Schnelles Internet per Vectoring 13 Verbände warnen vor Angebot der Telekom

13 Verbände fordern die Bundesnetzagentur auf, ein Angebot der Telekom für schnellere Internetverbindungen abzulehnen. Sie warnen vor einem Monopol. Tatsächlich hat die sogenannte Vectoring-Technik für die Konkurrenten einen Haken.

Telekom-Gebäude in Bonn (Archivbild): Wegen Vectoring-Vorstoß in der Kritik
dapd

Telekom-Gebäude in Bonn (Archivbild): Wegen Vectoring-Vorstoß in der Kritik


Die Telekom treibt ihre Pläne für den Ausbau schneller Internetverbindungen voran - und versetzt die Konkurrenz weiter in Aufregung. Vergangenen Freitag hatte die Bundesnetzagentur bekannt gegeben, dass die Telekom ein verbindliches Angebot vorgelegt habe, Millionen Internetanschlüsse bis Ende 2018 auf eine Download-Geschwindigkeit von mindestens 50 Megabit pro Sekunde beschleunigen zu wollen.

Möglich gemacht werden soll das durch VDSL2-Vectoring, eine Technologie, die es erlaubt, den Datendurchsatz von Kupferleitungen zu erhöhen. Man kann also ein höheres Datentempo erreichen, ohne die Kabel beispielsweise durch Glasfaser zu ersetzen.

Konkret dreht sich der Vorschlag der Telekom - hier als PDF - um die knapp 8000 sogenannten Hauptverteiler, also um die Vermittlungsstationen, die sich in der Regel in Innenstädten befinden. Die Telekom wünscht sich einen Exklusivzugang zu diesen Hauptverteilern, um dort Vectoring im Nahbereich einzusetzen, wovon Anschlüsse in bis zu 550 Metern Entfernung profitieren könnten. Nimmt die Bundesnetzagentur das Angebot an, hätten Konkurrenten des Unternehmens anders als bislang keinen Zugang mehr zu den Hauptverteilern.

"Vectoring ermöglicht durch den Ausgleich von elektromagnetischen Störungen zwischen den Leitungen eine Verdoppelung der Bandbreite", erklärt die Telekom selbst die Technolgie. "Um diesen Ausgleich zu ermöglichen, muss der Betreiber allerdings die Kontrolle über sämtliche Leitungen am Kabelverzweiger haben. Das bedeutet: Andere Betreiber können dort keine eigene Technik installieren."

"Weichenstellung für die nächsten zehn Jahre"

Bei den Telekom-Wettbewerbern stoßen die schon seit einiger Zeit bekannten Ausbaupläne auf Widerstand, die Konkurrenten protestieren schon länger dagegen. Aktuell haben sich 13 Verbände zusammengetan, um vor den "negativen Folgen eines Vectoring-Monopols der Deutschen Telekom sowohl für den Breitbandausbau als auch für den Wirtschaftsstandort Deutschland" zu warnen. An der Initiative beteiligt sind die Netzbetreiberverbände Breko, Buglas und VATM, aber zum Beispiel auch der Deutsche Bauernverband und der Deutsche Landkreistag.

In einem Schreiben an den Kanzleramtsminister Peter Altmaier - hier als PDF - betonen die Verbündeten, dass die Vectoring-Technologie "allen interessierten Unternehmen offenstehen" müsse, damit es auch im ländlichen Raum beim Breitbandausbau vorangehe. Die Entscheidung über den Antrag sei "eine zentrale Weichenstellung mit gesellschaftspolitischer Tragweite für die nächsten zehn Jahre".

Die Telekom verspricht in ihrem Angebot, nach dem vorgeschlagenen Vectoring-Ausbau könnten knapp 5,7 Millionen Anschlüsse Zugänge mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde bekommen. Kritiker bringen dagegen vor, dass in manchen Städten schon jetzt Internetverbindungen mit ähnlichem Tempo möglich sind. Die 13 Verbände beteuern, dass sich durch ein mögliches Vectoring-Monopol der Glasfaserausbau verteuern und verzögern würde. Der Kosten des geplante Netzausbaus schätzt die Telekom auf voraussichtlich eine Milliarde Euro.

Der Breko kündigt weitere Angebote an

Von der Bundesnetzagentur hieß es anlässlich der Veröffentlichung des Telekom-Angebots: "Die Bundesnetzagentur wird den Entwurf in einem förmlichen und transparenten Regulierungsverfahren unter Einbindung aller interessierten Marktakteure prüfen und - sofern das Angebot von der Telekom einseitig verbindlich gemacht wird - in den für die endgültige Entscheidungsfindung erforderlichen Abwägungsprozess einbeziehen." Die Beschlusskammer arbeite mit Hochdruck an einem Entscheidungsentwurf.

Der Breko-Geschäftsführer Stephan Albers kündigte vergangenen Freitag an, die Mitgliedsunternehmen seines Verbands würden bald selbst Ausbauzusagen abgeben. Am Donnerstag gab der Breko in diesem Zusammenhang bekannt, dass die Stadtwerke Neumünster der Bundesnetzagentur ein neues Angebot machen. Bis 2022 wolle man mit Partnern rund 420 Millionen Euro in den Netzausbau investieren.

