Streit um Zensur: Chinesen werfen USA Internet-Imperialismus vor

Das saß: US-Außenministerin Clinton prangert Staaten an, die das Internet zensieren - die chinesische Regierung reagiert empört. Die Kritik schade den Beziehungen beider Länder, warnt das Außenministerium. Eine Tageszeitung sieht in den USA sogar "Informationsimperialisten" am Werk.

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Hillary Clinton: Forderungen nach Netzfreiheit für alle

Peking/Washington - China hat ungewöhnlich scharf die Rede von US-Außenministerin Hillary Clinton zur Freiheit im Internet kritisiert. Clintons Vorwürfe, China zensiere das Netz, widersprächen den Fakten und seien schädlich für die Beziehungen zwischen den USA und China, sagte ein Außenamtssprecher in Peking am Freitag. Beide Seiten sollten ihre Meinungsverschiedenheit so austragen, dass die stabilen Beziehungen nicht beeinträchtigt würden.

Clinton hatte am Donnerstag die Beschränkung des Internets in Ländern wie China kritisiert - und Schritte gegen Länder gefordert, die Ziele im Internet angreifen. Sie erwarte von China eine gründliche und nachvollziehbare Untersuchung der Hackerattacken auf Google. Der Konzern war nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr aus China angegriffen worden und erwägt jetzt die Schließung seiner chinesischen Suchmaschine und seiner Niederlassungen im bevölkerungsreichsten Land der Erde. Google hat diesen Schritt mit der US-Regierung abgestimmt und auch die Unterstützung von Präsident Barack Obama.

China ist wegen dieses Vorgehens der US-Regierung empört. "Wir fordern die USA auf, die Tatsachen anzuerkennen und damit aufzuhören, die Frage der sogenannten Internetfreiheit zu benutzen, um China zu kritisieren", sagte der chinesische Sprecher. Man hoffe, dass beide Seiten mit den Differenzen im Sinne einer "gesunden und stetigen Entwicklung" der Beziehungen umgingen. Das chinesische Internet sei offen und wachse stark, der Staat reguliere es nur, um es in Einklang mit dem Gesetz, "den nationalen Bedingungen und kulturellen Traditionen" zu bringen. Die Tageszeitung "Global Times" warf den USA in einem Kommentar sogar "Informationsimperialismus" vor. Die Forderungen der USA nach freiem Fluss der Informationen seien "ein verdeckter Versuch, anderen Ländern im Namen der Demokratie ihre Werte aufzuzwingen".

Tatsächlich sind in China viele regimekritische Seiten nicht aufzurufen. Unter anderem werden auf Googles Internetseite google.cn Informationen über Proteste und das Tiananmen-Massaker 1989 unterdrückt.

Clinton hatte neben China auch Tunesien, Usbekistan, Ägypten, Nordkorea, Iran, Saudi-Arabien und Vietnam wegen Beschränkungen des Internets kritisiert. Sie forderte die Internetunternehmen in den USA auf, sich den Zensurbestimmungen autoritärer Regierungen zu widersetzen: Ein "neuer Vorhang" schneide einen großen Teil von der Welt von freier Information ab, sagte Clinton und verglich die Zensur mit einer modernen Version der Berliner Mauer. Sie verstoße gegen die Menschenrechte. Das Internet könne zur Bildung transnationaler Gemeinschaften dienen, dem Niederreißen von Sprachbarrieren dienen und dem wirtschaftlichen Fortkommen gerade in Entwicklungsländern. Wer das Internet zensiere, schade Unternehmen im eigenen Land.

Wenn im Netz zu Gewalt angestachelt werde, radikale Thesen vertreten, Urheberrechte verletzt oder Kinderpornographie verbreitet würden, dann dürfe das nicht zum Anlass genommen werden, "systematisch die Rechte unbescholtener Bürger zu verletzen", sagte Clinton. Explizit verwies sie auf einen Blogger in Ägypten, der in der vergangenen Woche verhaftet wurde, und einen Saudi-Araber, der im Gefängnis gelandet sei, weil er online über das Christentum geschrieben habe.

