Such-Alternativen Meine Woche ohne Google

Wie lässt sich der Alltag eines Webarbeiters ohne Google bestreiten? Taugen DuckDuckGo, Bing und Qwant als Alternative? Wo fehlt Google kaum, wo ist es unverzichtbar? Wir haben es ausprobiert.

Google-Logo in einem Büro in Kanada: Suchmaschine mit mehr als 90 Prozent Marktanteil in Deutschland
REUTERS

Google-Logo in einem Büro in Kanada: Suchmaschine mit mehr als 90 Prozent Marktanteil in Deutschland

Ein Selbstversuch von


Ich suche jeden Tag mindestens hundert Mal mit Google. Selten ist es weniger, manchmal deutlich mehr. Ich weiß das, weil die Suchmaschine mitzählt. Wenn man bei Google angemeldet ist, etwa mit seinem Mailaccount, merkt sich die Firma alle Suchanfragen im Webprotokoll. Man kann das abschalten. Ich habe es für einen Monat eingeschaltet, um mich selbst zu beobachten.

Von Google protokollierte Suchvorgänge: Sonntags seltener

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Dann wollte ich wissen: Geht Internet auch ohne Google? Lässt sich Google einfach ersetzen? Das hier ist mein subjektiver Bericht: meine Woche ohne Google.

Montag mit DuckDuckGo

Als Erstes muss Chrome weg. Der Google-Browser hat kein eigenes Suchfeld mehr, nur noch ein Eingabefeld für Adressen oder Suchbegriffe. Ob ich "http://www.spiegel.de" oder "spiegel online" eintippe, macht keinen großen Unterschied. Das ist praktisch, aber man verlässt sich dabei wieder auf Google. Genau das will ich ja anders machen.

Ich könnte bei Chrome einfach eine andere Suchmaschine einrichten. Stattdessen installiere ich den Firefox-Browser, um noch unabhängiger von Google zu sein. Auch im Firefox ist Google standardmäßig eingestellt (und die Firma dahinter, Mozilla, bekommt von Google dafür Geld). Aber mit zwei Klicks lässt sich das ändern.

Zur Auswahl stehen: Yahoo, das allerdings auf Bing zurückgreift, die Microsoft-Suchmaschine Bing selbst, Amazon, Wikipedia, Ebay, Twitter und DuckDuckGo. Ich will nicht nur Wikipedia und Twitter lesen oder einkaufen. Also wähle ich DuckDuckGo. Das ist eine kleine Suchmaschine aus Pennsylvania, die verspricht, Nutzer nicht zu verfolgen.

Es gibt Suchmaschinen wie Ixquick, die ebenfalls Datenschutz versprechen, aber Suchanfragen dann doch nur an Google durchreichen. DuckDuckGo hat hingegen einen eigenen Index. Und jede Menge praktische Funktionen, wie man sie von Google kennt: "weather hamburg" zeigt gleich die Temperatur und eine Vorhersage für die kommenden Tage an. Allerdings funktioniert das nur auf Englisch, "wetter hamburg" listet nur Webseiten auf.

Bilder, Videos, Töne, Wortbedeutungen und Rezepte - DuckDuckGo hat jede Menge praktische Suchfunktionen eingebaut. Eine schicke App bringt die Suche auch auf das Smartphone und zeigt nebenbei Links zu aktuellen Nachrichtenthemen an. Ich bin jedenfalls ganz angetan: Mein erster Tag ohne Google fühlt sich richtig gut an.

Dienstag fehlt etwas

Nach einem Tag kommt die Ernüchterung: Mir fehlt der schnelle, praktische Zugriff auf Google Maps. Manchmal zeigt DuckDuckGo zwar auch Karten an, zum Essen gehen in San Francisco etwa. Eine Adresse in Hamburg wandelt die Suchmaschine aber erst dann in eine Karte um, wenn ich auch die Postleitzahl ergänze. Eine Wegbeschreibung gibt es nicht.

Auch die Nachrichtensuche vermisse ich. DuckDuckGo findet zwar Artikel größerer Seiten ein paar Minuten nach Veröffentlichung. Aber der Suchbefehl "!news", mit dem man aktuelle Meldungen finden kann, führt dann doch nur zu Google News. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Auch die Suche nach einer Twitter-Nachricht aus dem Oktober scheitert. Google, ich vermisse dich!

