Netzzensur China blockt Google-Dienste

Das Massaker auf dem Tiananmen-Platz jährt sich zum 25. Mal - und China verschärft seine Internetzensur. Dienste von Google sind nicht zu erreichen, Millionen Nutzer können nicht auf Informationen zugreifen.

Google in China: Die Suchmaschine ist kaum noch nutzbar
Corbis

Google in China: Die Suchmaschine ist kaum noch nutzbar


Die Dienste des amerikanischen Internetriesen Google sind in China im Moment fast vollständig blockiert. Die Sperrung steht vermutlich im Zusammenhang mit dem 25. Jahrestag der blutigen Niederschlagung der Proteste auf dem Tiananmen-Platz am Mittwoch.

Betroffen sind ausländische Versionen der Google-Homepage, der E-Mail-Dienst Gmail, die Such- und Übersetzungsfunktionen sowie die Bilderdatenbank, berichtet die Gruppe GreatFire.org, die chinesische Webzensur dokumentiert. Google sei in China damit "kaum noch nutzbar".

Ein Google-Sprecher sagte, das Unternehmen habe mit der Blockade nichts zu tun. Bei einer umfangreichen Überprüfung sei herausgekommen, dass "auf unserer Seite alles gut ist". Seinen Angaben zufolge sind die Google-Dienste in China zumindest teilweise zu erreichen.

Viele Millionen Nutzer dürften betroffen sein

Der Internetriese verschlüsselt seit März alle Suchen aus China, doch stören die chinesischen Behörden die Verbindungen zu Googles Internetprotokoll-Adressen, wie Greatfire.org berichtet. Seit sich Google 2010 aus China zurückgezogen hat, um sich nicht weiter selbst zensieren zu müssen, wurden Nutzer automatisch auf die Google-Suchseite in Hongkong umgeleitet, was jetzt auch nicht mehr funktioniert.

Zwar hat Google ohnehin keinen großen Marktanteil in China, doch dürften laut Experten viele Millionen chinesische Internetnutzer von den massiven Störungen betroffen sein. Marktführer in China ist die Suchmaschine Baidu, die ihre Suchen zensiert. Ohnehin sind in China soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter sowie YouTube geblockt, auch Webseiten von Menschenrechtsorganisationen und ausländischen Medien wie der "New York Times" oder der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Nichts soll an den blutigen Militäreinsatz erinnern

Vor dem Tiananmen-Jahrestag wurden die Sicherheitsmaßnahmen drastisch verschärft. Dutzende Kritiker wurden landesweit festgenommen, unter Hausarrest gestellt, verhört oder verwarnt, um jede Erinnerung an die Opfer des brutalen Militäreinsatzes zu verhindern, wie Menschenrechtsgruppen kritisierten. Das Massaker hat es offiziell nie gegeben, die Erinnerung daran soll verblassen, erneuter Protest wird im Keim erstickt.

In der Nacht zum 4. Juni 1989 war die chinesische Armee mit Panzern gegen Studenten vorgegangen, die auf dem Platz des Himmlischen Friedens für mehr Demokratie demonstriert hatten. Dabei wurden hunderte Menschen getötet. Die Führung in Peking begründete das Vorgehen mit der Notwendigkeit, das "Chaos" zu beenden.

juh/afp/dpa

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insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
e33h372 03.06.2014
1. gut so !!sollten wir auch machen
bis diese firma endlich ein paar kröten von den vielen milliarden bei uns bezahlt!steuern sollten kein privileg sein!
stefan_t 03.06.2014
2. So einfach geht das.
Wäre doch auch eine Maßnahme mit Unternehmen umzugehen, die nicht den deutschen Datenschutzbestimmung genügen oder ihre Daten an NSA & Co weitergeben. Klack, aus. Ich möchte mal sehen, wie schnell Facebook, Google und Co umschwenken. Und wenn nicht: so what, wird sich eine europäische Alternative finden.
cvdheyden 03.06.2014
3. Totalitäres System
In Systemen wie in China ist das nichts Besonderes. Warum wird damit die Zeit von Journalisten verschwendet? Hier könnte interessanteres berichtet werden als die ewigen diktatorischen Maßnahmen aus China, die sicher noch lange lange währen werden
googlefanboy 03.06.2014
4. Für Google!
Nicht gut. Die Bevölkerung braucht Google für eine bessere Welt und ein besseres Leben, gegen Zensur!
rant0r 03.06.2014
5. schon auffällig
wie die mainstream medien immer genau dann gehäuft kritische artikel über fremde staaten bringen wenn amerika gerade meint sich mit diesen anlegen zu müssen nicht dass ich das gutheissen würde was china da macht, aber in sachen menschenrechtsverletzungen sind die nicht schlimmer als die anderen. außerdem lässt sich die zensur einfach umgehen und das wird auch gemacht, von den jungen zumindest.
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