@TatortWatch: Grüne stellen "Tatort"-Ermittler unter Beobachtung

Geht auch alles mit Recht und Ordnung zu? Die Grünen, bisher nicht als Law-and-Order-Partei bekannt, wollen beim Sonntagabendkrimi "Tatort" künftig genauer hinschauen. Rechtsverstöße der Fernsehermittler sollen auf Twitter angeprangert werden.

Dürfen die das eigentlich? Eine Handvoll Grüner will den "Tatort"-Kommissaren bei ihrer Bildschirmarbeit auf die Finger schauen. Unter dem Twitter-Account @TatortWatch sollen Rechtsverstöße der Ermittler benannt werden. Den Anfang hat die Berliner Juristin Paula Riester gemacht, die für die Grünen im Bezirksparlament Friedrichshain-Kreuzberg sitzt und für den Bundestag kandidiert. Sie kommentierte am Sonntagabend "Borowski und der brennende Mann".

Rund 9,3 Millionen Zuschauer wollten den Krimi am Sonntagabend sehen. Im Vergleich dazu sind die etwa 1000 Twitter-Nutzer, die @TatortWatch freiwillig abonniert haben, ein winziges Grüppchen. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe wittert trotzdem schon ein grünes "Bevormundungsprojekt".

SPIEGEL ONLINE: "Tatort" ist eine Fernsehserie, warum sollen sich die Kommissare trotzdem ans Gesetz halten?

Paula Riester: Wir glauben, dass die Serie von vielen als realistisch wahrgenommen wird. Ich meine damit nicht unbedingt Til Schweiger, der als Kommissar Verdächtige erschießt, das ist ganz klar Fiktion. Aber wenn zum Beispiel jemand im Verhör bedroht wird und keinen Anwalt hinzuziehen kann, oder wenn Polizisten einfach in eine Wohnung einbrechen, dann sind das Rechtsverstöße. Im "Tatort" ist das aber oft kein Thema.

SPIEGEL ONLINE: Wäre ein korrekter "Tatort" nicht ziemlich langweilig?

Riester: Im realen Leben gibt es leider auch Rechtsverletzungen seitens der Polizei, ganz unrealistisch ist der Tatort also nicht immer. Aber im realen Leben wird das dann von Gerichten überprüft. Und klar, der "Tatort" will eine Geschichte transportieren, nicht Rechtsnachhilfe geben. Wir wollen ja auch nur auf diese Fehler aufmerksam machen, damit sich in der öffentlichen Meinung nicht festsetzt, dass Polizeiarbeit tatsächlich so wie im "Tatort" abläuft. Wenn Zuschauer dann selbst einmal in die Situation kommen, als Zeuge oder als Verdächtiger, dann wissen sie nachher gar nicht, was für Rechte ihnen zustehen.

SPIEGEL ONLINE: Wie hat sich der "Tatort" aus Kiel geschlagen?

Riester: Der war relativ harmlos, sieht man von den fehlenden Belehrungen der Verdächtigen und Zeugen über ihre Rechte ab.

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Kieler "Tatort": Neckisch geht's auch

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insgesamt 68 Beiträge
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1. Grüne Umerziehungsmentalität
smashjack 13.05.2013
Das die Berliner Grünen haben definitiv einen an der Klatsche. Das vorangige Ziel von denen ist, das die Menschen so zu leben haben wie es die Berliner-Grünen-Gutmenschen dort für richtig halten. Der selbstständig denkende Mensch gibt es für diese Gruppe wohl nicht. Ach ja ich vergaß, er denkt ja nicht so wie gewünscht. Liebe Grünen, seit ihr jetzt auf dem Weg zu "Umerziehungsanstalten"? Wenn das so weiter geht, seit ihr unwählbar! Der Großteil hier kann frei denken und auch unterscheiden! Dumme Menschen denen nicht geholfen werden kann, wird es immer geben....
2. Da hat der CDU-Generalsekretär
bambus07 13.05.2013
Hermann Gröhe sich noch sehr vorsichtig ausgedrückt, als er diesen neuen "grünen" Vorstoß als "Bevormundungsprojekt" bezeichnete. Die Grünen dürften sich einmal mehr in Richtung "Political correctness-Diktatur bewegt haben. Man kann dies in diesem Fall als alberne Spinnerei abtun, aber den Gründen ist es mit solchen Themen todernst. Armes Deutschland!
3. Tja, leider wieder mal die Bestätigung …
fump 13.05.2013
… dass solche Leute komplett humorlos sind. Auf welchem Stock muss man denn sitzen, um sich so einen Humbug auszudenken. Da möchte man ja fast dem Rösler mit seiner neuen Spiessertheorie. Wenn der nicht doch noch etwas schlimmer wäre.
4. Wie wäre es mal mit PolitikerWatsch?
kantundco 13.05.2013
...äh PolitikerWatch? Die machen nämlich auch einiges, was verboten, fragwürdig oder schwachsinnig ist. Und wenn sie dann von den Medien dazu befragt werden, dann wird es nur noch peinlich. Ich erinnere mich da nur an ein paar Interviews nach einer der zahlreichen Rettungsschirm-Durchwinkaktionen...
5. Verwechselung: Tatort ist keine Reality-Show
tdmdft 13.05.2013
Anscheinende haben manche Leute dieses Format nicht verstanden und suchen zudem noch ein neues Betätigungsfeld für "political correctness". Das ist doch völliger Quatsch. Anscheinend haben manche Spaß an der deutschen Spießigkeit, die Beamten-Appartschikmässig jede dramatugischen Äußerung der Rollen auf die Kompartibilität mit den deutschen Polizei - und Rechtsvorschriften überprüfen wollen. Da stellen sich mir die Nackenhaare hoch. Die Assoziation, die ich ausdrücklich niemanden (!) unterstellen will, die sich mir aber sofort aufdrängt, ist Eichmann: der Inbegriff dessen, wohin Spießigkeit und Vorschriftsglaube im Extermfall führen kann, wenn man den Blick für das Menschliche verloren hat. Nein, der Tatort hat damit nichts zu tun. Schon alleine die armen Staatsanwälte, die dort auftreten müssen, haben mit realen Staatsanwaltschaften rein gar nichts zu tun. Krimis sind Brennglässer, um fokustiert menschliches Extermsituationen und Handlungen exemplarisch aufzuzeigen. Tatort ist deshalb so erfolgreich, weil es Persönliches immer in einen gesellschaftgeschichtlichen Kontext einordnent. Das war bei Schimanski so, und war gestern auch beim Kieler Tatort. Sendungen wie "Tatort" dürfen nicht Reality-Show verwechselt werden. Die kann Paula Riester vielleicht auf RTL II suchen.
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