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Street-View-Testlauf: Datenschützer wirft Google Vertragsbruch vor

Pixel-Problem bei Google: Erst waren beim Test von Street View zum Teil Häuser zu erkennen, deren Eigentümer das untersagt hatten, dann erklärte Google das mit einer technischen Panne. Hamburgs Datenschützer wundert die Erklärung: Google habe sich verpflichtet, die Daten so erst gar nicht zu speichern.

Street View in Oberstaufen: So sehen die Pixel-Patzer aus Fotos

Der Probelauf des Straßenfotodienstes Street View im Provinzstädtchen Oberstaufen lief gut für Google: Anfang der Woche gab es Begrüßungstorten und warme Worte im Allgäu für die von Politikern immer wieder gern und heftig kritisierten Straßenpanoramen. Schließlich war Oberstaufen die erste deutsche Gemeinde, die bei Street View zu sehen war. Dann stellte sich heraus, dass die Verpixelung nicht perfekt funktionierte, die Häuser im Netz unkenntlich machen sollte, deren Besitzer der Veröffentlichung widersprochen hatten. Von dem Fehler waren laut Google in Oberstaufen fünf Häuser betroffen.

Nun wirft auch noch Hamburgs Datenschutzbeauftragter Johann Caspar Google vor, das Unternehmen habe mit der Oberstaufen-Veröffentlichung gegen eine Vereinbarung verstoßen.

Das Problem: Laut Google waren bei der Oberstaufen-Veröffentlichung die eigentlich zu verpixelnden Aufnahmen auf bestimmten Endgeräten wie iPhone und iPad, nicht aber im Web klar zu sehen, weil Google zwei Datensätze vorhält - die Rohdaten und die Auslieferungsdaten, also die Bilder, die man letztlich im Browser zu sehen bekommt. Wird ein Antrag auf Löschung gestellt, werde zunächst das Gebäude in den Auslieferungsdaten unkenntlich gemacht. Die Rohdaten blieben vorerst unberührt, um mögliche Fehler bei der Bearbeitung korrigieren zu können. Binnen zwei Monaten jedoch würden die Änderungen auch auf die Rohdaten übertragen.

Dieses Vorgehen verstößt laut dem Hamburger Datenschützer gegen eine Vereinbarung, die Google im Juni 2009 unterzeichnet hat. Darin verpflichtet sich das Unternehmen zu diesem Vorgehen bei der Verpixelung:

"Die Löschung oder Unkenntlichmachung dieser Daten in den Rohdaten wird bereits vor der Veröffentlichung vorgenommen, wenn der Widerspruch bis zu einem Monat vor Veröffentlichung der Bilder bei Google eingeht. Später oder auch nach Veröffentlichung eingehende Widersprüche führen zu einer Löschung in den Rohdaten binnen 2 Monaten."

Im Klartext: Google hätte bei den Aufnahmen in Oberstaufen die Rohdaten löschen oder verpixeln müssen, das hat das Unternehmen selbst zugesagt. Datenschützer Caspar kritisiert Google: "Bei einem Launch des Dienstes nach dem 15. November ist daher eine vorab erfolgte Umsetzung der Löschung aller Rohdaten zwingend erforderlich. Von einer zweimonatigen Löschungsfrist kann daher nicht die Rede sein."

Google-Sprecher Kay Oberbeck erklärt, man habe auch die Rohdaten verpixeln wollen, aufgrund eines Software-Fehlers sei das nicht umgesetzt worden. Das Werkzeug zur Unkenntlichmachung der Bilder von den fünf Häusern in Oberstaufen sei aber ein anderes als jenes, das für die Bearbeitung der Bilder der 20 größten deutschen Städte eingesetzt werde. Der Google-Sprecher erklärt: "Bei letzteren kann der im Fall von Oberstaufen aufgetretene Fehler nicht passieren und es ist sichergestellt, dass die Rohdaten der Bilder, für die ein Antrag auf Unkenntlichmachung innerhalb der Frist eingereicht wurde, zum Zeitpunkt der Veröffentlichung unkenntlich gemacht sind."

