Mindestens 30 Begriffe betroffen Kuba filtert angeblich SMS

Wenn in Kuba Begriffe wie "Menschenrechte" und "Demokratie" in einer SMS auftauchen, kommt sie höchstwahrscheinlich nie an. Angeblich lässt die Regierung Nachrichten mit allerlei Wörtern blockieren.

Smartphone-Nutzer in Havanna
REUTERS

Smartphone-Nutzer in Havanna


Die kubanische Regierung mischt sich einer Recherche zufolge in die Kommunikation der Bürger ein. Nach Angaben des Nachrichtenportals "14yMedio" blockiert die Regierung alle Kurznachrichten, die mit den spanischen Wörtern für "Menschenrechte", "Hungerstreik" und "Demokratie" verschickt werden.

Auch die Namen von regierungskritischen Medien und Gegnern des kubanischen Parlaments im Nachrichtentext sollen dazu führen, dass entsprechende SMS nie beim Empfänger ankommen. Insgesamt stehen laut dem Bericht 30 Begriffe auf einer Liste von verbotenen Wörtern. Es könnten sogar noch mehr sein.

Blogger, Journalisten und Informatiker hatten sich zusammengeschlossen, um der Nachrichten-Filterung auf den Grund zu gehen. Nach eigenen Angaben haben die Beteiligten an mehreren Stellen des Landes von verschiedenen Handys aus die Nachrichten verschickt. Das Ergebnis sei immer gleich ausgefallen: Sobald bestimmte Begriffe gefallen sind, kam die Nachricht nicht an. Auch bei Nachrichten aus dem Ausland wird die SMS demnach ausgesiebt.

"Verunsichert und paranoid"

An der Recherche hat sich unter anderem der Regierungskritiker und Informatiker Eliécer Ávila beteiligt. Er sei zunächst davon ausgegangen, dass es möglicherweise beim Provider Probleme mit der Übertragung der Nachrichten gebe, sagt er der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir haben herausgefunden, dass nicht nur wir zensiert werden, sondern das ganze Land", sagt der Regimekritiker. "Das zeigt, wie verunsichert und paranoid die Regierung ist."

Die staatliche Telekommunikationsbehörde Etecsa hat sich zu den Vorwürfen bisher nicht geäußert. Reuters bestätigte jedoch mit eigenen Tests, dass bestimmte SMS tatsächlich verschwinden. Die Redakteure schickten sich Kurznachrichten mit den verbotenen Wörtern, die nie ankamen. Dem Sender wurde dennoch die Bestätigung angezeigt, dass die Nachrichten versandt worden seien.

SMS ist in Kuba ein wichtiges Kommunikationsmittel, Messaging-Dienste sind viel weniger verbreitet als in Europa oder den USA. Erst im Juni vergangenen Jahres hat die Etecsa damit begonnen, WLAN-Hotspots an öffentlichen Plätzen im ganzen Land einzurichten. Davor gab es Internetzugang meist nur in Hotels. Experten zufolge wählt sich rund ein Drittel der 11 Millionen Einwohner über öffentliche Hotspots ins Netz ein. Nur knapp fünf Prozent haben zu Hause einen Online-Zugang, da der Anschluss nur mit einer offiziellen Erlaubnis der Regierung aktiviert wird.

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rtr/jbr

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