Streit um Suchergebnisse Google unterstellt Kritiker Nähe zu Microsoft

Begünstigt Google in seiner Suchmaschine seine eigenen Produkte? Ein Harvard-Forscher will dafür Beweise gefunden haben. Prompt wirft ihm der Internet-Gigant Voreingenommenheit vor - weil der Mann früher als Berater für Microsoft gearbeitet hat.

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Nicht zum ersten Mal erhebt Benjamin Edelman Vorwürfe gegen Google. Der Forscher von der Harvard Business School hatte Anfang 2010 berichtet, dass die Google Toolbar in Webbrowsern auch nach dem Deaktivieren das Surfverhalten der User weiter verfolgt. Nun hat er gemeinsam mit Benjamin Lockwood untersucht, ob Suchmaschinenbetreiber eigene Angebote wie Yahoo Mail oder Google Maps bei Suchanfragen bevorzugen.

Das ist nach Meinung Edelmans tatsächlich der Fall. Bei seinen bereits im August 2010 durchgeführten Testanfragen bei den drei großen Suchmaschinenbetreibern neigten sowohl Google als auch Yahoo dazu, eigene Dienste in der Trefferliste nach oben zu hieven, schreibt Edelman.

Beispiel "Mail": Nach der Eingabe dieses Suchbegriffs liefern Google und Yahoo als ersten Treffer jeweils den Link zum eigenen Angebot Google Mail beziehungsweise Yahoo Mail. Bing verweist an erster Stelle auf mail.yahoo.com. Ganz ähnlich ist die Situation beim Suchbegriff "Maps". Wieder haben Yahoo und Google den eigenen Kartendienst jeweils auf Platz eins, bei Bing führt Google Maps die Trefferliste an gefolgt von Yahoo Maps. Bing Maps schafft es übrigens nicht unter die Top 3.

Suchbegriff mail

Google Yahoo Bing
mail.google.com mail.yahoo.com mail.yahoo.com
www.mail.com www.mail.com www.dmnews.com
mail.yahoo.com www.gmail.com en.wikipedia.org

Quelle: Benjamin Edelman

Yahoo und Google würden ihre eigenen Angebote signifikant öfter promoten als andere, schreibt der Harvard-Forscher. Google wirft er vor, die Öffentlichkeit zu täuschen. Google behaupte gern, seine Suchergebnisse seien nicht manipuliert, weil sie allein auf Algorithmen beruhten. Die Untersuchungen hätten jedoch gezeigt, dass es Verzerrungen (Bias) gebe.

Bei Google zeigte man sich gar nicht amüsiert über Edelmans Publikation. Sprecher Adam Kovacevich erklärte gegenüber dem "National Public Radio" (NPR), der Forscher habe lange als Berater für Microsoft gearbeitet, was Edelman in seinem Lebenslauf auch angibt. "Deshalb ist es keine Überraschung, dass er einen sehr unausgewogenen Test entwickelt hat, den sein Sponsor besteht, bei dem Google aber durchfällt." Google bevorzuge seine eigenen Dienste nicht, betonte Kovacevich. "Wir führen umfangreiche Tests durch, um sicherzustellen, dass die Suchergebnisse so sortiert sind, dass sie den Usern die hilfreichste Antwort liefern."

Suchbegriff maps

Google Yahoo Bing
maps.google.com maps.yahoo.com maps.google.com
www.mapquest.com maps.google.com maps.yahoo.com
maps.yahoo.com www.maps.com www.maps.com

Quelle: Benjamin Edelman

Edelman wies die Vorwürfe umgehend zurück. Google wolle mit "persönlichen Angriffen" vom eigenen Verhalten ablenken, sagte er der BBC. Dieses Vorgehen zeige, dass Google keine Argumente gegen seine Forschungsergebnisse aufbringen könne. "So haben die das bei fast allen meinen Studien gemacht."

