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Obama beim South by Southwest: "Ich war der coole Early-Adopter-Präsident"

Aus Austin berichtet

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REUTERS

Barack Obama

Erstmals hat ein US-Präsident das Tech-Festival SXSW besucht - und sich von Amerikas Nerds mehr bürgerliches Engagement gewünscht. Obamas Botschaft kam gut an und war clever verpackt.

Texas gilt als Bundesstaat, in dem die Regierung aus Washington besonders leidenschaftlich verachtet wird. Mit dem Festival South by Southwest (SXSW) scheint US-Präsident Obama in Austin aber einen Ort gefunden zu haben, an dem er wie ein Popstar bejubelt wird. "We love you", schreit eine Frau im Publikum, nachdem die anfänglichen "Whooo"-Rufe abgeklungen sind.

In einem Konzertsaal hielt Obama Freitagnachmittag einen Vortrag über bürgerliches Engagement im 21. Jahrhundert. Schwere Kost, sollte man meinen, doch das internationale Publikum fand Gefallen an dem, was der Präsident erzählte - oder zumindest daran, wie er es tat.

Immer wieder wurde im Saal gelacht, am lautesten an einer Stelle, als Obama das wohl bekannteste Meme über sich zitierte, "Thanks, Obama!". Jener Spruch wird mittlerweile gefühlt vom halben ironiefähigen Internet bemüht, wenn im Alltag eines Amerikaners auch nur irgendetwas schiefläuft. Obama kommentierte mit dem Spruch gesunkene Arbeitslosenzahlen.

Nationale Sicherheit versus Privatsphäre

Inhaltlich lieferte Obama, der sich von einem Journalisten interviewen ließ, wenig Überraschendes. Zum Streit zwischen Apple und dem FBI über die iPhone-Verschlüsselung etwa führte er allgemein aus, man müsse zwischen dem Recht auf Privatsphäre und der nationalen Sicherheit abwägen: "Die Lösung ist wohl eine so stark wie mögliche Verschlüsselung mit einer maximal sicheren Entschlüsselung, auf die eine kleinstmögliche Zahl von Menschen bei wenigen, wichtigen Anlässen Zugriff hat."

Manchen Europäer dürfte Obamas Perspektive auf die Snowden-Enthüllungen geärgert haben: Die Gefahr ausspioniert zu werden, würde durch die Snowden-Enthüllungen überschätzt, sagte der Präsident, wobei sich die Aussage ausdrücklich nur auf US-Bürger bezog.

Obama ist der erste amtierende US-Präsident, der sich beim SXSW blicken lässt - zwei Jahre, nachdem dort Edward Snowden einen schlagzeilenträchtigen Auftritt hatte. Mittwoch kommt auch noch die First Lady nach Austin: Michelle Obama spricht über die Frage, wie sich die Bildungschancen von Mädchen weltweit verbessern lassen.

Healthcare.gov? Peinlich!

Barack Obama war mit dem Ziel angereist, junge Amerikaner wie etwa Softwareentwickler zu motivieren, ihre Energie auch für die Demokratie einzusetzen. Es sei in Amerika einfacher, eine Pizza zu bestellen, als zu wählen, kritisierte Obama.

Die Arbeit für die Regierung kann ein wenig Werbung durchaus gebrauchen. Um das Image digitaler Dienste von US-Behörden steht es denkbar schlecht, nicht erst seit dem missglückten Start der Gesundheitsplattform HealthCare.gov 2013, den Obama nun als "ein wenig peinlich" einstufte: Er habe schließlich als der "coole Early-Adopter-Präsident" gegolten.

Obama mag offenbar das Tech-Sprech. Als er kürzlich seinen "Cybersecurity National Action Plan" vorstellte, kündigte er an, mehr als drei Milliarden Dollar in die IT-Systeme von Behörden investieren zu wollen. Der Grund: Die Regierungsrechner seien zu oft "wie ein Atari-Spiel in einer Xbox-Welt".

