Sue Gardner: Wikipedia-Managerin will sich zurückziehen

Nach rund sieben Jahren als Geschäftsführerin hat Sue Gardner genug: Noch dieses Jahr will sie die Wikimedia-Stiftung, die hinter dem Mitmach-Lexikon Wikipedia steht, verlassen. Gardner will sich stärker als bisher schon für ein freies und offenes Internet einsetzen.

Wikipedia-Geschäftsführerin Sue Gardner (Archivbild): Will für offenes Internet kämpfen Zur Großansicht
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Wikipedia-Geschäftsführerin Sue Gardner (Archivbild): Will für offenes Internet kämpfen

Berlin - Die Stiftung hinter dem Online-Lexikon Wikipedia braucht eine neue Führungskraft. Die langjährige Geschäftsführerin der Wikimedia-Stiftung, Sue Gardner, will sich zurückziehen. Sie wolle in rund sechs Monaten gehen, wenn die Nachfolge geregelt sei, sagte Gardner der "New York Times".

Garnder will sich stärker für ein freies und offenes Internet einsetzen. Sie denke darüber nach, eine eigene Organisation zu gründen, mit bestehenden Projekten zusammenzuarbeiten oder ein Buch zu schreiben, erklärte die 45-Jährige in dem in der Nacht zum Donnerstag veröffentlichten Interview. Im vergangenen Jahr hatte die Wikipedia aus Protest gegen ein umstrittenes Internetgesetz in den USA für einen Tag eine schwarze Seite angezeigt.

Gardner, die frühere als Journalistin und Online-Managerin für die kanadische Fernsehgesellschaft CBC gearbeitet hat, führte die gemeinnützige Wikimedia-Stiftung seit Dezember 2007. Sie arbeitete unter anderem daran, die finanzielle Grundlage der Stiftung durch Spenden auszubauen und den niedrigen Frauenanteil unter den Autoren zu erhöhen.

Die Zahl der Wikimedia-Mitarbeiter stieg von weniger als zehn im Jahr 2007 auf zuletzt rund 160. Ein Großteil von ihnen arbeitet in mehreren Büroetagen in der Innenstadt von San Francisco.

Das von Jimmy Wales 2001 gegründete Online-Lexikon Wikipedia wird von den Nutzern selbst erstellt und ist in den vergangenen Jahren zu einer zentralen Informationsquelle im Netz geworden.

ore/dpa

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Hoffnung?
jizzyb 28.03.2013
Nachdem - besonders das deutsche - Wikipedia in vielen Fällen bereits nicht mehr als objektiv betrachtet werden kann, da dort politische und gesellschaftliche Ansichten von einigen wenigen Hardcore-Usern systematisch versaut und in ihre Wunschrichtung umgeschrieben wurden, kommt auf dem Nachfolger viel Arbeit zu. Hoffen wir - im Sinne einer neutralen Wikipedia - dass diesem unseligen Treiben vom neuen Manager endlich einhalt geboten wird!
2. Ein
felisconcolor 28.03.2013
Zitat von jizzybNachdem - besonders das deutsche - Wikipedia in vielen Fällen bereits nicht mehr als objektiv betrachtet werden kann, da dort politische und gesellschaftliche Ansichten von einigen wenigen Hardcore-Usern systematisch versaut und in ihre Wunschrichtung umgeschrieben wurden, kommt auf dem Nachfolger viel Arbeit zu. Hoffen wir - im Sinne einer neutralen Wikipedia - dass diesem unseligen Treiben vom neuen Manager endlich einhalt geboten wird!
neutrales Wikipedia, kann nur durch seine User geschaffen werden. Aber da man in Deutschland lieber nur mault anstatt was zu tun. Muss man sich wohl mit den paar "Hardcore" Usern abfinden die zwar gefärbte Einträge schreiben. Die aber eben noch schreiben. Ob mir das gefällt lasse ich aussen vor. Was mir nicht gefällt ist diese "ich kanns ja eh nicht ändern" Mentalität gepaart mit ewigem nörgeln.
3.
jizzyb 28.03.2013
Zitat von felisconcolorneutrales Wikipedia, kann nur durch seine User geschaffen werden. Aber da man in Deutschland lieber nur mault anstatt was zu tun. Muss man sich wohl mit den paar "Hardcore" Usern abfinden die zwar gefärbte Einträge schreiben. Die aber eben noch schreiben. Ob mir das gefällt lasse ich aussen vor. Was mir nicht gefällt ist diese "ich kanns ja eh nicht ändern" Mentalität gepaart mit ewigem nörgeln.
Ich habe eine ganze Weile dagegen angekämpft, aber ich habe nicht die Zeit täglich 12-14 Stunden im Wikipedia herumzueiern, da ich Arbeit und Familie habe. Und wenn dann hinter solchen Leuten noch willfähige Administratoren stehen, hat man als normaler Wiki-User sowieso kaum eine Chance.
4.
lex1976 28.03.2013
Wiki ist unersetzlich und ohne echte Alternative - kenne niemanden in meinem beruflichen Umfeld (Medienbranche), der es nicht täglich nutzt und bin selbst aktiver und eingetragener Autor bei Wiki. Brockhaus und Encarta sind da keine Alternative. Und so einfach ist es nicht, "gefärbte" Einträge zu lancieren, da auch kleine Änderungen erst nach Sichtung freigegeben werden, sprich von Personen, die vorweisen können, mind. 50 Artikel (mit)verfasst zu haben.
5. Kämpferin für ein Freies Internet?
marcuscyron 28.03.2013
Zitat von sysopGardner will sich stärker als bisher schon für ein freies und offenes Internet einsetzen.[/url]
Noch stärker? Also so wie 2011, als sie einen Bildfilter in Wikipedia einführen wollte? Oder etwa ihre Förderung des "Global South", der beinhaltete, 3, 4 Länder besonders zu fördern und alles weitere vor sich hin sumpfen zu lassen? Natürlich die USA einmal außen vor gelassen. Denn hier hat die Wikimedia Foundation unter Sue Gardner, die immer wieder Landesvertretungen der Wikipedia Steine in den Weg legte, ja als Vertretung der USA und der englischsprachigen Wikipedia agiert, obwohl oder weil es dort keine Landesvertretung gibt. Dafür war offenbar das Geld immer da. Sorry für die Deutlichkeit, aber Frau Gardner war keine Protagonistin eines freien, offenen und transparenten Internets. Selbst ein freies Projekt, das einzig von seinen freien und unbezahlten Mitarbeitern lebt, hat sie versucht wie ein Wirtschaftsunternehmen zu führen. Von mir keine Träne zum Abschied, bestenfalls Erleichterung. Auch wenn man natürlich immer weiß, das es immer schlimmer werden kann, mit dem/der Nachfolger(in). Man hofft ja kaum noch auf eine Verbesserung.
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Wikipedia-Richtlinien: "Schädige niemanden"
Schreibstil
Du solltest in neutraler, unzweideutiger Weise dokumentieren, welche verlässlichen unparteiischen Quellen über den Betroffenen veröffentlicht haben und gegebenenfalls auch, was die Person über sich selbst veröffentlicht hat. Der Schreibstil soll neutral, faktenorientiert und zurückhaltend sein. Es sollten weder hagiografische noch sensationsheischende Töne vorkommen. (…) Wenn du über ein negatives Ereignis schreibst, berücksichtige auch entlastende Informationen, bemühe dich immer um Ausgewogenheit.