Die beiden Harvard-Forscher hatten mehr als 30 verschiedene Suchbegriffe bei Google, Yahoo und Bing eingegeben. Darunter waren neben "Mail" und "Maps" auch "Video", "Spreadsheet", "Browser" und "RSS Reader". Anfangs habe man nur den Verdacht gehabt, das Google und Yahoo die Ergebnisse zugunsten ihrer Hausmarken verzerrten, schreiben die Forscher. Also habe man das Ganze systematisch untersucht und statistisch ausgewertet.

So zählten die Forscher, wie oft eigene Angebote der Suchmaschinenbetreiber auf Platz eins, unter den Top 3 oder auf der ersten Ergebnisseite landeten. Die Verzerrungen zeigten sich deutlich: Auf der ersten Ergebnisseite tauchten bei Yahoo 37 Mal Links zu eigenen Angeboten auf. Bei Bing zählten die Forscher hingegen 19 Links zu Yahoo-Diensten, bei Google nur noch 15.

Google hat auf der ersten Suchseite 32 Mal zu eigenen Diensten verlinkt, Yahoo und Bing kommen auf 28 beziehungsweise 26 Treffer mit Google-Bezug. Der Vergleich zeigt, dass Yahoo offenbar am stärksten die eigenen Angebote pusht.

Die Verzerrung ist übrigens bei der Position eins - also ganz oben auf der Trefferliste am größten. Hier listen Google und Yahoo ihre eigenen Dienste mit dreimal so hoher Wahrscheinlichkeit auf, als man es anhand der Ergebnisse der anderen Suchmaschinen erwarten würde.

Suchbegriff spreadsheet

Google Yahoo Bing
en.wikipedia.org en.wikipedia.org en.wikipedia.org
docs.google.com www.answers.com docs.google.com
www.openoffice.org www.answers.com www.google.com

Quelle: Benjamin Edelman

Bei der Berechnung der Suchergebnisse von Google spielt der sogenannte Page Rank eine zentrale Rolle. Für jede einzelne Webseite wird dieser Wert zwischen null und zehn immer wieder aufs Neue berechnet - ein äußerst aufwendiges Verfahren mit Milliarden Unbekannten. Je mehr Links auf eine Seite zeigen, umso höher ist ihr Page Rank. Link ist jedoch nicht gleich Link: Kommt er von einer hoch gerankten Seite, dann erbt die verlinkte Seite auch einen Teil des Rankings dieser Seite.

Der Page Rank einer Seite ist allerdings nur einer von mittlerweile 200 bis 300 Faktoren, die in die Berechnung von Googles Trefferlisten einfließen. Hinzu kommen zum Beispiel die Textinhalte der Web-Seite, im HTML-Code steckende Schlüsselwörter (Tags), der Titel der Seite und weitere Kriterien wie beispielsweise der Zeitpunkt der letzten Aktualisierung.

Die Details der Trefferlistenberechnung hält Google geheim, etwa welches Gewicht Schlüsselwörter im Vergleich zum Seitentitel haben. Die Analyse von Trefferlisten erlaubt aber Rückschlüsse darauf, wie die Trefferlisten zustande kommen. Genau dies machen Suchmaschinenoptimierer. Um Verzerrungen zu vermeiden, wird der Suchalgorithmus immer wieder leicht verändert - ein ständiges Katz- und Mausspiel. Deshalb können sich Trefferlisten auch von einen Tag auf den anderen ändern.

Womöglich landen Googles eigene Dienste also auch nur deshalb in den Trefferlisten ganz oben, weil ihre Entwickler einen Informationsvorsprung haben. Denn nur die Google-Entwickler kennen alle Details des aktuell verwendeten Suchalgorithmus.

