Überwachung: US-Heimatschutz arbeitet an Gesichtserkennung aus bis zu 100 Metern

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New York: Überwachung aus bis zu 100 Metern Entfernung möglich?

Nun beginnt die Testphase: Eine Rüstungsfirma hat für den US-Heimatschutz ein System zur Gesichtserkennung entwickelt. Noch aus 100 Meter Entfernung soll "Boss" Menschen identifizieren können.

Wie lassen sich in großen Menschenansammlungen Verdächtige oder Straftäter aufspüren? Die "New York Times" berichtet, dass ein seit zwei Jahren in der Entwicklung befindliches Projekt zur automatischen Erfassung von Gesichtern nun in der Testphase angekommen ist.

Das Programm mit dem Kürzel "Boss" (für Biometric Optical Surveillance System) kombiniert Kameraüberwachung mit computergestützter Auswertung und setzt dabei auf Gesichtserkennung. Das vom US-Heimatschutzministerium mit bislang 5,2 Millionen Dollar finanzierte Projekt wird zusammen mit dem Rüstungsunternehmen Electronic Warfare Associates durchgeführt.

Wie aus einem der "New York Times" vorliegenden 67-seitigen Konvolut hervorgeht, soll mit Hilfe biometrischer 3-D-Erfassung von Gesichtern die Identifizierung von Personen bis zu einer Distanz von 100 Metern ermöglicht werden. Auf diese Weise könnten Verdächtige oder zur Fahndung ausgeschriebene Personen schnell identifiziert werden.

Damit wäre ein großer Schritt in der biometrischen Erfassung von Gesichtern gelungen. Bei einem Versuch des deutschen Bundeskriminalamts am Mainzer Hauptbahnhof vor sieben Jahren, bei dem Technik eines anderen Unternehmens zum Einsatz kam, lag die Trefferquote noch bei rund 30 Prozent. Der Hersteller war zufrieden, die Polizei bezeichnete es als Flop.

Auch die bisherigen Testläufe in den USA sollen gezeigt haben, dass "Boss" noch keine Einsatzreife hat. Electronic Warfare zeigte sich trotzdem optimistisch. Mit ausreichenden Computerkapazitäten und steigenden Prozessorleistungen würden diese Probleme in absehbarer Zeit aus der Welt zu schaffen sein. Die Fortschritte seien ermutigend. Habe es anfänglich sechs bis acht Minuten gedauert, um ein Überwachungsbild zu verarbeiten, sei diese Zeit jetzt auf 30 Sekunden gefallen. Unabhängige Biometriespezialisten monierten jedoch, dieser Zeitraum sei für Sicherheitsbelange immer noch viel zu groß.

Nach Fahrzeugen wird bereits mit automatischen Scannern gefahndet. Die Kameras nehmen Autokennzeichen auf und speichern diese maschinenlesbar in Datenbanken ab, merkt "Ars Technica" an. Schon jetzt besäßen andere Behörden Zugriff auf dieses Material, das überdies für lange Zeit gespeichert werde. Es bedürfe nicht besonders vieler Phantasie, um sich auszumalen, dass mit biometrischen Daten auf die gleiche Weise verfahren werde.

meu

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insgesamt 31 Beiträge
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1. Verdächtige Personen?
Phil2302 22.08.2013
Nennt das Kind doch beim Namen, jeder Bürger. Und dann kann man direkt aufzeichnen, wann welcher Bürger wohin ging, und das alles speichern. Na herzlichen Glückwunsch. Da brauchen wir natürlich DRINGENDST flächendeckende Kameras.
2.
Tamarind 22.08.2013
Zitat von sysopREUTERSNun beginnt die Testphase: Eine Rüstungsfirma hat für den US-Heimatschutz ein System zur Gesichtserkennung entwickelt. Noch aus 100 Meter Entfernung soll "Boss" Menschen identifizieren können. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/us-heimatschutz-arbeitet-an-gesichtserkennung-aus-bis-zu-100-metern-a-917954.html
Wow, bald müssen wir wohl mit Gesichtsmasken durch die Gegend laufen. Ich würde mir eine à la Venedig aussuchen. Och Gottchen! Vermummung des Gesichts IST ja schon verboten! Oh la la, kann man da mit Schminke die Gesichtszüge irgendwie optisch verzerren ...? Im Ernst, sicher ist der Entwickler eine private Rüstungsfirma. Hier geht es nämlich um Business, BIG BIG Business ... Das ist das einzig nachvollziehbare Ziel des ganzen Zirkus und des aufgeblähten irrwitzigen Systems.
3.
donvito85 22.08.2013
mir fällt auf, das sämtliche Polizeistaatszenarien aus diversen Science Fiction Filmen doch noch zur Realität werden..... Wer beschützt uns in Zukunft vor der Polizei?
4. War ja wohl zu erwarten
der_joerg 22.08.2013
Zitat von sysopREUTERSNun beginnt die Testphase: Eine Rüstungsfirma hat für den US-Heimatschutz ein System zur Gesichtserkennung entwickelt. Noch aus 100 Meter Entfernung soll "Boss" Menschen identifizieren können. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/us-heimatschutz-arbeitet-an-gesichtserkennung-aus-bis-zu-100-metern-a-917954.html
Obwohl ich es noch nicht so richtig glaube, früher oder später wird das wohl funktionieren. Ich finde nur den Preis fantastisch, 5 Mio. Für eine solche Funktion kaufen Google und Apple ganze Firmen zu Fantasiepreisen im Milliardenbereich. Na ja, dann kann mir ja demnächst das Heimatschutzministerium sagen, wer meine Brieftasche hat. Positiv sehen.
5.
tarvos 22.08.2013
Zitat von TamarindWow, bald müssen wir wohl mit Gesichtsmasken durch die Gegend laufen. Ich würde mir eine à la Venedig aussuchen. Och Gottchen! Vermummung des Gesichts IST ja schon verboten! Oh la la, kann man da mit Schminke die Gesichtszüge irgendwie optisch verzerren ...? Im Ernst, sicher ist der Entwickler eine private Rüstungsfirma. Hier geht es nämlich um Business, BIG BIG Business ... Das ist das einzig nachvollziehbare Ziel des ganzen Zirkus und des aufgeblähten irrwitzigen Systems.
Ist nur bei Versammlungen verboten - und das auch nur in Deutschland. Aber hier darf man ja nicht mal Schutzkleidung tragen, um sich vor Polizeigewalt zu schützen. Am 5. November ist übrigens Guy Fawkes Day, da kann man dann mal testen, wie Polizei und Politik reagieren, wenn hunderte Menschen unabhängig voneinander (und dadurch legal) "vermummt" durch deutschen Innenstädte spazieren. Aber vermutlich wird auch das früher unter dem Vorwand eines "Sharia-Verbotes ohne religiöse Diskriminierung" verboten bzw. man gewöhnt es dem Leuten durch verdachtunabhängige Polizeikontrollen ganz schnell wieder ab...
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