Zeitungsbericht: US-Geheimdienst greift Millionen Daten von Telefonanbieter ab

NSA-Zentrale in Maryland: Übermittlung von Verizon-Telefondaten ohne Einschränkung Zur Großansicht
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NSA-Zentrale in Maryland: Übermittlung von Verizon-Telefondaten ohne Einschränkung

Der amerikanische Telefonanbieter Verizon muss Millionen Daten über Gespräche an den Geheimdienst NSA weitergeben. Über eine entsprechende richterliche Entscheidung berichtet der britische "Guardian". Auch Telefonate ins Ausland sollen betroffen sein und werden demnach ausgewertet.

London/Washington - Es ist die Aufgabe des größten amerikanischen Geheimdienstes NSA, die elektronische Kommunikation auszuwerten. Doch die Datensammelei hat offenbar ein neues Ausmaß erreicht. Laut einem Zeitungsbericht wertet die NSA derzeit Daten über Telefongespräche von Millionen US-Einwohnern aus.

Ein Gericht habe entschieden, dass der Telefonanbieter Verizon detaillierte Informationen über alle Telefonate innerhalb der USA und zwischen den USA und dem Ausland an die Behörde geben müsse, berichtete die britische Zeitung "The Guardian" am Donnerstag online. Als Beleg veröffentlichte das Blatt die mutmaßliche Kopie eines streng geheimen Gerichtsbeschlusses, über dessen Herkunft es keine Angabe macht.

Der Vorgang läuft dem Dokument zufolge seit April unter einem umstrittenen Abschnitt des Anti-Terror-Gesetzes "Patriot Act".

Dem Urteil eines Geheimdienstgerichts zufolge müsse Verizon ohne Einschränkung unter anderem die Rufnummern beider Anschlüsse, ortsbezogene Daten sowie die Dauer und die Uhrzeit der Anrufe an den Geheimdienst übermitteln.

Da es sich um "Transaktionsdaten" handele, also keine Gesprächsinhalte oder Namen der Anschlussinhaber weitergegeben werden müssten, seien keine individuellen Durchsuchungsbefehle notwendig. Der Beschluss sei am 25. April unterschrieben worden und sei bis zum 19. Juli gültig. Es sei unklar, ob es eine einmalige Verfügung sei oder Teil einer fortlaufenden Aktion, so die Zeitung.

Die "New York Times" betont, dass die Anordnung nur an Verizon Business Network Services erging, die Geschäftskundensparte des Anbieters, und dass noch unklar sei, ob die Anordnung auch private Festnetz- und Handykunden betreffe.

Ebenso ist bislang nicht bekannt, ob für andere Telekommunikationsanbieter eine ähnliche Aufforderung gelte. Der "Guardian" erhielt auf Nachfragen bei der NSA, dem Weißen Haus und Verzion keine Bestätigung.

Das gezielte Sammeln von Telefondaten durch die NSA ist schon seit vielen Jahren ein kontroverses Thema. Bereits nach dem Terroranschlag vom 11. September 2001 erfasste die NSA die Verbindungsdaten sämtlicher Telefongespräche in den USA. Dies wurde erst fünf Jahre später bekannt.

US-Medien berichteten danach über das Thema regelmäßig und auch im Kongress und von Bürgerrechtlern wurde es ausführlich diskutiert. Erst kürzlich gab es einen Aufschrei, als bekannt wurde, dass sich das Justizministerium in Washington heimlich zahlreiche Verbindungsdaten der US-Nachrichtenagentur Associated Press beschaffte.

fab/AP/dpa

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1. optional
spon-facebook-1042315120 06.06.2013
die einzige Nation die gegen ihre Freiheit kämpft sind die Türken momentan , alle Amerikaner akzeptieren und schweigen, DEutsche akzeptieren und schweigen die EU Dikatatur. Ein Globus voller Lemminge. DIe Türken sind Helden. Seit 8 Tagen kämpfen sie gegen Tränengas und Wasserwerfer , und haben noch nicht aufgegeben.Respect jungs.
2.
brooklyner 06.06.2013
Zitat von spon-facebook-1042315120die einzige Nation die gegen ihre Freiheit kämpft sind die Türken momentan , alle Amerikaner akzeptieren und schweigen, DEutsche akzeptieren und schweigen die EU Dikatatur. Ein Globus voller Lemminge. DIe Türken sind Helden. Seit 8 Tagen kämpfen sie gegen Tränengas und Wasserwerfer , und haben noch nicht aufgegeben.Respect jungs.
Sie meinen wohl eher, dass viele Türken für ihre Freiheit kämpfen, aber geschenkt. Das Einzig beruhigende an der Meldung ist, dass wenn man mal in den USA lebte und mit den dortigen Behördenvertretern zu tun hatte, diese zwar allerhand Orwellsches treiben, aber am Ende doch meist Fachidioten daran sitzen, die dumm wie Bohnenstroh sind und selten selbständiges oder gar kognitives Denken gewohnt sind. Zum Glück sind die Allmachtsvisionen wie in den Emmerich Filmen noch reines Wunschdenken. Die Realität ist dann doch wohl eher so kläglich wie bei diesem US-Spion neulich in Russland.
3. ...konkrete Alternativen
ratxi 06.06.2013
Zitat von sysopAFPDer amerikanische Telefonanbieter Verizon muss Millionen Daten über Gespräche an den Geheimdienst NSA weitergeben. Über eine entsprechende richterliche Entscheidung berichtet der britische "Guardian". Auch Telefonate ins Ausland sind betroffen und werden ausgewertet. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/us-geheimdienst-nsa-sammelt-daten-des-telefonanbieters-verizon-a-904061.html
Nun ja, irgendwie ist das schon ein wenig gruselig. Andererseits müssen die Dienste sich auch irgendwie an die in den letzten Jahrzehnten völlig gewandelten Strukturen der Kriminalität und des Terrorismus anpassen. Wer diese Methoden kritisiert, sollte konkrete Alternativen parat haben. Denn dass die Dienste ihre Arbeit machen und die Bürger schützen, erwartet ein jeder.
4. Spione sind überall
pförtner 06.06.2013
Ja und ist dass so schlimm? Der Geheimdienst aus China wiederum, greift sie von den USA ab. So haben alle was davon.:-) Ein jeder macht es auf seine Weise, der eine laut, der Andere leise.
5. Man muß es halt nur wissen...
breizh44 06.06.2013
... der amerikaische große Bruder wacht über alles. Ich habe jahrelang dort gelebt und habe eindeutige Hinweise, daß mein Telefon ständig unter Überwachung stand (wie kann ein Handygespräch zwischen meiner Frau und mir auf unserem Festnetz-AB aufgezeichnet werden, wenn nicht irgendwo die Fäden zusammenlaufen und dann ein Versehen passiert?). Man muß das halt entsprechend berücksichtigen. Wenn es mal wieder in der Leitung geklickt hat, habe ich meiner Frau nur gesagt, daß sie jetzt wieder das Stichwort "Bin Laden" sagen muß, damit die auf der anderen Seite auch zuhören :-)
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