Cyberwar: Pentagon verfünffacht seine Netzstreitmacht

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US-Cyberwächter in Arlington, Virginia (Archivbild): "Nicht die Kapazitäten, die wir brauchen" Zur Großansicht
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US-Cyberwächter in Arlington, Virginia (Archivbild): "Nicht die Kapazitäten, die wir brauchen"

Die USA forcieren die digitale Aufrüstung: Das Pentagon will seine Schlagkraft in den Datennetzen kräftig aufstocken. Die Zahl der Spezialisten für Cyber-Kriegsführung soll verfünffacht werden, an der Spitze steht ein Hardliner der Sicherheitsbehörde NSA.

Die amerikanischen Cyber-Streitkräfte sollen stark ausgebaut werden. Innerhalb der kommenden Jahre will das Pentagon die Zahl seiner Spezialisten für digitale Kriegsführung von jetzt 900 auf 4900 mehr als verfünffachen. Hinter dem Aufrüstungsplan stehe General Keith B. Alexander, der sowohl das Cyber Command der US-Streitkräfte als auch den Geheimdienst NSA (National Security Agency) kommandiert. Das berichten übereinstimmend die "New York Times" und die "Washington Post". Eine offizielle Bestätigung der Pläne seitens des Militärs steht noch aus.

Alexander gilt als Hardliner. Unter anderem hat er China beschuldigt, für eine Vielzahl von Cyber-Attacken gegen die USA verantwortlich zu sein und hinter Einbrüchen in die Netzwerke amerikanischer Rüstungsfirmen zu stehen. Schon vor knapp einem Jahr warnte er, das US-Militär sei nur mangelhaft für einen Cyberkrieg gerüstet und habe "nicht die Kapazitäten, die wir brauchen, alles zu erreichen, was wir erreichen müssen".

Darüber, was Alexander mit seiner Internettruppe erreichen will, gibt es unterschiedliche Ansichten. Offiziell heißt es, dass im Cyber Command die folgenden drei Arten von Netzkampfgruppen gebildet werden sollen.

  • National Mission Forces: Sie sollen die Computer und Netzwerke schützen, von denen die nationale Infrastruktur der USA abhängt, also beispielsweise Stromnetze und Kraftwerke.
  • Cyber Protection Forces: Diese Truppe dient dazu, die Netzwerke des Verteidigungsministeriums und der Streitkräfte zu schützen.
  • Combat Mission Forces: Experten, die Streitkräften im Ausland bei der Planung und Durchführung von Angriffseinsätzen zur Seite stehen. Also eine klar auf Offensivmaßnahmen spezialisierte Einheit.

Dass Alexanders Netzsoldaten es nicht dabei belassen, zeigte sich vor knapp einem Jahr. Damals wurde bekannt, dass das Verteidigungsministerium eine "Persona Management Software" einsetzen wolle. Solche Programme werden verwendet, um Tarn-Identitäten zu erstellen. Mit solchen virtuellen Internetnutzern soll es möglich sein, in Blogs, auf Social-Media-Plattformen und anderswo gezielt Nachrichten oder Falschinformationen zu streuen, um die Meinungsbildung bei den Nutzern solcher Plattformen zu beeinflussen.

Bedrohung durch ein "digitales Pearl Harbour"

Unterstützung bekommt Alexanders Aufrüstungsplan von US-Verteidigungsminister Leon Panetta. Der Pentagon-Chef hatte im Oktober gewarnt, den USA drohe ein "digitales Pearl Harbour", wenn sie ihre Cyber-Verteidigung nicht stark ausbauten. Feindlich gesinnte Nationen oder Extremistengruppen könnten den USA durch einen Cyberangriff schwere Schäden zufügen.

Anonyme Quellen aus dem Pentagon hätten laut "Washington Post" angegeben, dass eine Netzattacke gegen das Netzwerk der Ölfirma Saudi Aramco im vergangenen August letztlich den Anstoß für die Entscheidung gab, die Cyber-Streitmacht aufzurüsten. Bei dem Angriff wurden 30.000 Computer der saudi-arabischen Firma mit einem Virus infiziert.

Eine besonders gefährliche Bedrohung sehen US-Militärs in iranischen, russischen und chinesischen Netzangriffen. Und das aus gutem Grund, denn immer wieder können Netzangriffe gegen US-Einrichtungen auf Server in diesen Staaten zurückverfolgt werden. Allerdings kann in der Regel keine Verbindung der Attacken zu staatlichen Stellen bewiesen werden. So ist es gut denkbar, dass die Angriffe zwar von Servern in diesen Ländern ausgehen, aber entweder von Cyber-Kriminellen in den Ländern ausgehen oder gar von anderen Ländern aus gesteuert werden.

