Fotos von Geiselnahme Türkei hebt Sperre für Twitter und YouTube auf

Internetnutzer in der Türkei können wieder auf Twitter und YouTube zugreifen. Die Behörden haben die Sperre von insgesamt 166 Webseiten nach wenigen Stunden wieder aufgehoben.

  Tablet-Nutzer in einem Café in Istanbul: Insgesamt waren 166 Webseiten betroffen
REUTERS

Tablet-Nutzer in einem Café in Istanbul: Insgesamt waren 166 Webseiten betroffen


Acht Stunden lang waren Twitter und YouTube von der Türkei aus nicht abrufbar. Dann haben die Behörden in Ankara die Sperre der Webseiten wieder aufgehoben.

Ein türkisches Gericht hatte die Zugangssperre angeordnet, weil in den sozialen Netzwerken Fotos des als Geisel genommenen Istanbuler Staatsanwalts Mehmet Selim Kiraz zu sehen waren. Linksextremisten hatten Kiraz in der vergangenen Woche in ihre Gewalt gebracht. Beim Versuch, ihn zu befreien, wurden der Jurist und die beiden Geiselnehmer getötet.

Insgesamt waren 166 Webseiten von der Sperre betroffen. Nachdem sie der Aufforderung, die Bilder zu entfernen, nachgekommen waren, wurden die Seiten wieder freigegeben.

Bereits im März vergangenen Jahres hatten die Behörden Twitter und YouTube gesperrt, nachdem dort Korruptionsvorwürfe gegen Personen aus dem Umfeld der Regierungspartei AKP verbreitet worden waren. Das Verfassungsgericht hob die Sperren mit Urteilen im April beziehungsweise im Juni wieder auf.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte vergangenen Freitag ein Gesetz unterzeichnet, das unter anderem eine schärfere Kontrolle des Internets ermöglicht. Kritiker werfen der islamisch-konservativen AKP-Regierung vor, die Meinungsfreiheit zunehmend zu unterdrücken. Erdogan hatte sich bereits in seiner Zeit als Regierungschef mehrfach kritisch zu sozialen Medien wie Twitter geäußert. Er wurde im vergangenen August zum Staatspräsidenten gewählt.

syd/dpa

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MarkusH. 07.04.2015
1. wo sind die Franzosen?
wenn es um freie Meinungsäußerung oder Pressefreiheit geht? tja gut, dass die Türkei noch nicht in der EU angekommen sind
piccolo-mini 07.04.2015
2.
Gerade im Morgenmagazin wurde behauptet, YouTube sei noch gesperrt. Dies ist nicht korrekt. Ich bin gestern abend in Istanbul ohne Probleme reingekommen und gerade wieder.
mermes 07.04.2015
3. Das Zauberwort...
ist Proxy! wer in einem solchen Land lebt & ein unzensiertes Netz will... sollte darauf zurueckgreifen.
romaval 07.04.2015
4. Solche Aktionen
sind es die auch unseren Politikern klar machen müssen, daß so ein Land nichts in der EU verloren hat. Für mich ist das ein Offenbrungseid der Regierenden. Man darf auch nicht vergessen,daß es diese Mittel waren, die Erdogan vor noch größeren Blamagen bewahrte. Von seiner korrupten Sippe ist plötzlich nichts mehr in den Medien.Dies und unliebsame Staatsanwälte verhaften lassen ist ein Zeichen von Schwäche.
ihawk 07.04.2015
5. Was in der Türkei mit viel Lärm passiert ...
... wird bei Twitter & Co normalerweise geräuschlos in den Datencenters auf Anweisung der entsprechenden Regierungsstellen erledigt. Im Gegenzug machen die westlichen Regierungen über ihre nachgeschalteten Medien kostenlose Werbung für diese kommerziellen Netzwerke. Wer glaubt, dass man in Deutschland auf Twitter & Co etwas lesen kann, was die Regierung als "staatsgefährdend" einstuft, muss schon reichlich naiv sein.
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