Nach Abschluss des Ausbauprogramms im Jahr 2022 würden die Stadtwerke 23 Prozent der Fläche und 27 Prozent aller Gemeinden Schleswig-Holsteins mit Glasfaseranschlüssen bis direkt in jedes Haus oder jede Wohnung erschlossen haben, heißt es. Damit sich der flächendeckende Glasfaserausbau auch in den teils sehr ländlichen Gebieten Schleswig-Holsteins rechne, würden die Stadtwerke von der Regulierungsbehörde aber die Möglichkeit zum alleinigen Ausbau dieser Nahbereiche erwarten. Die Bundesnetzagentur solle der Telekom daher nicht erlauben, einen exklusiven Ausbau "mit der technologisch deutlich schlechteren Vectoring-Technologie" vorzunehmen.

mbö/Reuters

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ihatezensur 05.11.2015
1. 550 Meter - Witz
ich hab Freunde in mehreren Großstädten, die wesentlich weiter weg wohnen und daher Datenmengen von um die 2 bis 4 M bekommen. Aber kann ja jeder dort auf Kabel umsteigen und 200 haben. Wenn der Ex-Monopolist es ernst meint, soll er erstmal die Anzahl der Verteilerstationen erhöhen, anstatt alle bestehenden einfach einzusacken.
clausde 05.11.2015
2. Zu lange geschlafen...
Plötzlich werden die T-Konkurrenten wach. Jahrelang fleißig am Netz der Telekom mitverdient und plötzlich ziehen sie "Ausbaupläne" aus dem Hut? Klar doch. Wer soll das denn glauben? Mit welcher Finanzierung? Nein, was hier vorgegaukelt werden soll, ist nichts anderes als die Verhinderung des Netzausbaus durch den Eigner des Netzes. Als T-Aktionär, ja die gibt es noch, kann ich das nicht akzeptieren. 23 Milliarden werden vom magentafarbenen Riesen investiert und jetzt kommen die anderen Netz-Schnarcher daher und wollen den Re-Invest zu ihren Gunsten verhindern. Marktchancen erreicht man mit Inovationen und Investitionen, aber nicht mit Zettern und Jammern.
Immanuel K. 05.11.2015
3. Ich hätte da 'ne gute Idee...
...überall da, wo heute nur weniger als 2 Megabit/sec Download möglich ist, darf die Telekom das Vectoring installieren und bekommt dort für 10 Jahre das Monopol - sonst überall, muss sie ihren Konkurrenten "freien" Zugang gewähren, wie bisher...
spätaufsteher 05.11.2015
4. Grüße aus Absurdistan
In Sachen Internet ist Deutschland ein Paralleluniversum. Als man die Bundespost privatisierte, hat man entgegen allen Wirtschaftstheorien (egal ob neoliberal oder linksradikal) der Telekom das Netz gelassen. Diese nutzt ihr Monopol seit 20 Jahren gnadenlos aus, bremst jeden Wettbewerb (um den ging es doch ursprünglich mal, oder?), hemmt jede Innovation und beschert uns allen Monopolpreise für Telekommunikation, die locker das 3-4 fache über dem resteuropäischen Standard liegen. Nachdem die Telekom den Karren jetzt also ordentlich in den Dreck gefahren hat, wir mittlerweile technologisch deutlich hinterher hängen, geflohene Syrer mit Erstaunen feststellen dürfen, dass die Netzabdeckung in Deutschland schlechter ist als in einem nahöstlichen Bürgerkriegsland, möchte die Telekom also mit einem amtlichen Monopol belohnt werden. Und das für eine Bandbreite, die in den meisten Nachbarländern bereits jetzt am unteren Rand des technisch verfügbaren steht.... Meine Schlagader pulsiert. Ich habe nur noch einen Wunsch: Schafft endlich die Roaming-Gebühren in der EU ab, damit ich mir einen Anbieter für mobile Kommunikation aus Polen, der Niederlande oder Österreich nehmen kann. Ich möchte mit den Füßen abstimmen und das deutsche Kommunikations-Absurdistan endlich hinter mir lassen - die können es einfach nicht.
53er 05.11.2015
5. Katze aus dem Sack
Jetzt hat die Telekom endlich den Grund geliefert, warum sie seit Jahren den Ausbau der Breitbandnetze auf dem Land behindert hat. Sie denkt garnicht daran, auch nur einen Meter zusätzliche Glasfaser zu verlegen und will die alten Kupferkabel einfach weiterverwenden. Dabei ist bekannt, dass Vectoring beileibe nicht die Übertragungsgeschwindigkeiten erreicht, die angepriessen werden, von der Datensicherheit ganz zu schweigen. Vectoring haben bereits die Amerikaner erprobt, mit miesen Ergebnissen. Außerdem ist eine noch höhere Übertragungsrate dann ausgeschlossen. Ich bin ,nach mehreren Jahren Hinhaltetaktik und Lügenmärchen der Telekom vom bevorstehenden Ausbau, entnervt zu einem Kabelanbieter gewechselt. Ohne jeden Ärger für mich und in kürzester Zeit (Kabel war in der straße bereits verlegt) hatte ich den Zugang im Haus inkl. Top-Router. Zugegeben es kostet etwas mehr im Monat dafür habe ich locker die versprochene Übertragungsrate (inkl. ruckelfreiem Sehen von HD-Filmen bei maxdome und Co.) und die ist rund das Doppelte der Rate die der rosa Riese in einigen Jahren in Aussicht gestellt hatte. Außerdem haben endlich die unzähligen Werbeanrufe der Telekom-"Dienstleister" ein Ende.
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