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Streit um Suchergebnisse: Google unterstellt Kritiker Nähe zu Microsoft

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Begünstigt Google in seiner Suchmaschine seine eigenen Produkte? Ein Harvard-Forscher will dafür Beweise gefunden haben. Prompt wirft ihm der Internet-Gigant Voreingenommenheit vor - weil der Mann früher als Berater für Microsoft gearbeitet hat.

Yahoo und Google: Eigene Angebote bevorzugt? Fotos

Nicht zum ersten Mal erhebt Benjamin Edelman Vorwürfe gegen Google. Der Forscher von der Harvard Business School hatte Anfang 2010 berichtet, dass die Google Toolbar in Webbrowsern auch nach dem Deaktivieren das Surfverhalten der User weiter verfolgt. Nun hat er gemeinsam mit Benjamin Lockwood untersucht, ob Suchmaschinenbetreiber eigene Angebote wie Yahoo Mail oder Google Maps bei Suchanfragen bevorzugen.

Das ist nach Meinung Edelmans tatsächlich der Fall. Bei seinen bereits im August 2010 durchgeführten Testanfragen bei den drei großen Suchmaschinenbetreibern neigten sowohl Google als auch Yahoo dazu, eigene Dienste in der Trefferliste nach oben zu hieven, schreibt Edelman.

Beispiel "Mail": Nach der Eingabe dieses Suchbegriffs liefern Google und Yahoo als ersten Treffer jeweils den Link zum eigenen Angebot Google Mail beziehungsweise Yahoo Mail. Bing verweist an erster Stelle auf mail.yahoo.com. Ganz ähnlich ist die Situation beim Suchbegriff "Maps". Wieder haben Yahoo und Google den eigenen Kartendienst jeweils auf Platz eins, bei Bing führt Google Maps die Trefferliste an gefolgt von Yahoo Maps. Bing Maps schafft es übrigens nicht unter die Top 3.

Suchbegriff mail
Google Yahoo Bing
mail.google.com mail.yahoo.com mail.yahoo.com
www.mail.com www.mail.com www.dmnews.com
mail.yahoo.com www.gmail.com en.wikipedia.org
Quelle: Benjamin Edelman
Yahoo und Google würden ihre eigenen Angebote signifikant öfter promoten als andere, schreibt der Harvard-Forscher. Google wirft er vor, die Öffentlichkeit zu täuschen. Google behaupte gern, seine Suchergebnisse seien nicht manipuliert, weil sie allein auf Algorithmen beruhten. Die Untersuchungen hätten jedoch gezeigt, dass es Verzerrungen (Bias) gebe.

Bei Google zeigte man sich gar nicht amüsiert über Edelmans Publikation. Sprecher Adam Kovacevich erklärte gegenüber dem "National Public Radio" (NPR), der Forscher habe lange als Berater für Microsoft gearbeitet, was Edelman in seinem Lebenslauf auch angibt. "Deshalb ist es keine Überraschung, dass er einen sehr unausgewogenen Test entwickelt hat, den sein Sponsor besteht, bei dem Google aber durchfällt." Google bevorzuge seine eigenen Dienste nicht, betonte Kovacevich. "Wir führen umfangreiche Tests durch, um sicherzustellen, dass die Suchergebnisse so sortiert sind, dass sie den Usern die hilfreichste Antwort liefern."

Suchbegriff maps
Google Yahoo Bing
maps.google.com maps.yahoo.com maps.google.com
www.mapquest.com maps.google.com maps.yahoo.com
maps.yahoo.com www.maps.com www.maps.com
Quelle: Benjamin Edelman
Edelman wies die Vorwürfe umgehend zurück. Google wolle mit "persönlichen Angriffen" vom eigenen Verhalten ablenken, sagte er der BBC. Dieses Vorgehen zeige, dass Google keine Argumente gegen seine Forschungsergebnisse aufbringen könne. "So haben die das bei fast allen meinen Studien gemacht."

Die beiden Harvard-Forscher hatten mehr als 30 verschiedene Suchbegriffe bei Google, Yahoo und Bing eingegeben. Darunter waren neben "Mail" und "Maps" auch "Video", "Spreadsheet", "Browser" und "RSS Reader". Anfangs habe man nur den Verdacht gehabt, das Google und Yahoo die Ergebnisse zugunsten ihrer Hausmarken verzerrten, schreiben die Forscher. Also habe man das Ganze systematisch untersucht und statistisch ausgewertet.

