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Web-Filter: USA besorgt über Australiens Netzsperren-Pläne

Die US-Regierung hat sich überraschend deutlich gegen die Pläne Australiens ausgesprochen, restriktive Internet-Filtermechanismen einzuführen. Ein Sprecher des Außenministeriums sagte, man habe in diplomatischen Gesprächen mit australischen Beamten auf die Bedenken hingewiesen.

Netzwerkkabel: Australiens Projekt "Cleanfeed" in der Kritik Zur Großansicht
DPA

Netzwerkkabel: Australiens Projekt "Cleanfeed" in der Kritik

Canberra/Washington - Nach den Suchmaschinenriesen Google und Yahoo beginnt auch das US-Außenministerium, öffentlich Druck auf Australien auszuüben, weil die Regierung des Landes Internet-Filtermechanismen plant. Es sei der US-Regierung sehr wichtig, dass "wir uns weiterhin für einen freien Informationsfluss einsetzen, den wir als lebenswichtig für weltweiten Wohlstand und die Bewahrung offener Gesellschaften betrachten", sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums laut der Nachrichtenagentur Associated Press. Er könne nicht sagen, auf welcher diplomatischen Ebene man die Bedenken hinsichtlich der geplanten Web-Filter vorgetragen habe, so der Sprecher: "Wir sprechen nicht über die Details unseres diplomatischen Austausches", er könne aber sagen, dass "wir unsere Bedenken australischen Behördenvertretern vorgetragen haben".

Für Australiens Regierung ist diese überraschend deutliche öffentliche Kritik an ihrem Vorhaben ein weiteres Problem auf dem Weg zur geplanten umfassenden Filterung des Netz-Verkehrs in dem Land. Besonders der Kommunikationsminister Stephen Conroy ist wegen des Vorhabens massiv in die Kritik geraten - sogar mit Rücktrittsforderungen verbundene Hack-Attacken gegen Regierungsseiten hat es im vergangenen Jahr schon gegeben.

Conroy wollte zu den Bedenken der US-Regierung nicht Stellung nehmen. Er erklärte lediglich erneut, dass die Filter den Zugang zu Sites blockieren würden, die Kinderpornografie, sexuelle Gewalt und detaillierte Anleitungen für Verbrechen oder Drogenmissbrauch enthielten. Die Liste mit verbotenen Seiten könne stets aktuell gehalten werden, Bürger würden die Möglichkeit haben, beanstandete Seiten zu melden. Sollten Conroys Pläne tatsächlich umgesetzt werden, würde dies Australien zu der Demokratie mit der schärfsten Internetregulierung weltweit machen.

Vergleich mit China und Nordkorea

Die Kritik, die bislang vor allem innerhalb Australiens gegen das "Cleanfeed" genannte Filterprojekt vorgebracht wird, ist sehr ähnlich wie die, an der die Pläne der damaligen Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) zu Web-Filtern gegen Kinderpornografie scheiterten: Die Filter ließen sich leicht umgehen, gerade kinderpornografisches Material werde zudem in der Regel auf anderen Wegen ausgetauscht als über offene Web-Seiten. Kritiker wie die Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontiers Australia (EFA) verweisen außerdem darauf, dass auch Material gesperrt werden könnte, das für Erwachsene in anderen Ländern selbstverständlich zugänglich sei.

Den Plänen zufolge sollen Internetanbieter eine Sperrliste verwenden, in der Seiten aufgeführt werden, die nach Prüfung durch eine Kommission für Altersbegrenzungen die Klassifizierung "Refused Classification" ("RC") bekommen haben. Problematisch: "RC" sind auch völlig legale Medienangebote, vergleichbar mit dem deutschen "Ohne Alterskennzeichnung". Dass es den Zensoren um mehr als die Verbannung von klar illegalen Inhalten geht, vermuteten Kritiker, als im März 2009 eine Vorabversion einer Sperrliste im Netz auftauchte. Die Links führten zur Hälfte zu Online-Casinos, YouTube und diversen Porno-Sites.

Auf einer eigens eingerichteten Kampagnenseite fragen EFA und andere Organisatoren rhetorisch: "Wollen wir, dass Australien einem Zensoren-Club beitritt, dessen Gründungsmitglieder Burma, China und Nordkorea sind?"