lis

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Forum - Lassen Googles Pixelkünstler zu viel erkennen?
insgesamt 320 Beiträge
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1. ---
yomow 02.11.2010
Wer jetzt noch rumweint hat wirklich zu viel Freizeit.
2. Ich bin sehr gespannt
muwe6161 02.11.2010
Ich werde die Posts der Verschwöhrungstheoretiker und Datenschützer mit viel Vergnügen lesen.
3. Beruhigung
TheK, 02.11.2010
Na hoffentlich werden sich all jene, die sich vorher aufgeregt haben, was man da wohl böses sehen würde, jetzt wieder abregen - vermutlich müssen die wenigen fehlenden Bilder da in dem Touri-Nest nicht einmal gemacht, sondern nur gefunden und zugeordnet werden, weil es sie längst gibt. Das sich Leute, die ihre Häuser verstecken wollen damit erst richtig interessant machen, merkt von denen ja auch keiner...
4. --
alexGB 02.11.2010
Zitat von sysopStreet View startet in Deutschland. Endlich kann man sehen, wie Google Gebäude unkenntlich macht. Reicht das für den Schutz der Privatsphäre aus, oder lassen Gogles Pixelkünstler zu viel erkennen?
Konnte man anhand der vielen Streetview Versionen in anderen Ländern immer schon. Nein, lassen sie nicht. Meines Wissens geht das Leben bei Deutschlands nahen und fernen Nachbarn auch mit Streetview problemlos weiter. Wieso muss man in Deutschland um solche Sachen immer so ein Theater machen?
5. .
Tarja13, 02.11.2010
Liebe SP-Online-Redaktion, wollt Ihr nicht langsam mal die Auftragsschreiberei für Google sein lassen? Es ist extrem lästig, ständig den selben Käse zum selben Thema bei Euch vorzufinden und jedes Mal garniert mit mehr oder weniger unterschwelligen Aufforderung doch StView gefälligst toll zu finden. Was sollte z.B. in diesem Artikel dieser Hinweis, doch besser keine Verpixelung vornehmen zu lassen: Wohl überlegt will ein solches Ansinnen sein, denn rückgängig machen kann man es nicht, Google bearbeitet die Originalbilder. Ich will auch schwer hoffen, dass Google die Orinialbilder bearbeitet, aber erstens glaube ich davon kein Wort, weil die ganz sicher davon ausgehen, früher oder später alles veröffentlichen zu können, und dann bestimmt nicht nochmal alles abfotographieren werden, und zweitens sollten sie die Bilder gefälligst löschen, nicht verpixeln. Dann sollen sie meinetwegen für jedes bislang verpixelte Haus Frodo Hobbithöhle einblenden. Ihr Artikel suggeriert, der auf seine Privatsphäre bedachte Bürger verpasse eine einmalige Chance, wenn er sein Haus nicht veröffentlichen ließe. Gerade für diejenigen, die das nicht möchten, ist es aber keine Chance sondern eine Zumutung, sich gegen etwas wehren zu müssen, das sie Google nie erlaubt haben. Ein Wort noch zu den von Ihnen behaupteten nur 3 % der Bürger, die der Veröffentlichung ihrer Bilder wiedersprochen hätten: Sie wissen ganz genau, dass es weit mehr sind, denn Sie vergleichen absichtlich Äpfel mit Birnen: Sie stellen der Gesamtzahl aller abgelichteten Haushalte im gesamten Bundesgebiet die Zahl der von Google bereits bearbeiteten und gemeldeten Einsprüche gegenüber, gehen aber mit keinem Wort darauf ein, dass viele Einsprüche immer noch nicht bearbeitet sind, und dass viele erst dann folgen werden, wenn nicht nur die ersten paar Städte sondern auch der Rest veröffentlicht werden soll. Sorry, aber mit Journalismus hat Ihre Schreibe wirklich nichts mehr zu tun. Eigentlich müssten Sie über diesem sog. Artikel den Zusatz "Anzeige" anbringen.
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