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Stuxnet-Attacke in Iran: Geheimdienste warnen vor zweitem Tschernobyl

Wie gefährlich war und ist Stuxnet wirklich? Die Nachrichtenagentur AP behauptet, Einblick in Unterlagen eines nicht genannten Geheimdienstes zu haben: Demnach könnte die Schadsoftware einen GAU in iranischen Atomanlagen verursachen. Die These ist stark umstritten.

Buschehr-Reaktor: GAU-gefährdet, wenn er online geht? Zur Großansicht
dpa

Buschehr-Reaktor: GAU-gefährdet, wenn er online geht?

Es wäre ein Horrorszenario: In einer iranischen Atomanlage gibt es einen Störfall, die Sache gerät außer Kontrolle, schließlich kommt es zu einem GAU mit den Ausmaßen der Katastrophe von Tschernobyl. Im April 1986 war der Reaktor in der heutigen Ukraine infolge einer Kernschmelze explodiert. Der Vorfall gilt als eine der schlimmsten Umweltkatastrophen aller Zeiten.

Erst vor zwei Wochen hatte die britische Tageszeitung "Daily Telegraph" auf Basis von Informationen nicht genannter westlicher Geheimdienste vor der Gefahr eines solchen nuklearen Unfalls in Irans Buschehr-Reaktor berichtet. Jetzt bekräftigt die Nachrichtenagentur AP diese Warnung. Ein der Agentur vorliegender Geheimdienstbericht - "zusammengestellt von einer Nation, die Irans Atomprogramm intensiv überwacht" - behaupte, dass Dementis und Beschwichtigungen von iranischer und russischer Seite, es bestünde keine derartige Gefahr mehr, verfrüht seien und auf einer "beiläufigen Einschätzung" beruhten, heißt es.

Die Gefahr geht demnach einmal mehr vom Schadprogramm Stuxnet aus. Der Computervirus soll mit amerikanischer Hilfe von Israel in Umlauf gebracht worden sein und hatte Berichten zufolge Abläufe in den Zentrifugen iranischer Atomanlagen gestört. So sollte offenbar die Qualität des dort aufbereiteten Urans gemindert werden.

Laut AP habe Stuxnet außerdem Steuerungscomputer befallen und könnte diese auch gezielt stören. Daher habe zumindest die Möglichkeit bestanden, dass Techniker beim Hochfahren des Reaktors Buschehr im Störfall keine Fehlermeldungen bekommen hätten. Es hätte damit zu einer Kernschmelze wie in Tschernobyl kommen können. Angeblich sind diese Probleme gelöst, der von der AP zitierte Geheimdienstbericht widerspricht dem jedoch.

Echte Gefahr - oder propagandistisches Störfeuer?

Neu ist ein solches Szenario nicht. Es wurde allerdings nicht nur von russischen und iranischen Offiziellen, sondern auch von unabhängigen IT-Experten bestritten. Die Schadroutinen von Stuxnet zielten demnach sehr genau auf die Steuerungsgeräte für die Zentrifugen - und nichts anderes.

Das schließt zwar nicht aus, dass die Backdoor-Funktionen einer Schadsoftware nicht dazu genutzt werden könnten, auch andere Rechner mit anderen Funktionen anzugreifen. Die Steuerungsrechner der Nuklearanlage selbst aber seien gar nicht über das Internet ansprechbar, erklären iranische und russische Offizielle.

Das würde zwar ein Update des Virus verhindern, den ursprünglichen Befall aber nicht: Denn der Verbreitungsweg von Stuxnet lief mehrgleisig, unter anderem über USB-Sticks. AP zitiert daher auch einen Experten der International Atomic Energy Agency, der einen Befall der Steuerungsrechner für möglich hält. Der russische Nato-Botschafter Dimitri Rogozin soll außerdem bestätigt haben, dass es tatsächlich einen solchen Befall und die Gefahr erheblicher Schäden gegeben habe. Das aber sei Vergangenheit, die Systeme seien inzwischen wieder sicher. "Der Virus hätte sehr ernste Folgen verursachen können", so Rogozin, "er hätte zu einem zweiten Tschernobyl führen können."

