Überwachung in Deutschland US-Telekom-Riese bestreitet Datenweitergabe an NSA

Der US-Netzwerkbetreiber Level 3 reagiert auf Vorwürfe, in Deutschland für die NSA das Netz zu überwachen. Das Dementi ist klar: Auf deutschem Boden würde die Firma nur deutschen Stellen Zugriff geben. Womöglich kommen die Daten über den BND zur NSA.

  NSA-Dokument: In der EU besonders intensive Überwachung in Deutschland und Großbritannien
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NSA-Dokument: In der EU besonders intensive Überwachung in Deutschland und Großbritannien


Deutschland ist einer der Staaten, in denen der US-Geheimdienst NSA besonders intensiv Internet- und Telefondaten überwacht. Das zeigt eine von Edward Snowden enthüllte NSA-Präsentation, über die "Guardian" und DER SPIEGEL berichten. Darauf ist die Intensität der Überwachung farbig markiert: In der EU erhält die NSA demnach besonders viel Material aus Großbritannien und Deutschland. Die Frage ist: Woher?

Im Verdacht stehen große Netzwerkbetreiber wie der US-Konzern Level 3, die auch in Deutschland Infrastruktur betreiben und viel Datenverkehr an Internetknoten abwickeln. Geheimdienste könnten diese Firmen zur Kooperation zwingen, Datenverkehr aus deren Netzen kopieren und in Echtzeit zur Analyse in eigene Systeme leiten. In den Vereinigten Staaten müssen Telekom-Unternehmen solche Abhörschnittstellen installieren.

Aber in Deutschland? Für die NSA? Level 3 bestreitet das nun vehement. Zunächst hatte die Firma vieldeutig geantwortet:

"Level 3 gestattet keiner, und hat in der Vergangenheit keiner fremden Regierung den Zugang zu ihrem Telekommunikationsnetz oder ihren Einrichtungen in Deutschland gestattet."

Je nach Interpretation könnte man die USA nicht als "fremde Regierung" sehen, schließlich ist Level 3 eine US-Firma. Auf Nachfrage präzisiert das Unternehmen nun gegenüber SPIEGEL ONLINE:

"Mit fremde Regierung ist in diesem Satz jede nicht-deutsche Regierung gemeint."

Mehr sagt Level 3 zu möglichen Abhörschnittstellen im deutschen Netz nicht. Aber diese Aussage ist klar: Level 3 ist wie alle deutschen Telekommunikationsanbieter dazu verpflichtet, dem Bundesnachrichtendienst BND Abhörschnittstellen für den Internet-Traffic mit dem Ausland bereitzustellen. Andere Nachrichtendienste lässt die Firma zumindest in Deutschland nicht direkt an ihre Infrastruktur heran. Wenn das stimmt, müsste der BND die Informationen an die NSA weiterreichen.

Das erscheint angesichts der neusten Enthüllungen über die Arbeit des BND plausibel. DER SPIEGEL berichtet in seiner aktuellen Ausgabe, dass der BND massenhaft Metadaten an die NSA weiterleitet.

Der deutsche Auslandsgeheimdienst geht inzwischen davon aus, dass sich sein Standort in Bad Aibling hinter einer der beiden Datensammelstellen (Sigads) verbergen könnte, über die der US-Geheimdienst laut Unterlagen aus dem Archiv des Whistleblowers Edward Snowden allein im Dezember vergangenen Jahres unter der Überschrift "Germany - Last 30 days" rund 500 Millionen Metadaten erfasste.

Der BND behauptet, das gesamte Datenmaterial würde vor der Weiterleitung an die NSA "in einem mehrstufigen Verfahren um eventuell darin enthaltene personenbezogene Daten Deutscher bereinigt".

Bei den in in Bad Aibling weitergereichten Daten handelt es sich nach SPIEGEL-Informationen unter anderem um Telefon- und Verbindungsdaten aus Afghanistan. Der BND bestreitet, in großen Stil innerdeutsche Verbindungsdaten an die NSA weiterzureichen.