Ob Google sich nach dem Eklat endgültig aus China zurückzieht oder sich mit der Regierung noch einigt, ist offen. Konzernchef Eric Schmidt sagte am Donnerstag, der Suchmaschinenbetreiber habe noch nicht damit begonnen, die Zensur seiner Suchergebnisse in China tatsächlich aufzuheben. Im Augenblick "folgen wir noch ihren Gesetzen und bieten weiterhin zensierte Resultate". Das werde sich jedoch "recht bald" ändern. Man führe Gespräche mit der chinesischen Regierung und wäre gerne weiter in dem Land vertreten - allerdings "nur unter anderen Bedingungen als den gegenwärtigen".

Die Hackerangriffe auf Google und andere Unternehmen würden "weiterhin untersucht", sagte Schmidt bei der Präsentation der Geschäftsergebnisse seines Konzerns für das vierte Quartal 2009. Google machte einen Gewinn von zwei Milliarden Dollar.

cis/dpa/AFP/Reuters

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Forum - Google - bloß ein PR-Coup oder echtes Engagement?
insgesamt 385 Beiträge
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1. Konzern mit Prinzipien?
Meckermann 13.01.2010
Wenn Google hier wirklich mal konsequent wäre: respekt! Dann würde der Datenkraken auch in meiner Gunst wieder steigen - was noch nicht heißt, dass ich ihm noch mehr von mir preisgebe, als ich ohnehin schon tue...
2. Super Idee
jupol 13.01.2010
Vielleicht kann ja AOL Deutschland in die Bresche springen!
3. Google versus China
quibus48 13.01.2010
Na, da steht ja dann Big Brother gegen Big Brother. Siehe Titelgeschichte des SPIEGEL: "Google - Der Konzern, der mehr über Sie weiß als Sie Selbst"
4.
stormking 13.01.2010
Zitat von sysopGoogle droht China mit Rückzug, beugt sich den chinesischen Zensurvorschriften nicht mehr. Welche Folgen wird die Aktion haben? Sollen andere Firmen Googles Beispiel folgen?
Wenn sie das wirklich durchziehen, dann Respekt! Der Deal mit China war bisher der einzige wirkliche Fleck auf Googles doch ziemlich weißer Weste. Man hat ja seinerzeit schon versprochen, die Geschäftsbedingungen regelmäßig zu überdenken, das habe ich aber - wie viele andere wahrscheinlich auch - als bloßen Beschwichtigungsversuch angesehen. Man kann sich nur wünschen - wie gesagt, vorausgesetzt die ziehen das durch - daß auch andere Firmen sowie unsere Regierung eine derartige Konsequenz beweisen würden.
5.
rrbbkim 13.01.2010
Ich hoffe, dass das mal extrem eskaliert. Die Welt darf sich von China nicht mehr so an der Nase herumführen lassen. Danke, Google!
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Googles Geschichte
1995 - When Larry met Sergey
Angeblich konnten Larry Page und Sergey Brin einander erst einmal nicht besonders gut leiden, als sie sich im Jahr 1995 zum ersten Mal trafen. Der 24-jährige Brin war übers Wochenende in Stanford zu Besuch, der 23-jährige Page gehörte angeblich zu einer Gruppe von Studenten, die Besucher herumführen mussten. Der Legende nach stritten Brin und Page ununterbrochen miteinander.
1996 - Es begann mit einer Rückenmassage
Die erste Suchmaschine, die Page und Brin gemeinsam entwickelten, hatte den Arbeitstitel "BackRub" (Rückenmassage), weil sie im Gegensatz zu anderen zu dieser Zeit eingesetzten Suchtechniken auch "Backlinks" berücksichtigte, also Links, die auf die entsprechende Web-Seite verwiesen.
1998 - Finanzierung
Nachdem die Versuche gescheitert waren, die eigene Entwicklung an ein Unternehmen wie Yahoo zu verkaufen, entschlossen sich Brin und Page entgegen ihren ursprünglichen Plänen, selbst ein Unternehmen zu gründen. Der Legende nach bekamen sie von Andy Bechtolsheim, einem der Gründer von Sun Microsystems, einen Scheck über 100.000 Dollar - ausgestellt auf Google Inc., obwohl ein Unternehmen dieses Namens zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht existierte. Insgesamt brachten die beiden eine Anfangsfinanzierung von knapp einer Million Dollar zusammen - was reichte, um in der Garage eines Freundes in Menlo Park, Kalifornien, ein Büro einzurichten und einen Angestellten zu engagieren. Im September wurde das mit einer Waschmaschine und einem Trockner ausgestattete Büro eröffnet - was heute als offizielle Geburtsstunde von Google betrachtet wird.
