Wahlfarce Facebook-Abstimmung ist gescheitert

Sie lehnen die neuen Regeln ab: Mehrere Hunderttausend Facebook-Mitglieder haben gegen neue Nutzungsbedingungen gestimmt. Weil aber das Unternehmen die Wahl gut versteckt hielt, betrug die Beteiligung nur 0,05 Prozent - zu wenig für eine Entscheidung.

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"Facebook Governance"-Seite: Wahlbeteiligung unter der Wahrnehmungsschwelle

"Facebook Governance"-Seite: Wahlbeteiligung unter der Wahrnehmungsschwelle


Hamburg - Das Quorum ist verfehlt: Sieben Tage lang konnten Facebook-Mitglieder über geänderte Nutzungsbedingungen für das Netzwerk abstimmen. Die Frist endete am Freitag um 18 Uhr deutscher Zeit, das Ergebnis sollte am Folgetag verkündet werden. Doch weil Facebook seine Nutzerschaft kaum auf die Abstimmung aufmerksam gemacht hat, lag die Beteiligung bei nicht einmal 0,05 Prozent, nimmt man die von Facebook angegebenen 900 Millionen Mitglieder als Rechengrundlage.

Die Wähler allerdings waren vor allem gegen die neuen Regeln. Rund 85 Prozent lehnten die geänderte Erklärung der Rechte und Pflichten sowie die Datenverwendungsrichtlinie ab. Außerdem schrieben Nutzer auf der "Facebook Governance"-Seite Tausende ablehnender Kommentare. Hätten 30 Prozent der Nutzer an der Wahl teilgenommen, wären die alten Regeln in modifizierter Form beibehalten worden.

Kritiker hatten bemängelt, dass sich Facebook mehr Rechte als bisher einräume und den Nutzern im Gegenzug nichts anbiete. Die Gruppe "Europe vs. Facebook" kritisierte, dass aufgedeckte "Missstände" beim Umgang mit Nutzerdaten mit den neuen Regeln legitimiert würden. Der schleswig-holsteinische Datenschützer Thilo Weichert nannte die Abstimmung eine "Farce", außerdem enthielten beide Alternativen rechtswidrige Klauseln.

Facebook inszeniert Wahl

Nun aber hat die Abstimmung nur einen "beratenden Charakter" - und da der große Aufschrei ausgeblieben ist, kann man sich bei Facebook entspannt zurücklehnen. Das Unternehmen hatte seinen Nutzern auf einer speziellen Seite neue Nutzungsbedingungen vorgestellt und diese kommentieren lassen. Dabei handelte es sich um umfangreiche Textdokumente.

Alles, was Facebook sonst ausmacht - Interaktivität, Multimedia, schnelle Klicks - ließ die als "Wahl" bezeichnete Abstimmung vermissen. Zunächst hatte das Unternehmen noch mit Werbeanzeigen auf die geplanten Änderungen hingewiesen. Auf Zehntausende kritische Kommentare wurde nicht geantwortet, später aber eine leicht überarbeitete Versionen der Dokumente präsentiert und zur Abstimmung gestellt.

Die wurde nicht nur durch eine fehlende Diskussion mit den Nutzern und eine Gegenüberstellung von jeweils zwei ausführlichen juristischen Texten erschwert: Außerdem wurde sie nur den rund 2,2 Millionen Nutzern mitgeteilt, die sich zuvor die "Facebook Governance"-Seite abonniert hatten. An echter Mitbestimmung hat der Konzern offenbar kein Interesse.



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vitalik 08.06.2012
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Zitat von sysopSie lehnen die neuen Regeln ab: Mehrere Hunderttausend Facebook-Mitglieder haben gegen neue Nutzungsbedingungen gestimmt. Weil das Unternehmen aber an Mitbestimmung offenbar kein Interesse hat, betrug die Wahlbeteiligung nur 0,05 Prozent - zu wenig für eine Entscheidung. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,837827,00.html
Welche 900 Millionen? Das war doch von vorn klar, dass es so ablaufen würde. Ausserdem hat Facebook riesen Anteil von Facebookvoyers die jede Einzelheit ihres Lebens bereitwillig reinstellen.
wadoe2 08.06.2012
2. Der Wähler an der Börse
0,05% von 900 Mio sind 450.000. Wenn sich 450 000 an der Abstimmung beteiligen, dann sind das beim Fratzenbuch rund 80% der aktiven Nutzer. Dass die sich aber überhaupt an dieser "Wahl" beteiligen zeigt, wie sehr die sich selbst überschätzen. Und dazu dann dieses hochtrabende Geschwurbel von der "Facebook Governance", das ist nur noch lächerlich. Die einzige und Reale Wahl hat diese HTML Klitsche schon hinter sich und die lief an der Börse. Fazit: Die Wähler an der Börse finden das nicht gut.
polltroll 08.06.2012
3. war vorraus zu sehen...
Ich habe zu einem sehr frühen Zeitpunkt abgestimmt und war noch verwundert warum nur 35.000 User gevotet haben, aber auf das Votum über 2 Mio Likes gesetzt waren. Da fällt mir nichts zu ein! Der Masse der FB ler scheint es s... egal zu sein, wie man mit ihren Daten umgeht und darauf war das Votum auch ausgerichtet. Allein schon die gesetzte Mindestteilnehmerzahl war ein Witz! Ich hatte auch nur aus der Presse davon erfahren und musste per Google gezielt danach suchen. Naja, nun ist FB ja an der Börse und muss nun endlich Wege finden die wertvollen Nutzerdaten effizient Gewinn maximierend zu nutzen, jetzt hängt das Überleben des Unternehmens davon ab! Das wird also nicht die letzte grenzwertige Aktion von FB sein. Mit fallendem Börsenkurs werden da noch einige Überraschungen auf uns zukommen. I like that...
shakan01 08.06.2012
4. Undemokratisch
1. Alle User, die in ihren "Privacy Settings" Apps verboten haben können nicht an der Wahl teilnehmen, da diese als App von einer Fremdfirma veranstaltet wird. 2. Diese Firma heißt Wildfire und beschreibt ihr Angebot selber so: "Wildfire is an easy-to-use yet powerful tool to grow, engage, and monetize your audience on Facebook, Twitter, YouTube and LinkedIn" http://www.wildfireapp.com/ Auf der Privacysetie von Wildfire steht zur Nutzung von Benutzerdaten[...] " For example, we may use the information we collect from you on our Sites and Applications: to send you information about new promotions, products, and services offered by Wildfire and our selected partners; and to conduct an aggregated analysis of the performance of promotions.[...]" Wenn ich es richtig verstehe, können über die Graph API alle "Basic Information" weitergegeben werden( "By default, this includes certain properties of the User object such as id, name, picture, gender, and their locale. Certain connections of the User object such as the Friends connection are also available. If the user has made more of their data public, more information will be available.") https://developers.facebook.com/docs/authentication/permissions/#basic_info Facebook schreibt zwar, daß diese Firma alle Daten nach der Wahl löschen muß, aber welche Garantien habe ich dafür und was geschieht mit meinen Daten davor? Bin ich zynisch, wenn es mir so vorkommt, dass Facebook die Daten seiner "Wähler" zu Marketingzwecken an Fremdfirmen weitergibt?
Malshandir 08.06.2012
5. Keine 900 Mio User
es ist doch albern von facebook zu glauben, man haette 900 Mio usern, darunter sind etliche Multis, Fakeaccount und Accounts von inaktiven Usern, weil das Loeschen quasi unmoeglich ist. Also vielleicht hat facebook doch nur 100 Mio User.
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