Datenklau Tschechien liefert mutmaßlichen Hacker an USA aus

Er soll die Zugangsdaten von mehr als 115 Millionen Nutzern des sozialen Netzwerks LinkedIn gestohlen haben: Tschechien hat einen mutmaßlichen russischen Hacker an die USA ausgeliefert.

Laptop mit Binärcode
imago

Laptop mit Binärcode


Nach langen juristischen Auseinandersetzungen liefert Tschechien einen mutmaßlichen russischen Hacker an die USA aus. Der Verdächtige sei in Prag in ein Flugzeug gebracht worden, teilte eine Sprecherin des Justizministeriums mit. Die US-Ermittler werfen dem 30 Jahre alten Computerfachmann Jewgeni Nikulin, vor, die Zugangsdaten von rund 117 Millionen Nutzern des sozialen Netzwerks LinkedIn gestohlen zu haben. Nikulin selbst bestreitet, ein Hacker zu sein. Der Sprecher des US-Repräsentantenhauses, der Republikaner Paul Ryan, hatte sich bei einem Besuch in Prag am Dienstag persönlich für die Auslieferung eingesetzt.

Der Entscheidung des tschechischen Justizministeriums war ein kompliziertes juristisches Tauziehen vorausgegangen. Neben den USA forderte auch Russland die Auslieferung seines Staatsbürgers. Die Behörden in Moskau begründeten dies mit mutmaßlichen Internet-Betrügereien im Umfang von umgerechnet einigen Hundert Euro.

Der tschechische Ex-Geheimdienstchef Karel Randak äußerte sich Ende 2016 zu dem Fall - er hielt den russischen Auslieferungsantrag für vorgeschoben: "Wenn der Mann auspackt, könnte er verraten, dass Hackerangriffe auf ausländische Server Teil des russischen Informationskriegs sind", sagte er. Damit könne Nikulin das "ganze System" auffliegen lassen. Russische Hacker stehen unter anderem im Verdacht, hinter Angriffen auf die US-Demokraten unter Hillary Clinton zu stecken.

Nach Darstellung des tschechischen Justizministers Robert Pelikan von der populistischen ANO-Partei übte Präsident Milos Zeman wiederholt Druck auf ihn aus, dem Antrag der russischen Behörden den Vorzug zu geben. Nikulin war im Oktober 2016 in einem Prager Hotel festgenommen worden.

eth/dpa/AP



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