Apple-Chef Cook über Datenschutz und Sicherheit "Sonst wird man gehackt"

Erst Berlin, dann Brüssel: Apple-Chef Tim Cook tourt durch Europa, am Mittwoch tritt er bei EU-Datenschützern auf. Mit dem SPIEGEL spricht er über den Vorsprung Europas bei dem Thema - und über den Kampf gegen kriminelle Hacker.

Tim Cook: "Datenschutz wird weltweit ein Topthema."
Brooks Kraft/ Apple

Tim Cook: "Datenschutz wird weltweit ein Topthema."

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Viele Verbraucher empfinden es als lästig, sich mit Datenschutzfragen zu beschäftigen: ja, sicher, irgendwie wichtig, aber auch irgendwie umständlich. Bei Apple-Chef Tim Cook hingegen ist es anders: Bei kaum einem Thema argumentiert er so leidenschaftlich wie beim Schutz privater Daten.

Was auch damit zu tun hat, dass sich sein Unternehmen vermarktet als Advokat der Anwender, das nie auf die Idee kommen würde, die Daten der eigenen Nutzer zu missbrauchen oder zu verkaufen. Da passt der Auftritt auf der 40. Internationalen Konferenz der Datenschutzbeauftragten in Brüssel gut ins Programm, eigentlich eine eher dröge Fachtagung für Experten. Am Mittwoch aber soll Cook dort sprechen.

Er sei dankbar für diese Gelegenheit, sagte Cook vorab in einem Gespräch mit dem SPIEGEL in Berlin. Für Apple sei das Thema extrem wichtig. Firmen-Mitgründer Steve Jobs habe "schon zu Zeiten des ersten Internetbooms über dieses Thema gesprochen und es klar definiert. Das ist es, wo wir herkommen." Datenschutz sei ein Kernprinzip, an dem sich alle Entwicklungen des Unternehmens orientieren würden.

Auf seiner Keynote am Mittwoch wird Cook deshalb auch die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO ) loben. Das europäische Rechtewerk sei "ein Beispiel dafür, wie gute Grundsätze und politischer Wille zusammenkommen, um unser aller Rechte zu verteidigen".

Ein Audi und ein BMW

Auf Unterschiede zwischen den USA und Deutschland hinsichtlich der Wahrnehmung und Gewichtung von Datenschutz angesprochen, sagte Cook, er glaube, "dass Deutsche sich ganz allgemein der Wichtigkeit von Datenschutz und Privatsphäre bewusst sind". Das sei "teilweise historisch bedingt." Zudem werde "vielen Leuten immer öfter bewusst, dass dieses Thema sie persönlich betrifft und nicht nur andere".

In den USA sieht das derzeit noch anders aus. Mit einer einfachen Google-Suche wird man zu Diensten geleitet, die das Jahreseinkommen, den Bildungshintergrund und beispielsweise den Fuhrpark fast jedes Bürgers auflisten. Über Tim Cook findet man so mühelos seinen Beruf, die Parteipräferenz, Glaubensrichtung und den Bildungshintergrund heraus. Sogar zwei Autoanschaffungen, ein Audi A5 und ein BMW der Sechser-Reihe, werden aufgelistet.

Eines der wichtigsten Themen des Jahrhunderts

Von einem Datenschutz nach deutschem Standard ist das weit entfernt. Das ändere sich jedoch gerade, so Cook: Er nehme "ein zunehmendes Interesse an diesem Thema auch in den USA wahr". Ohne dass er es ausspricht, wirkt es wie ein Verweis auf den Skandal rund um die illegale Nutzung von Facebook-Nutzerdaten durch die Firma Cambridge Analytica und die damit einhergehende versuchte Manipulation des US-Präsidentschaftswahlkampfes.

Bei zunehmendem Interesse allein werde es aber nicht bleiben: "Datenschutz und Privatsphäre werden in allen Ländern der Welt ein Topthema werden. Ich glaube, dieser Komplex gehört zu den zwei oder drei wichtigsten Themen dieses Jahrhunderts."

Den Hackern einen Schritt voraus sein

Für Apple sieht der Firmenchef offenbar keine Probleme. Man interessiere sich nicht nur deshalb nicht für die Daten der Apple-Nutzer, weil man damit kein Geld verdiene. Vielmehr habe Apple sich bewusst dafür entschieden, den Schutz der Privatsphäre zu einem Grundwert der Firma zu machen: "Unsere Geschäftsmodelle leiten sich von diesen Grundwerten ab, nicht umgekehrt", sagt Cook.

Apple kann sich diese Position freilich auch problemlos leisten. Die größten Umsatzbringer sind für das Unternehmen immer noch das iPhone und Hardware-Produkte wie iMacs und MacBooks. Zwar nimmt der Anteil von Dienstleistungen wie dem App Store, iCloud und iTunes zu, aber die Versuchung, die ohnehin gewaltigen Umsätze aus dem Hardware-Geschäft mit Daten-Deals zu überzuckern, dürfte gering sein. Apple lebt auch von seinem Ruf, so etwas eben nicht zu tun.

