Korruptionsvorwürfe Twitter sperrt regierungskritische Konten

Twitter hat in der Türkei zwei Konten mit mehr als 400.000 Followern gesperrt. Die Konto-Inhaber hätten das Persönlichkeitsrechts Erdogans verletzt. Der Kurznachrichtendienst betonte, aufgrund eines "rechtsgültigen Verfahrens" zu handeln.

Twitter-Seite während der Sperre Ende März: Zwei Konten aufgrund eines "rechtsgültigen Verfahrens" gesperrt
REUTERS

Twitter-Seite während der Sperre Ende März: Zwei Konten aufgrund eines "rechtsgültigen Verfahrens" gesperrt


Istanbul - Der Kurznachrichtendienst Twitter hat in der Türkei zwei regierungskritische Nutzerkonten gesperrt. Die Accounts @Bascalan und @Haramzadeler333 - mit zusammen fast einer Million Followern - waren am Sonntag in der Türkei nicht mehr zu erreichen. Über die Konten waren vor der Kommunalwahl Ende März YouTube-Videos mit Telefonmitschnitten verbreitet worden, die Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan unter massiven Korruptionsverdacht brachten.

Twitter betonte, dass Nutzerkonten nur aufgrund eines "rechtsgültigen Verfahrens" gesperrt würden und nicht lediglich "auf Wunsch eines Regierungsvertreters". Twitter will demnach auch keine Nutzerinformationen an die türkische Regierung weitergeben. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, das Verfassungsgericht habe am Freitag einem Antrag Erdogans stattgegeben, wonach die Konten seine Persönlichkeitsrechte verletzten.

Die Regierung in Ankara hatte den Zugang zu Twitter am 20. März nach dort veröffentlichten Korruptionsvorwürfen gegen Erdogan sperren lassen - kurz vor der Wahl Ende März, die Erdogans AKP mit großem Abstand gewann. Das Verfassungsgericht des Landes stufte das Verbot als illegal ein, die Twitter-Sperre wurde am 3. April aufgehoben. YouTube ist in der Türkei weiterhin nicht zugänglich.

Die Twitter-Sperre war international als Verstoß gegen die freie Meinungsäußerung kritisiert worden. Unzähligen Nutzern gelang es jedoch, die Blockade des Zugangs technisch zu umgehen. Eine Delegation unter Leitung von Twitter-Vizepräsident Colin Crowell war vor wenigen Tagen zu Gesprächen mit Regierungsvertretern in die Türkei gereist.

sun/dpa/AFP/Reuters



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insgesamt 28 Beiträge
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spon-facebook-10000159648 20.04.2014
1. Hauptsache, die Kohle stimmt.
Was sind das für rückgratlose Gesellen. Ich werde meinen Twitter-Account schließen.
sappelkopp 20.04.2014
2. Geld regiert die Welt...
Zitat von sysopREUTERSTwitter hat in der Türkei zwei Konten mit mehr als 400.000 Followern gesperrt. Die Konto-Inhaber hätten das Persönlichkeitsrechts Erdogans verletzt. Der Kurznachrichtendienst betonte, aufgrund eines "rechtsgültigen Verfahrens" zu handeln. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/twitter-sperrt-konten-von-zwei-tuerkischen-regierungskritikern-a-965366.html
...da ist man gern kooperativ, wenn man online bleiben darf.
nathaenel 20.04.2014
3. Persönlichkeitsrechte?
Erdogan ist korrupt bis zum gehtnichtmehr, aber die Justiz hat nichts anderes zu tun als sich für ihn zu bücken. So ein scheinheiligen Diktator bitte nicht in die EU!
redbayer 20.04.2014
4. So ist das halt im Westen
wer kritisiert fliegt raus. Das gilt für die Türkei genauso wie dem amerikanischen Twitter. Da müsst ihr euch halt eine andere Plattform in der Welt auswählen, die nicht in einer westlichen Demokratie liegt.
karl_krass 20.04.2014
5. Was erwartet man...
von einem profitorientierten Unternehmen wie Twitter?! Loyalität den Usern gegenüber? Denen geht es nur um Money. Da tut man doch Leuten wie Erdogan doch gern mal einen Gefallen, wenn man sich dadurch irgendwelche Vorteile verspricht...
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