So zählten die Forscher, wie oft eigene Angebote der Suchmaschinenbetreiber auf Platz eins, unter den Top 3 oder auf der ersten Ergebnisseite landeten. Die Verzerrungen zeigten sich deutlich: Auf der ersten Ergebnisseite tauchten bei Yahoo 37 Mal Links zu eigenen Angeboten auf. Bei Bing zählten die Forscher hingegen 19 Links zu Yahoo-Diensten, bei Google nur noch 15.

Google hat auf der ersten Suchseite 32 Mal zu eigenen Diensten verlinkt, Yahoo und Bing kommen auf 28 beziehungsweise 26 Treffer mit Google-Bezug. Der Vergleich zeigt, dass Yahoo offenbar am stärksten die eigenen Angebote pusht.

Die Verzerrung ist übrigens bei der Position eins - also ganz oben auf der Trefferliste am größten. Hier listen Google und Yahoo ihre eigenen Dienste mit dreimal so hoher Wahrscheinlichkeit auf, als man es anhand der Ergebnisse der anderen Suchmaschinen erwarten würde.

Suchbegriff spreadsheet
Google Yahoo Bing
en.wikipedia.org en.wikipedia.org en.wikipedia.org
docs.google.com www.answers.com docs.google.com
www.openoffice.org www.answers.com www.google.com
Quelle: Benjamin Edelman
Bei der Berechnung der Suchergebnisse von Google spielt der sogenannte Page Rank eine zentrale Rolle. Für jede einzelne Webseite wird dieser Wert zwischen null und zehn immer wieder aufs Neue berechnet - ein äußerst aufwendiges Verfahren mit Milliarden Unbekannten. Je mehr Links auf eine Seite zeigen, umso höher ist ihr Page Rank. Link ist jedoch nicht gleich Link: Kommt er von einer hoch gerankten Seite, dann erbt die verlinkte Seite auch einen Teil des Rankings dieser Seite.

Der Page Rank einer Seite ist allerdings nur einer von mittlerweile 200 bis 300 Faktoren, die in die Berechnung von Googles Trefferlisten einfließen. Hinzu kommen zum Beispiel die Textinhalte der Web-Seite, im HTML-Code steckende Schlüsselwörter (Tags), der Titel der Seite und weitere Kriterien wie beispielsweise der Zeitpunkt der letzten Aktualisierung.

Die Details der Trefferlistenberechnung hält Google geheim, etwa welches Gewicht Schlüsselwörter im Vergleich zum Seitentitel haben. Die Analyse von Trefferlisten erlaubt aber Rückschlüsse darauf, wie die Trefferlisten zustande kommen. Genau dies machen Suchmaschinenoptimierer. Um Verzerrungen zu vermeiden, wird der Suchalgorithmus immer wieder leicht verändert - ein ständiges Katz- und Mausspiel. Deshalb können sich Trefferlisten auch von einen Tag auf den anderen ändern.

Womöglich landen Googles eigene Dienste also auch nur deshalb in den Trefferlisten ganz oben, weil ihre Entwickler einen Informationsvorsprung haben. Denn nur die Google-Entwickler kennen alle Details des aktuell verwendeten Suchalgorithmus.