Ein beliebtes Hackerziel

Zusätzlich zu den veralteten Computersystemen hat die amerikanische Regierung mit Hackerangriffen zu kämpfen. Im Juli wurde bekannt, dass bei Angriffen auf die Personalverwaltung die Daten von mehr als 20 Millionen Bürgern abgegriffen wurden. Dieses ungewöhnlich große Datenleck war nur einer von mehreren Vorfällen der letzten Monate, die alle nicht recht zu einem Land passen, wo die meisten Software-Marktführer beheimatet sind.

Die Silicon-Valley-Konzerne hatte Obama bereits im Dezember in einer Rede an die Nation in die Pflicht genommen, der Regierung zu helfen: Nach dem Anschlag von San Bernardino appellierte er an die Tech-Firmen, es Terroristen zu erschweren, sich durch Technik der Justiz zu entziehen. Ähnliches forderte er jetzt in Austin: Der "Islamische Staat" lasse sich nicht nur dadurch stoppen, dass man seine Anführer ausschaltet, sagte Obama.

Sein Interview in der Michael & Susan Dell Hall war einer von drei Austin-Auftritten des Präsidenten, sofern man den fotografisch festgehaltenen Besuch eines Taco-Restaurants mitzählt. Später am Nachmittag richtete Obama noch eine Benefizveranstaltung aus, mit den Musikern will.i.am und J. Cole und einem Ticketpreis von mindestens 250 Dollar.

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insgesamt 6 Beiträge
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1. Ich selber.
lapetrovna 12.03.2016
Kann mich nicht echt aufregen , zum Thema...Datenschutz... Schon aus Postkutschen sind Briefe geklaut wurden mit katastrophischen Folgen, historisch gesehen.......Ein Geheimnis, wenn mitgeteilt ist keins...Schon den Neanderthalern war das klar!!!
2. Obama war eine Hoffnung
micromiller 12.03.2016
für Amerika und die Welt. Leider hat er die Hoffnungen nie erfüllt. Er hat Amerika verschuldet und ärmer gemacht wie kein Präsident vor ihm. Er hat durch seine Unentschlossenheit und Visinlosigkeit endloses Leid über die Menschen des Irak, Syrins und Libyens gebracht. Das Amt war einfach eine Nimmer zu groß für ihn.
3. Healthcare.org???
Affenhirn 12.03.2016
Bitte nicht durcheinanderwürfeln mit healthcare.gov. Die .org-site ist nur eine Werbeseite, die Besucher einfängt, die genau diesen Eingabefehler machen. Vielen Dank für den Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert. Die Redaktion.
4.
muellerthomas 12.03.2016
Zitat von micromillerfür Amerika und die Welt. Leider hat er die Hoffnungen nie erfüllt. Er hat Amerika verschuldet und ärmer gemacht wie kein Präsident vor ihm. Er hat durch seine Unentschlossenheit und Visinlosigkeit endloses Leid über die Menschen des Irak, Syrins und Libyens gebracht. Das Amt war einfach eine Nimmer zu groß für ihn.
Wie bitte? Er hat das Land aus der Großen Rezession erfolgreich herausgeführt und zum Glück dafür vorübergehend ein höheres Defizit in Kauf genommen. Mittlerweile ist die Krise erfolgreich überwunden, die Arbeitslosigkeit niedrig, die Industrieproduktion hat sich massiv erholt, die private Schuldenquote ist deutlich gesunken. Wohin eine restriktive Politik führt, kann man ja prima in Europa sehen. Darüber hinaus zwei Kriege seines Vorgängers beendet, Osama bin Laden zur Strecke gebracht, Steuern für Reiche erhöht, Gleichstellung verbessert, Annäherung an Kuba, Atomabkommen mit dem Iran, allgemeine Krankenversicherung... Eine beeindruckende Bilanz.
5. Austin...
mazzeltov 12.03.2016
... liegt allerdings nur geografisch in Texas, ansonsten aber auf einem anderen Kontinent. Das sollte man für den europäischen Leser vielleicht dazusagen, wenn man den Beitrag schon mit "Texas gilt als Bundesstaat..." eröffnet.
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