1999 - Mehr Geld und ein neues Heim
Schon im Februar 1999 zog das rasant wachsende Unternehmen in ein richtiges Bürogebäude um. Inzwischen hatte es acht Mitarbeiter. Erste Firmenkunden bezahlten Geld für Googles Dienste. Am 7. Juni wurde eine zweite Finanzierungsrunde verkündet: Die Wagniskapitalgeber Sequoia Capital und Kleiner Perkins Caufield & Byers schossen insgesamt 25 Millionen Dollar zu. Noch im gleichen Jahr bezog das Unternehmen den "Googleplex", den Kern des heutigen Hauptquartiers in Mountain View, Kalifornien.
2000 - AdWords
Das Jahr 2000 muss als jenes gelten, in dem Google tatsächlich zu dem gemacht wurde, was es heute ist: dem mächtigsten Werbe-Vermarkter im Internet. Der Start eines "Schlüsselwort-gesteuerten Werbe-Programms" schuf die Basis für den gewaltigen kommerziellen Erfolg von Google. Man benutze "ein proprietäres Anzeigen-Verteilungssystem, um eine der Suchanfrage eines Nutzers sorgfältig angepasste Werbeanzeige beizugeben", erklärt die Pressemitteilung von damals das Prinzip. Die Anzeigen konnten online auf sehr einfache Weise eingekauft werden - AdWords war geboren und brachte sofort Geld ein. Noch heute ist die Vermarktung der Textanzeigen auf der Suchseite die zentrale Säule des Google-Imperiums, die den Löwenanteil aller Umsätze ausmacht. Parallel wurden im Jahr 2000 neue Kunden gewonnen, die Google-Suche in ihre Angebote integrierten, darunter Web-Seiten aus China und Japan. Im gleichen Jahr wurde auch die Google Toolbar veröffentlicht, die es erlaubte, mit Google das Netz zu durchsuchen, ohne auf die Google-Web-Seite zu gehen.
2001 - Profit und ein neuer Eric Schmidt
Schon im Jahr 2001 machte Google Profit - was man von den meisten anderen Start-ups, die zu dieser Zeit noch die Phantasien der Börsenmakler beflügelten, nicht behaupten konnte. Um den Anforderungen eines rasant wachsenden Unternehmens gerecht zu werden, wurde Eric Schmidt, der zuvor schon führende Positionen in Firmen wie Novell und Sun Microsystems innegehabt hatte, im August 2001 zum Chief Executive Officer Googles ernannt.
2002 - Corporate Search, Google News, Froogle
Seit 2002 verkauft Google auch Hardware - Such-Lösungen für die Intranets von Unternehmen. Im September des Jahres wurde die Beta-Version von Google News livegeschaltet, dem Nachrichten-Aggregator, der bis heute für zuweilen böses Blut zwischen Zeitungen, Nachrichtenagenturen und den Suchmaschinisten sorgt. Ein Algorithmus sammelt Schlagzeilen und Bilder und komponiert daraus nach bestimmten Kriterien eine Übersichtsseite. Im Dezember startete zudem Froogle, eine mäßig erfolgreiche Produkt-Suchmaschine. Heute heißt Froogle schlicht Google Product Search.
2003 - AdSense und Blogger
AdSense ist die zweite wichtige Säule im Google-Anzeigenimperium. Im Jahr 2003 wurde der Dienst vorgestellt, der den Text auf Web-Seiten analysiert und daneben passende Werbeanzeigen platzieren soll. Das System bietet auch Betreibern kleiner Web-Seiten die Möglichkeit, ihre Angebote zu monetarisieren - die Einkünfte werden zwischen Seiteninhaber und Google aufgeteilt. Im gleichen Jahr kaufte Google Blogger, einen großen Blog-Hoster.
2004 - Picasa, Googlemail, Bücher und ein Börsengang
Der Start des E-Mail-Dienstes Googlemail (in den USA Gmail) wurde am 1. April verkündet, mitsamt der Nachricht, dass die Nutzer ein Gigabyte Speicherplatz zur Verfügung haben würden. Es wurde schnell klar, dass es sich nicht um einen Scherz handelte - und dass Google daran selbstverständlich verdienen will. AdSense wurde von Anfang an eingesetzt, um E-Mails nach Schlüsselwörtern zu durchsuchen und mehr oder minder passende Reklame daneben einzublenden. Im Juli kaufte Google Picasa, ein Unternehmen, das sich auf die digitale Fotoverwaltung spezialisiert hatte. Heute ist Picasa ein On- und Offline-Angebot - Googles Antwort auf Flickr.