Skepsis ist dennoch angebracht. Entsprechend äußert sich unter anderem der Hamburger IT-Sicherheitsexperte Ralph Langner, der schon im Herbst als einer der ersten eine detaillierte Analyse von Stuxnet vorlegen konnte. Er erklärt, dass Stuxnet anders als von den iranischen und russischen Offiziellen behauptet durchaus auch Rechenanlagen in Buschehr befallen habe. Das Virus sei aber nicht dazu gemacht, diese Systeme zu sabotieren: "Eine thermonukleare Explosion kann durch so etwas wie Stuxnet nicht verursacht werden." Allerdings könne es bis zu einem Jahr dauern, alle Systeme von Stuxnet zu befreien.

Dass innerhalb von zwei Wochen inhaltlich sehr ähnliche Informationen jeweils von namentlich nicht genannten Geheimdiensten an Medien gegeben werden, ist ungewöhnlich. Die Behauptungen des "Daily Telegraph" hatten innerhalb eines Tages zu einem offiziellen Dementi von Seiten der russischen Atombehörde Rosatom geführt.

Russland kooperiert mit Iran beim Aufbau der umstrittenen Atomanlage. Westliche Geheimdienste gehen davon aus, dass die Iraner versuchen könnten, den Reaktor innerhalb weniger Monate startbereit zu machen.

Unter anderem hat sich Russland bereit erklärt, nicht nur Brennstoff zu liefern, sondern auch die Entsorgung von Atommüll zu übernehmen. Damit soll verhindert werden, dass Iran waffenfähiges Nuklearmaterial in die Hände bekommt. Vor allem die USA und Israel beobachten das Projekt mit erheblichem Misstrauen, sie würden den Start des Reaktors gern völlig verhindern.