Mittwoch mit Microsoft

Also probiere ich Bing aus, die Suchmaschine von Microsoft. Der Konzern hat einen eigenen Kartendienst und eine Nachrichtensuche integriert. Und genau wie Google oder DuckDuckGo versucht Bing, nicht bloß Listen mit Links als Antwort zu liefern. Bing erkennt Suchanfragen, die Personen oder Filme betreffen, und blendet etwa Wikipedia-Informationen ein.

Sucht man nach einem Hollywoodstar, fällt auf: Bei Google und Bing finden sich aktuelle Meldungen unter den ersten Ergebnissen. DuckDuckGo verweist auf zeitlosere Quellen. Einen Kasten mit Informationen zur Person zeigen alle drei an. Auch die kommen aus der Wikipedia (Bing, DuckDuckGo) oder scheinen zumindest daher zu kommen (Google).

Praktisch: In der Videosuche von Bing kann man mit der Maus über einen Treffer fahren, um eine kleine Vorschau zu starten. Aber vor allem sehen Bing und Google sehr ähnlich aus. Da fällt der Trennungsschmerz gar nicht so groß aus.

Auch wenn Bing nicht so cool aussieht wie DuckDuckGo, als echte Alternative zu Google scheint die Microsoft-Suchmaschine noch am ehesten zu taugen. Jedenfalls finde ich Treffer zu meinen Suchbegriffen und habe kaum das Bedürfnis, Google zum Gegencheck zu öffnen. Der Marktanteil vermittelt allerdings ein anderes Bild: Weniger als fünf Prozent der Nutzer in Deutschland nutzen Bing. Fast alle googeln.

Wer Bing nicht sofort vertrauen mag, kann seinen Firefox mit der Erweiterung "Bing vs. Google" ausrüsten. Nach der Installation lässt sich "Bing vs. Google" als Suchmaschine auswählen. Eine Anfrage findet dann parallel bei beiden Anbietern statt, die Ergebnisse gibt es nebeneinander zu sehen. Also statt Google die Suchmaschine von Microsoft nutzen?

Donnerstag mit Qwant

Ich steige noch mal um: auf Qwant, die Suchmaschine eines französischen Start-ups mit Büros in Nizza und Paris. Auch Qwant hat einen eigenen Index. Schon bevor die Seite im vergangenen Jahr online ging, wühlten sich Programme durch das Web. Mittlerweile hat sich der Medienkonzern Springer an der Suchmaschine beteiligt, zwischen fünf und acht Millionen Euro sollen für 20 Prozent Anteil geflossen sein. Mehr über die Geschichte von Qwant lesen Sie im aktuellen SPIEGEL.

Was mir bei Qwant als Erstes auffällt: Ein sich drehendes Warte-Symbol. Erst baut sich die Seite auf, die Ergebnisse fließen danach in die vorgesehen Spalten ein. Manchmal geht das schön schnell, meistens dauert das bei mir aber rund eine Sekunde. Das klingt nicht nach viel, aber nach ein paar Stunden bekomme ich bei jedem Anblick des Wartesymbols ein nervöses Zucken in der Maushand. Ich ertappe mich bei dem Gedanken, zu Google zurückzuwollen. So sehr habe ich mich an das Tempo gewöhnt.

Die Spaltenansicht von Qwant ist gewöhnungsbedürftig, zum Glück gibt es auch eine Listen-Ansicht. Auch hier fällt die Zeitverzögerung auf. Die Seite des kleinen Start-ups ist einfach langsamer als die des mächtigen Webkonzerns Google. Eine Kartenfunktion fehlt, dafür gibt es eine Nachrichtensuche.

Bei der Suche nach dem Tweet, den ich mit Google und Bing finden konnte, punktet auch Qwant. Die kurze Nachricht ist der zweite Treffer in der Spalte "Netz". Ausgerechnet die Spalte "Sozial" bleibt hingegen leer. Komisch. Bei der Suche nach dem Hollywoodstar erweitert Qwant die Trefferseite um eine zusätzliche Spalte, den "Qnowledge Graph", und zeigt dort Informationen an. Die stammen aber auch wieder nur aus der Wikipedia.

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Freitag für das Fazit

Nach ein paar Tagen stelle ich fest: Ich könnte wohl auf die Google-Suche verzichten. Aber Google macht es mir nicht einfach. Das liegt vor allem an den zusätzlichen Diensten, die streng genommen nicht zur Suche dazugehören. Sei es der praktische Übersetzer oder die Kartenfunktion. Oder die Cache-Funktion, mit der sich Seiten lesen lassen, selbst wenn sich das Original gerade nicht laden lässt.