Am 19. April konnte man Google-Aktien an der Technologiebörse Nasdaq erstmals kaufen. Eine Aktie kostete 85 Dollar. Heute ist sie knapp fünfmal so viel wert. Mit dem vielen neuen Geld stieß Google noch im gleichen Jahr verschiedene Projekte an - unter anderem Google Print: Mit den Universitäten Harvard, Stanford, University of Michigan, University of Oxford und der New York Public Library kam man überein, Bücher zu scannen, zu digitalisieren und online durchsuchbar zu machen. Im darauffolgenden Jahr wurde Google Print in "Book Search" umbenannt. Inzwischen sind zahlreiche andere Bibliotheken mit im Boot - auch deutsche.
2005 - Google Maps und Google Earth
Im Jahr 2005 kam die Google-Maschinerie richtig in Schwung. In rasantem Tempo veröffentlichte das Unternehmen, das bis zum dritten Quartal auf fast 5000 Mitarbeiter angewachsen war, eine Anwendung nach der anderen. Die im Rückblick wohl wichtigste: Google Maps, der Kartendienst, der die Welt geografisch durchsuchbar machen sollte, und sogleich mit der bis dahin nur mäßig erfolgreichen lokalen Suche Google Local verschmolz. Die im Jahr zuvor angekaufte Satellitenkapazität kam nun zum Einsatz: Sie bot die heute beinahe selbstverständliche Möglichkeit, Satellitenfotos statt abstrakter Karten anzusehen. Später im Jahr kam auch noch die Desktop-Software Google Earth, Googles Digitalglobus. Außerdem starteten: die "personalisierte Homepage", die heute iGoogle heißt, Googles Video- und Fotosuche, die Voice-over-IP und Instant-Messaging-Lösung Google Talk, der bis heute ziemlich glücklose Kleinanzeigendienst Google Base, ein eigener RSS-Reader. Und: Google kaufte das Unternehem Urchin und verwandelte dessen Webtraffic-Analysemethoden in sein Angebot Google Analytics. Damit bot das Unternehmen nun erstmals die vollständige Dienst-Palette einer Netz-Mediaagentur, eines Online-Werbevermarkters.

Die Geschäfte liefen auch 2005 hervorragend für Google - so gut, dass man eine Partnerschaft mit dem strauchelnden Online-Dinosaurier AOL verkünden und eine Millarde Dollar in das Unternehmen investieren konnte.
2006 - Google Video, Web-Applikationen , YouTube - und Kritik
Anfang des Jahres stellte Larry Page bei einem Vortrag bei der Consumer Electronics Show in Las Vegas Google Video vor - und Google Pack, einen ersten, offenkundigen Angriff auf Microsoft, denn das Software-Paket enthielt diverse Anwendungen, die als Konkurrenzprodukte zu Microsofts Angebot gelten können. Gegründet wurde die Wohltätigkeitsorganisation Google.org, an den Start gingen außerdem der Finanzinformationsdienst Google Finance und die Paypal-Konkurrenz Google Checkout. Vor allem aber ist 2006 das Jahr, in dem man bei Google ernsthaft damit begann, Office-Anwendungen ins Web zu verlegen. Neben dem Google-Kalender wurde am Jahresende auch Google Docs & Spreadsheets livegeschaltet. Zuvor hatte Google Upstartle gekauft, ein Unternehmen, das bis dahin das Online-Textverarbeitungsprogramm Writely hergestellt hatte - nur eine von mehreren Akquisitionen. Auch SketchUp (3-D-Gebilde für Google Earth) und die Wiki-Plattform JotSpot wurden 2006 ins Google-Reich integriert.

