mir wird Angst und Bange wenn Regierungen anfangen, derartige Datenbanken aufzubauen. Und mir wird Angst und Bange wenn einzelne Menschen die Kontrolle über derart große Unternehmen haben.
homerjay S. 09.01.2010
3.
Zitat von AcalotSehr, er stellt vielleicht bald, eine unkotrollierbare riesige Datenbank mit Informationen über Millionen Internetnutzer, das ist schlimmer als wenn ein Staat das haben würde.
...na ja,aber wenn Sie solche Angst haben,warum beteiligen Sie sich dann an einem Forum? Wenn Staat es wirklich will dann ist ihm Ihre Identität und Meinung doch nun hinlänglich bekannt. Ich für meinen Teil denke mir:Sollen sie doch ersticken in ihrem Datenmüll,letztenendes bleibt doch die Frage wer das alles auswerten soll und wem es nutzt? Irgendwann werden diese Sammler bemerken das der Aufwand in keinem Verhältnis zum Nutzen steht. Also: Ruhig Blut ;-)
Dylan Hunt 09.01.2010
4. Weltmacht Google
haben Sie:Die deutschlandcard,Aralcard oder sonstige payback-karten.Wenn nicht wir haben auch noch eine für sie.Einfach schön alles eintragen.Vergessen sie ihre E-Mailadresse nicht für unsere tausend Newsletter.Sie machen sich sorgen um den Datenschutz?Wir heißen doch nicht Google! manche brauchen wahrlich kein Google,das machen sehr,sehr viel schon selbst,oder? Mfg DH
kontrovers 09.01.2010
5.
Google agiert ja nicht im rechtsfreien Raum. Es ist daher etwas zu einfach, Google allein wegen der Datensammlung unter Generalverdacht zu stellen, gegen geltendes Recht zu verstossen bzw. es in der Zukunft auf Basis der Datensammlung tun zu wollen. Wir haben ein Parlament und eine mehr oder minder funktionierende Regierung. Es ist ihre Aufgabe, Konzernen wie Google, Apple, Microsoft, Intel und wie sie alle heissen klare rechtliche Vorgaben zu machen. Verstossen sie dann nachweislich dagegen, muss das auch harte Konsequenzen nach sich ziehen. Angefangen von Kartellstrafen bis hin zu einem Ausschluss aus dem EU-Markt. Aber wie gesagt - auf Basis geltender Gesetze, nicht "weil die eh groß und böse sind"...
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