Verlässliche Belege
Ohne glaubwürdige Belegangaben ist die Biografie wahrscheinlich Theoriefindung. Im Artikel angegebene Informationen müssen daher unbedingt für jeden einfach zu verifizieren sein. Informationen, die nur auf parteiischen Web-Seiten oder in obskuren Zeitschriften veröffentlicht sind, sollten mit Vorsicht behandelt und nicht verwendet werden, wenn sie tendenziös sind. Informationen aus Büchern und Zeitungen im Selbstverlag, oder von privaten Web-Seiten/Blogs sollten nie benutzt werden, außer sie stammen vom Betroffenen selbst.

Personen des öffentlichen Lebens
Über öffentlich bekannte Personen gibt es in der Regel eine Vielzahl von verlässlichen Quellen, und die Wikipedia-Biografie sollte einfach wiedergeben, was dort steht. Andererseits haben auch diese Personen ein Recht auf Privatsphäre. Nur wenn ein Vorwurf oder Zwischenfall bedeutsam, und in solchen angesehenen Veröffentlichungen dokumentiert ist, gehört er in den Artikel, und zwar auch, wenn der Betroffene die Erwähnung ablehnt. (…) Grundsätzlich ist – wie bei jedem anderen in einem Artikel erwähnten Faktum – eine Prüfung der enzyklopädischen Relevanz notwendig. In Grenzfällen sollte die Daumenregel lauten "schädige niemanden".

Umgang mit Artikeln über sich selbst
Wir raten zwar davon ab, Artikel über sich selbst zu verfassen (siehe Wikipedia: Eigendarstellung), aber die Betroffenen sind eingeladen, Fehler zu verbessern und ungenaues oder unbelegtes Material zu entfernen. Wenn Sie eine Frage oder ein Problem mit einem Artikel über sich selbst haben, kontaktieren Sie uns bitte über einen der auf Wikipedia: Kontakt angegebenen Wege oder schreiben Sie auf die Diskussionsseite des Artikels. Angaben zum verantwortlichen Betreiber im juristischen Sinn finden Sie im Wikipedia: Impressum.


