Umsatzeinbußen: Raubkopien verhageln Microsoft China-Geschäft

Milliarden könnte Microsoft in China verdienen - wenn alle Nutzer für ihre Programme bezahlen würden. Einst hatte Firmengründer Gates Raubkopierer noch als Markenbotschafter gepriesen, jetzt rechnet Konzernchef Steve Ballmer das riesige Ausmaß der Piraterie-Einbußen vor.

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Steve Ballmer in China: Hier und jetzt Milliarden verdienen

Hamburg - Das Geschäft läuft nicht so recht: Microsoft-Chef Steve Ballmer hat vor Mitarbeitern in China vorgerechnet, dass die Firma in dem Land wegen Raubkopien vergleichsweise wenig Einnahmen erzielt. In den USA und in China würden etwa gleich viele Computer verkauft, sagte Ballmer nach einem Bericht des "Wall Street Journal", in China würde Microsoft aber nur fünf Prozent des Umsatzes machen, den man in den USA erzielt.

Der Umsatz von Microsoft in den Niederlanden mit weniger als 17 Millionen Einwohnern sei immer noch höher als im 1,3-Milliarden-Einwohner-Land China. Schuld seien Raubkopien: Das "Wall Street Journal" berichtet, dass Kopien von Windows und Office für zwei bis drei Dollar auf chinesischen Straßenmärkten erhältlich seien.

Auf internationalen Druck hin stellte die Regierung zwar 2006 den Online-Tausch urheberrechtlich geschützter Werke, von Software, Musik und Filmen, unter Strafe. Das Copyright-Gesetz bedeutet allerdings nicht, dass in dem Land nun weniger Raubkopien getauscht und genutzt werden - nach wie vor werden Datenträger mit Software gehandelt, eine seit Jahren unveränderte Situation.

Die Business Software Alliance schätzt, dass in China vier von fünf installierten Programmen Raubkopien sind. Die US-Regierung fordert von der chinesischen Regierung deshalb seit Jahren einen besseren Schutz geistigen Eigentums. Die US-Handelsvertretung prangert Straßenmärkte in China auf einer "Notorious Markets"-Liste an. Regelmäßig werden Fortschritte vermeldet, trotzdem ist die Piraterie-Quote in den vergangenen fünf Jahren nur um acht Prozent gesunken.

Lieber Raubkopien als Linux

Die Software-Lobby ärgert vor allem, dass China viel zu selten selbst aktiv gegen Raubkopierer vorgeht. Eine Website, über die 2009 eine gecrackte Version von Windows XP mehr als zehn Millionen Mal heruntergeladen werden konnte, wurde erst auf erheblichen politischen Druck hin geschlossen. Doch selbst die Gefängnisstrafen für die Betreiber sind den Herstellern noch zu gering.

Eigentlich fand man die Raubkopiererei bei Microsoft vor gar nicht allzu langer Zeit trotzdem gar nicht so übel - schließlich bringt sie Marktanteile, wenn auch keine Profite. Der damalige Microsoft-Chef Bill Gates sagte 2001, es sei zwar unangenehm, dass in China so viel Software kopiert werde. Er würde es aber vorziehen, wenn es sich dabei um Microsoft-Produkte handeln würde. Sein Plan: Irgendwann würde sich das Bezahlen in der größten Volkswirtschaft der Welt schon durchsetzen - und die an Microsoft-Produkte gewöhnten Kunden dem Konzern ansehnliche Summen in die Kassen spülen. 2007 bekräftigte Gates diese Haltung noch einmal gegenüber dem Magazin "Fortune": "Wir können mit unserer Software leichter mit Linux konkurrieren, wenn es Software-Piraterie gibt." Damals gab es Schätzungen, Windows laufe schon jetzt auf 90 Prozent der Rechner in China.

Vier Jahre später ist Steve Ballmer nun aber offenbar frustriert über den ausbleibenden Geldsegen. Er sage ja gar nicht, dass sich jeder in China einen PC leisten könne, zitiert ihn das "Wall Street Journal". Wer aber das Geld dafür habe, der könne auch Software kaufen. Seinen Mitarbeitern gab er sinngemäß mit auf den Weg: "Wir sprechen über die Möglichkeit, hier und jetzt Milliarden zu verdienen."

Die könnte Ballmer gut gebrauchen: Die Anleger sind enttäuscht, aktuelle Trends hat das Unternehmen zuletzt oft verschlafen. Der einflussreiche Hedgefonds-Manager David Einhorn forderte ihn jüngst auf, die Konzernführung abzugeben: Ballmer stecke in der Vergangenheit fest.

