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Urheberrecht Justizministerin plant Web-Warnschilder für Raubkopierer

Leutheusser-Schnarrenberger: Die Justizministerin will mehr Pflichten für InternetproviderZur Großansicht
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Leutheusser-Schnarrenberger: Die Justizministerin will mehr Pflichten für Internetprovider

5. Teil: Prügel für Google, Leistungsschutzrecht für Presseverleger

Das G-Wort sprach Leutheusser-Schnarrenberger nicht aus. Aber jeder weiß, dass sie mit diesem Satz Google meint: "Es ist auch nicht fair, wenn allein mächtige Internetplattformen an Werbung verdienen, für die andere mit ihren Inhalten erst den Markt bereiten." So begründet die Ministerin den Bedarf an dem sogenannten Leistungsschutzrecht für Presseverlage.

Diese sehen sich laut Justizministerin "zunehmend damit konfrontiert, dass ihre Online-Angebote von anderen gewerblichen Anbietern in einer Weise ausgenutzt werden, die über das bloße Verlinken weit hinausgeht". Damit sie eine Verwertungsgesellschaft gründen können, die von Google und anderen Suchmaschinen womöglich kassiert, sollen sie erst mal ein eigenständiges Recht erhalten, das ihre Leistung schützt. Leutheusser-Schnarrenberger: "Wir müssen deshalb die Debatte führen, nicht ob, sondern wie wir neben dem Urheberrecht der Journalisten auch die organisatorische und wirtschaftliche Leistung der Presseverleger besser schützen."

Die Begründung dieses neuen Schutzrechts war allerdings der analytisch schwächste Teil von Leutheusser-Schnarrenbergers Rede. Sie verglich Google mit Helene Hegemann: "Es ist nicht fair, wenn die Bestseller-Autorin ihren Ruhm und Erfolg auf die Leistung des unbekannten Bloggers gründet und dies noch nicht einmal kennzeichnet." Dieser Vergleich ist allerdings so unpräzise, dass er kaum statthaft ist. Zum einen würde mancher bestreiten, dass Hegemanns Erfolg "allein" auf den "paraphrasierten Passagen anderer" beruht. Und zum anderen: Sind Hegemann und Google überhaupt vergleichbar? Google schaltet neben den Ergebnissen seiner Suchmaschine Werbeanzeigen. Wo aber paraphrasiert Google Inhalte anderer Anbieter, ohne dass diese eine Widerspruchmöglichkeit hätten? Zur Erinnerung, jeder kann die Analyse seiner Seiten durch Suchmaschinen mit einem Hinweis im Quelltext abstellen.

Die Sache mit dem Leistungsschutzrecht ist einfach viel vertrackter, als es der Hegemann-Vergleich unterstellt. Leutheusser-Schnarrenberger ist auf einige völlig offene Grundsatzfragen in dieser Sache nicht eingegangen - zum Beispiel, ob Google nicht eine eigenständige Leistung erbringt. Die Algorithmen des Konzerns ordnen, werten und gewichten Informationen, analysieren Verknüpfungen und schaffen so Wissen. Wenn man die "Leistungsgerechtigkeit" als Prämisse für das neue Recht aufstellt, könnten dann nicht auch alle Aggregatoren ein eigenes Schutzrecht beanspruchen, außerdem alle sozialen Netzwerke und Bewertungsplattformen?

Da hat die Grundsatzrede der Justizministerin mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Aber das ist am Anfang einer Debatte vielleicht auch ganz gut so.

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insgesamt 80 Beiträge
Kurt G 15.06.2010
Stopschilder, Leistungsschutzrechte, Deep-paket-inspection ? Frau Leutheuser- Schnarrenberg, bisher gehören Sie zu den wenigen Mitgledern der FDP, vor denen ich grossen Respekt habe. ABER : diese WEndung zum umfassenden [...]
Stopschilder, Leistungsschutzrechte, Deep-paket-inspection ? Frau Leutheuser- Schnarrenberg, bisher gehören Sie zu den wenigen Mitgledern der FDP, vor denen ich grossen Respekt habe. ABER : diese WEndung zum umfassenden Kontollstaat , schlimmer als jede VDS , da Kontrolle der Kommunikationsinhalte und diese absurde Verbeugung vor ein Branche (Leistungschutzrecht) wird dies zunichte machen. Das Outsourcen von staatlichen Zensurmassnahmen (schon andeacht von der vdL) ist eine ganz perfide Methode, sich aller Verantwortung zu begeben.
c++ 15.06.2010
Damit ist der letzte Grund entfallen, FDP zu wählen. Die FDP ist die Partei der Kapitalinteressen, da sind die warmen Worte nur zur Vernebelung gedacht. Niemand sollte sich da Illusionen machen. Die FDP ist eine Marionette der [...]
Damit ist der letzte Grund entfallen, FDP zu wählen. Die FDP ist die Partei der Kapitalinteressen, da sind die warmen Worte nur zur Vernebelung gedacht. Niemand sollte sich da Illusionen machen. Die FDP ist eine Marionette der Wirtschaftsinteressen. Bleibt nur die Piratenpartei für alle, die ein freies, unzensiertes und unabhängiges Netz wollen.
MagNix 15.06.2010
Viel sinnvoller wäre ein Warnhinweis für Internetausdrucker, wie sie offenbar in der Regierung und im Parlament allgegenwärtig sind.
Zitat von sysopWarme Worte über das Netz, harte Ansagen in der Sache: Die Justizministerin will das Urheberrecht reformieren. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger plant neue Pflichten für Internetprovider, Warnhinweise für Datensauger, ein Leistungsschutzrecht für Verleger - und bloß keine "Internet-GEZ". http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,700699,00.html
Viel sinnvoller wäre ein Warnhinweis für Internetausdrucker, wie sie offenbar in der Regierung und im Parlament allgegenwärtig sind.
wobbit 15.06.2010
Wann merken unsere Politiker denn mal, dass das Web anders funktioniert als Ihre Rechte-Verwertungs-Lobby es gern hätte?
Wann merken unsere Politiker denn mal, dass das Web anders funktioniert als Ihre Rechte-Verwertungs-Lobby es gern hätte?
ezuensler 15.06.2010
Der Trend ist klar: es gibt immer weniger echte Kreative, dafür immer mehr Rechtsverdreher, die lediglich Geld für Drittrechte einfordern, an denen sie zweifelhafte Verdienste erworben haben. Wann wird es wohl abmahnwürdig [...]
Der Trend ist klar: es gibt immer weniger echte Kreative, dafür immer mehr Rechtsverdreher, die lediglich Geld für Drittrechte einfordern, an denen sie zweifelhafte Verdienste erworben haben. Wann wird es wohl abmahnwürdig sein, wenn wir morgens das Logo auf der Zahnpastatube drücken, ohne vorher die Erlaubnis des Rechteinhabers eingeholt zu haben?
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