Transparency Report Behörden forderten 14.000 Nutzerdatensätze von Google

Der Internet-Konzern Google übt sich in Transparenz: Mit einem "Transparenzbericht" will das Unternehmen künftig im Sechsmonatsrhythmus über wichtige Eckzahlen informieren. Unter anderem darüber, in welchen Ländern Behörden besonders häufig Nutzerdaten anfordern.

Google Transparency Report: 768 Datenanfragen, 118 Löschanfragen aus Deutschland

Google Transparency Report: 768 Datenanfragen, 118 Löschanfragen aus Deutschland


Deutschland steht auf Platz sieben in Googles Rangliste der Staaten, die am häufigsten Auskunft über Google-Nutzer einfordern. Insgesamt 768-mal forderten Behörden im zweiten Halbjahr 2010 Daten über Google-Anwender von dem Internetkonzern ein. Drei Vierteln dieser Anfragen kam der Konzern ganz oder teilweise nach. Gleichzeitig erhielt das Internetunternehmen 118 Anfragen auf Löschung von Daten, denen zu 97 Prozent stattgegeben wurde.

Diese Zahlen stammen aus dem Transparency Report, dem "Transparenzbericht", den das Unternehmen künftig halbjährlich veröffentlichen will. Unter anderem will das Unternehmen über die Zahl der behördlichen Informationsanfragen nach Auskünften über Nutzer informieren, zum anderen über Gesuche zum Löschen von Daten. Laut Google soll die Veröffentlichung der Zahlen dazu dienen, die Diskussion über solche Anfragen mit Informationen über deren Bandbreite und die Art der Anfragen anzureichern.

Außerdem veröffentlicht Google Statistiken über Nutzungsdaten nach Diensten und Ländern sortiert. So kann man sich zumindest rückwirkend ein Bild von etwaigen Blockaden bestimmter Dienste in einzelnen Staaten machen.

Insgesamt, so zeigt es Googles erster Transparency Report, gingen bei dem Unternehmen zwischen Juli und Dezember 2010 rund 14.000 Anfragen nach Nutzerdaten durch Regierungsstellen ein. Die mit weitem Abstand meisten Gesuche kamen dabei aus den USA, wo 4601 Anfragen registriert wurden. Die Plätze zwei und drei belegen Brasilien und Indien mit 1804 beziehungsweise 1699 Anfragen. Deutschland belegt, wie eingangs erwähnt, den siebten Platz

Interessant ist dabei zu beobachten, wie viele der behördlichen Anfragen von Googles Justiziaren als rechtens eingestuft wurden. So kam der Konzern in den USA 94 Prozent der Auskunftsgesuche nach, in Südkorea aber nur 45 und in Polen gar nur zwölf Prozent der Anträge. Von den 45 Anfragen aus der Türkei wurde keine einzige erfüllt. Dasselbe gilt für alle 68 Anfragen aus Ungarn.

Bei den Anträgen auf Löschung von Inhalten aus dem Suchindex sieht es dagegen ganz anders aus: Hier gab es nur 54 Anfragen aus den USA, in deren Rahmen 1421 Einträge gelöscht werden sollten. Aus Südkorea hingegen hagelte es 139 Anfragen auf Löschung von 32.152 Einträgen, denen Google in Gänze nachkam. Die Krone haben hier aber die Briten auf. Sie erbaten sich mit nur 38 Anfragen die Löschung von 93.518 Einträgen.

Deutschland ist auch hier wieder im Mittelfeld, die hierzulande gestellten 118 Anfragen betrafen insgesamt 1932 Einträge, die von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien gemeldet wurden. Sie betrafen Seiten, die beispielsweise gegen den Jugendschutz verstießen, nationalsozialistische Propaganda, extreme Gewalt oder Pornografie enthalten.

mak

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insgesamt 4 Beiträge
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Arne11 27.06.2011
1. gegen titelzwang
Zitat von sysopDer Internet-Konzern Google übt sich in Transparenz: Mit einem "Transparenzbericht" will das Unternehmen künftig im Sechsmonats-Rhythmus über wichtige Eckzahlen informieren. Unter anderem darüber, in welchen Ländern Behörden besonders häufig Nutzerdaten anfordern. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,770886,00.html
Ist doch aber eigentlich ein Verstoss gegen die Informationsfreiheit... Sehe ich kritisch. Es wird Zeit zumindest teilwesie auf andere/bing etc. umzusteigen. Zum einen wegen der Informationsfreiheit, zum zweiten weil google auch logged was man sucht. Theoretisch kann man damit nen Profil erstellen welche Seiten man alles besucht hat - inklusive wenig 'moralischer' Seiten. In Ländern die etwas prüder sind kann man damit leicht jemanden abschiessen...
jubee 28.06.2011
2. Gegen Titelzwang
Zitat von Arne11Ist doch aber eigentlich ein Verstoss gegen die Informationsfreiheit... Sehe ich kritisch. Es wird Zeit zumindest teilwesie auf andere/bing etc. umzusteigen. Zum einen wegen der Informationsfreiheit, zum zweiten weil google auch logged was man sucht. Theoretisch kann man damit nen Profil erstellen welche Seiten man alles besucht hat - inklusive wenig 'moralischer' Seiten. In Ländern die etwas prüder sind kann man damit leicht jemanden abschiessen...
Kann man? ? Tut man! Bitte beide Augen aufmachen --> Realität
distributer 28.06.2011
3. Adwords...
In Deutschland wurden 179 Adwords (Werbungen) entfernt (Grund 'Other'), in den UK ganze 93,360. Ich frage mich was den Briten da so aufstoesst, was in Deutschland OK ist?
shine31 10.10.2011
4. Re: Ich frage mich was den Briten da so aufstoesst
Zitat von distributerIn Deutschland wurden 179 Adwords (Werbungen) entfernt (Grund 'Other'), in den UK ganze 93,360. Ich frage mich was den Briten da so aufstoesst, was in Deutschland OK ist?
Da reicht nur ein einziger englischer Hersteller, der seine "Marke" schützen will und dementsprechend alle vorkommenden Seiten entfernt haben will...
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