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Streit mit Assange: Ex-Sprecher vernichtete WikiLeaks-Dateien

Die Schlammschlacht zwischen dem früheren WikiLeaks-Sprecher Daniel Domscheit-Berg und Gründer Julian Assange eskaliert: Nach SPIEGEL-Informationen hat der Deutsche Tausende unveröffentlichte Dateien zerstört, die einst bei der Organisation eingereicht worden waren.

Daniel Domscheit-Berg (Archivbild): Tausende Dateien zerstört Zur Großansicht
dapd

Daniel Domscheit-Berg (Archivbild): Tausende Dateien zerstört

Berlin/Hamburg - Der frühere WikiLeaks-Sprecher Daniel Domscheit-Berg hat nach eigenen Angaben mehr als 3500 unveröffentlichte Dateien zerstört, die von unbekannten Informanten eingesandt worden waren und nun offenbar unwiderruflich verloren sind. Dabei handelt es sich um Dokumente, die bis zum Spätsommer 2010 auf dem WikiLeaks-Server lagerten und die eine Gruppe um Domscheit-Berg bei ihrem Verlassen der Organisation mitgenommen hat.

Er habe die Dateien "in den letzten Tagen geschreddert, um sicherzustellen, dass die Quellen nicht gefährdet werden", so Domscheit-Berg. Begründung: WikiLeaks-Gründer Julian Assange könne keinen sicheren Umgang mit dem Material garantieren.

In dem Datenbestand befand sich nach SPIEGEL-Informationen unter anderem die sogenannte "No-Fly-Liste" der US-Regierung, auf der die Namen von Verdächtigen notiert waren, denen das Betreten eines Flugzeugs untersagt ist. Assange sagte, zu dem Material hätten auch Insiderinformationen aus 20 rechtsextremistischen Organisationen gehört. Domscheit-Berg wollte das nicht bestätigen. Assange fordert seit Jahresanfang die Herausgabe der Daten.

Krach im CCC, Schlammschlacht der Enthüller

Auf der Sympathisanten-Plattform "WL Central" erschien am Samstagabend eine Stellungnahme, die angeblich von Assange selbst stammt. Domscheit-Berg wird darin erneut heftig kritisiert und es wird insinuiert, dass er allzu enge Beziehungen zu Geheimdiensten und Polizeibehörden pflege. In dem Text werden auch bereits bekannte Vorwürfe Assanges gegen Domscheit-Berg wiederholt, etwa der, Domscheit-Berg habe für sein Buch "Inside WikiLeaks", in dem Assange nicht gut wegkommt, verbotenerweise interne WikiLeaks-Chatprotokolle benutzt.

In einer weiteren Stellungnahme am späteren Samstagabends wurde Domscheit-Berg erneut vorgeworfen, er habe von anonymen Quellen eingereichte Informationen "gestohlen" und WikiLeaks "sabotiert". Wenn dieses Material nun zerstört werde, könne es nicht ersetzt werden.

Domscheit-Berg wirbt seit einiger Zeit für eine alternative Whistleblower-Plattform namens OpenLeaks. Vorvergangene Woche hatte er das Projekt in einem Vortrag bei einem Sommercamp des Chaos Computer Clubs (CCC) vorgestellt. Daraufhin wurde er zunächst von CCC-Vorstandsmitglied Andy Müller-Maguhn in einem SPIEGEL-Interview massiv kritisiert und kurz darauf vom CCC-Vorstand aus dem Verein ausgeschlossen. Seitdem tobt in Deutschlands Hackerszene eine heftige Debatte über den Umgang mit den konkurrierenden Leaking-Plattformen und ihren öffentlichen Vertretern Domscheit-Berg und Assange. Müller-Maguhn sagte SPIEGEL ONLINE, der Vorstand habe für seine Entscheidung, Domscheit-Berg auszuschließen, aus dem Verein sowohl Kritik als auch Unterstützung erfahren. CCC-Sprecher Frank Rieger etwa hatte sich öffentlich von dem Ausschluss distanziert.

Bei WikiLeaks lassen sich derzeit keine neuen Dateien einreichen

Offiziell hatte der fünfköpfige CCC-Vorstand den Rauswurf damit begründet, dass Domscheit-Berg den "guten Ruf des Vereins" ausnuzte, um das nach Einschätzung des Vorstands "intransparente" Projekt OpenLeaks zu bewerben. Man könne derzeit nicht beurteilen, "ob potentielle Whistleblower, die sich OpenLeaks anvertrauen, nachhaltig geschützt werden können und geschützt werden". Domscheit-Berg bezeichnete die Vorwürfe des Vorstandes auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE als "haltlos".