Spezialisten gesucht

Führende Beamte haben die Frage in den Raum gestellt, wie viel von den Mitteln, die für die digitale Aufrüstung bewilligt werden sollen, für Aufgaben innerhalb der USA verwendet werden. Ein nicht namentlich genannter leitender Mitarbeiter des Pentagon wird von der "Washington Post" mit der Aussage zitiert, man werde sich zunächst auf Aufgaben im Ausland konzentrieren und nur dann im Inland tätig werden, wenn eine andere Behörde wie beispielsweise das FBI um Hilfe bittet. Es gebe keine Pläne, militärische Cyber-Spezialisten zur Sicherung von industrieller oder privater Netze einzusetzen.

Wegen der engen Verbindungen von NSA und Cyber Command, Keith Alexander steht beiden vor, wird der Aufrüstungsplan kritisch beäugt und hinterfragt, ob die Internetstreitkräfte tatsächlich militärische Aufgaben erfüllen können, wenn sie so dicht mit dem Geheimdienst verwoben sind. Befürworter sagen dagegen, die Kombination biete klare Vorteile auf dem Gebiet der Aufklärung, weil der Geheimdienst das Cyber Command frühzeitig über Angriffspläne fremder Mächte in Kenntnis setzen kann.

Wie und in welchem Zeitrahmen die hochfliegenden Cyberwar-Pläne der US-Militärs aber umgesetzt werden können, steht auf einem anderen Blatt. Das größte Problem beim Ausbau der digitalen Streitmacht dürfte nicht der Wille zur Umsetzung dieser Pläne sein, sondern die Fähigkeit, entsprechend hochqualifizierte Spezialisten anzuwerben. Schon jetzt sei man dabei, solche Leute einzustellen und auszubilden, erklärte ein Mitarbeiter des Pentagon am Sonntag. Trotzdem sei es eine enorme Herausforderung, die Menge an Fachkräften zu finden.

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1. Sehr gut !
juergw. 28.01.2013
Zitat von sysopDie USA forcieren die digitale Aufrüstung: Zeitungsberichten zufolge will das Pentagon seine Schlagkraft in den Datennetzen kräftig aufstocken. Die Zahl der Spezialisten für Cyber-Kriegsführung soll verfünffacht werden, an der Spitze steht ein Hardliner der Sicherheitsbehörde NSA. US-Cyber Command: Aufrüstung um das Fünffache - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/us-cyber-command-aufruestung-um-das-fuenffache-a-879990.html)
wenn es denn dem Frieden nutzt.....!
2. Nennts doch beim Namen
meinlieber 28.01.2013
diese immense Aufrüstung ist nur mit Hitlerdeutschland vor dem 2.Weltkrieg zu vergleichen. Die USA ist ja schon dabei an verschiedensten Orten auf der Welt militärisch einzugreifen. Wann spricht man eingentlich vom 3. Weltkrieg?
3. Karriere Deadlock
TheGossip 28.01.2013
Ich gehe davon aus, dass die Netz-Protokolle irgendwann sicher werden. Dann ist das ganze hochspezialisierte Personal so qualifiziert wie ein Hufschmied in der Galvanik.
4.
felix.reimann 28.01.2013
wundert mich das, dass nicht schon lange geschehen ist. 900 mal 5 ist übrigens 4500. das wurde nicht nur nahezu verfünffacht.
5.
ewspapst 28.01.2013
Zitat von sysopDie USA forcieren die digitale Aufrüstung: Zeitungsberichten zufolge will das Pentagon seine Schlagkraft in den Datennetzen kräftig aufstocken. Die Zahl der Spezialisten für Cyber-Kriegsführung soll verfünffacht werden, an der Spitze steht ein Hardliner der Sicherheitsbehörde NSA. US-Cyber Command: Aufrüstung um das Fünffache - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/us-cyber-command-aufruestung-um-das-fuenffache-a-879990.html)
Warum heisst es hier NSA ist eine Sicherheitsbehörde. Es ist keine Sicherheitsbehörde sondern eine reine Spionageinstitution. Sie hat überall ihre Horchinstitutionen, dagegen war die DDR ein Säugling. Die NSA spioniert in allen Staaten der Welt die Wirtschaftsdaten aus, schneidet allle Telefongespräche mit. Das alles auch bei sogenannten Freunden.
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