Surveillance Industry Index: Einkaufsparadies für Späher

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Welche Überwachungstechnologie ist weltweit zu haben? Der Surveillance Industry Index listet 338 Hersteller Zur Großansicht
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Welche Überwachungstechnologie ist weltweit zu haben? Der Surveillance Industry Index listet 338 Hersteller

Eine neue Datenbank zeigt, welche Überwachungstechnik derzeit auf dem Weltmarkt zu haben ist, welche Firmen sie herstellen. In ihren Werbebroschüren zeigen die Unternehmen, was sie im Angebot haben - von der Wanze bis zur Drohne.

Die Menschenrechtsorganisation Privacy International hat den Surveillance Industry Index (SII) veröffentlicht, eine Übersicht von Firmen, die Überwachungstechnologie anbieten. Zu sehen gibt es mehr als 1200 Dokumente von 338 Firmen in 36 Ländern, darunter auch Deutschland.

Vier Jahre haben die Aktivisten gebraucht, um die Übersicht zusammenzustellen. Sie bauen auf den von WikiLeaks veröffentlichten Spy Files auf, aber es sind auch 400 bisher unveröffentlichte Dokumente dabei; geholfen hat unter anderem die Omega Research Foundation.

In der so entstandenen Datenbank sind Firmen und Produkte aufgeführt, Verträge und Bedienungsanleitungen; außerdem "Highlights" aus den Werbebroschüren, in denen die Firmen ihre Leistungen anpreisen.

Ein Unternehmen wirbt beispielsweise für ein System, mit dem sich Zielpersonen über ihr Handy lokalisieren lassen, wenn sie unterwegs sind. "Wir führen einen stillen Anruf durch", heißt es da, "das Telefon der Zielperson klingelt oder vibriert dabei nicht". Ab dann werde das Telefon zum Spion, so dass die Überwacher kontrollieren können, wo sich die entsprechende Person gerade aufhält.

Ein anderer Anbieter lockt mit der Möglichkeit, hunderttausend Menschen gleichzeitig zu überwachen - und das mit einer "einfach bedienbaren Benutzeroberfläche", mit der die Ermittlungsarbeit ganz leicht werden soll.

Mini-Kameras und Gesichtserkennung

Es werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie man Menschen über soziale Netzwerke beobachten kann, wie man an E-Mail-Adressen und Passwörter kommt, einzelne Menschen über ihre Handys abhören oder gleich ganz viele Leute gleichzeitig ausspähen kann, indem man zum Beispiel Glasfaserkabel anzapft und den Internetverkehr überwacht. Das sind eigentlich Geheimdienstmethoden, merkt der "Guardian" an. So ein Vorgehen sei vergleichbar mit dem gigantischen Spähprogramm Tempora des britisches GCHQ. Nur geht es hier um den freien Markt.

In den Katalogen gibt es auch sonst vieles, was Spione in ihrem Alltag gebrauchen könnten: Mini-Kameras und kleine Mikrofone werden angeboten, Technologie zur Gesichts- und Spracherkennung, Trojaner, Drohnen und Detektoren, mit denen man Menschen auch durch Wände aufspüren kann - etwa für Ermittler, Grenzbeamte, den Zoll. Insgesamt werden 97 verschiedene Überwachungstechnologien vorgestellt.

Es ist nicht illegal, solche Technologie herzustellen und zu verkaufen. Sie richtet sich, das ist aus vielen Prospekten ersichtlich, vornehmlich an Ermittler, die mit den Werkzeugen Verbrecher und Terroristen jagen sollen - im legalen Rahmen. Aber was legal ist und was nicht, ist von Land zu Land unterschiedlich. Und in den Händen zum Beispiel eines diktatorischen Regimes können solch mächtige Werkzeuge ganz anders genutzt werden. Das Missbrauchspotential ist enorm.

Diese Informationen bleiben der Öffentlichkeit sonst verborgen

Privacy International begründet die Veröffentlichung damit, dass die Informationen über solche Technologien und Produktpaletten der Öffentlichkeit in der Regel nicht zugänglich sind. Broschüren wie die gezeigten sind etwa auf entsprechenden Messen zu finden, aber nicht regulär im Umlauf. "Es gibt zweifelsohne ein öffentliches Interesse daran zu wissen, welche Art von Technologien von Firmen im eigenen Land verkauft werden und auch, welche Technologien an das eigene Land verkauft wurden", heißt es auf der Website von Privacy International.

Gerade nach den Enthüllungen durch Edward Snowden sei der Surveillance Industry Index dafür gedacht, die Menschen über die technischen Überwachungsmöglichkeiten weltweit zu informieren, sie zu sensibilisieren und eine Diskussion darüber anzuregen. Vor allem über Exportregulierungen für solche Werkzeuge, wie es sie auch für Waffen gibt.

Die Idee ist nicht neu: Immer wieder machen Bürgerrechtler das Wirken entsprechender Firmen öffentlich - sei es durch die Spy Files von WikiLeaks oder das aus Deutschland stammende Portal Bugged Planet, das ebenfalls Firmen auflistet, die Überwachungstechnologie herstellen. Privacy International rühmt sich allerdings damit, der SII sei die bislang umfassendste Aufstellung dieser Art.

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insgesamt 3 Beiträge
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1. GPEC Leipzig
get real 19.11.2013
Global Police Equipment & Conference. Da gibt's schöne Sachen. Zutritt zur mit Behörden Ausweis, Aussteller oder dessen Einladung. Was die "Gutmenschen" jahrelang sammeln kann man in 5min als Katalog kaufen.
2. Gibt's auch im Ferienflieger
mitteldeutschländer 19.11.2013
Von wegen nur für Fachpublikum, bei Elektronikkatalogen und selbst über den Wolken gehört spyware wie in Kugelschreibern oder Krawatten versteckte Kameras zum 007-Spielzeug für jedermann
3. es fehlt Regulierung
spätaufsteher 20.11.2013
"Und in den Händen zum Beispiel eines diktatorischen Regimes können solch mächtige Werkzeuge ganz anders genutzt werden." Wie wir seit einigen Monaten wissen, wirken sich solche Werkzeuge auch in den Händen von (noch) demokratischen Regimen verheerend aus. Es ist höchste Zeit, dass solche Überwachungstechnologien wie Kriegswaffen behandelt, kontrolliert und geächtet werden. Wer solche Anti-Bürgerwaffen herstellt, vertreibt, kauft oder einsetzt gehört vor ein Gericht.
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