Domscheit-Berg selbst hatte in den Wochen vor seinem Vortrag widersprüchliche Angaben darüber gemacht, ob und wie viele Dokumente aus WikiLeaks-Beständen in seinem Besitz sind. Unklar war zunächst auch gewesen, ob und in welcher Form das Material verschlüsselt war und wer Zugriff auf die entsprechenden Schlüssel hatte.

WikiLeaks veröffentlicht derzeit weder neues Material, noch lassen sich über die Plattform neue Dateien einreichen. In der zitierten Stellungnahme wird Domscheit-Berg erneut vorgeworfen, er habe auch "das sichere Online-Einreichungssystem von WikiLeaks unberechtigterweise mitgenommen".

cis

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1. ...
Neurovore 21.08.2011
Zitat von sysopDie Schlammschlacht zwischen dem früheren WikiLeaks-Sprecher Daniel Domscheit-Berg und Gründer Julian Assange eskaliert: Nach SPIEGEL-Informationen hat der Deutsche Tausende unveröffentlichte Dateien zerstört, die einst bei der Organisation eingereicht worden waren. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,781458,00.html
Hab ich doch schon immer geahnt, daß der Schmierlapp von den Geheimdiensten umgedreht wurde, um den Ruf Wikileaks zu schädigen und mit seiner eigenen Plattform einen Köder für Whistleblower zu installieren bzw. durch Veröffentlichung gefälschten Materials die Arbeit ehrlicher Informanten zu diskreditieren. Und von Schlammschlacht kann eigentlich keine Rede sein, wenn es sich so offensichtlich um einen Zweifrontenkrieg gegen Assange handelt...
2. Domscheit ...
korbo 21.08.2011
oder DUMMscheit ?? Das Ganze sieht nach beleidigter Majestät, Eitelkeit oder, neutraler, Konkurrenzkampf aus. Diese Daten aus blossem Egoismus zu vernichten ist wirklich Dummheit, Herr Domscheit und macht Sie unglaubwürdig.
3. Tritt ins Gesicht der Whistleblower
KaraMer 21.08.2011
Egal was alles hinter der Bühne geschah, eines ist sicher: Es gibt im Moment keine Plattform für whistle blower. Das wiederum nützt nur denjenigen, die Angst vor whistle-blower-Veröffentlichungen haben. Welche Gründe auch immer Domscheidt-Berg für sein Handeln angibt, er hat dem Whistleblowing an sich einen Stiefeltritt verpasst.
4. was auch immer genau zwischen Domscheit-Berg und Assange passiert sein mag
yoop 21.08.2011
das Verhalten des Wiki-Leaks Exsprechers ist widerlich, offensichtlich gegen die in dem Artikel betroffenen Einreicher gerichtet und soll dieses großartige Projekt in seinen Grundfesten zerstören.
5. Kindergartenschlacht zu großer Egos
joonix 21.08.2011
Was sich da zur Zeit abspielt ist der Zoff zwischen zwei spätpubertären Kindsköpfen die einen Privatkrieg ausfechten. Assange, der Medienstar auf der einen Seite, über den es in letzter Zeit überraschend ruhig geworden ist. Domescheit-Berg, der ehemalige gute Freund Assanges der ihm auch eine Zeit lang in Wiesbaden Unterschlupf gewährte. Mit den Infos von Wikileaks lässt sich nunmal immenses mediales Echo schlagen, das sich die beiden nun drum kloppen ist natürlich ihrer beiden grossen Egos geschuldet. Diese Posse wird langsam kindisch, da sollen Schlüssel zu den Dateien "zerstört" worden sein und nun auch die Dateien selber. Das sind Daten, keine Autos, Daten kann man beliebig kopieren, ich glaube kaum das es davon keine Backups mehr gibt. Von den Wikileaks-Dokumenten die Domscheit-Berg besitzt existieren sowieso seit geraumer Zeit Backups im Torrent-Netzwerk, nur die Schlüssel sind noch unbekannt. Es ist also nur ein weiterer medialer Urschrei in der ganzen Geschichte, wobei ich persönlich das für beide Seiten für mehr als peinlich finde.
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