Klar, es gibt für viele dieser Angebote Alternativen. Einige können mit Google mithalten. Aber die Integration in eine Seite, die blitzschnell antwortet: Dieser Service ist schon gut. Am ehesten kommt da noch Microsofts Bing heran. Bei Suchen nach Allerweltsthemen fühle ich mich bei allen vier Suchmaschinen einigermaßen aufgehoben, auch wenn mich Qwants Warterädchen in den Wahnsinn treiben.

Wenn es in die Tiefe gehen soll oder um ganz aktuelle Themen, scheinen mir Bing und Google gleichermaßen geeignet zu sein. Eine Alternative habe ich also gefunden. So ganz habe ich dann auch nicht auf Google verzichtet. Schließlich gehört YouTube seit dem Jahr 2006 zum Google-Imperium. Und ganz ehrlich: Ohne YouTube wird es eng.



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insgesamt 59 Beiträge
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Seite 1
dinnyc 26.11.2014
1. Optional
Als Safari-Nutzer bin ich komplett auf DuckDuckGo umgestiegen, womit ich 90 Prozent aller Antworten bekomme, die ich suche. Wenn ich Google brauche, gebe ich Google.com in den Browser ein.
salamicus 26.11.2014
2. Nur die Kleinen...
...sind liebenswert und gut. Diese verquere Ideologie hat sich besonders in Deutschland in fast allen Bereichen durchgesetzt. Das Große und (vermeintlich) Mächtige muss einfach böse und habgierig sein, und es gehört von guten Menschen gemieden. Aber der Erfolg ist nicht per se böse: Google z.B. ist erfolgreich, weil diese Suchmaschine immer noch am schnellsten das auf den Bildschirm befördert, was ich suche. Natürlich ist der (böse...) Kommerz immer und überall dabei. Deshalb muss der (angeblich) mündige Netzbenutzer eben seine Augen offen halten und kritisch die (Informations-)Angebote begutachten. Ich habe schon diverse (moralisch gute...) Alternativen ausprobiert. Am Ende musste dann doch Google bemüht werden.
Poco Loco 26.11.2014
3. Was an Google nervt...
ist dass man mit gespeicherten Suchanfragen, womöglich für Werbung usw. auspioniert wird. Ich denke am besten ist es öfter mal zu wechseln, vor allem zu Suchmaschinen, die die Suchenden nicht weiter verfolgt wie z.B. auch www.startpage.com
kai kojote 26.11.2014
4.
DuckDuckGo find ich ist vom Design her und natürlich vom Datenschutz die beste der genannten Suchmaschinen. Man muss aber ja nicht auf Google Maps verzichten nur weil man nicht mehr mit Google sucht. Ich hab dafür Keywords: "gm text" in die Adressleiste, und ich bekomme die Karte. Oder, falls man Google Maps meiden will, als OpenSource-Alternative OpenStreetMap. Problem bei DDG ist für mich eher dass die Ergebnisse ziemlich schlecht sind, sobald man mal wirklich am recherchieren von Lösungen zu Problemen oder ähnlich "tiefgreifendem" ist. In Google bin ich ruckzuck in irgendwelchen Foren oder Spezialisten-Seiten, bei DDG hingegen landet man allzuoft irgendwo in der Walachei, da findet man eher gut allgemeine Informationen, Rezepte etc... . 100% ohne Google geht es leider nicht. Aber: Cookies deaktivieren, ohne Profil suchen, und/oder Meta-Suchmaschine nutzen und man ist doch schonmal etwas weiter wenn's um Privatsphäre geht.
umbhaki 26.11.2014
5.
Das ist aber mal eine intensive Recherche! Der Autor hat seinem geliebten Google zwei Alternativen gegenübergestellt. Zwei von wie vielen? Ixquick fragt Google übrigens nicht ab, wohl aber jede Menge andere Suchmaschinen – wie es sich für eine Meta-Suchmaschine gehört. Wie gesagt: seehr intensive Recherchearbeit, das! Will man sozusagen Google nutzen, ohne denen mit ihrem Speicherwahn und ihrer Filterbubble auf den Leim zu gehen, kann man Startpage nutzen, denn diese Meta-Suchmaschine fragt wirklich bei Google nach und schützt dennoch die Daten des Fragenden. Was man von Bing wohl eher nicht erwarten sollte. „Unverzichtbar“ ist Google für manchen wohl eher wegen seiner wundervollen Zusatzdienste, wie der Autor ja auch deutlich macht. Aber es gibt tatsächlich noch Mitmenschen, die von einer Internetsuchmaschine nur eines erwarten: das Finden.
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