US-Internetgesetze: Fünf Gründe für den Netz-Streik

Von Christian Stöcker

4. Teil: Problem 3 - Ein ordentliches juristisches Verfahren wird ausgehebelt

Dem Sopa-Gesetzestext zufolge müssten die Betreiber von "im Ausland ansässigen" Websites nicht einmal von gegen sie erwirkten Sperrverfügungen benachrichtigt werden. Sie würden erst dann feststellen, dass sie betroffen sind, wenn etwa ihr Zahlungsdienstleister kein Geld mehr überweist oder die Anzeigen auf ihrer Website verschwinden. Nicht nur der US-Generalstaatsanwalt kann dem Gesetzestext zufolge Sperrverfügungen erwirken - sondern auch "qualifizierte Parteien", sprich: Urheberrechtsinhaber. Und daran, dass die Branchenverbände der Unterhaltungsindustrie davon regen Gebrauch machen würden, kann kaum ein Zweifel bestehen.

Insgesamt sind viele Kritiker der Meinung, ein ordentliches juristisches Prozedere solle mit den Gesetzesvorschlägen ausgehebelt werden: Googles Chefjustiziar David Drummond formuliert es in einem Blogeintrag zum Thema so: "Sopa und Pipa eliminieren ein ordentliches Verfahren. Sie ermutigen amerikanische Unternehmen, US-amerikanische und ausländische Websites abzuschalten, zu blockieren oder nicht mehr zu bedienen, von denen die Inhaber von Urheber- oder Markenrechten behaupten, dass sie illegal sind, und zwar ohne ordentliches Verfahren oder die Möglichkeit für eine fälschlicherweise angegriffene Website, sich zu wehren."

Konkret: Derjenige, der einen im Ausland ansässigen vermeintlichen Copyright-Verletzer den Geldhahn zudrehen will, braucht der Electronic Frontier Foundation zufolge dazu nicht einmal einen Gerichtsbeschluss, wie Abschnitt 103 des Sopa-Textes spezifiziert. Er muss nur, unter Einhaltung bestimmter formaler Kriterien, Zahlungsdienstleistern oder Anzeigenunternehmen anzeigen, dass die betreffende Website seiner Meinung nach seine Urheberrechte verletzt. Wenn der Betreiber der so beschuldigten Website nicht innerhalb von fünf Tagen widerspricht, soll ihm der Dienst verweigert werden, es dürfen also keine Anzeigen mehr bei ihm geschaltet, keine Gelder an ihn weitergeleitet werden. Wenn er aber widerspricht, unterwirft er sich damit automatisch US-Recht - und kann nun nach amerikanischem Urheberrecht verklagt werden. Die Betreiber der beschuldigten Seiten müssen von ihren Anklägern nicht einmal benachrichtigt werden - das sollen in "zeitgerechter Form" die jeweiligen Zahlungsdienstleister oder Anzeigenunternehmen erledigen.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
Auf anderen Social Networks teilen
  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
insgesamt 205 Beiträge
Noctim 18.01.2012
War doch abzusehen. Wahre Meinungsfreiheit ist und war noch nie erwünscht. Es könnte ja zu Transparenz führen. Daher muss das Internet zensiert werden. Wie das Fernsehen und die Printmedien.
War doch abzusehen. Wahre Meinungsfreiheit ist und war noch nie erwünscht. Es könnte ja zu Transparenz führen. Daher muss das Internet zensiert werden. Wie das Fernsehen und die Printmedien.
Rodri 18.01.2012
Zwischen Moderation und Zensur besteht ein sehr schmalger Grad, den auch SPON oft überschreitet. Es gibt einen Unterschied, ob man Beleidigungen oder strafbare Aussagen löscht oder politisch andere Meinungen aus dem Forum [...]
Zitat von sysopDie englischsprachige Wikipedia streikt,*Tausende andere Web-Angebote machen mit. US-Poliker sind in Aufruhr, die Lobby der Unterhaltungsbranche schäumt. Doch warum sorgt das Sopa-Gesetz für solchen Aufruhr? Und betrifft es*die User in Deutschland? Fünf Antworten. US-Internetgesetze: Fünf Gründe für den Netz-Streik - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt (http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,809842,00.html)
Zwischen Moderation und Zensur besteht ein sehr schmalger Grad, den auch SPON oft überschreitet. Es gibt einen Unterschied, ob man Beleidigungen oder strafbare Aussagen löscht oder politisch andere Meinungen aus dem Forum aussperrt.
rufus008 18.01.2012
Die Diskussion wird mal wieder ziemlich schwarz-weiß geführt. Der Aspekt, dass hier einige (Internet-)Unternehmen lediglich ihre wirtschaftlichen Interessen gefährdet sehen und deshalb Horrorszenarien heraufbeschwören, wird viel [...]
Zitat von sysopDie englischsprachige Wikipedia streikt,*Tausende andere Web-Angebote machen mit. US-Poliker sind in Aufruhr, die Lobby der Unterhaltungsbranche schäumt. Doch warum sorgt das Sopa-Gesetz für solchen Aufruhr? Und betrifft es*die User in Deutschland? Fünf Antworten.
Die Diskussion wird mal wieder ziemlich schwarz-weiß geführt. Der Aspekt, dass hier einige (Internet-)Unternehmen lediglich ihre wirtschaftlichen Interessen gefährdet sehen und deshalb Horrorszenarien heraufbeschwören, wird viel zu wenig beachtet. Dass ihnen die Netzgemeinde wie eine Horde blökender Schafe hinterher marschiert, macht die Sache nicht besser. Mal ganz davon abgesehen, dass auch ich die Gesetzesvorlagen im Detail für verbesserungswürdig erachte und bezweifle, dass sie so jemals in Kraft treten, halte ich sie im Ansatz und in der Sache für richtig. Diebstahl kann nicht die Grundlage für ein Geschäftsmodell sein.
Es wird immer Mittel und Wege geben, diese Sperren und Zensuren in irgendeiner Form zu umgehen. Das Internet lebt schließlich von einer gewissen Offenheit und Unzensiertheit, mit allen positiven und negativen Aspekten, welche [...]
Es wird immer Mittel und Wege geben, diese Sperren und Zensuren in irgendeiner Form zu umgehen. Das Internet lebt schließlich von einer gewissen Offenheit und Unzensiertheit, mit allen positiven und negativen Aspekten, welche diese Offenheit nun mal mitsichbringt. Die Industrie wird sich nicht auf Dauer erlauben können, Benutzer=Verbraucher auf Dauer zu verärgern und vor den Kopf zu stossen. Es sei denn alle haben die Absicht zu Apple Jüngern zu werden. Strohfeuer und Schuss der nach hinten losgeht, in einem!
sokrates1950 18.01.2012
der Spiegel berichtet sehr einseitig - sollen es doch auch Internet-Nutzer lernen, dass das geistiges Eigentum unter Schutz steht. WIKIPEDIA-Artikel schreiben einfach von anderen Lexikotheken, Artikel und Fachartikel ab, oft [...]
Zitat von sysopDie englischsprachige Wikipedia streikt,*Tausende andere Web-Angebote machen mit. US-Poliker sind in Aufruhr, die Lobby der Unterhaltungsbranche schäumt. Doch warum sorgt das Sopa-Gesetz für solchen Aufruhr? Und betrifft es*die User in Deutschland? Fünf Antworten. US-Internetgesetze: Fünf Gründe für den Netz-Streik - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt (http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,809842,00.html)
der Spiegel berichtet sehr einseitig - sollen es doch auch Internet-Nutzer lernen, dass das geistiges Eigentum unter Schutz steht. WIKIPEDIA-Artikel schreiben einfach von anderen Lexikotheken, Artikel und Fachartikel ab, oft ohne Quellenangabe. Es ist doch praktisch, fremdes geistiges Eigentum als eigenes auszugeben, und das auch noch ohne Gewissensbisse. Ob die geplanten US-Gesetze sinnvoll sind, weiß ich nicht, aber es ist schon interessant, wie viele nicht bereit sind, selbst Wissen zu schaffen, aber fordern, fremdes Wissen frei nutzen zu dürfen. Hier scheint wirklich eine gesetzliche Regelung sinnvoll.
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
alles aus der Rubrik Netzpolitik
alles zum Thema Sopa