pat/AP

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insgesamt 11 Beiträge
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1. Dieses verdammte stuxnet ist inzwischen zur Version 2.0
almabu! 01.02.2011
Zitat von sysopWie gefährlich war und ist Stuxnet wirklich? Die Nachrichtenagentur AP behauptet, Einblick in Unterlagen eines nicht genannten Geheimdienstes zu haben: Demnach*könnte die Schadsoftware einen GAU in iranischen Atomanlagen verursachen. Die These ist stark umstritten. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,742828,00.html
weiterentwickelt worden. Anstatt Anreicherunsgzentrifugen weist hier mein Giro-Konto starke Schwankungen auf, die gegen Monatsende in den letalen Bereich abschmieren, Sauerei!
2. Die Geister die ich rief,.............
sic tacuisses 01.02.2011
Zitat von sysopWie gefährlich war und ist Stuxnet wirklich? Die Nachrichtenagentur AP behauptet, Einblick in Unterlagen eines nicht genannten Geheimdienstes zu haben: Demnach*könnte die Schadsoftware einen GAU in iranischen Atomanlagen verursachen. Die These ist stark umstritten. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,742828,00.html
3. -
arrow64 01.02.2011
Hallo Herr Langner, wo haben Sie im Irak denn einen Fusionsreaktor verortet? Sie werden hier von SPON wie folgt zitiert: Er erklärt, dass Stuxnet anders als von den iranischen und russischen Offiziellen behauptet durchaus auch Rechenanlagen in Buschehr befallen habe. Das Virus sei aber nicht dazu gemacht, diese Systeme zu sabotieren: "Eine *thermo*nukleare Explosion kann durch so etwas wie Stuxnet nicht verursacht werden."
4. USA und Israel würden den Start des Reaktors gern völlig verhindern
Steinhauer 01.02.2011
Zitat von sysopWie gefährlich war und ist Stuxnet wirklich? Die Nachrichtenagentur AP behauptet, Einblick in Unterlagen eines nicht genannten Geheimdienstes zu haben: Demnach*könnte die Schadsoftware einen GAU in iranischen Atomanlagen verursachen. Die These ist stark umstritten. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,742828,00.html
Israel und Amerikaner geht es darum, dass der Iran abhängig ist und bleibt und nicht eigenen Energiebedarf, der für industrielle Entwicklung des Landes unabdingbar ist, decken kann und somit erpressbar und gefügig ist. Die Doppelzüngigkeit der abendländischen Demokratien sieht man am besten beim Aufstand der Bevölkerung in Tunesien, Ägypten und …. Wir werben für Demokratie und Freiheit aber fürchten die Ergebnisse. Das ist unser Armutszeugnis, wenn wir nicht uns als bessere Alternative überzeugen können.
5. 54564
kein Ideologe 01.02.2011
Zitat von arrow64Hallo Herr Langner, wo haben Sie im Irak denn einen Fusionsreaktor verortet? Sie werden hier von SPON wie folgt zitiert: Er erklärt, dass Stuxnet anders als von den iranischen und russischen Offiziellen behauptet durchaus auch Rechenanlagen in Buschehr befallen habe. Das Virus sei aber nicht dazu gemacht, diese Systeme zu sabotieren: "Eine *thermo*nukleare Explosion kann durch so etwas wie Stuxnet nicht verursacht werden."
wie kommen Sie auf Fusion, als *thermo*nukleare Explosionen bezeichnet man sehr wohl auch auf Kernspaltung basierende Explosionen. Die Erklärung, daß derartiges nicht durch Stuxnet verursacht werden kann ist nötig. Es ist ein verbreiteter Glaube, Kernkraftwerke wären sowas wie Atombomben mit angezogener Handbremse.
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Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potenziell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.

Irans Atomprogramm
Streit
AP
Iran unterzeichnete 1968 den Sperrvertrag für Atomwaffen . Dieser erlaubt die zivile Nutzung von Nuklearenergie und die dafür notwendige Forschung einschließlich der Urananreicherung .

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien kontrolliert die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags; sie erstellt regelmäßig Berichte über das iranische Atomprogramm .

Der Uno-Sicherheitsrat hat in seiner Resolution 1696 vom 31. Juli 2006 Iran erstmals aufgefordert, die Anreicherung von Uran einzustellen; Teheran weigert sich unter Berufung auf den Atomwaffensperrvertrag.

