Neue Bildersuche: Fotografenverband klagt gegen Google

Der Fotografen-Berufsverband Freelens wehrt sich gegen die neue Bildersuche der Suchmaschine Google. Dass dort künftig auch bildschirmfüllende Fotos angezeigt werden sollen, verletze Urheberrechte.

Neue Google-Bildersuche: Großbilder im Browser Zur Großansicht
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Neue Google-Bildersuche: Großbilder im Browser

Hamburg - Freelens will Google untersagen lassen, bei seinem Bildersuchdienst auch bildschirmfüllende Fotos anzuzeigen. Nachdem Google auf eine Aufforderung zur Unterlassungserklärung nicht reagiert habe, habe man beim Landgericht Hamburg Klage gegen das Unternehmen eingereicht, erklärte der Verband am Freitag. Freelens warf dem US-Konzern vor, gegen das deutsche Urheberrecht zu verstoßen. "Es muss daher gerichtliche Hilfe in Anspruch genommen werden, um den fortdauernden Eingriff in Fotografenrechte zu beenden", hieß es in der Freelens-Erklärung.

In den USA hat Google bereits seine Bildsuche umgestellt. Dort werden Bilder und Fotos nicht mehr nur in Miniaturversionen (Thumbnails) präsentiert, sondern in höherer Auflösung auf der Google-Seite angezeigt. Bislang musste der Nutzer auf das kleine Bild klicken, um die Original-Website und das Bild in voller Auflösung zu sehen.

Ein Google-Sprecher hatte nach ersten Protesten von Fotografen und Künstlern erklärt, dass mit der neuen Suche Bilder "schneller, schöner im Design und verlässlicher angezeigt" würden. Es sei auch einfacher, sich mehrere Bilder hintereinander anzusehen. Informationen zur Quelle würden an mehreren Stellen angezeigt. Am Freitag hieß es beim Internet-Konzern, man könne die Freelens-Mitteilung nicht kommentieren, weil eine solche Klage Google bisher nicht bekannt sei.

Freelens verwies auf die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes, wonach es maximal zulässig sei, im Internet durch Suchmaschinen auffindbare Fotos in Thumbnail-Größe zu zeigen, wenn beim Anklicken zur Website weitergeleitet werde, auf der das Foto zu finden sei. "Diese Vorgaben werden durch Google nicht eingehalten. Vielmehr werden die Aufnahmen bei Anklicken in bildschirmfüllender Größe gezeigt, ohne auf die Ursprungswebsite weiterzuleiten."

Der Berufsverband betonte, die neue Darstellung der Suchergebnisse sei in Deutschland mittlerweile für iPhone-Besitzer verfügbar. Diese Darstellungsweise habe Google-Konkurrent Yahoo bereits Anfang 2013 auf seiner deutschen Website angeboten. Nach einer Abmahnung von Freelens habe "Yahoo umgehend eine Unterlassungserklärung" abgegeben. Bertram Solcher, der Vorsitzende von Freelens sagte, es sei "erschreckend, welch geringe Wertschätzung und welche Missachtung elementarster Autorenrechte den Urhebern durch Google entgegengebracht" werde. "Es kann nicht sein, dass Fotografen zu reinen Content-Lieferanten von Google degradiert werden."

Der Verein Freenlens ist nach eigenen Angaben mit über 2300 Mitgliedern der größte Berufsverband für Fotojournalisten und Fotografen in Deutschland.

cis/dpa

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insgesamt 62 Beiträge
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1.
funnyone2007 26.04.2013
Freelens hat vollkommen recht. Dass man nun die original Webseite nicht mehr aufrufen muss um das Bild in gross zu sehen ist wirklich seitens des Urhebers nicht nachvollziehbar. Macht das User XY (unerlaubt ein Bild von jemand anderem auf seiner Seite zeigen) hat er eine Abmahnung im Briefkasten. Die alte Version mit kleinem Vorschaubild und das man nur in gross sieht, wenn man die webseite anschaut war fair und okay.
2. Völliger Schwachsinn.
abu_kicher 26.04.2013
Nachdem die Verleger die Hand gebissen haben, die sie füttert, kommen jetzt die Fotografen aus ihren Löchern (bin übrigens selbst einer). Als ob es irgendjemanden stören würde, "noch komfortabler" mit den eigenen Bildern im Netz gefunden zu werden. Hallo Leute, das ist das INTERNET. Tut bitte nicht so, als würde sich Google auf eure private Festplatte einhacken. Den Bilderklau wird es immer geben, ob die Bildersuche erst auf die entsprechende Website verlinkt oder direkt das Bild leitet... Come on... Wehret den Anfängen, oder was...? ;) Die ganze Aktion von Freelens sieht für mich nach klassischem aktionistischem nutzlosen Geklüngel eines profilneurotischem Verbands aus, sorry. Seht her, wir tun etwas für euch... "Es kann nicht sein, dass Fotografen zu reinen Content-Lieferanten von Google degradiert werden." Solche Sätze liebe ich ja.
3. Die besten Ideen behält man am besten für sich
Pat-Riot 26.04.2013
Zitat von abu_kicherNachdem die Verleger die Hand gebissen haben, die sie füttert, kommen jetzt die Fotografen aus ihren Löchern (bin übrigens selbst einer). Als ob es irgendjemanden stören würde, "noch komfortabler" mit den eigenen Bildern im Netz gefunden zu werden. Hallo Leute, das ist das INTERNET. Tut bitte nicht so, als würde sich Google auf eure private Festplatte einhacken. Den Bilderklau wird es immer geben, ob die Bildersuche erst auf die entsprechende Website verlinkt oder direkt das Bild leitet... Come on... Wehret den Anfängen, oder was...? ;) Die ganze Aktion von Freelens sieht für mich nach klassischem aktionistischem nutzlosen Geklüngel eines profilneurotischem Verbands aus, sorry. Seht her, wir tun etwas für euch... "Es kann nicht sein, dass Fotografen zu reinen Content-Lieferanten von Google degradiert werden." Solche Sätze liebe ich ja.
Ich habe vor kurzem das beste Foto der Welt geschossen. Wirklich, Freunde, keine Übertreibung. Atemberaubendes Motiv, perfekter Bildaufbau, Farben wie gemalt, Belichtung makellos. Ich könnte damit Preise abräumen ohne Ende, es würde mich vermutlich (noch) reich(er) und (noch) berühmt(er) machen. Wie ich es schütze? Ich zeige es keinem. Vielleicht lösche ich's sogar - ehe es den Parasiten von Google in die Hände fällt. Nachher klaut es noch einer ...
4.
knuty 26.04.2013
Zitat von Pat-RiotIch habe vor kurzem das beste Foto der Welt geschossen. Wirklich, Freunde, keine Übertreibung. Atemberaubendes Motiv, perfekter Bildaufbau, Farben wie gemalt, Belichtung makellos. Ich könnte damit Preise abräumen ohne Ende, es würde mich vermutlich (noch) reich(er) und (noch) berühmt(er) machen. Wie ich es schütze? Ich zeige es keinem. Vielleicht lösche ich's sogar - ehe es den Parasiten von Google in die Hände fällt. Nachher klaut es noch einer ...
Wohl kaum. Höchstens vielleicht das "Goldene Foto" bei Computer BILD. Nicht die perfekte Technik zählt, sondern Bilder macht man mit dem Kopf und nicht mit der Kamera. Ja, ganz bestimmt. Fotografen sind ja alle so reich und so berühmt. Das ist das Beste, was man mit so einem Bild machen kann.
5. optional
Medienkenner 26.04.2013
Na prima, wenn Google Recht bekäme, lad ich mir auch ein paar schöne Fotos auf meine Webseite, weil diese Bilder "schneller, schöner im Design und verlässlicher anzeigt". Fotografen können dann ihre Webpräsenz gleich dichtmachen. Google agiert zuweilen frech wie Rotz.
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