EU-Verbraucherkommissarin Vera Jourová verliert Geduld mit Facebook

"Zeit, etwas zu tun": Vera Jourová erwartet von Facebook nach einer andauernden Diskussion noch dieses Jahr eine Anpassung seiner Nutzungsbedingungen. Andernfalls drohen dem Konzern Strafen.

Vera Jourová
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Vera Jourová


Die EU-Kommission erhöht den Druck auf Facebook. "Ich will nicht verbergen, dass ich ziemlich ungeduldig geworden bin", sagte Verbraucherkommissarin Vera Jourová am Donnerstag in Brüssel. Sie wirft dem Konzern eine mangelhafte Anwendung europäischer Verbraucherschutzregeln vor und sagte nun, Facebook habe nur noch bis Ende dieses Jahres Zeit, alle Bedenken auszuräumen.

Kommt das Unternehmen den Forderungen nicht nach, könnten die nationalen Behörden Strafen verhängen. "Es ist an der Zeit, etwas zu tun", heißt es von Jourová, "und keine Versprechungen mehr." Man könne nicht ewig verhandeln.

Die EU-Kommission und die europäischen Verbraucherschutzbehörden werfen Facebook unter anderem vor, dass es seine Nutzer nicht ausreichend über das Geschäftsmodell des Unternehmens aufkläre. Nur wenige Nutzer wüssten, dass Facebook ihre Daten Drittfirmen wie den Anbieters von Apps oder Games zur Verfügung stelle und dass es die Rechte an Daten und Fotos halte, die die Nutzer hochladen, sagte Jourová.

Facebook reagierte in einer ersten Stellungnahme überrascht über die Vorwürfe. Das Unternehmen habe seine Nutzungsbedingungen im April entsprechend aktualisiert und einen Großteil der von der EU-Kommission und dem Netzwerk für Verbraucherschutz vorgeschlagenen Änderungen bereits durchgeführt, betonte eine Sprecherin. Für Nutzer sei es nun deutlich klarer, welche Optionen sie haben und was auf dem Netzwerk erlaubt sei und was nicht. Facebook werde seine "enge Zusammenarbeit fortsetzen, um weitere Bedenken zu verstehen und entsprechende Updates vorzunehmen".

Jourová, die bei ihrem Auftritt in Brüssel auch auf ein "konstruktives Treffen" mit dem Unternehmen verwies, hatte ihren eigenen Facebook-Account vor einiger Zeit löschen lassen. Sie sprach von einem "Drecks-Kanal", durch den ihr viel Hass begegnet sei.

mbö/dpa/Reuters/AFP



insgesamt 5 Beiträge
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jj2005 20.09.2018
1. Geschäftsmodell erklären?
Wem will sie denn das Geschäftsmodell erklären? Wer so naiv ist, dass er nicht weiss, dass er diese "kostenlosen" Angebote von Google, Facebook, WhatsApp, YouTube etc mit seinen Daten bezahlt, und dafür "massgeschneiderte" Werbung bekommt, der hat im Internet nix verloren. Falls Frau Kommissarin was Sinnvolles tun will: Einfach mal den Namen der Person veröffentlichen, die uns diese völlig überflüssige "Isch liebe Cookies"-Krankheit eingebrockt hat. Tausendmal schlimmer als die vielgeschmähte Gurkenkrümmungsdirektive.
wolfabc 20.09.2018
2.
Sie hat's begriffen, facebook ist ein "Drecks-Kanal", findet sie - und hat sich deshalb dort gelösscht. "Der Spiegel" ist immer noch dabei - und verharmlost damit diese schmierige Datenkrake.
muskat51 20.09.2018
3. Einspruch, Kommentar 1
Die Datenverwendungserklärungen - die zu Unrecht Datenschutzerklärungen heißen - und AGB zu lesen, ist so ein Horror, dass man Verständnis für das Fehlverhalten der Nutzer haben und die Angelegenheit behördlich regeln sollte. Das ist wie eine Mischung aus Gurtpflicht (du musst zu deinem Eigenschutz gezwungen werden; gab anfangs Proteste, ist heute selbstverständlich) und Lebensmittelkontrolle (welche Privatperson kann sich ein Analyselabor leisten). Ich finds gut und habe beispielsweise Facebook verlassen, als sie in ihre Nutzungsbedingungen aufgenommen haben, mit meinen Daten (quasi in meinem Namen) beliebige Werbung machen zu dürfen, also auch für Sachen, die ich gar nicht gut finde.
Kasimir Keiler 20.09.2018
4. "Zeit, etwas zu tun"...
... ist es bestimmt, aber dass wirklich etwas getan wird, das Facebook &Co ernsthaft stört, ist leider nicht abzusehen.
Stäffelesrutscher 21.09.2018
5.
»Nur wenige Nutzer wüssten, dass Facebook ihre Daten Drittfirmen wie den Anbieters von Apps oder Games zur Verfügung stelle und dass es die Rechte an Daten und Fotos halte, die die Nutzer hochladen, sagte Jourová.« Facebook »hält« die Rechte? Und nicht etwa »eignet sich die Rechte an« oder »lässt sie sich übertragen«?
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