Von Konrad Lischka
Facebook legt auf den Rechnern aller Nutzer, die einmal eine Facebook-Seite aufgerufen haben, Cookies mit einer solchen Identifikationsnummer ab. Muss Facebook wirklich Dateien mit eindeutigen Identifikationsnummern auf Computern von Mitgliedern und Nicht-Mitgliedern speichern, um sein Netzwerk vor Spam-Angriffen zu schützen?
Bislang hat Facebook diese Maßnahmen immer mit dem vagen Hinweis auf die Abwehr "böswilliger Aktivitäten" gerechtfertigt. An dieser Aussage zweifelt der hamburgische Datenschutzbeauftragte. Durch seine Anfang November veröffentlichte technische Analyse sah Johannes Caspar den Verdacht erhärtet, dass Facebook "Nutzungsprofile führt, bei denen die gesammelten Daten den Nutzern direkt zugeordnet werden". Wenn der Vorwurf stimmt, könnte Facebook protokollieren, wie Menschen andere Websites nutzen, auf denen Facebook-Dienste wie der Like-Button eingebunden sind.
Facebook wehrt sich gegen diese Bewertung. Arturo Bejar, der Technik-Chef des Unternehmens, versichert auf SPIEGEL ONLINE: "Die Informationen über Seitenbesuche - ganz gleich ob bei eingeloggten oder nicht-eingeloggten Nutzern - werden nicht fürs Werbetargeting verwendet. Wir nutzen diese Informationen nur für die Sicherheit."
Bejar hat auf SPIEGEL ONLINE erstmals genauer erläutert, wie Facebooks Sicherheitsmechanismen im Detail funktionieren und welche Rolle dabei verschiedene Cookies spielen.
600.000 missbräuchliche Login-Versuche am Tag
Das von Facebook intern "Delta" genannte Sicherheitssystem prüft bei jedem Login, ob ein Nutzerkonto von Dritten übernommen worden ist. Kriminelle, Spammer und Malware-Versender kommen nach wie vor an die Login-Daten von Facebook-Nutzern. Zum Beispiel durch Phishing-Angriffe - man tippt sein Passwort ein auf einer Seite, die nach Facebook aussieht, aber nicht Facebook gehört.
Wie auch immer Dritte an die Login-Daten kommen: Laut Technik-Chef Bejar verhindert das Delta-System jeden Tag im Durchschnitt 600.000 unrechtmäßige Logins von Dritten, die irgendwie an die Login-Daten von Mitgliedern gekommen sind. Dabei prüft das System die in Verbindung mit dem sogenannten Datr-Cookie gespeicherten Informationen. Dieses kleine Textdokument enthält eine eindeutige Identifikationsnummer. Facebook platziert es auf jedem Rechner, von dem aus Facebook aufgerufen wird. Die Datei bleibt standardmäßig für zwei Jahre auf dem betroffenen Rechner gespeichert.
Rechner-Identifizierung, vertrauenswürdiges Surfverhalten, Sicherheits-Profile - so wertet Facebook den Datr-Cookie aus.
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