Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Binge On: Bürgerrechtler kritisieren Streaming-Angebot von T-Mobile

T-Mobile-Angebot Binge On: Kostenloses Streaming in der Kritik Zur Großansicht

T-Mobile-Angebot Binge On: Kostenloses Streaming in der Kritik

Netzaktivisten bemängeln ein T-Mobile-Angebot für kostenloses Video-Streaming in den USA. Tests hätten gezeigt, dass Binge On zu einer Tempodrosselung führe - auch bei Anbietern, die gar nicht mit T-Mobile kooperierten.

Die amerikanische Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) hat T-Mobiles Binge-On-Funktion getestet und sie harsch kritisiert. Das Angebot verlangsame alle Videos, die sich die Nutzer im Netz ansehen.

Mit dem standardmäßig aktivierten Binge On können US-Mobilkunden seit November Videos von Anbietern wie Netflix oder Hulu streamen und downloaden, ohne dass die Daten auf ihr Datenvolumen angerechnet werden. Laut der EFF soll Binge On trotzdem eine Mogelpackung für Kunden sein. Die Übertragungsgeschwindigkeit leide nämlich - bei allen Anbietern.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass T-Mobile Videostreams schlicht und ergreifend drosselt", schreibt die EFF in einem Blogeintrag. Besonders problematisch ist laut den Bürgerrechtlern, dass nicht nur die Videoanbieter betroffen sind, die für Binge On mit T-Mobile kooperieren. Auch andere Anbieter wie YouTube, deren Inhalte regulär weiter aufs Datenvolumen angerechnet werden, würden auf eine Übertragungsgeschwindigkeit von etwa 1,5 Mbit pro Sekunde verlangsamt. Das passiert laut EFF auch dann, wenn technisch höhere Geschwindigkeiten möglich wären.

YouTube hat sich bereits beschwert

Bei großen Videodateien kann dieser Wert schon zu einer ruckeligen Übertragung führen. Laut Medienberichten hat sich YouTube wegen der unfreiwilligen Drosselung bereits über T-Mobile beschwert. T-Mobile wiegelte ab und sprach davon, Videos für mobile Geräte zu optimieren. Es räumte aber ein, dass die Videos heruntergerechnet würden.

Schon das Binge-On-Feature an sich ist umstritten. Die Frage, ob Daten von bestimmten Anbietern bevorzugt behandelt werden dürfen, berührt die Grundprinzipien des neutralen Netzes. Netzneutralität setzt voraus, dass alle Daten gleich schnell ohne Diskriminierung durchgeleitet werden müssen.

Wie Internetanbieter mit besonders datenintensiven Angeboten umgehen sollen, wird auch hierzulande kontrovers diskutiert. Erst im Dezember sorgte ein Plan von Vodafone Kabel Deutschland für Aufregung. Die Firma wollte Nutzern von Filesharing-Diensten früher das Tempo drosseln, ruderte dann aber zurück.

T-Mobile verteidigt sein Streaming-Angebot gegen diese Kritik. Es verletze die Netzneutralität nicht, schließlich sei Binge On für alle Anbieter kostenlos verfügbar. Kunden könnten das Feature in den Einstellungen auch abschalten. Wer das tut, so legen es die EFF-Testdaten nahe, muss zwar auf sein Datenvolumen achten, bekommt Videos letztlich aber schneller.

gru

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Crom 05.01.2016
Ich sehe jetzt nicht das Problem. Man kann bei einem kostenlosen Angebot wohl kaum erwarten Premium zu bekommen? Man muss sich eben entscheiden, kostenlos und komprimiert oder halt zahlen und dafür schneller. Das ist in meinen Augen fair. Die Alternative wäre doch, dass es sonst nur die Bezahlvariante (sprich Anrechnung auf das Datenvolumen) gibt. Die Netzneutralität wird in meinen Augen nicht verletzt, da sowohl Anbieter die kooperieren als auch die anderen gleich behandelt werden.
2. @Crom
Spliffmeister 05.01.2016
Die Übertragungsgeschwindigkeit wird bereits gedrosselt, wenn das Datenvolumen noch nicht aufgebraucht ist. Nur eben bei Netflix und Hulu nicht. Und das verstößt gegen die Netzneutralität.
3. @Spliffmeister
Crom 05.01.2016
Nein, im Artikel steht, dass dies bei allen Anbietern der Fall ist. Das ergibt auch Sinn, da man ja ein Kompressionsverfahren nutzt, um es kostenlos anbieten zu können.
4. Crom hat recht
hansgustor 06.01.2016
Was die Telekom in Deutschland plant ist deutlich schlimmer und wird uns noch weiter in der IT-Branche zurückwerfen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Netzneutralität - Gleiches Recht für alle Daten
Wofür steht Netzneutralität?

Ob YouTube-Video oder Nachrichten von SPIEGEL ONLINE, ob World of Warcraft oder BitTorrent: Neutrale Netze leiten alle Inhalte durch, ohne nach der Herkunft der Datenpakete zu fragen. Die Netzbetreiber, darunter vor allem die großen Telekommunikationsunternehmen, kontrollieren nicht, welche Inhalte unterwegs sind. Ebenso wenig bremsen sie bestimmte Daten aus - etwa Filme aus Tauschbörsen, die oft mehrere Gigabyte groß sind.

dpa
Was spricht für Netzneutralität?

Befürworter sehen in neutralen Netzen eine Voraussetzung für den Wettbewerb - und der dient dem Verbraucher. Das wird an einem Negativ-Szenario deutlich: Was wäre etwa, wenn ein Provider mit einem Online-Kaufhaus kooperiert und dessen Konkurrenten ausbremst? Oder wenn nur eine Suchmaschine zugelassen wäre? Außerdem gilt das Prinzip als Garant für Innovationen. Weil die Kosten für ein digitales Kaufhaus, Blog oder Web-2.0-Portal vergleichsweise niedrig sind, versuchen Jahr für Jahr Tausende Unternehmer ihr Glück. Viele scheitern, einige schaffen es. Auch heutige Größen wie Google, Amazon und Facebook fingen klein an.

dpa
Warum gibt es Bedenken?

Der Verkehr auf der Datenautobahn wächst durch Videos, Internet-TV und das Telefonieren im Netz (VoIP) rasant - so sehr, dass es ohne Regulierung bald einen Mega-Stau geben könnte. Schon heute betreiben Telekom, Vodafone und andere daher ein Netzwerkmanagement, um die verfügbare Bandbreite sinnvoll zu nutzen.

dpa
Wer ist gegen Netzneutralität?

Vor allem die Netzbetreiber fordern eine Abkehr vom Prinzip in seiner Reinform. Ihr Argument: Wer die Leitungen besonders stark in Anspruch nimmt, soll auch mehr zahlen. Bei der Deutschen Telekom und dem spanischen Pendant Telefónica ist etwa zu hören, dass sie beispielsweise den Internet-Giganten Google gerne zur Kasse bitten würden. Darüber hinaus böten sich ihnen neue Geschäftsmodelle, etwa durch differenzierte Tarife: Nutzer, die große Datenmengen saugen, zahlen mehr als Gelegenheitssurfer.

dpa
Gibt es schon nicht-neutrale Netze?

Aber sicher: Das Paradebeispiel sind die Mobilfunknetze. So blockieren etliche Anbieter den Dienst Skype oder verlangen dafür einen Zuschlag - die Software für Internet-Telefonie schadet dem eigenen Geschäftsmodell.

dpa


Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: