Umfrageergebnis Die Mehrheit will keine Massenüberwachung

Einer Umfrage von Amnesty International zufolge lehnt die Mehrheit die Massenüberwachung von Internet- und Telefonverbindungen ab. Selbst in den USA haben die Geheimdienste demnach kaum Rückhalt.

Logo des US-Geheimdienstes NSA: Auch US-Amerikaner sehen Überwachung kritisch
DPA

Logo des US-Geheimdienstes NSA: Auch US-Amerikaner sehen Überwachung kritisch


Nicht nur die Deutschen stehen einer Massenüberwachung durch die eigene Regierung kritisch gegenüber. Auch in den Staaten des "Five Eyes"-Geheimdienstverbunds lehnt die Mehrheit der Bevölkerung eine Massenüberwachung durch die eigene Regierung ab. So lautet das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Menschenrechtsorganisation Amnesty International.

Für die Umfrage wurden im Februar 2015 etwa 15.000 Menschen in 13 Ländern befragt, darunter Deutschland, Frankreich und Südafrika sowie die USA, Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland.

Im Durchschnitt sprechen sich 59 Prozent der Befragten gegen die Überwachung ihrer Internet- und Mobilfunknutzung durch die eigene Regierung aus. Am größten ist die Ablehnung mit 69 Prozent in Deutschland, wie Amnesty International mitteilt.

Die ablehnende Haltung lässt jedoch nach, wenn es bei der Überwachung um ausländische Bürger im eigenen Land geht. Gegen ein solches Vorgehen sprechen sich nur 49 Prozent der Befragten Deutschen aus. 39 Prozent denken, dass die Internetnutzung und Mobilfunk-Kommunikation ausländischer Bürger in Deutschland durchaus überwacht werden sollte.

Besonders ablehnende Haltung bei US-Behörden

Der Umfrage zufolge lehnen 81 Prozent der befragten Deutschen eine Überwachung der Internetnutzung in Deutschland durch US-Behörden ab. Nicht viel anders sieht es in den Mitgliedstaaten der "Five Eyes"-Allianz aus. Dort sprechen sich durchschnittlich 70 Prozent der Befragten gegen die US-Überwachung aus.

Auch das US-Meinungsforschungsinstitut Pew Research Center hat US-Bürger nach ihrer Meinung zur Überwachung durch die eigene Regierung befragt. Demzufolge findet eine Mehrheit von 57 Prozent der Befragten das Vorgehen ihrer eigenen Geheimdienste inakzeptabel. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die Amnesty-Umfrage, wonach 63 Prozent der US-Bürger die Überwachung ihrer Internetnutzung durch US-Behörden ablehnen.

Amnesty International spricht sich grundsätzlich gegen Massenüberwachung aus. Von der deutschen Bundesregierung fordert die Menschenrechtsorganisation, das Recht auf Privatsphäre besser zu schützen. "Die Bundesregierung muss offenlegen, ob deutsche Nachrichtendienste menschenrechtswidrige Überwachungen betreiben und sie in diesem Fall unverzüglich beenden", schreibt eine Expertin von Amnesty International.

mei

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insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
Leser161 18.03.2015
1. Nun denn
Da kann man was dran machen. Die NSA hat gewiss die Adressen dieser Demokratiefeinde und wird wissen deren Meinung durch geschickte Manipulation der personalisierten Suchergebnisse von Google korrekt zu beeinflussen. Wie? Natürlich ist das möglich. Stöbern Sie im SPON-Archiv.
taglöhner 18.03.2015
2.
Wer will schon überwacht werden? Insofern wäre die Fragestellung interessant. VDS beispielsweise ist keine Überwachung.
piccolo-mini 18.03.2015
3.
Dann werden die Demokratien dieses Verlangen des Souveräns sicher schnell umsetzen...
peter0pf9 18.03.2015
4. Leider
wird die Mehrheit nur bei Umfragen befragt, nicht bei Entscheidungen! Das ist Demokratie!
Badener1848 18.03.2015
5. @Tagelöhner
Die VDS ist eine Vorstufe der Telekommunikationsüberwachung (lt. Wikipedia). Aber unsere Bundesregierung schert das wenig: Die vermeintliche Totatüberwachung ist vom Tisch, stattdessen sollen lieber alle Bürger anstandslos überwacht werden. Natürlich nur mit dementsprechenden Datenschutz...der der Bundesregierung ja so wichtig ist. Meine Güte, so langsam beginne ich an der repräsentativen Demokratie zu zweifeln. Warum werden wir nur in Umfragen befragt?
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