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Seite 1
Systemrelevanter 25.01.2011
1. Forscher?
Was hat der "Forscher" denn nun rausgefunden? Den Google-Suchalgorhytmus wird er wohl kaum entdeckt und gegen die Suchergebnisse abgeglichen haben. An sich peinlich, dass jmd. auf Microsoft-pay-roll so offensichtlich agiert. Der würde sich sicher auch wundern, dass ihm bei der Suche nach einem mp3-player ein ipod und kein zuneplayer vorgeschlagen wird. ;)
Krassmus 25.01.2011
2. Zufall
Wenn ich Suchmaschinenbetreiber wäre, würde ich auch das Klickverhalten meiner Nutzer mit auswerten. Und ich tippe einfach mal darauf, dass Nutzer von Google häufiger bei Google auch nach Google Maps suchen, wenn sie "Maps" eingeben. Ähnlich dürfte es bei den anderen beiden Seiten sein. Und so wandern mit der Anzahl der getätigten Klicks ganz automatisch die eigenen Dienste nach oben in der Trefferliste. Ohne strikt auf der Seite von Google stehen zu wollen: Ich glaube, mit der Wissenschaftlichkeit des Professors ist es nicht weit her, wenn er diese Möglichkeit nicht einmal in Betracht zieht. Zudem stellt sich mir die Frage, warum das bei bing nicht so ist.
diracdamm 25.01.2011
3. Untersuchung?
Zitat von sysopBegünstigt Google in seiner Suchmaschine seine eigenen Produkte? Ein Harvard-Forscher*will dafür Beweise gefunden haben. Prompt wirft ihm der Internet-Gigant Voreingenommenheit vor - weil der Mann früher als Berater für Microsoft gearbeitet hat. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,741223,00.html
Nun, ich glaube, der "Harvard-Forscher" hat wirklich kein ausgewogenes Urteil gefällt und die "Untersuchung" ist wirklich ein Kinderspiel. "Auf der ersten Ergebnisseite tauchten bei Yahoo 37 Mal Links zu eigenen Angeboten auf. Bei Bing zählten die Forscher hingegen 19 Links zu Yahoo-Diensten, bei Google nur noch 15. Google hat auf der ersten Suchseite 32 Mal zu eigenen Diensten verlinkt, Yahoo und Bing kommen auf 28 beziehungsweise 26 Treffer mit Google-Bezug" Danach sieht es so aus, dass Google offenbar am wenigsten seine Produkte pusht. Wieso gilt der Angriff dann nicht vornehmlich Yahoo. Wieso ist Bing (Microsoft) in dieser Hinsicht nicht beäugt worden? Honi soit qui mal y pense. Ferner ist es so, dass google-dienste wie GMail, Maps, ... weit populärer sind als vergleichbare Produkte von Yahoo oder Microsoft, wie heißten die denn? Gibt's die überhaupt? Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass bei maps google-maps ganz vorne landet. Das hat die "Untersuchung" offenbar überhaupt nicht berücksichtigt. Dass so ein Schund aus der berühmten "Harvard-Universität" stammt, lässt tief blicken. Der Glanz ist offenbar schon ziemlich verblasst.
madoschilus 25.01.2011
4. ?
Yahoo war schon immer keine freie sondern eine Katalogsuche. Dass Google Mail sowohl bei Bing als auch bei Google oben steht verwundert dagegen kaum. Ich denke nicht, dass man hier seitens Google betrügen muss ;-)
deb2006, 25.01.2011
5. .
Zitat von sysopBegünstigt Google in seiner Suchmaschine seine eigenen Produkte? Ein Harvard-Forscher*will dafür Beweise gefunden haben. Prompt wirft ihm der Internet-Gigant Voreingenommenheit vor - weil der Mann früher als Berater für Microsoft gearbeitet hat. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,741223,00.html
Ja und? Natürlich ist das so. google ist eben von google, und natürlich promoted google seine eigenen Produkte. Man wäre ja blöd, wenn man es nicht täte. Dass google das abstreitet, wundert mich ein bisschen, da ich eine derartige Neutralität bei google auch gar nicht erwarte bzw. erwarten kann. Man muss es einfach nur wissen, dass eben die Ergebnisse von google stammen. Und dass google ein Produktportfolio hat, das NATÜRLICH vor der Konkurrenz auftaucht.
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