US-Wettbewerbshüter Apple im Visier

Die Gerüchte um eine mögliche kartellrechtliche Überprüfung der Firma Apple verdichten sich zur Nachricht: Das US-Justizministerium soll damit begonnen haben, Informationen zu möglichen Preisdiktaten im iTunes Store einzuholen. Apples Überprüfung wird da womöglich nicht enden.

Apple-Chef Steve Jobs: Weckte er die Wettbewerbshüter, als er gegen Adobe wetterte?
AFP

Apple-Chef Steve Jobs: Weckte er die Wettbewerbshüter, als er gegen Adobe wetterte?


Bereits Anfang Mai hatte es Gerüchte gegeben, die US-Handelsaufsicht und das Justizministerium stritten sich darum, wer den Elektronikkonzern Apple wettbewerbsrechtlich unter die Lupe nehmen solle. Ende letzter Woche verdichteten die sich zu einer Nachricht: Einmal mehr war es ausgerechnet die "New York Post", die berichtete, dass das Justizministerium seine Ermittlungen offenbar aufgenommen habe: Auch Berichte des Branchendienstes "Billboard" und der Nachrichtenagentur Bloomberg behaupten, dass das Ministerium führende Musikunternehmen angeschrieben und um Informationen gebeten habe.

Denn die Untersuchung der Wettbewerbshüter hängt sich anscheinend unter anderem an angeblichen Preisdiktaten Apples gegenüber der Musikindustrie auf. Aus denen hat Apple tatsächlich nie ein Hehl gemacht: Es ist der Elektronikkonzern, der nicht nur das Preisniveau innerhalb seines iTunes Stores durchsetzte, sondern damit sogar eine Art Einheitspreis für digital vertriebene Musik.

Denn das schiere Marktgewicht von iTunes mit seinen noch immer mehr als 70 Prozent Weltmarktanteil am Internetverkauf von Musik sorgt dafür, dass weder die Musikunternehmen, noch der konkurrierende Handel Apples Vorgaben ignorieren kann. Mitte letzter Woche hatte die "New York Times" berichtet, das Interesse des Justizministeriums richte sich vor allem auf die Frage, ob Apple die Musikunternehmen Emi und Sony im Herbst 2009 unter Druck gesetzt habe, eine Werbeaktion für ein Album der Edel-Heulboje Mariah Carey beim Konkurrenzen Amazon zu beenden.

Grund genug für eine wettbewerbsrechtliche Überprüfung von Apple, zumal der Konzern seine Interessen gegenüber der Musikindustrie über die Jahre wiederholt öfffentlich und laut durchgedrückt hat. Das allein aber, berichtet nun die "New York Post", habe den so lange schlafenden Hund der Wettbewerbshüter nicht geweckt: Das gehe vielmehr direkt auf die Kappe von Apple-Chef Steve Jobs.

Aufhänger war der Flash-Disput

Dem von Fans verehrten Firmenlenker ist noch nicht nachgesagt worden, dass er die Interessen seines Konzerns zu zaghaft betreibe. Jobs gilt als Choleriker mit spitzen Ellbogen und nicht sonderlich ausgeprägter Schlaghemmung, und all das zeigte er höchst öffentlichkeitswirksam in den letzten zwei Monaten: Ende April deutete Jobs den Verzicht auf die Implementierung von Adobes Flash-Format in die Software des iPad zu einer Tugend um. In einem offenen Brief erklärte er Flash zu einer überholten, nicht mehr notwendigen Technologie. Der daraufhin aufbrechende öffentliche Streit wurde zunehmend hitziger, inzwischen scheiden sich an Flash die Geister: Die Tech-Welt ist gespalten in offen agierende Gegner und Unterstützer. Insbesondere bei Web-Videos zeichnet sich ab, dass Flash in nicht allzu langer Zeit tatsächlich durch Html5-Videoeinbindungen ersetzt werden dürfte - so schnell kippen im Web Quasi-Monopole.

Besonders pikant an dem Streit: Die Geschichte von Adobe ist eng mit der von Apple verbunden. Adobe wurde im Kielwasser von Apple zu einer Größe, beide profitierten anfänglich vor allem dank Adobes Grafikprogrammen Illustrator und Photoshop kräftig voneinander. In einer frühen Phase hielt Apple rund 20 Prozent der Anteile an Adobe, das aber weiterhin verschiedene Plattformen mit Software versorgte und nicht zu einem Apple-Zulieferer wurde. Die beiden Firmen stehen heute mit verschiedenen Produkten in direkter Konkurrenz.

Apple ist inzwischen ein Gigant

Apple selbst setzt mit seinen proprietären Soft- und Hardwareplattformen darauf, machtvolle Alleinstellungen im Markt zu erreichen. Der einstige Edel-Underdog der IT-Szene gilt seit letzter Woche höchst offiziell als wertvollstes Tech-Unternehmen der Welt - und hat nicht nur hier Microsoft abgelöst. Das allerdings bezieht sich nur auf den Börsenwert des Unternehmens, das im Vergleich mit Branchenriesen noch immer ein Mittelgewicht ist, was schiere Größe oder Umsatz angeht. Die Börsen aber lieben Apple, weil die Firma mit ihren vergleichsweise wenigen Produkten exorbitante Umsätze und Profite einfährt.

Während etwa der Branchengigant Samsung es mit seinen 276.000 Angestellten zuletzt auf einen Jahresumsatz von rund 173 und einen Gewinn von 10,7 Milliarden Dollar brachte, brauchte Apple nur 34.300 Angestellte und einen Umsatz von 43 Milliarden, um sogar 11,7 Milliarden Dollar zu erlösen - der durchschnittliche Apple-Angestellte bringt seinem Unternehmen rund zehnmal soviel Profit ein wie ein Samsung-Arbeiter. Das macht Apple zu einer Geldverdien-Maschine der Sonderklasse und den Konzern zu einer Größe, die offenbar auch die Wettbewerbshüter nicht länger ignorieren wollen. An der Börse aber wird Apple seit langem gehandelt, als ließe sich selbst noch aus dem Kantinenabwasser der Firma Gold gewinnen.

Und das nicht ohne Grund, denn auch Apples Einfluss auf die Trends und Entwicklungen des Marktes ist in den letzten zehn Jahren exorbitant gewachsen. Wer aber an den von Apple gesetzten Trends mitverdienen will, bekommt die Bedingungen dafür aus Cupertino diktiert: Interessant, berichteten am Montagmorgen US-Medien, finde das US-Justizministerium darum unter anderem auch, wie Apple App-Entwickler für iPhone und iPad am kurzen Zügel halte.

Ungefährlich für Apple ist all das nicht. Die US-Behörden neigen zwar dazu, den Markt mit großer Freiheit agieren zu lassen. Erkennen sie aber einmal eine Marktbeherrschende Stellung bei einem Unternehmen, kann das sehr schmerzhaft werden. Microsoft sah sich über fast ein Jahrzehnt von Strafzahlungen, Auflagen und zeitweilig sogar von einer erzwungenen Spaltung bedroht.

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