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1. Forscher?
Systemrelevanter 25.01.2011
Was hat der "Forscher" denn nun rausgefunden? Den Google-Suchalgorhytmus wird er wohl kaum entdeckt und gegen die Suchergebnisse abgeglichen haben. An sich peinlich, dass jmd. auf Microsoft-pay-roll so offensichtlich agiert. Der würde sich sicher auch wundern, dass ihm bei der Suche nach einem mp3-player ein ipod und kein zuneplayer vorgeschlagen wird. ;)
2. Zufall
Krassmus 25.01.2011
Wenn ich Suchmaschinenbetreiber wäre, würde ich auch das Klickverhalten meiner Nutzer mit auswerten. Und ich tippe einfach mal darauf, dass Nutzer von Google häufiger bei Google auch nach Google Maps suchen, wenn sie "Maps" eingeben. Ähnlich dürfte es bei den anderen beiden Seiten sein. Und so wandern mit der Anzahl der getätigten Klicks ganz automatisch die eigenen Dienste nach oben in der Trefferliste. Ohne strikt auf der Seite von Google stehen zu wollen: Ich glaube, mit der Wissenschaftlichkeit des Professors ist es nicht weit her, wenn er diese Möglichkeit nicht einmal in Betracht zieht. Zudem stellt sich mir die Frage, warum das bei bing nicht so ist.
3. Untersuchung?
diracdamm 25.01.2011
Zitat von sysopBegünstigt Google in seiner Suchmaschine seine eigenen Produkte? Ein Harvard-Forscher*will dafür Beweise gefunden haben. Prompt wirft ihm der Internet-Gigant Voreingenommenheit vor - weil der Mann früher als Berater für Microsoft gearbeitet hat. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,741223,00.html
Nun, ich glaube, der "Harvard-Forscher" hat wirklich kein ausgewogenes Urteil gefällt und die "Untersuchung" ist wirklich ein Kinderspiel. "Auf der ersten Ergebnisseite tauchten bei Yahoo 37 Mal Links zu eigenen Angeboten auf. Bei Bing zählten die Forscher hingegen 19 Links zu Yahoo-Diensten, bei Google nur noch 15. Google hat auf der ersten Suchseite 32 Mal zu eigenen Diensten verlinkt, Yahoo und Bing kommen auf 28 beziehungsweise 26 Treffer mit Google-Bezug" Danach sieht es so aus, dass Google offenbar am wenigsten seine Produkte pusht. Wieso gilt der Angriff dann nicht vornehmlich Yahoo. Wieso ist Bing (Microsoft) in dieser Hinsicht nicht beäugt worden? Honi soit qui mal y pense. Ferner ist es so, dass google-dienste wie GMail, Maps, ... weit populärer sind als vergleichbare Produkte von Yahoo oder Microsoft, wie heißten die denn? Gibt's die überhaupt? Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass bei maps google-maps ganz vorne landet. Das hat die "Untersuchung" offenbar überhaupt nicht berücksichtigt. Dass so ein Schund aus der berühmten "Harvard-Universität" stammt, lässt tief blicken. Der Glanz ist offenbar schon ziemlich verblasst.
4. ?
madoschilus 25.01.2011
Yahoo war schon immer keine freie sondern eine Katalogsuche. Dass Google Mail sowohl bei Bing als auch bei Google oben steht verwundert dagegen kaum. Ich denke nicht, dass man hier seitens Google betrügen muss ;-)
5. .
deb2006, 25.01.2011
Zitat von sysopBegünstigt Google in seiner Suchmaschine seine eigenen Produkte? Ein Harvard-Forscher*will dafür Beweise gefunden haben. Prompt wirft ihm der Internet-Gigant Voreingenommenheit vor - weil der Mann früher als Berater für Microsoft gearbeitet hat. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,741223,00.html
Ja und? Natürlich ist das so. google ist eben von google, und natürlich promoted google seine eigenen Produkte. Man wäre ja blöd, wenn man es nicht täte. Dass google das abstreitet, wundert mich ein bisschen, da ich eine derartige Neutralität bei google auch gar nicht erwarte bzw. erwarten kann. Man muss es einfach nur wissen, dass eben die Ergebnisse von google stammen. Und dass google ein Produktportfolio hat, das NATÜRLICH vor der Konkurrenz auftaucht.
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Page, Brin, Schmidt: Googles Triumvirat

Zitate von Eric Schmidt

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Web-Konzern: Alles, was Sie über Google wissen müssen
Produkte, die Google nie veröffentlichen wollte

