Three Strikes: Britische Provider sollen Raubkopierer melden

Die britische Medienaufsicht Ofcom hat einen Entwurf für ein Copyright-Warngesetz vorgelegt. Provider sollen Filesharer dreimal wegen mutmaßlicher Rechtsverstöße verwarnen. Danach geht ein Datensatz an die Rechteinhaber - zunächst ohne Namen.

Hamburg - Britische Provider sollen künftig ihre Nutzer verwarnen, wenn diese von Rechteinhaber bei einem Copyright-Verstoß beobachtet wurden. Das geht aus einem Gesetzentwurf hervor, der am Dienstag von der Medienaufsichtsbehörde Ofcom veröffentlicht wurde. Der Entwurf ist das Ergebnis von Beratungen mit Providern, Rechteinhabern und Internetnutzern, auch die britische Piratenpartei wurde befragt.

So sollen die Warnhinweise funktioniere: Stellen die Rechteinhaber fest, dass jemand gegen das Copyright verstößt - zum Beispiel, weil jemand eine Datei illegal über eine Tauschbörse kopiert - können sie das dem Provider melden. Die Rechteinhaber kennen aber nicht den Namen, sondern nur eine IP-Adresse. Der Provider kann diese IP-Adresse einem Nutzer zuordnen. Der Provider schickt eine Warnung und merkt sich den Verstoß des Nutzers.

Für die Warnungen zahlen die Rechteinhaber an die Provider, die Gebühren sollen von der Menge der Verwarnungen und der Größe der Provider abhängen. Eine Verwarnung wird wohl umgerechnet zwischen 10 und 20 Euro kosten. Die Kunden können gegen jeden Warnhinweis Widerspruch einlegen. Dafür müssen sie eine Gebühr von umgerechnet 25 Euro bezahlen. Die Widersprüche soll eine unabhängige Schiedsstelle prüfen.

Wurde ein Nutzer dreimal verwarnt, landet er zunächst in anonymisierter Form auf einer Liste, die von den Rechteinhabern abgefragt werden kann. Mit dieser Aufstellung von Beschwerden können Rechteinhaber dann vor Gericht beantragen, dass der Provider die Identität seines Kunden offenlegen muss.

Der nun präsentierte Gesetzentwurf soll eine Balance zwischen den Interessen der Rechteinhaber und den Internetnutzern darstellen. Einen Monat lang kann das Warngesetz nun kommentiert werden, Ende des Jahres könnte das Parlament dann darüber abstimmen. Die Copyright-Warnungen würden dann im März 2014 beginnen, berichtet der "Guardian".

Die Provider werden nach dem Gesetzentwurf nicht dazu verpflichtet, den Internetverkehr ihrer Nutzer zu kontrollieren oder deren Verbindung zu drosseln oder abzuschalten. Sie müssen aber dafür sorgen, dass sie anhand einer ihnen übermittelten IP-Adresse den betreffenden Nutzer ausfindig machen können. Die Rechteinhaber haben einen Monat Zeit, um einen Rechtsverstoß bei Providern anzumelden. Da sich die Provider in Großbritannien zu einer zwölfmonatigen Vorratsdatenspeicherung verpflichtet haben, dürften die IP-Adressen der Nutzer ohnehin vorliegen.

Der Autor auf Facebook

ore

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Lizenzlose Kopierer
taggert 26.06.2012
Da bin ich ja mal auf die Ergebnisse in ein paar Jahren gespannt. Ich glaube: Juchey! Schreit der echte Schwarzkopierer wenn der ahnungslosen Masse die Leitung gekappt wurde und wieder mehr Bandbreite für seine Up- und Downloads bereit steht. Wie viele Steuermilliarden wohl Weltweit noch für dieses Thema verbrannt werden, bis auch bei Regierungen die Erkenntnis durchsickert: A) Eine IP Adresse nicht ausreichen wird um eine eindeutige Personen Zuordnung daraus zu basteln. B) Die "echten" Schwarzkopierer mit diesen Maßnahmen eh niemals zu fassen sind... Die laden inzwischen alle Verschlüsselt über das UseNET oder haben inzwischen schon wieder was neues - von dem die Welt nix mitbekommt... :) Naja, schauen wir uns das Spektakel weiter an... Mal schauen wie lange die Menschen von Vorgestern noch versuchen die Menschen von Übermorgen zu bekämpfen, bis sie erkennen, das diese Ihnen immer "5 Tage" vor raus bleiben werden. :)
2. kommt drauf an
jana45 26.06.2012
Erstmal ist es besser verwarnt zu werden als wie in Deutschland sofort eine überhöhte Forderung eines Abmahnanwalts zu bekommen. Sinn macht es aber nur, wenn die Warnung genau beinhaltet wie und wo ein Verstoss vorliegt. Denn es ist ja nicht meist nicht für den User offensichtlich, welche Quellen legal oder illegal sind. Einem Musikstück sieht man ja nicht an ob die Gema oder sonstwer daran Rechte hat oder ob es frei ist. Insofern sollte auch nur der Uploader und nicht der Downloader verwarnt oder gar bestraft werden. Und ausserdem müssen solche Erkenntnisse legal beschafft worden sein und auch wieder gelöscht werden z.B. nach 3 Monaten. Wünschenswert wäre jedoch eher ein Recht auf Annonymität im Internet, da Meinungsfreiheit ein höheres Gut ist als Eigentum - andere mögen da anderer Ansicht sein.
3. Da sollte man also demnachst...
Schnarchy 27.06.2012
Zitat von sysopDie britische Medienaufsicht Ofcom hat ein Copyright-Warngesetz vorgelegt. Provider sollen Filesharer dreimal wegen mutmaßlicher Rechtsverstöße verwarnen. Danach geht ein Datensatz an die Rechteinhaber - zunächst ohne Namen. Three Strikes: Britische Provider sollen Raubkopierer melden - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,841036,00.html)
...in VPN Firmen investieren da diese ja scheinbar ein starkes Wachstum in den naechsten jahren verzeichnen werden.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Netzpolitik
RSS
alles zum Thema Copyrights
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 3 Kommentare
  • Zur Startseite

Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher
    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    Kindle Edition: 1,99 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon kaufen.