Als Vermittler tritt seit einigen Jahren auch die "EU-Troika" auf, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Anlagen
Arak : geplanter Schwerwasserreaktor
Buschehr : Atomkraftwerk, im Mai 2011 nach mehrfachen Terminverschiebungen in Betrieb genommen - zunächst zu Testzwecken. Im September 2011 ging der Reaktor in Regelbetrieb, allerdings noch nicht auf voller Leistung
Isfahan : Forschungsreaktor
Jasd: Uranminen
Natans : Anlage zur Urananreicherung, angeblich mit 6000 Zentrifugen in Betrieb. Im Herbst 2009 gab Iran bekannt, nahe der Stadt Ghom eine zweite Anlage zur Urananreicherung zu besitzen.
Teheran : Forschungsreaktor
Geschichte
1974: Unter Beteiligung von Siemens beginnt bei Buschehr der Bau eines Kernkraftwerks.
1979: Nach der Revolution und der Ausrufung der Islamischen Republik wird das Atomprogramm nicht weiter betrieben.
1980-1988: Im Irak-Iran-Krieg wird der Atomreaktor in Buschehr mehrfach bombardiert und dabei schwer beschädigt.
Neunziger Jahre: Deals auf dem Schwarzmarkt mit Abdul Qadir Khan , Pakistans "Vater der Atombombe"
1995: Abkommen mit Russland zum Wiederaufbau des Atomreaktors von Buschehr
2002: Iranische Oppositionelle im Exil berichten über ein geheimes Atomprogramm.
2003: Iran unterzeichnet das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag (bislang aber nicht vom Parlament ratifiziert).
2006: Der Uno-Sicherheitsrat verlangt in seiner Resolution 1696 erstmals den Stopp der Urananreicherung .
Juli 2008: Iran droht bei einem Angriff auf seine Atomanlagen mit militärischen Gegenschlägen. Das Regime testet Schahab-3-Raketen, die auch Ziele in Israel erreichen könnten.
November 2008: Iran hat nach eigenen Angaben die Zahl seiner für die Urananreicherung benötigten Zentrifugen auf 5000 erhöht.
Juni 2009: Iran hat laut Internationaler Atomenergiebehörde IAEA weitere tausend Gaszentrifugen im Atomzentrum Natans in Betrieb genommen und bisher knapp 1,4 Tonnen niedrig angereichertes Uran produziert.
Mai 2010: Nach Verhandlungen mit dem brasilianischen Präsidenten Lula und dem türkischen Regierungschef Erdogan erklärt sich Iran bereit, schwach angereichertes Uran im Ausland zu tauschen. Wenig später kündigt Teheran an, an der umstrittenen Urananreicherung auf 20 Prozent festhalten zu wollen.
Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat, die EU und die USA beschließen neue Sanktionen gegen Teheran. US-Präsident Obama spricht von den bisher härtesten Sanktionen überhaupt - doch Beobachter bleiben skeptisch, ob die Strafmaßnahmen Erfolg bringen.
Sanktionen
REUTERS
Uno-Sanktionen: Verbot von Waffen- und Nuklearhandel, Einfrieren von Konten, Reisebeschränkungen, verhängt in Resolution 1737 (23.12.2006), Resolution 1747 (24.03.2007), Resolution 1803 (03.03.2008)

Sanktionen der USA: Vollständiger Handels- und Investitionsboykott, beruhend auf Executive Order 12959 von 1995, neue Sanktionen im Juni 2010

Sanktionen der EU: Einschränkungen für Handel und Investitionen, Einfrieren von Vermögen, Reisebeschränkungen, beruhend auf Verordnung (EG) Nr. 423/2007 des Rates (19.04.2007)

Nahost
dpa
Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärt, das israelische "Besatzungsregime" müsse "aus den Annalen der Geschichte verschwinden".
Israelische Politiker, darunter auch Kabinettsmitglieder, sprechen sich für präventive Militärschläge gegen Iran aus.
Personen
Said Dschalili , Atomunterhändler seit Oktober 2007
Yukiya Amano , Generaldirektor der IAEA
Der Verhandlungspoker um die Urananreicherung
Oktober 2009: Vertreter Irans, Deutschlands und der fünf Vetomächte im Sicherheitsrat kommen zu Atom-Gesprächen in Genf zusammen.
November 2009: Die IAEA kritisiert in einer Resolution die jahrelang geheim gehaltene iranische Urananreicherungsanlage bei Ghom. Teheran reagiert mit der Ankündigung, zehn neue Uran-Anlagen zu bauen.
Dezember 2009: Iran testet die Mittelstreckenrakete Sedschil 2. Diese habe größere Zielgenauigkeit als das Vorgängermodell Schahab 3.
2. Februar 2010: Ahmadinedschad zeigt sich bereit, auf einen Vorschlag der IAEA einzugehen, der eine Anreicherung iranischen Urans auf 20 Prozent im Ausland vorsieht. Wenige Tage später rudert er wieder zurück.
7. Februar 2010: Iran verkündet, man habe niedrig angereichertes Uran von 3,5 auf 20 Prozent gebracht und sei in der Lage, es auf 80 Prozent anzureichern. Damit könnten Atomwaffen hergestellt werden.
11. Februar 2010: US-Präsident Barack Obama kündigt als Reaktion umfangreiche neue Sanktionen gegen Iran an.
1. April 2010: Nach langem Widerstand gegen neue Sanktionen ist China bereit, sich an den Verhandlungen über den Text einer verschärften Uno-Resolution zu beteiligen.
25. April 2010: Zur Abwehr neuer Sanktionen besucht Irans Außenminister Manutschehr Mottaki Österreich. Gespräche mit dem Chef der IAEA, Yukija Amano, und Österreichs Außenminister Michael Spindelegger bringen jedoch keinen Durchbruch.
17. Mai 2010: Nach Verhandlungen mit Brasilien und der Türkei lenkt Iran ein und will Uran im Ausland anreichern lassen. Doch die internationale Gemeinschaft reagiert skeptisch auf die Ankündigung.
9. Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat beschließt schärfere Sanktionen gegen Iran. Sie beinhalten weitere Hürden für die iranische Finanzbranche und eine Ausweitung des Waffenembargos. Auch die USA und die EU setzen schärfere Maßnahmen gegen Iran in Kraft.
Januar 2011: Die Atomgespräche zwischen Iran und den westlichen Mächten in Istanbul scheitern. Teheran hatte weiterhin "ein Recht auf Urananreicherung" gefordert.
Fotostrecke
"Virus Bulletin": Die Stuxnet-Konferenz

