Pistole aus dem 3D-Drucker Facebook will Links auf Waffen-Baupläne verbieten

In den USA tobt ein Streit um die Verbreitung von Blaupausen für Pistolen zum Selberdrucken. Jetzt hat Facebook dazu Stellung bezogen. Vor Gericht könnte am Freitag eine grundsätzliche Entscheidung fallen.

"Liberator"-Pistole aus einem 3D-Drucker
AFP

"Liberator"-Pistole aus einem 3D-Drucker


Der US-Konzern Facebook will die Verbreitung von Bauplänen für Schusswaffen aus dem 3D-Drucker verbieten. Die Veröffentlichung solcher Anleitungen verstoße gegen die Gemeinschaftsstandards von Facebook, sagte ein Unternehmenssprecher der Nachrichtenagentur AFP.

Links zu Internetseiten, die Pläne für Waffen anbieten, die mit 3D-Druckern oder computergesteuerten Fräsen hergestellt werden können, würden künftig gelöscht. Facebook verbietet in seinen Richtlinien schon länger den Verkauf und Tausch von Schusswaffen.

Am Freitag befasst sich auch ein US-Bundesrichter mit dem Streit um Schusswaffen aus dem 3D-Drucker. In der Anhörung in Seattle geht es darum, ob die Veröffentlichung von Konstruktionsplänen für derartige Waffen im Internet möglicherweise dauerhaft verboten werden soll.

Elf US-Bundesstaaten sowie die Hauptstadt Washington haben die Regierung von Donald Trump verklagt, weil sie diese Veröffentlichungen genehmigt hatte.

Von der US-Regierung genehmigt

Aufgrund der Klage hatte der zuständige Richter in Seattle die Verbreitung der Baupläne zu Monatsbeginn bereits vorläufig gestoppt. Die Kläger sehen die funktionsfähigen Waffen aus dem Drucker als Gefahr für die öffentliche Sicherheit an.

YouTube

Die Konstruktionspläne stammen von Cody Wilson, der als radikaler Pro-Waffen-Aktivist bekannt ist. Nach einem langjährigen Rechtsstreit hatte die US-Regierung seiner in Texas ansässigen Firma Defense Distributed im Juni erlaubt, Konstruktionspläne für Schusswaffen aus 3D-Druckern im Internet zu veröffentlichen.

Keine Seriennummern, unsichtbar für Metalldetektoren

Wilson argumentiert, gedruckte Waffen seien durch den zweiten Zusatzartikel zur US-Verfassung geschützt. Der Artikel garantiert nach Lesart der Waffenlobbyisten das Recht auf privaten Waffenbesitz. Nach dem Vorbild der Wissensbibliothek Wikipedia schwebt Wilson nun eine Art Online-Bibliothek für Blaupausen für Waffen aus Eigenproduktion vor.

Mithilfe der durch Defense Distributed bereitgestellten Pläne können computergesteuerte 3D-Drucker oder Fräsen funktionsfähige Schusswaffen herstellen. Diese haben, anders als Pistolen oder Gewehre aus industrieller Produktion, keine Seriennummern, über die sie zurückverfolgt werden könnten. Zumindest ein Modell ist zudem aus Kunststoff, wäre also für Metalldetektoren nicht erkennbar.

Nach der Entscheidung der US-Regierung hatte es in den USA einen Sturm der Entrüstung gegeben. Angesichts der Kritik ließ das Weiße Haus inzwischen Skepsis gegenüber der Idee erkennen. Trump erklärte, er lasse prüfen, ob Plastikwaffen aus Druckern an die breite Öffentlichkeit "verkauft" werden sollten. Generell ist Trump ein energischer Befürworter des Rechtes auf privaten Waffenbesitz. Seit dem Wahlkampf ist er eng mit der Waffenlobby NRA verbündet.

mak/afp



insgesamt 7 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hwdtrier 10.08.2018
1. Wenn ich ne
Waffe haben will Kauf ich mir die Einzelteile im Baumarkt.
ulrics 11.08.2018
2. Und?
Facebook kann viel behaupten. Datenzecken glaub ich nicht.
Listkaefer 11.08.2018
3. Diese scheinspektakulären Berichte ...
... über Pistolen aus dem 3D-Drucker sind die totale Übertreibung. Das Ding ist äusserst klobig, aus mehreren Teilen zusammengebaut und keineswegs so eben mal von jedermann aus dem Drucker zu ziehen. Ein miserables Schiessgerät, auf unpraktische Weise mit einer Beschichtungsmaschine für Kunststoff hergestellt. Kein Hype, keine Nachricht.
NixAlsVerdruss 11.08.2018
4. Unverschämt
hier wird etwas harmloses wie eine Waffe auf die selbe Stufe gestellt wie ein NIPPEL.
ansv 11.08.2018
5. Überschrift
Man darf gespannt sein was bei Facebook möglich ist und was nicht. Brüste und Waffen werden gelöscht, Rassismus und Agitation leider nicht..
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.