Olympische Spiele Twitter sperrt NBC-Kritiker

Twitter hat den Account eines Journalisten gesperrt, der kritisch über den US-Sender NBC schrieb. NBC arbeitet bei der Olympia-Berichterstattung eng mit Twitter zusammen. Die Begründung wirft Fragen auf.

Twitter-Logo: Der Online-Dienst sperrt das Konto eines Journalisten
AFP

Twitter-Logo: Der Online-Dienst sperrt das Konto eines Journalisten


Hamburg - Für die Olympischen Spiele in London arbeitet der Onlinedienst Twitter mit dem Medienkonzern NBCUniversal zusammen. NBC sendet die Spiele in den USA exklusiv und versorgt Twitter mit Bildern und Nachrichten, Twitter steuert zum NBC-Programm Tweets von Sportlern und Zuschauern bei und verschickt Links auf Videos. Etlichen teilnehmenden Sportlern hat Twitter extra die Benutzung des Dienstes erklärt.

Vor allem wegen zeitversetzter Ausstrahlung steht NBC mit seiner Berichterstattung in der Kritik. Wichtige Wettkämpfe wie ein Schwimmrennen mit US-Favorit Ryan Lochte wurden zur Primetime ausgestrahlt - als der Sieger in London längst gekürt war, was dank Twitter und Facebook auch dem US-Publikum bekannt war.

Der Journalist Guy Adams, der das Büro der britischen Zeitung "The Independent" in Los Angeles leitet, hatte seinen Ärger über die fehlende Live-Übertragung der Eröffnungszeremonie auf Twitter kundgetan. (Ein Archiv der Tweets findet sich hier.)

Weil Adams auf Twitter dazu aufrief, dem verantwortlichen NBC-Manager Protestmails zu schicken und dessen E-Mailadresse nannte, sperrte das Unternehmen seinen Account. Er habe gegen die Regeln des Netzwerks verstoßen, heißt es in einer Nachricht an Adams, die dem Sportblog "Deadspin" vorliegt. Tatsächlich ist es nicht erlaubt, "nicht-öffentliche, private E-Mail-Adressen" auf Twitter zu veröffentlichen.

Beschwert sich der Betroffene bei Twitter, kann es Ärger geben. In diesem Fall hat Twitter seinen Medienpartner NBC auf diese Möglichkeit hingewiesen. Ein NBC-Manager sagte dem "Telegraph", Twitter selbst habe die Social-Media-Abteilung des Senders auf die kritischen Tweets hingewiesen. Dann habe man "das Formular ausgefüllt", woraufhin Twitter tätig wurde. Guy Adams bekam eine E-Mail, er soll versprechen, die Regeln künftig einzuhalten.

Adams antwortete: Er habe mitnichten eine private Adresse veröffentlicht, nur die geschäftliche Adresse. Die folge wie bei den Zehntausenden Angestellten des Konzerns dem Muster Vorname.Nachname, was man mit Google leicht herausfinden könne. Es sei beunruhigend, dass NBC offenbar erfolgreich den Twitter-Account eines kritischen Journalisten sperren lassen konnte.

Nun muss sich Twitter Vorwürfe gefallen lassen, die eigenen Regeln etwas zu strikt befolgt zu haben - und dann auch noch im Interesse eines Partnerunternehmens. Dabei hat sich Twitter selbst dem Motto "The Tweets Must Flow" verschrieben, die Nachrichten müssen fließen. Ein offener Austausch soll auf der Plattform stattfinden, freie Meinungsäußerung herrschen.

ore

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servicereference 31.07.2012
1. Welche Fragen werden aufgeworfen?
Ein Konzern wehrt sich gegen einen Nutzer der einen Werbepartner des Konzerns verunglimpft. Wo ist da die Frage? Der Autor oder die Nutzer glauben doch nicht etwa wirklich an Meinungsfreiheit bei Twitter, Facebook, etc.? Erst recht wenn diese Meinungsfreiheit Einnahmen der Konzerne gefährdet... Es geht doch nur um die Generierung von "clicks" um einen entsprechenden Konzernwert zu generieren. Die Unterstützung etwaiger "Revolutionen" oder Rebellenberichterstattung wird sehr schnell abgestellt werden, wenn die Einnahmen des Konzerns gefährdet werden könnten.
ratem 31.07.2012
2. Twitter und Konsorten ...
Twitter, Facebook und Konsorten (auch Spiegel-Online!) sind keine demokratisch geführten Systeme, in denen Meinungsfreiheit herscht ... nein, viel eher ähneln sie einer diktatorischen Struktur mit Meinungsgleichschaltung ... das sollte jedem Nutzer klar sein.
Mo2 31.07.2012
3. Fragen
Zitat von sysopAFPTwitter hat den Account eines Journalisten gesperrt, der kritisch über den US-Sender NBC schrieb. NBC arbeitet bei der Olympia-Berichterstattung eng mit Twitter zusammen. Die Begründung wirft Fragen auf. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,847340,00.html
wirft eher der Stammelfunk als solcher auf, z.B.: Kann man das ernst nehmen? Wird`s nicht irgendwann einfach nur langweilig? Wie lange wird noch gestammelt? Woher haben die User die Zeit die sie dort vergeuden? Können Twitterer noch "richtig" sprechen? Wie sieht es mit ihrem IQ aus?
Rubeanus 31.07.2012
4.
Die fragliche Email-Adresse des NBC-Mitarbeiters wurde nicht öffentlich publiziert (den Anschein hat es jedenfalls, wenn man eine kurze Google-Recherche durchführt). Für die allgemeine Kontaktaufnahme ist sie jedenfalls nicht bestimmt. Guy Adams als Journalist einer großen Tageszeitung, der in Los Angeles (Hollywood) seinem Beruf nachgeht, war die Adresse vermutlich geläufig, mithin also eine Art berufsbedingtes Wissen. Als Nicht-Insider kommt man nicht ohne weiteres darauf. Mithin verstieß Adams klar gegen die Geschäftsbedingungen von Twitter. Und schlechter Stil ist es allemal. Um sich über die Olympia-Berichterstattung von NBC zu beschweren, hätte es auch gereicht, deren offizielle Kontaktadresse anzugeben.
zweiblum66 31.07.2012
5. Butter bei die Fische!
Zitat von ratemTwitter, Facebook und Konsorten (auch Spiegel-Online!) sind keine demokratisch geführten Systeme, in denen Meinungsfreiheit herscht ... nein, viel eher ähneln sie einer diktatorischen Struktur mit Meinungsgleichschaltung ... das sollte jedem Nutzer klar sein.
genau diese Form der Kritik geht mir auf den Senkel und ist bestenfalls das Niveau eine bekannten Tageszeitung! Rein konjunktives Rumfabulieren. Wo sind die Fakten! Also bitte einige Belege bei denen SPON, Facebook oder Twitter Nachrichten aus rein wirtschaftlichen Interessen geblockt haben. Mir scheint der Fall hier auf eine übermotivierte Abteilung bei Twitter hinzudeuten, die NBC auf den möglichen Verstoß aufmerksam gemacht hat. Ob dieser Vorgang die offizielle Firmenpolitik darstellt wird sich in den nächsten Tagen herausstellen. Von eine Vorfall auf das ganze schließen ist immer kritisch, schließlich handeln immer nur einzelne in Namen des ganzen, also Mitarbeiter. Und wer diesen keinen Fehler zugesteht sollte schon verdammt gut und fehlerfrei im eigenen Job sein... ...wenn die Dienste tatsächlich Kritik an Werbepartnern ausfiltern würden, wäre der Erfolg der erwähnten Dienste kaum erklärbar.
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