Upload-Filter Liebe Leserin, lieber Leser,

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Studenten der Stanford-Universität haben eine künstliche Intelligenz darauf trainiert, Memes zu erstellen. Die mit schrägen Sprüchen versehenen Motive sind - so lautet das Ergebnis des ungewöhnlichen Experiments - für das Testpublikum ungefähr so witzig wie menschengemachte Memes.

Memes
Stanford University

Memes

Finden Sie das lustig? Nein? Ja? Manche? - Ist auch egal. Denn wenn am Mittwoch passiert, womit manche rechnen, sind Memes sowieso akut vom Aussterben bedroht. Jedenfalls in der Europäischen Union.

Das liegt an der geplanten EU-Urheberrechtsreform, über die am Mittwoch um 10 Uhr der Rechtsausschuss des EU-Parlaments abstimmen soll. Genauer: am Artikel 13 dieser Reform. Der würde Plattformen wie Google, Facebook, aber auch viele deutlich kleinere Anbieter wohl zur Einführung von sogenannten Upload-Filtern zwingen, auch wenn das Wort im Entwurfstext nicht auftaucht.

Ein solcher Filter soll Inhalte schon dann überprüfen, wenn der Nutzer versucht, diese hochzuladen. Was im Filter hängenbleibt, erscheint also gar nicht erst online. Bisher gilt bei vielen Plattformbetreibern das Prinzip des nachträglichen Entfernens, zum Beispiel, wenn sie von einer Urheberrechtsverletzung erfahren.

Wer baut Filter, die Satire und Zitate erkennen können?

Kritiker sagen nun, dass das bisherige Modell mit dem Entwurf nicht mehr haltbar wäre. Darin steht die Forderung, dass Plattformbetreiber "angemessene und verhältnismäßige Maßnahmen treffen, die dazu führen, dass urheberrechtlich geschützte Werke nicht verfügbar sind", sofern keine Lizenzvereinbarung vorliegt.

Memes könnten in der Folge einer Vorab-Filterung zum Opfer fallen. Denn sehr häufig ist das zugehörige Bild oder animierte GIF urheberrechtlich geschützt. Das Problem: Weil kein Mensch alle Inhalte vor Veröffentlichung überprüfen kann, müssten automatische Systeme zum Einsatz kommen. Die würden vermutlich regelmäßig Fehlentscheidungen treffen - auf Kosten von Kunst, Satire, Zitaten und anderen eigentlich erlaubten Ausnahmen.

Der jüngste Entwurf zu Artikel 13 enthält zwar, wie Erich Möchel vom ORF als Erster festgestellt hat, die Formulierung, Anbieter sollten "nicht generell verpflichtet werden, alles zu beobachten, was sie übertragen oder speichern". Wie sie dann trotzdem sicherstellen sollen, dass geschützte Werke gar nicht erst ohne entsprechende Lizenz "verfügbar" gemacht werden, steht da nicht. Internetunternehmen können sich schon mal überlegen, wie sie Schrödingers Internet technisch umsetzen sollen: mit verpflichtenden Upload-Filtern, die nicht verpflichtend sind, außer wenn doch.

Netzpioniere warnen vor einer "Bedrohung für das Internet"

Sollte der Rechtsausschuss den Entwurf - der ja auch noch die europaweite Version des Quatschgesetzes für Presseverleger enthält - so verabschieden, wäre als Nächstes das Plenum an der Reihe. Allerdings sind bedeutende Änderungen dann kaum noch vorstellbar.

Anschließend beginnt der Trilog, also die finale Verhandlung von Parlament, Mitgliedstaaten und Kommission. Das möglicherweise entscheidende Datum ist deshalb der 20. Juni. Die Mehrheit für den Entwurf ist angeblich hauchdünn - und der Protest kommt von vielen Seiten: Tim Berners-Lee, Vint Cerf und andere Internetpioniere haben einen offenen Brief geschrieben, in dem sie von einer "Bedrohung für das Internet" sprechen. Bürgerrechtsinitiativen wie "savethelink" und "savetheinternet" rufen die EU-Bürger auf, die Wackelkandidaten mit E-Mails, Tweets und Telefonanrufen zu bearbeiten.