Republik Iran
Land
REUTERS
Die Islamische Republik Iran ist mit einer Fläche von rund 1,7 Millionen Quadratkilometern fünfmal so groß wie Deutschland. Das Land besitzt nach Russland die zweitgrößten Erdgasreserven der Welt, beim Erdöl steht Iran auf Platz drei und ist derzeit nach Saudi-Arabien der größte Produzent innerhalb der Opec.
Politik
dpa
Seit der Islamischen Revolution von 1979 haben der Revolutionsführer, aktuell Ajatollah Ali Chamenei (Bild), und der Wächterrat die größte Macht im Staat. Der Wächterrat kontrolliert die Kandidaten für Wahlen. Der Regierungschef ist der gewählte Präsident - seit August 2013 Hassan Rohani.
Leute
Corbis
Iran hat rund 75 Millionen Einwohner. Auf dem Uno-Index menschlicher Entwicklung (HDI) für 179 Staaten belegt Iran Platz 76 (Deutschland ist auf Platz 5). Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 73 Jahren (zum Vergleich: Die Lebenserwartung in Deutschland liegt bei 80 Jahren).
Wirtschaft
REUTERS
Die Wirtschaftsleistung pro Kopf betrug 2008 laut einer Schätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) rund 5200 Dollar. Begünstigt vom hohen Ölpreis wuchs die Wirtschaft zuletzt um etwa sechs Prozent. Neben der Arbeitslosenquote, die laut inoffiziellen Schätzungen bei etwa 30 Prozent liegt, ist die Inflation eines der größten wirtschaftlichen Probleme. 2008 soll sie bei fast 30 Prozent gelegen haben, für 2009 rechnet der IWF mit 25 Prozent. Im Jahr 2005 machten Teherans Ausgaben für das Militär laut Uno-Statistiken 5,8 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung aus (Deutschland: 1,4 Prozent).
Menschenrechte
REUTERS
Nach China ist Iran das Land, in dem die meisten Todesurteile vollstreckt werden. Laut Amnesty International wurden 2009 mindestens 388 Menschen hingerichtet, das waren 42 Hinrichtungen mehr als im Vorjahr. Der Uno zufolge saßen 2007 pro 100.000 Einwohner 214 Menschen im Gefängnis (in Deutschland sind es 95). Korruption ist in Iran weit verbreitet. Auf dem weltweiten Index von Transparency International nimmt Iran 2009 bei 180 beobachteten Staaten den 168. Rang ein (Deutschland: 14).


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