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Googles Geschichte
1995 - When Larry met Sergey
Angeblich konnten Larry Page und Sergey Brin einander erst einmal nicht besonders gut leiden, als sie sich im Jahr 1995 zum ersten Mal trafen. Der 24-jährige Brin war übers Wochenende in Stanford zu Besuch, der 23-jährige Page gehörte angeblich zu einer Gruppe von Studenten, die Besucher herumführen mussten. Der Legende nach stritten Brin und Page ununterbrochen miteinander.
1996 - Es begann mit einer Rückenmassage
Die erste Suchmaschine, die Page und Brin gemeinsam entwickelten, hatte den Arbeitstitel "BackRub" (Rückenmassage), weil sie im Gegensatz zu anderen zu dieser Zeit eingesetzten Suchtechniken auch "Backlinks" berücksichtigte, also Links, die auf die entsprechende Web-Seite verwiesen.
1998 - Finanzierung
Nachdem die Versuche gescheitert waren, die eigene Entwicklung an ein Unternehmen wie Yahoo zu verkaufen, entschlossen sich Brin und Page entgegen ihren ursprünglichen Plänen, selbst ein Unternehmen zu gründen. Der Legende nach bekamen sie von Andy Bechtolsheim, einem der Gründer von Sun Microsystems, einen Scheck über 100.000 Dollar - ausgestellt auf Google Inc., obwohl ein Unternehmen dieses Namens zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht existierte. Insgesamt brachten die beiden eine Anfangsfinanzierung von knapp einer Million Dollar zusammen - was reichte, um in der Garage eines Freundes in Menlo Park, Kalifornien, ein Büro einzurichten und einen Angestellten zu engagieren. Im September wurde das mit einer Waschmaschine und einem Trockner ausgestattete Büro eröffnet - was heute als offizielle Geburtsstunde von Google betrachtet wird.
1999 - Mehr Geld und ein neues Heim
Schon im Februar 1999 zog das rasant wachsende Unternehmen in ein richtiges Bürogebäude um. Inzwischen hatte es acht Mitarbeiter. Erste Firmenkunden bezahlten Geld für Googles Dienste. Am 7. Juni wurde eine zweite Finanzierungsrunde verkündet: Die Wagniskapitalgeber Sequoia Capital und Kleiner Perkins Caufield & Byers schossen insgesamt 25 Millionen Dollar zu. Noch im gleichen Jahr bezog das Unternehmen den "Googleplex", den Kern des heutigen Hauptquartiers in Mountain View, Kalifornien.
2000 - AdWords
Das Jahr 2000 muss als jenes gelten, in dem Google tatsächlich zu dem gemacht wurde, was es heute ist: dem mächtigsten Werbe-Vermarkter im Internet. Der Start eines "Schlüsselwort-gesteuerten Werbe-Programms" schuf die Basis für den gewaltigen kommerziellen Erfolg von Google. Man benutze "ein proprietäres Anzeigen-Verteilungssystem, um eine der Suchanfrage eines Nutzers sorgfältig angepasste Werbeanzeige beizugeben", erklärt die Pressemitteilung von damals das Prinzip. Die Anzeigen konnten online auf sehr einfache Weise eingekauft werden - AdWords war geboren und brachte sofort Geld ein. Noch heute ist die Vermarktung der Textanzeigen auf der Suchseite die zentrale Säule des Google-Imperiums, die den Löwenanteil aller Umsätze ausmacht. Parallel wurden im Jahr 2000 neue Kunden gewonnen, die Google-Suche in ihre Angebote integrierten, darunter Web-Seiten aus China und Japan. Im gleichen Jahr wurde auch die Google Toolbar veröffentlicht, die es erlaubte, mit Google das Netz zu durchsuchen, ohne auf die Google-Web-Seite zu gehen.
2001 - Profit und ein neuer Eric Schmidt
Schon im Jahr 2001 machte Google Profit - was man von den meisten anderen Start-ups, die zu dieser Zeit noch die Phantasien der Börsenmakler beflügelten, nicht behaupten konnte. Um den Anforderungen eines rasant wachsenden Unternehmens gerecht zu werden, wurde Eric Schmidt, der zuvor schon führende Positionen in Firmen wie Novell und Sun Microsystems innegehabt hatte, im August 2001 zum Chief Executive Officer Googles ernannt.
2002 - Corporate Search, Google News, Froogle
Seit 2002 verkauft Google auch Hardware - Such-Lösungen für die Intranets von Unternehmen. Im September des Jahres wurde die Beta-Version von Google News livegeschaltet, dem Nachrichten-Aggregator, der bis heute für zuweilen böses Blut zwischen Zeitungen, Nachrichtenagenturen und den Suchmaschinisten sorgt. Ein Algorithmus sammelt Schlagzeilen und Bilder und komponiert daraus nach bestimmten Kriterien eine Übersichtsseite. Im Dezember startete zudem Froogle, eine mäßig erfolgreiche Produkt-Suchmaschine. Heute heißt Froogle schlicht Google Product Search.
2003 - AdSense und Blogger
AdSense ist die zweite wichtige Säule im Google-Anzeigenimperium. Im Jahr 2003 wurde der Dienst vorgestellt, der den Text auf Web-Seiten analysiert und daneben passende Werbeanzeigen platzieren soll. Das System bietet auch Betreibern kleiner Web-Seiten die Möglichkeit, ihre Angebote zu monetarisieren - die Einkünfte werden zwischen Seiteninhaber und Google aufgeteilt. Im gleichen Jahr kaufte Google Blogger, einen großen Blog-Hoster.
2004 - Picasa, Googlemail, Bücher und ein Börsengang
Der Start des E-Mail-Dienstes Googlemail (in den USA Gmail) wurde am 1. April verkündet, mitsamt der Nachricht, dass die Nutzer ein Gigabyte Speicherplatz zur Verfügung haben würden. Es wurde schnell klar, dass es sich nicht um einen Scherz handelte - und dass Google daran selbstverständlich verdienen will. AdSense wurde von Anfang an eingesetzt, um E-Mails nach Schlüsselwörtern zu durchsuchen und mehr oder minder passende Reklame daneben einzublenden. Im Juli kaufte Google Picasa, ein Unternehmen, das sich auf die digitale Fotoverwaltung spezialisiert hatte. Heute ist Picasa ein On- und Offline-Angebot - Googles Antwort auf Flickr.

