Angebliche Beleidigungen Mohammeds Türkisches Gericht droht mit Facebook-Sperre

Nach YouTube und Twitter könnte bald auch Facebook in der Türkei blockiert werden: Ein Gericht fordert die Sperrung bestimmter Seiten des sozialen Netzwerks. Notfalls müsse das ganze Angebot blockiert werden.

Facebook-App auf einem Handy (Symbolbild): Wird der Zugang in der Türkei generell gesperrt?
REUTERS

Facebook-App auf einem Handy (Symbolbild): Wird der Zugang in der Türkei generell gesperrt?


Das Gericht in der Hauptstadt Ankara hat der Nachrichtenagentur Anadolu zufolge angeordnet, Facebook-Seiten zu blockieren, auf denen der Prophet Mohammed beleidigt wird. Sollte das nicht geschehen, müsse der Zugang zu dem sozialen Netzwerk generell gesperrt werden. Anlass für die Gerichtsentscheidung waren staatsanwaltschaftliche Untersuchungen wegen angeblicher Mohammed-Beleidigungen in dem sozialen Netzwerk.

Erst vor Kurzem hatte die türkische Justiz Ermittlungen gegen zwei Journalisten eingeleitet, die in ihren Beiträgen in der Zeitung "Cumhuriyet" die jüngste Mohammed-Karikatur vom Titel der französischen Satirezeitung "Charlie Hebdo" veröffentlicht hatten. Vergangene Woche war außerdem bekanntgeworden, dass ein Gericht die Twitter- und Facebook-Konten eines geheimnisvollen Widersachers des Präsidenten Erdogan hat sperren lassen.

Ministerpräsident Ahmet Davutoglu hatte erklärt, die Türkei werde "Beleidigungen unseres Propheten" nicht hinnehmen. Im vergangenen Jahr hatten die türkischen Behörden vorübergehend die Zugänge zu Twitter und YouTube gesperrt.

In der Kurdenmetropole Diyarbakir im Südosten der Türkei gingen am Samstag etwa 70.000 Menschen auf die Straße und verurteilten die bildliche Darstellung Mohammeds. Bilder des Propheten Mohammed werden von vielen Muslimen als Blasphemie verurteilt, obwohl der Islam kein entsprechendes Bilderverbot kennt.

mbö/AFP/AP



insgesamt 12 Beiträge
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polarwolf14 26.01.2015
1. Restriktiv
Aber immer wieder lustig, wie westlich studierte Redakteure erklären wollen, es gebe kein Verbot der Verbildlichung des Propheten, währenddessen die Mehrheit der Muslime in echten islamischen Ländern dies anders sieht. Worher kommt diese andauernde Rechthaberei?
Lexx 26.01.2015
2. Bei aller Toleranz...
... aber das finde ich lächerlich.
felisconcolor 26.01.2015
3. Tja
Zitat von polarwolf14Aber immer wieder lustig, wie westlich studierte Redakteure erklären wollen, es gebe kein Verbot der Verbildlichung des Propheten, währenddessen die Mehrheit der Muslime in echten islamischen Ländern dies anders sieht. Worher kommt diese andauernde Rechthaberei?
da gibt es mehrere Interpretationsmöglichkeiten. 1. Die westlichen Redakteure haben Recht 2. Die Mehrheit der Muslime haben Recht 3. Die Minderheit der Muslime haben Recht 4. 1. und/oder 2. und/oder 3. haben den Koran nicht wirklich verstanden, in der ein oder anderen Weise
Kimmerier 26.01.2015
4. Islam und Bilderverbot
Die Worte sollten immer gut und überlegt gewählt sein. Wenn jemand etwa schreibt, "dass der Islam kein Bilderverbot kenne", gleichzeitig aber die Mehrheit der Muslime bildliche Darstellungen von Personen (und etlichen Tieren) ablehnen, scheint doch etwas durcheinander gebracht worden sein. Offensichtlich kennt "der Islam" also Bilderverbote. Richtig wäre es wohl gewesen zu schreiben, dass sich das weitverbreitetete Bildergebot nicht explizit aus den heiligen Schriften des Islam ableiten läßt. Aber - derartiges ist den Christen auch nicht unbekannt. So läßt sich die bis zum heutigen Tag bei den Katholiken übliche Ehelosigkeit der Geistlichen nicht direkt aus dem Neuen Testament ableiten, aber dennoch hält die katholische Kirche daran fest. Insofern geht auch die bei uns Diskussion, welche aktuell um die Rolle des Islams in Europa geführt wird, an der Realität vorbei. Es genügt eben nicht, den Disput allzu akademisch zu führen und einige Suren des Koran so zu intepretieren, als wäre man in einem Proseminar vergleichender Religionswissenschaft. Auch hier sich intensiver damit beschäftigt werden, wie die unterschiedlichen Strömungen des Islam oder gar wie unterschiedliche Muslims die Vorschriften interpretieren - und wie sie diese Vorschriften als Handlungsanweisungen in ihrem alltäglichen Leben verstehen. Wenn diese Vorschriften - bzw. deren Interpretation - dann aber im deutlichen Widerspruch zu unseren Gesetzen stehen, dann ist es Zeit darüber nachzudenken.
Sitiveni 26.01.2015
5. Wieso ...
... muss ich bei derartigen Berichten immer an "Das Leben des Brian" denken? :-)
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