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Tagesschau-App: Verleger kritisieren GEZ-Inhalte fürs iPhone

Die Verlage experimentieren mit Bezahlinhalten für das iPhone, der öffentlich-rechtliche Rundfunk hält mit vermeintlichen Gratis-Apps dagegen. Die kosten vordergründig nichts, werden aber andererseits von allen Gebührenzahlern zwangsweise finanziert.

GEZ-Anmeldeformular: Verlage kritisieren gebührenfinanzierte iPhone-Apps Zur Großansicht
dpa

GEZ-Anmeldeformular: Verlage kritisieren gebührenfinanzierte iPhone-Apps

Hamburg/Berlin - Ein gebührenfinanziertes Gratisprogramm der ARD-Tagesschau für das iPhone schadet nach Ansicht des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) der Medienbranche in ihrer Umbruchphase. Die ARD plant, ihre Online-Inhalte im neuen Jahr in einem kostenlosen Dienst für das Apple-Mobiltelefon und andere Smartphones zur Verfügung zu stellen.

Mit der Ankündigung hat der Sender in der Branche Kritik geweckt. "Damit dehnt die gebührenfinanzierte ARD erneut ihren Auftrag zu Lasten der Zeitungs- und Zeitschriftenverleger aus", heißt es in einem Brief von VDZ-Geschäftsführer Wolfgang Fürstner an Kulturstaatsminister Bernd Neumann und die Ministerpräsidenten der Länder. Kaum hätten Verlage erste Bezahlmodelle entwickelt, um in einer für sie außerordentlich schwierigen Lage die journalistische Qualität weiter finanzieren zu können, dränge das öffentlich-rechtliche Fernsehen auf dasselbe Feld, allerdings mit einem Gratisangebot. Der Axel-Springer-Verlag hatte erst vor wenigen Wochen angekündigt, einen ähnlichen Dienst kostenpflichtig anzubieten.

"Wir haben die Ankündigung der ARD, ein kostenloses Applet der Tagesschau in Apples AppStore anzubieten, mit Befremden zur Kenntnis genommen", sagte Springer-Unternehmenssprecherin Edda Fels in Berlin. Es gehöre ganz sicher nicht zum Grundversorgungsauftrag öffentlich-rechtlicher Fernsehanstalten, kostenlose Applets auf dem iPhone zur Verfügung zu stellen, sagte Springer-Sprecherin Fels weiter: "Es handelt sich hierbei um eine nicht tolerierbare Marktverzerrung."

Den Vorwürfen hält NDR-Sprecher Martin Gartzke entgegen, dass es bei dem neuen Angebot nicht um exklusive Inhalte gehe. "Vielmehr sollen bereits seit Jahren mobil verfügbare Inhalte, die schon seit langem über tagesschau.de/mobil oder wap.tagesschau.de abgerufen werden können, für eine Verbreitung über Smartphones wie das iPhone dargestellt und optimiert werden", erklärte Gartzke. Abgesehen von einem überschaubaren einmaligen Programmieraufwand und den auch sonst für tagesschau.de entstehenden Verbreitungskosten fielen für das neue Angebot keine zusätzlichen Kosten an.

Der ARD-Vorsitzende Peter Boudgoust findet die Kritik überzogen. Springer-Verlag und VDZ gehe es "offensichtlich nicht um die Umsetzung gesetzlicher Regelungen, sondern darum, uns von den Entwicklungen im Netz abzukoppeln" , sagte er SPIEGEL ONLINE. Seit Jahren seien die Inhalte von von tagesschau.de auch auf Handys oder Smartphones mobil verfügbar. Boudgoust: "Warum dies nun mit einer simplen Software zur Wahrnehmung des Angebots von tagesschau.de auf dem iPhone nicht möglich sein soll, verstehe wer will."

mb/lis/apd/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 15 Beiträge
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1. War ja klar...
omega84 22.12.2009
Zitat von sysopDie Verlage experimentieren mit Bezahlinhalten für iPhone, der öffentlich-rechtliche Rundfunk hält mit vermeintlichen Gratis-Apps dagegen. Die kosten vordergründig nichts, werden aber andererseits von allen Gebührenzahlern zwangsweise finanziert. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,668667,00.html
Jedes mal wenn es um Kunden-/Bürgernutzen vs. Gewinnmaximierung geht, neige ich dazu die Verfechter Letzteres zu ignorieren. Der Springer Verlag meckert nicht weil die Ankündigung der ÖR irgendwelche Konsequenzen hätte, sondern weil es der Gewinnmaximierung im Wege stehen *könnte*. Das reicht bei den Vereinen schon um die die größten Proteste auszulösen – es wird einfach losgebrüllt ohne überhaupt zu wissen, was geplant ist. Das es heute schon zig hunderte freie News-Apps gibt, interessiert dabei nicht. Der Dumme ist am Ende derjenige, der diesem Rumgebrüll Aufmerksamkeit schenkt – denn nichts ist heutzutage kostbarer.
2. Gratis?
bajoennicotina, 22.12.2009
Zitat von sysopDie Verlage experimentieren mit Bezahlinhalten für iPhone, der öffentlich-rechtliche Rundfunk hält mit vermeintlichen Gratis-Apps dagegen. Die kosten vordergründig nichts, werden aber andererseits von allen Gebührenzahlern zwangsweise finanziert. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,668667,00.html
Wieso gratis? Dieses von niemandem gewollte Angebot dient letzlich als Vorwand, Gebühren für "Empfangsgeräte" zu erheben. Jeder der dienstlich ein Smartphone benutzt, kann sich schon einmal auf Forderungen der GEZ einstellen. Ob er die Apps benutzt oder nicht.
3. GEZ abschaffen!
Klo, 22.12.2009
Zitat von sysopDie Verlage experimentieren mit Bezahlinhalten für iPhone, der öffentlich-rechtliche Rundfunk hält mit vermeintlichen Gratis-Apps dagegen. Die kosten vordergründig nichts, werden aber andererseits von allen Gebührenzahlern zwangsweise finanziert. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,668667,00.html
Ein weiterer Grund, die GEZ abzuschaffen und den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk auf seine Grundfunktionen zusammen zu stutzen.
4. Diese Jammerlappen
qwurdilu 22.12.2009
Kann man ja nur darüber schmunzeln wie die verleger Krampfhaft versuchen die kostenlose Angebote zu vertreiben. Murdoch und Springer leben eben in der Vergangenheit, man muss schon was besonderes bieten um Geld dafür verlangen zu können. Sie müssen eben lernen sich anders zu finanzieren. Von den Privaten Fernsehrsendern habe ich auch noch kein jammern gehört, dass die Tagesschau eingestellt werden soll weil niemand mehr die Nachrichten auf N24 anschaut.
5. Gez-Geier
Medienkritiker 22.12.2009
Zitat von bajoennicotinaWieso gratis? Dieses von niemandem gewollte Angebot dient letzlich als Vorwand, Gebühren für "Empfangsgeräte" zu erheben. Jeder der dienstlich ein Smartphone benutzt, kann sich schon einmal auf Forderungen der GEZ einstellen. Ob er die Apps benutzt oder nicht.
dem kann ich nur beipflichten. Es ist ungeheuerlich was diese Gebühren-Geier sich einfallen lassen, um immer mehr Geld von ihren Zwangsmitgliedern herauszupressen...
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