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insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
EvilGenius 05.08.2013
1. Darauf gebe ich einen feuchten...
---Zitat--- Auf Nachfrage präzisiert das Unternehmen nun gegenüber SPIEGEL ONLINE: "Mit fremde Regierung ist in diesem Satz jede nicht-deutsche Regierung gemeint." ---Zitatende--- Nun wissen wir aber, dass US-Firmen aufgrund geheimer Gesetze zum Lügen gezwungen werden. Wieviel Wert hat eine solche Aussage demnach? Ich weiß, rhetorische Frage...
Einfacher Bürger 05.08.2013
2. Deutschland sollte Level 3 einfach kaufen.
Nach eigener Aussage Marktführer unter den Netzbetreibern. Bedauern wir nicht, dass wir bei der Infrastruktur nachhinken? 2 Fliegen mit einer Klappe. Strukturell aufholen und der NSA die Tür vor der Nase zuschlagen. Wahlweise hämisch oder gehässig grinsend. Das bleibt dem Einzelnen überlassen *schmunzelt*
ks82 05.08.2013
3. Lückenloses aussitzen
Der Fakt, dass bei solchen Firmen am nächsten Tag nicht die Staatsanwaltschaft klingelt zeigt welches Interesse an Aufklärung hier wirklich vorhanden ist: nicht das geringste. Aussitzen und warten bis es der Michel wieder vergesssn hat, das ist die Devise!
bobbit 05.08.2013
4. Unglaubhaft.
Zitat von sysopDER SPIEGELDer US-Netzwerkbetreiber Level 3 reagiert auf Vorwürfe, in Deutschland für die NSA das Netz zu überwachen. Das Dementi ist klar: Auf deutschem Boden würde die Firma nur deutschen Stellen Zugriff geben. Womöglich kommen die Daten über den BND zur NSA. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/ueberwachung-internetriese-level-3-gibt-deutschen-diensten-zugriff-a-914849.html
Eine Firma die Ihre eigenen Rechenzentren aus den USA (Detroit) fernüberwachen läßt, bei der jeder Schritt eines Gastes in dem Rechnezentrum auf 20cm genau nach Detroit übermittelt wird, bekommt bei mir keinen Vertrauensvorschuss das nicht auch andere (sicherheits relevanten) Daten in die USA abgeführt werden. Und wenn diese Daten einmal in einem Amerikanischen Rechenzentrum erfaßt sind, dann können Sie auch problemlos an die entsprechenden Überwachungsbehörden weiter gegeben werden.. überigens ohne das man Lügt wenn man sagt das auf deutschem Boden kein Zugriff gegeben wurde.
mr.ious 05.08.2013
5.
Zitat von Einfacher BürgerNach eigener Aussage Marktführer unter den Netzbetreibern. Bedauern wir nicht, dass wir bei der Infrastruktur nachhinken? 2 Fliegen mit einer Klappe. Strukturell aufholen und der NSA die Tür vor der Nase zuschlagen. Wahlweise hämisch oder gehässig grinsend. Das bleibt dem Einzelnen überlassen *schmunzelt*
Und Sie, Sie sind oder wären gerne beim BND. Glauben Sie der lügt, laut Artikel ? Ich persönlich glaube sowieso kein Wort und bin mir ziemlich sicher das die jede Menge -man in the middle- positionieren. So hat jeder seins, und trotzdem kann man mit dem Finger auf Amerika als den bösen Buben zeigen, der das Internet in Händen hält. Das blöde ist eben nur, daß man so nie weiß ob man denen Schnee von Vorgestern als Information anbietet, falls mal irgendwas Interassantes dabei ist. Aber nach dem was man so alles liest, lässt sich doch sicher die Eigentümlichkeit "deutscher Verdächtigungskultur" gegenüber amerikanischen Geheimdiensten verdeutlichen. Das ist alles nicht im Geringsten geheim, sondern logischer Sachverhalt Aufgrund des Internet und seiner Konstruktion.
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