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Verdacht auf Fälschung: Ebay-Käufer zerstört Violine

Ein Käufer hielt eine über Ebay erstandene Violine offenbar für eine Fälschung und beschwerte sich. In solchen Fällen kann der Ebay-Bezahldienst PayPal die Zerstörung der Ware anordnen. Der ahnungslose Käufer schlug das 2500 Dollar teure Instrument in Stücke. Die Anbieterin ist entsetzt.

Zerstörte Geige: Nicht von Georges Braque, sondern von Ebay Zur Großansicht

Zerstörte Geige: Nicht von Georges Braque, sondern von Ebay

Auf "Regretsy" erzählt die Verkäuferin einer historischen Violine eine tragisch anmutende Geschichte. An ihrem Ende stehen ein verärgerter Käufer, eine frustrierte Verkäuferin und eine zerstörte Geige. Wie die ursprüngliche Besitzerin berichtet, sei das gute Stück schon vor dem Zweiten Weltkrieg gefertigt worden. Nun wollte sie es bei Ebay versilbern. Für 2500 Dollar ging das Musikinstrument schließlich an einen Käufer in Kanada.

Der studierte den sogenannten Geigenzettel, der, wie bei Streichinstrumenten üblich, innen angebracht war. Auf dem Zettel stand der Hinweis auf Maurice Bourguignon, einen belgischen Geigenbaumeister. Das nahm der Käufer als vorgebliches Zertifikat für die Geige, die das Versprochene jedoch seiner Ansicht nach nicht hielt. Das Instrument stammte seiner Ansicht nach nicht aus der Werkstatt des belgischen Meisters. Allerdings beziehen sich derartige Herstellernachweise häufig auf Vorbildmodelle, nach denen das vorliegende Instrument gefertigt wurde.

Die Zweifel an der Echtheit des Geigenzettels und der Violine führten den Käufer dazu, den Neuerwerb zu reklamieren. Die Bezahlung wurde offenbar mit Hilfe von PayPal, einer Ebay-Tochter, abgewickelt. Für diese Fälle sieht die PayPal-Käuferschutzrichtlinie vor, dass der Käufer einer als Fälschung beanstandeten Ware diese an den Verkäufer zurücksenden müsse - oder an PayPal. Allerdings könne PayPal den Käufer vor Rückerstattung des Kaufpreises auch "auffordern, den Artikel zu zerstören und Beweise der Zerstörung zu liefern".

Der Enttäuschte tat Letzteres und schickte anschließend ein Bild der zerstörten Violine auch an die Verkäuferin. Das Foto erinnert auf seltsame Weise an kubistische Gemälde von Georges Braque oder Pablo Picasso - doch der Vorgang an sich erscheint doch eher traurig.

Die Verkäuferin wies nämlich darauf hin, sie habe das Instrument vor dem Verkauf von einem "Top-Geigenbauer" schätzen lassen. Sie habe sich auch nur deshalb an das Blog um Veröffentlichung ihrer Erlebnisse gewandt, "um PayPal davon abzuhalten, die Vernichtung von Violinen und anderen Antiquitäten anzuordnen, von denen sie nichts verstehen. Es ist mir unbegreiflich, warum PayPal die Violine nicht einfach an mich zurückgeschickt hat." Das Instrument habe den zweiten Weltkrieg überstanden und sei nun den Paypal-Geschäftsbedingungen zum Opfer gefallen.

In den deutschen Käuferschutzrichtlinien des Bezahldienstes gibt es übrigens keinen Passus, mit dem der Bezahldienst Käufer beanstandeter Waren auffordern könnte, diese in Stücke zu hacken.

meu

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insgesamt 108 Beiträge
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1. PayPal
hannes21 04.01.2012
Dieses Beispiel ist sicher besonders tragisch. Andererseits überrascht es mich gar nicht. Nur zu oft nimmt sich PayPal Dinge heraus, die Käufer und Verkäufer unverhältnismäßig schaden. Ich würde nie einen Artikel über PayPal erwerben und erst Recht nicht verkaufen. Viel zu groß ist die Angst, den Artikel verinbarungsgemäß zu versenden und am Ende kein Geld zu bekommen.
2. dumm gelaufen
Sackaboner 04.01.2012
Selbst wenn, nur mal angenommen, das Fiedelgerät nicht von dem belgischen Geigenbauer stammte, scheint es aber doch so weit in Ordnung gewesen zu sein, dass man es nicht in Stücke hackt. Der Käufer scheint mir weniger ein Geigen- als vielmehr ein Profitliebhaber zu sein, und die PayPal-Regel scheint von einem Vollidioten geschrieben worden zu sein. (Nein, dieser Mercedes ist eine Fälschung, also verbrenne ich ihn.) Dümmer geht's nümmer.
3. -
franko_potente 04.01.2012
Zitat von sysopEin Käufer hielt eine über Ebay erstandene Violine offenbar für eine Fälschung und beschwerte sich. In solchen Fällen kann der Ebay-Bezahldienst PayPal die Zerstörung der Ware anordnen. Der ahnungslose Käufer schlug das 2500 Dollar teure*Instrument in Stücke. Die Anbieterin ist entsetzt. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,807129,00.html
Wie dumm kann man eigtl sein? WArum ist es in unserer Welt nicht mehr möglich, sich VORHER ernsthaft mit dem Problem zu bschäftigen? Wie dumm ist man, oder besser, wie unglaublich naiv und faul, einer solchen Anordnung Folge zu leisten? Egtl gehört dieser Mensch noch zusätzlich wegen Sachbeschädigung bestraft und wegen Vernichtung von Kulturgütern. Man man man! Das ist genauso dämlich, wie bei kleinsten NAchbarschaftatreitereine sofort den Anwalt zu beauftragen, oder bei ein bisschen Ruhestrung umgehend die Polizei zu rufen. Warum nimmt der Käufer hier nciht Kontakt mit der Verkäuferin auf und spricht das Problem an? Diese selbstgerechte, gefühlte Besserwisserei ist so schlimm. Offenabr ist dies aber ien westliches Problem, und kein auf DTL beschränktes.
4. Paypal
miauwww 04.01.2012
Zitat von hannes21Dieses Beispiel ist sicher besonders tragisch. Andererseits überrascht es mich gar nicht. Nur zu oft nimmt sich PayPal Dinge heraus, die Käufer und Verkäufer unverhältnismäßig schaden. Ich würde nie einen Artikel über PayPal erwerben und erst Recht nicht verkaufen. Viel zu groß ist die Angst, den Artikel verinbarungsgemäß zu versenden und am Ende kein Geld zu bekommen.
Zu viele Leute wissen auch nicht, was das fuer eine miese Firma ist... PayPal (http://de.wikipedia.org/wiki/PayPal#Kritik)
5. Frage
fred_m 04.01.2012
Zitat von sysopEin Käufer hielt eine über Ebay erstandene Violine offenbar für eine Fälschung und beschwerte sich. In solchen Fällen kann der Ebay-Bezahldienst PayPal die Zerstörung der Ware anordnen. Der ahnungslose Käufer schlug das 2500 Dollar teure*Instrument in Stücke. Die Anbieterin ist entsetzt. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,807129,00.html
Wer haftet denn in diesem Fall fuer den Schaden ?
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