Wo Wikipedia in die Irre führte
Meist akkurat
Viele Wikipedia-Artikel sind genau so akkurat wie ihre Gegenstücke im Brockhaus oder der Encyclopaedia Britannica. Die Autorengemeinschaft pflegt aktuelle Ereignisse nicht selten binnen kürzester Zeit ein und bügelt Fehler meist schnell wieder aus. Wenn die "Weisheit der Vielen" versagt, kann es allerdings zu peinlichen Pannen kommen.
dpa
Falsche Namen
Der Freiherr zu Guttenberg hat viele Vornamen. Wilhelm gehört aber nicht dazu. Als der CSU-Politiker im Februar 2009 Wirtschaftsminister wurde, mogelte ein anonymer Scherzbold in dessen Wikipedia-Biografie neben den zahlreichen anderen Namen eben auch den Wilhelm rein. Dieser Fehler stand zwar nicht lange auf der Seite, zahlreiche Medien übernahmen ihn aber offenbar ungeprüft aus dem Online-Lexikon.
Falsche Verdächtigungen
Der amerikanische Journalist John Seigenthaler stellte im September 2005 schockiert fest, dass ihm in der Wikipedia eine Verwicklung in die Ermordung von John F. Kennedy und dessen Bruder Bobby unterstellt wurde. Die Behauptung stand monatelang unwidersprochen online. Der Fall führte zu heftigen Kontroversen unter den Wikipedianern, wie das Lexikon zuverlässiger werden kann.
Politische Grabenkämpfe
Die Parteizentralen messen Wikipedia große Bedeutung zu - und legen daher oft selbst Hand an. 2007 wurde von einem Rechner der hessischen CDU-Zentrale aus der Eintrag über den grünen Landespolitiker Tarek Al-Wazir bearbeitet. Die Union verwies auf einen Praktikanten. Ein Jahr später versuchte ein unbekannter Autor, die US-Politikerin Sarah Palin in ein besseres Licht zu rücken, indem er die wenig schmeichelhafte Passage über ihren Spitznamen "Sarah Barracuda" löschte. Die Community sperrte den Eintrag zwischenzeitlich für Bearbeitungen.
Geschöntes Image
Auch Unternehmen haben immer wieder versucht, die Einträge über sich oder ihre Produkte zu schönen. Microsoft etwa löschte eine kritische Passage über die Fehleranfälligkeit seiner Spielkonsole Xbox 360. Der Ölkonzern Chevron-Texaco ließ gleich einen ganzen Text über Biodiesel verschwinden. Die Manipulationen fielen aber auf - ein Instrument namens Wikiscanner konnte die Veränderungen auf die Anbieter zurückführen.
Die kleinen Geschwister der Wikipedia
Bildersammlung und Zitate
Wikipedia hat Weltruhm erlangt, doch im Schatten des Mitmachlexikons gibt es etliche Projekte, die sich ebenfalls dem Aufbau freien Wissens verschrieben haben. Freiwillige sammeln Fotos, Grafiken und Landkarten, arbeiten an einem Wörterbuch und einer Zitatesammlung. Wie auch bei der Online-Enzyklopädie steckt die Wikimedia-Stiftung dahinter.
dpa
Wikimedia Commons
Wikimedia Commons ist eine Datenbank für Mediendateien - vor allem Fotos, aber auch Videos, Landkarten und Grafiken. Privatleute und öffentliche Einrichtungen haben mehr als 7,8 Millionen Dokumente zusammengetragen. Das Bundesarchiv stellte beispielsweise 100.000 historische Fotos zur deutschen Geschichte zur Verfügung. Aus diesem Fundus bebildern die Autoren ihre Wikipedia-Artikel. Grundsätzlich darf aber jeder die Dateien herunterladen und benutzen, auch kommerziell: Die freie Verwendung ist Voraussetzung dafür, dass die Community die Bilder akzeptiert.
Wikiquote
In Wikiquote sammeln die Nutzer Zitate von mehr oder weniger berühmten Persönlichkeiten. Mehr als 7500 Artikel gibt es dort mittlerweile, sortiert nach Personen, Themen oder auch Filmen - bekanntlich eine ergiebige Quelle für Bonmots. Zitate von Schriftstellern oder Buchautoren sind allerdings auf zehn pro Person beschränkt, aus urheberrechtlichen Gründen. Anders ist es bei Politikern und Sportlern. Franz Beckenbauer und Gerhard Schröder kommen ausführlich zu Wort.
Wiktionary
Das Wiktionary ist ein Lexikon, in dem die Nutzergemeinde Bedeutungen, Herkunft oder Aussprache von Wörtern zusammenträgt. Es gibt Einträge in 170 Sprachen, darunter Tibetisch und Rätoromanisch. Erwartungsgemäß am größten ist allerdings die englische Sektion mit mehr als zwei Millionen Einträgen. Das deutsche Wörterbuch hat mit 127.000 Einträgen locker Duden-Dicke erreicht. Das erste Wort auf Deutsch, eingetragen im April 2002: Metamorphose.
Wikiversity
Das jüngste Projekt der Wikimedia-Stiftung startete 2006 und heißt Wikiversity - eine Online-Plattform "zum gemeinschaftlichen Lernen, Lehren und Forschen". Studenten und Wissenschaftler sollen damit zusammenarbeiten können, ohne eine eigene technische Infrastruktur aufbauen zu müssen. Die virtuelle Universität ist allerdings relativ leer: Bislang gibt es 27.000 Artikel in zwölf Sprachen, in der deutschsprachigen Sektion sind nur rund 200 Nutzer angemeldet.


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