Für den Konzern bleibt es allerdings eine Herausforderung, die Sicherheit jener Nutzerdaten, die er hat, überhaupt zu gewährleisten. Man müsse seine Sicherheitsmaßnahmen ständig verbessern, erklärte Cook. "Die Fähigkeiten krimineller Hacker, also Profis, für die das ein Business ist, sind hochentwickelt. Denen muss man immer einen Schritt voraus sein, sonst wird man gehackt." Eben deshalb veröffentliche Apple regelmäßig Softwareupdates. Und deshalb sei es auch so wichtig, diese Updates auch zu installieren.



insgesamt 27 Beiträge
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m_s@me.com 22.10.2018
1. Warum entschuldigen Sie die Geschäftsmodell anderer Hersteller?
Immer wieder klingt durch, dass die alte Garde der IT-Berichterstattung Unternehmen indirekt in Schutz nimmt: " ... Aber Apple hat's ja vergleichsweise leicht". Ich drehe das mal um: Warum wird Apple die Last der nicht immer koscheren Strategie anderer Unternehmen umgehängt? Nach dem Motto, haben die schon immer so gemacht, war nicht alles schlecht, aber die "Neuen" haben ja keine Altlasten? Ja und? Ist doch schön!
Sensør 22.10.2018
2. ... deshalb veröffentliche Apple regelmäßig Softwareupdates
Nur dass man für die neue Software auch aktuelle Rechner von Apple braucht, das letzte brauchbare Laptop gab es 2011, da läuft das aktuelle System von Apple nicht mehr. Andere Hersteller sind da kundenfreundlicher ....
felisconcolor 22.10.2018
3. Weil
Zitat von SensørNur dass man für die neue Software auch aktuelle Rechner von Apple braucht, das letzte brauchbare Laptop gab es 2011, da läuft das aktuelle System von Apple nicht mehr. Andere Hersteller sind da kundenfreundlicher ....
es eben keinen Sinn macht in einen Trabant einen V6 BiTurbo einzubauen. Ich habe auch noch alte Läppis rumliegen. Mit einem alten Windows oder Ubuntu reichts zum Texte schreiben (dafür würde sogar noch die Schreibmaschine meines Großvaters reichen) oder surfen. Aber richtiges arbeiten und daran orientiert sich eben die Strategie von Apple ist nur noch mit Mühe möglich. Insofern vollkommen verständlich
ZoeHollister 22.10.2018
4. Einfach nur falsch!
Zitat von SensørNur dass man für die neue Software auch aktuelle Rechner von Apple braucht, das letzte brauchbare Laptop gab es 2011, da läuft das aktuelle System von Apple nicht mehr. Andere Hersteller sind da kundenfreundlicher ....
1, Ob Sie das 2011er Modell oder das aktuelle Modell brauchbarer finden, ist subjektiv. Das aktuelle MacBookPro ist aber um Welten besser! 2 . Auf den alten 2011er MacBooks kann kein aktuelles Betriebssystem (Mojave) installiert werden, Sicherheitspatches werden aber auch für alle alten Betriebssysteme rausgegeben. Ihre Aussage daher schlicht falsch. 3. Stimmt, Windows nimmt's mit der Sicherheit ja so viel ernster...
iphone_dummy 22.10.2018
5.
Zitat M.Kremp: "...aber die Versuchung, die ohnehin gewaltigen Umsätze aus dem Hardware-Geschäft mit Daten-Deals zu überzuckern, dürfte gering sein. Apple lebt auch von seinem Ruf, so etwas eben nicht zu tun. " Werbetexte unkritisch wieder und wieder zu zitieren macht sie nicht richtiger, hinterläßt aber einen schlechten Eindruck. Wer sich etwas mit der Geschäftspolitik des Herrn Cook beschäftigt, kennt die Deals, die er mit z.B. der chinesischen Regierung eingegangen ist um dort Apple-Produkte auf den Markt bringen zu können. Dazu gehört die Verbannung jeder VPN-Software aus den App-Stores genauso wie der Zugriff auf alle persönlichen Daten durch Behörden. Die vermeintliche Verschlüsselung in der iCloud, der unmögliche Zugriff .... (Und wer nun glaubt, dass diese Hintertüren und Tricks nur dort möglich sind, kann unkritischer und naiver nicht sein.) Im Text wird auch die Zugänglichkeit einiger Daten in den U.S.A. genannt. Nun, es ist kein Geheimnis, dass T. Cook seit Beginn in einem der Beraterkreise des D. Trump war. Und nicht, wie viele, viele andere Vorstände, nach kurzer Zeit wieder ausgetreten ist. Bis heute nicht! Tim Cook setzte sich für den Bau eines Foxconn-Werkes in den U.S.A. ein (D. Trumps Forderung nach neuen u.s. amerikanischen Arbeitsplätzen folgend) >>> Apple profitiert besonders von der Steuerpolitik des D. Trump. Eine Hand wäscht die andere. Natürlich ist genau diese Vorgehensweise der Job eines CEO und sicher voll im Sinne "seiner" Firma. Aber Apple vollkommen unkritisch zu bewerben, die Slogans ohne Nachdenken wiedergeben - verfehlt den Anspruch an Journalismus, den wir eigentlich seit Jahren und Jahrzehnten vom Spiegel (und z.T. von SpOn) gewohnt waren. Schade!
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