Am 19. April konnte man Google-Aktien an der Technologiebörse Nasdaq erstmals kaufen. Eine Aktie kostete 85 Dollar. Heute ist sie knapp fünfmal so viel wert. Mit dem vielen neuen Geld stieß Google noch im gleichen Jahr verschiedene Projekte an - unter anderem Google Print: Mit den Universitäten Harvard, Stanford, University of Michigan, University of Oxford und der New York Public Library kam man überein, Bücher zu scannen, zu digitalisieren und online durchsuchbar zu machen. Im darauffolgenden Jahr wurde Google Print in "Book Search" umbenannt. Inzwischen sind zahlreiche andere Bibliotheken mit im Boot - auch deutsche.
2005 - Google Maps und Google Earth
Im Jahr 2005 kam die Google-Maschinerie richtig in Schwung. In rasantem Tempo veröffentlichte das Unternehmen, das bis zum dritten Quartal auf fast 5000 Mitarbeiter angewachsen war, eine Anwendung nach der anderen. Die im Rückblick wohl wichtigste: Google Maps, der Kartendienst, der die Welt geografisch durchsuchbar machen sollte, und sogleich mit der bis dahin nur mäßig erfolgreichen lokalen Suche Google Local verschmolz. Die im Jahr zuvor angekaufte Satellitenkapazität kam nun zum Einsatz: Sie bot die heute beinahe selbstverständliche Möglichkeit, Satellitenfotos statt abstrakter Karten anzusehen. Später im Jahr kam auch noch die Desktop-Software Google Earth, Googles Digitalglobus. Außerdem starteten: die "personalisierte Homepage", die heute iGoogle heißt, Googles Video- und Fotosuche, die Voice-over-IP und Instant-Messaging-Lösung Google Talk, der bis heute ziemlich glücklose Kleinanzeigendienst Google Base, ein eigener RSS-Reader. Und: Google kaufte das Unternehem Urchin und verwandelte dessen Webtraffic-Analysemethoden in sein Angebot Google Analytics. Damit bot das Unternehmen nun erstmals die vollständige Dienst-Palette einer Netz-Mediaagentur, eines Online-Werbevermarkters.

Die Geschäfte liefen auch 2005 hervorragend für Google - so gut, dass man eine Partnerschaft mit dem strauchelnden Online-Dinosaurier AOL verkünden und eine Millarde Dollar in das Unternehmen investieren konnte.
2006 - Google Video, Web-Applikationen , YouTube - und Kritik
Anfang des Jahres stellte Larry Page bei einem Vortrag bei der Consumer Electronics Show in Las Vegas Google Video vor - und Google Pack, einen ersten, offenkundigen Angriff auf Microsoft, denn das Software-Paket enthielt diverse Anwendungen, die als Konkurrenzprodukte zu Microsofts Angebot gelten können. Gegründet wurde die Wohltätigkeitsorganisation Google.org, an den Start gingen außerdem der Finanzinformationsdienst Google Finance und die Paypal-Konkurrenz Google Checkout. Vor allem aber ist 2006 das Jahr, in dem man bei Google ernsthaft damit begann, Office-Anwendungen ins Web zu verlegen. Neben dem Google-Kalender wurde am Jahresende auch Google Docs & Spreadsheets livegeschaltet. Zuvor hatte Google Upstartle gekauft, ein Unternehmen, das bis dahin das Online-Textverarbeitungsprogramm Writely hergestellt hatte - nur eine von mehreren Akquisitionen. Auch SketchUp (3-D-Gebilde für Google Earth) und die Wiki-Plattform JotSpot wurden 2006 ins Google-Reich integriert.