ore

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insgesamt 47 Beiträge
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1. Tya,
muwe6161 27.05.2011
in der Tat ist in ganz China nicht eine orginale DVD zu finden. Da aber fast immer der Directors-Cut mit englischem Track darauf zu finden ist habe ich, schande über mich, ganze Schränke voll dieser DVD. Schade das hier nur die weichgespülten Fassungen, mit verhundstem deutschen Sprachtrack zu kaufen sind.
2. Ich kann die MS Leute verstehen
blob123y 27.05.2011
denn mir gehts genau so. Vor etwa 4 Monaten hat so ein Chinesenfurz eine Seite meiner Site kopiert und in seine Site reinpepasted. Das Resultat, nach ein paar Tagen war meine Seite von Google aus dem Index entfernt, ich hatte immer etwa PR 1-3 und der hatte PR 1 mit dem gestohlenen Content, dies zeigt exemplarisch die Qualitaet von Googles Pageranking. Nun ich machte ein Copyrightcoplain an Google via DC... form und ein Spam complain bei Google, da dies auch unter Spam laeuft, Ergebniss = 0, Google ignoriert konsequent alles bezueglich Copyright complain, sagt aber, die nehmen diese "very serious". So what ? solange man nicht konsequent gegen diese chinesischen Drittweltganoven vorgeht, die ihre Erstweltansprueche ausschliesslich aus Schwindel, Betrug und Plagiat ableiten geschieht natuerlich nichts.
3. ...
probstheida 27.05.2011
Ich korrigiere den Satz mal: Milliarden könnte Microsoft in China verdienen - wenn alle Nutzer für ihre Programme bezahlen *könnten*.
4. xy
heinz4444 27.05.2011
Zitat von probstheidaIch korrigiere den Satz mal: Milliarden könnte Microsoft in China verdienen - wenn alle Nutzer für ihre Programme bezahlen *könnten*.
Solange sie sich die Deutschen Luxuskarossen leisten können,dürfte dies kein Problem sein. Wobei die ja auch schon lange in der Kopieranstalt sind. Und weder der normale chinesische Bauer noch der Wanderarbeiter sind PC Besitzer.
5. ...
probstheida 27.05.2011
Zitat von heinz4444Solange sie sich die Deutschen Luxuskarossen leisten können,dürfte dies kein Problem sein. Wobei die ja auch schon lange in der Kopieranstalt sind. Und weder der normale chinesische Bauer noch der Wanderarbeiter sind PC Besitzer.
Meinen Sie, daß das die gleichen Leute sind? Und dann will Microsoft mit den paar Tausend Leuten Milliarden verdienen? Was kostet denn ein Windows 7 in China? 17.000 Euro?
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Piraten-Paradise weltweit

Wo gibt es Raubkopien, wo wird mit gefälschten Produkten gehandelt? Das Büro des US-Handelsvertreters unterhält dazu die "Notorious Markets"-Liste mit Beispielen - und fordert die betreffenden Länder auf, Maßnahmen zu ergreifen.

Im Fadenkreuz der US-Regierung:
Online-Bezahlangebote
In dieser Kategorie sammelt die US-Regierung Online-Shops, in denen Musik-Raubkopien kostenpflichtig heruntergeladen werden können. Aufgeführt werden aber nur nicht näher benannte Allofmp3-Klone. Die russische Seite Allofmp3 wurde 2007 geschlossen, seitdem hätten nahezu identische Websites den Platz eingenommen, heißt es.
Links
Damit sind Websites gemeint, auf denen direkte Links (deep linking) zu urheberrechtlich geschütztem Material verzeichnet sind. Als Beispiel wird die größte chinesische Suchmaschine Baidu genannt.
B2B und B2C
Hier geht es um professionell gefälschte Markenware wie etwa Zigaretten, Kleidung und Medikamente. Der chinesischen Website Taobao werden zwar Bemühungen attestiert, diesen Handel einzudämmen - es sei aber noch einiges zu tun. Taobao steht an fünfter Stelle der meistbesuchten Websites in China und an Platz 15 weltweit.
BitTorrent-Verzeichnisse
Diese Websites sammeln BitTorrent-Dateien, mit denen sich Dateien in dem dezentralen Filesharing-Netzwerk auffinden lassen: ThePirateBay, isoHunt, Btjunkie, Kickasstorrents, torrentz.com.
BitTorrent-Tracker
Die BitTorrent-Tracker verzeichnen Informationen, welche Nutzer des Netzwerks Teile einer Datei zum Download anbieten. Ohne sie funktionieren die über einen BitTorrent heruntergeladenen Torrent-Dateien nicht. Die US-Regierung führt auf: Rutracker, Demonoid, Publicbt, openbittorent, zamunda.
Andere Web-Angebote
Laut US-Regierung werden soziale Netzwerke und Dienste, die Speicherplatz im Web anbieten, "weitgehend" zu legalen Zwecken genutzt. Einige würden aber unerlaubten Zugriff zu mutmaßlich Raubkopien ermöglichen. An den Pranger gestellt wird die russische Seite vKontakte. Das soziale Netz, bei dem man nur auf Einladung eines Nutzers Mitglied werden kann, ist die am fünfthäufigsten besuchten Seite in Russland.
Illegale Sportübertragungungen
Sportrechte werden für Millionen verkauft, das Empfangen von Spielübertragungen kostet oftmals Geld - weswegen im Internet Sendungen live übertragen werden. TV Ants wird als Beispiel genannt, eine P2P-Seite, deren Betreiber in China sitzen sollen.
Smartphone-Software
Software-Raubkopien für Smartphones soll die chinesische Seite 91.com verteilen. Die Hälfte aller heruntergeladenen Apps in China stammten von dieser Website, so die US-Regierung.
Offline-Märkte
Auch offline gibt es einen schwunghaften Handel mit Raubkopien und Produktfälschungen. Die US-Regierung nennt 17 Märkte: Bahia Market (Guayaquil, Ecuador), China Small Commodities Market (Yiwu, China), Ciudad del Este (Paraguay), Harco Glodok (Jakarta, Indonesia), La Salada (Buenos Aires, Argentina), Ladies Market (Mongkok, Hong Kong), Luowu Market (Shenzhen, China), Nehru Place (New Delhi, India), "PC Malls": Hailong PC Mall (Beijing, China), Yangpu Yigao Digital Square (Shanghai, China), Petrivka Market (Kyiv, Ukraine), Quiapo (Manila, Philippines), "Red Zones": Panthip Plaza, Klong Thom, Saphan Lek, Baan Mor (Thailand), San Andresitos (Colombia), Savelovskiy Market (Moscow, Russia), Silk Market (Beijing, China), Tepito (Mexico City), Urdu Bazaars (Pakistan).

Quelle: Office of the United States Trade Representative. Out-of-Cycle Review of Notorious Markets, 28. Februar 2011



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