Der prominenteste Ankauf des Jahres war jedoch YouTube: Google zahlte 1,65 Milliarden Dollar für die Videoplattform und holte sich so Konkurrenz zum eigenen, eben erst gestarteten Videoangebot ins Haus. Zudem wurde eine Werbe- und Suchpartnerschaft mit dem eben von Rupert Murdoch aufgekauften MySpace verkündet: Google stieg endlich ernsthaft ins Geschäft mit dem Web 2.0 ein.

Parallel verlor Google in den Augen vieler Nutzer seine Unschuld: mit dem Start einer eigenen Suchmaschine für China, die sich den Zensurwünschen der dortigen Regierung beugt. Eine Tibet-Unterstützergruppe rief eine Initiative namens "No love 4 Google" ins Leben - und fasste damit einen globalen Meinungsumschwung zusammen. Der Engelsglanz des vermeintlich anderen, besseren Unternehmens, den Google lange hatte aufrechterhalten können, schwand nach und nach.

Ende 2006 hat Google mehr als 10.600 Angestellte.
2007 - Googlemail für alle, DoubleClick, Streetview und Android
Im Februar wird Googles E-Mail-Dienst für alle geöffnet - bis dahin brauchte man eine Einladung, um seine E-Mails von AdSense nach Schlüsselwörtern durchsuchen zu lassen.

Vor allem aber ging Google 2007 auf Einkaufstour - in seinem Kerngeschäftsbereich, der Online-Werbung. Zunächst wurde Adscape, ein Spezialist für Werbung in Computerspielen, aufgekauft, dann DoubleClick. Über drei Milliarden Dollar ließ man sich den Online-Anzeigenvermarkter kosten - und eine Menge Ärger. Erst im März 2008 segnete die EU-Kommission den Kauf ab. Datenschützer sehen Google seit der DoubleClick-Akquisition noch kritischer, denn das Unternehmen ist nicht zuletzt darauf spezialisiert, möglichst gründlich Nutzerdaten zu sammeln, um personalisierte Werbung servieren zu können.

Außerdem schickte Google 2007 seine Foto-Autos los: Für die Maps-Erweiterung Streetview fuhren die Kamera-Mobile zunächst durch US-Großstädte - im Jahr 2008 sind sie auch in Deutschland unterwegs.

Außerdem beginnt Google verstärkt, Fühler in Richtung der alten Medienwelt auszustrecken - es gibt Testläufe für Werbevermarktung im Radio, in Print-Publikationen und im traditionellen Fernsehen.

Schon seit Jahren hatte Google verschiedene seiner Dienste in speziellen Handy-kompatiblen Versionen angeboten - Ende 2007 kam dann der ganz große Schritt in die mobile Welt: Das Handy-Betriebssystem Android wurde angekündigt, ein Open-Source-Projekt in Zusammenarbeit mit vielen Telekommunikationsanbietern und Handy-Herstellern.

Ein weiteres Open-Source-Projekt soll Google den Zugriff auf das Vermarktungspotential der Social Networks erleichtern: Die Plattform OpenSocial soll Netzwerkapplikationen transportabel machen, so dass sie bei MySpace genauso laufen können wie bei Xing. Die meisten der großen Communitys sind OpenSocial beigetreten - bis auf Facebook.
2008 - Knol, Chrome und kein Ende
Im laut offizieller Zeitrechnung zehnten Jahr seiner Existenz lässt die Suchmaschine im Tempo nicht nach. 2008 wurden eine kollaborative Wissensplattform (Knol), eine 3-D-Chatanwendung (Lively), Straßenansichten für noch mehr Großstädte - und ein eigener Google-Browser gestartet.

Gleichzeitig wächst die Kritik am Suchmaschinengiganten. Die immer neuen Projekte scheinen vielen Nutzern und Datenschützern inzwischen Ausdruck eines gewaltigen Datenhungers - sowohl auf persönliche Informationen über die Nutzer als auch auf nahezu jede beliebige Art von Information, die dem gewaltigen Weltarchiv Google einverleibt werden könnte. Der Google Leitspruch "Don't be evil" hat für manche inzwischen einen hohlen Klang, und die Missionserklärung, man wolle "alle Information der Welt organisieren", klingt zuweilen eher wie eine Drohung.


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