Der prominenteste Ankauf des Jahres war jedoch YouTube: Google zahlte 1,65 Milliarden Dollar für die Videoplattform und holte sich so Konkurrenz zum eigenen, eben erst gestarteten Videoangebot ins Haus. Zudem wurde eine Werbe- und Suchpartnerschaft mit dem eben von Rupert Murdoch aufgekauften MySpace verkündet: Google stieg endlich ernsthaft ins Geschäft mit dem Web 2.0 ein.

Parallel verlor Google in den Augen vieler Nutzer seine Unschuld: mit dem Start einer eigenen Suchmaschine für China, die sich den Zensurwünschen der dortigen Regierung beugt. Eine Tibet-Unterstützergruppe rief eine Initiative namens "No love 4 Google" ins Leben - und fasste damit einen globalen Meinungsumschwung zusammen. Der Engelsglanz des vermeintlich anderen, besseren Unternehmens, den Google lange hatte aufrechterhalten können, schwand nach und nach.

Ende 2006 hat Google mehr als 10.600 Angestellte.
2007 - Googlemail für alle, DoubleClick, Streetview und Android
Im Februar wird Googles E-Mail-Dienst für alle geöffnet - bis dahin brauchte man eine Einladung, um seine E-Mails von AdSense nach Schlüsselwörtern durchsuchen zu lassen.

Vor allem aber ging Google 2007 auf Einkaufstour - in seinem Kerngeschäftsbereich, der Online-Werbung. Zunächst wurde Adscape, ein Spezialist für Werbung in Computerspielen, aufgekauft, dann DoubleClick. Über drei Milliarden Dollar ließ man sich den Online-Anzeigenvermarkter kosten - und eine Menge Ärger. Erst im März 2008 segnete die EU-Kommission den Kauf ab. Datenschützer sehen Google seit der DoubleClick-Akquisition noch kritischer, denn das Unternehmen ist nicht zuletzt darauf spezialisiert, möglichst gründlich Nutzerdaten zu sammeln, um personalisierte Werbung servieren zu können.

Außerdem schickte Google 2007 seine Foto-Autos los: Für die Maps-Erweiterung Streetview fuhren die Kamera-Mobile zunächst durch US-Großstädte - im Jahr 2008 sind sie auch in Deutschland unterwegs.

Außerdem beginnt Google verstärkt, Fühler in Richtung der alten Medienwelt auszustrecken - es gibt Testläufe für Werbevermarktung im Radio, in Print-Publikationen und im traditionellen Fernsehen.

Schon seit Jahren hatte Google verschiedene seiner Dienste in speziellen Handy-kompatiblen Versionen angeboten - Ende 2007 kam dann der ganz große Schritt in die mobile Welt: Das Handy-Betriebssystem Android wurde angekündigt, ein Open-Source-Projekt in Zusammenarbeit mit vielen Telekommunikationsanbietern und Handy-Herstellern.

Ein weiteres Open-Source-Projekt soll Google den Zugriff auf das Vermarktungspotential der Social Networks erleichtern: Die Plattform OpenSocial soll Netzwerkapplikationen transportabel machen, so dass sie bei MySpace genauso laufen können wie bei Xing. Die meisten der großen Communitys sind OpenSocial beigetreten - bis auf Facebook.
2008 - Knol, Chrome und kein Ende
Im laut offizieller Zeitrechnung zehnten Jahr seiner Existenz lässt die Suchmaschine im Tempo nicht nach. 2008 wurden eine kollaborative Wissensplattform (Knol), eine 3-D-Chatanwendung (Lively), Straßenansichten für noch mehr Großstädte - und ein eigener Google-Browser gestartet.

Gleichzeitig wächst die Kritik am Suchmaschinengiganten. Die immer neuen Projekte scheinen vielen Nutzern und Datenschützern inzwischen Ausdruck eines gewaltigen Datenhungers - sowohl auf persönliche Informationen über die Nutzer als auch auf nahezu jede beliebige Art von Information, die dem gewaltigen Weltarchiv Google einverleibt werden könnte. Der Google Leitspruch "Don't be evil" hat für manche inzwischen einen hohlen Klang, und die Missionserklärung, man wolle "alle Information der Welt organisieren", klingt zuweilen eher wie eine Drohung.

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