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Mittwoch, 18.01.2012 – 14:19 Uhr
  • Drucken Versenden Feedback
  • Kommentieren | 205 Kommentare

Buchtipp
So funktioniert das DNS-System
DNS ist das Kürzel für "Domain Name System" und steht für eine Technik, die es erheblich erleichtert, das Internet zu benutzen. Das dem Internet als Netzstandard zugrunde liegende Internet-Protocol (IP) legt fest, dass jede Website durch eine aus vier Zahlen zusammengesetzte, vier- bis zwölfstellige IP-Adresse identifiziert wird. Im Grunde müsste man beim Websurfen deshalb immer Adressen nach dem Muster 195.71.11.67 (SPIEGEL ONLINE) in die Adresszeile des Browsers eingeben. Doch wer könnte sich schon die IP-Adressen all seiner Lieblings-Websites in dieser Form merken?

Als Lösung für dieses Problem wurde das DNS-System entwickelt. Dabei handelt es sich um Datenbanken, in denen jeder IP-Adresse ein für Menschen verständlicher Name zugeordnet ist. Im Fall von SPIEGEL ONLINE übersetzt eine solche Datenbank die Browsereingabe www.spiegel.de in die IP-Adresse 195.71.11.67. Weil aber eine einzige Datenbank nicht ausreichen würde, um die Anfragen aller Internetnutzer zu beantworten, gibt es davon etliche Kopien, welche die Zugangsanbieter auf ihren eigenen DNS-Servern bereithalten und deren Datenbestände regelmäßig untereinander abgleichen.

Zudem bleibt es oft nicht bei einer einzigen DNS-Anfrage, wenn eine Seite aufgerufen wird, da es in der Natur des Web liegt, Seiten miteinander zu vernetzen. Beispielsweise wenn Bilder, Texte oder Videos aus anderen Quellen eingebunden werden, können beim Aufruf der Seite mehrere DNS-Anfragen nötig sein, um alle Inhalte laden zu können - und das kann Zeit kosten.





TOP



TOP