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Tech Open Air in Berlin

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Seltsame Digitalwelt - von fünfzehn auf null
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App der Woche: "Feist"
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Finji

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Fremdlink: Drei Tipps aus anderen Medien

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Ich wünsche Ihnen eine filterfreie Woche, Ihr

Patrick Beuth

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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
Nonvaio01 18.06.2018
1. das problem ist ein ganz anderes
Das Gesetzt gilt nur in der EU. Gifs die ein freund von mir im nicht EU ausland postet kann ich dann aber trozdem sehen. Eigentlich muesste die EU einen Filter einbauen der meine freunde auch dursucht und mir nur anzeigt was in der EU erlaubt ist. Ich denke die verleger haben sich ins eigene fleisch geschnitten. Google wird einfach EU verleger aus Ihrere suchanfrage streichen, die werden nicht mehr aufgelistet weil es viel zu gefaehrlich ist. Da Google eine privat Firma ist koennen die anzeigen lassen was die wollen. Oder Google ehoeht die kosten fuer anzeigen von Verlegern so stark das die kosten fuer evtwaige klagen gedeckt sind.
noalk 18.06.2018
2. von 15 auf 0
iPhone 2 Jahre alt und der Akku schwächelt? 2 Jahre sind 2x365=730 Tage. Bei Vielnutzung – bei Frauen besonders beliebt ;-) – kann man da von einem Ladezyklus pro Tag ausgehen. Ergo: Die Maximalzahl an Ladezyklen ist erreicht und der Akku macht schlapp. Ganz normal, kein Grund zur Verwunderung.
nosports28 18.06.2018
3. Geschäftsmodell
Zeit, sich die Rechte an allen möglichen Sprichwörtern, Redensarten etc. zu sichern. Dann eine Armee von Niedriglöhnern mit unauffälligen Aufzeichnungsgeräten in die Welt hinaus schicken, und schon kann die nächste Abmahnorgie losgehen. Klar klingt das komplett bescheuert. Aber wir haben mittlerweile ein Klima, in dem sogar sowas in den Bereich des Möglichen rückt. Siehe Nestlé und Wasser. Was frei verfügbar ist, wurde bisher nur noch nicht richtig ausgebeutet.
demiurg666 18.06.2018
4. @noalk
Also ich wäre schon verwundert, wenn nach 730 Tagen normaler Nutzung (ein Ladezyklus am Tag) mein 900,-€ Gerät so eine eklatante Akkuschwäche hätte. Vielleicht ist das ja für iPhones der Fall. Selbst das billigste Android halt da durch. Übrigens, der Bezug auf Frauen bei der Akkunutzung ist ehrlich gesagt auch seltsam. Ich bin ein Mann, mein Handy ist ein Arbeitswerkzeug, das wird öfter als ein Ladezyklus pro Tag geladen.
noalk 18.06.2018
5. Wenn nicht mal ein Zwinker-Smiley als Humor-Hinweis hilft, ...
Zitat von demiurg666Also ich wäre schon verwundert, wenn nach 730 Tagen normaler Nutzung (ein Ladezyklus am Tag) mein 900,-€ Gerät so eine eklatante Akkuschwäche hätte. Vielleicht ist das ja für iPhones der Fall. Selbst das billigste Android halt da durch. Übrigens, der Bezug auf Frauen bei der Akkunutzung ist ehrlich gesagt auch seltsam. Ich bin ein Mann, mein Handy ist ein Arbeitswerkzeug, das wird öfter als ein Ladezyklus pro Tag geladen.
... dann weiß ich auch nicht ... Die Lebensdauer von Li-Akkus hängt sowohl von inhärenten Akkueigenschaften als auch - und das wesentlich - von der Behandlung ab. Dabei spielt besonders der Entlade-/Ladezustand eine Rolle. Ein Nachlassen nach 700 Zyklen ist dabei als Durchschnittswert zu betrachten. Natürlich ist bei Beachtung gewisser Regeln auch eine erheblich höhere Zyklenzahl erreichbar.
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