cis/AP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 9 Beiträge
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1. Und nächste Woche lesen Sie:
TYLER0906, 29.03.2010
USA besorgt über Netzsperren-Pläne der EU!
2. Genau, wers glaubt!
Magictree 29.03.2010
Das Außenministerium ist doch bekannt für seine Propaganda. Öffentlich das eine verkünden, intern das Gegenteil machen. Seis öffentliche Abrüstung mit den Russen, wobei im Geheimen neueste Waffen geliefert werden (Lest mal Gary Allen, "Die Insider" oder David Icke, "Das größte Geheimnis") oder seis beim Webfilter. Öffentlich Informationsfreiheit verkünden, und die Mainstream-Medien Propaganda verkünden lassen (vgl. Paul Craig Roberst auf http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2010/03/paul-craig-roberst-sagt-good-bye.html)
3. so müde...
snickerman 29.03.2010
Seit Jahren verkünde ich jedem, der es wissen will (und allen anderen auch), dass die Kinderporno-Diskussion nichts ist als ein Türöffner für die umfassende Zensur des Internets. Kinder werden missbraucht- einmal im realen Leben und das andere Mal, um das Netz zu "säubern" Wenn schon die USA zu diesen ungewöhnlich scharfen Mitteln greifen, dann brennt es schon gewaltig hinter den diplomatischen Kulissen! Und Morgen kommen die hauptberuflichen Verbotsvorkämpfer mit dem "Australischen Vorbild" an, dem wir uns unbedingt anschließen müssen. Von China lernen? Ist doch nur unser allem Besten!
4. .
frubi 29.03.2010
Zitat von snickermanSeit Jahren verkünde ich jedem, der es wissen will (und allen anderen auch), dass die Kinderporno-Diskussion nichts ist als ein Türöffner für die umfassende Zensur des Internets. Kinder werden missbraucht- einmal im realen Leben und das andere Mal, um das Netz zu "säubern" Wenn schon die USA zu diesen ungewöhnlich scharfen Mitteln greifen, dann brennt es schon gewaltig hinter den diplomatischen Kulissen! Und Morgen kommen die hauptberuflichen Verbotsvorkämpfer mit dem "Australischen Vorbild" an, dem wir uns unbedingt anschließen müssen. Von China lernen? Ist doch nur unser allem Besten!
Unsere Politikern läuft bei dem Gedanken an China doch das Wasser im Mund zusammen. Wie gerne würden die "ihre" Bevölkerung ebenso unterdrücken um selber mehr Macht und Geld zu bekommen.
5. ,
wowiku, 29.03.2010
Zitat von TYLER0906USA besorgt über Netzsperren-Pläne der EU!
Es wird endlich Zeit, dass Netzsperren erfolgen. Es kann doch nicht sein, dass jeder Mist zu jedermann gelangen kann.
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Illustration Mirko Ilic für den SPIEGEL nach einer Idee von Nitrozac & Snaggy / Geekculture.com

Heft 13/2010:
Kalter Krieg im Internet

Google gegen China: Der Kampf um die Freiheit im Netz

Inhaltsverzeichnis

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Zensur-Technik: Aufwendigere Filter-Methoden
Sperre auf IP-Ebene
Prinzip: Der Provider kann auch direkt die jeweils gültige IP-Adresse hinter der zu blockierenden URL sperren.
Problem: Hinter einer IP-Adresse können mehrere Tausend URLs liegen. In solchen Fällen führt die IP-Adresse zu dem Server eines großen Anbieters von Web-Speicherplatz. Der Anbieter verteilt den gesamten Verkehr selbst auf die Angebote, die er bereithält. Wenn der Provider solch eine Massen-IP-Adresse sperrt, ist der Kollateralschaden unter Umständen enorm. "Neben dem eigentlichen Ziel könnten viele völlig harmlose Angebote gesperrt sein", erklärt der Dresdner Informatiker Stefan Köpsell. Außerdem lässt sich auch diese Sperre auf Transportebene umgehen: Das ermöglichen offene Proxys, über die man Datenverkehr leiten kann, oder auch Anonymisierungs-Dienste wie TOR oder JAP.
Sperre auf URL-Ebene
Prinzip: Um auf dieser Ebene zu filtern, muss der Provider den Datenverkehr seiner Nutzer tiefgehend analysieren. Mit viel Aufwand lässt sich herausfinden, an welche Web-Adresse eine Anfrage geht. So könnten Kollateralschäden vermieden werden: Selbst bei identischen IP-Adressen kann der Provider bei diesem Ansatz unterscheiden, welche Angebote aufgerufen werden.
Probleme: Diese Filtermethode benötigt sehr hohe Rechenkapazitäten zur Analyse des Datenverkehrs. Die Folge laut Stefan Köpsell: hohe Kosten, bisweilen langsamere Verbindungen. Abgesehen davon könnten solche Analysen in Deutschland auch juristisch heikel sein: Das Fernmeldegeheimnis könnte eine solch intensive Analyse der Internetnutzung verbieten.
Hybrid-Filter
Prinzip: Dieses System kombiniert Filter auf IP- und URL-Ebene. Ein verdächtiger IP-Bereich ist vorab definiert. Erst wenn Nutzer Daten aus diesem Adressbereich abrufen, läuft die aufwendige Analyse des Datenverkehrs an. Sie durchsucht die Anfragen auf blockierte URLs. Folge: Der Rechenaufwand ist geringer als bei der Sperre auf URL-Ebene, die Kollateralschäden nicht so groß wie bei der Blockade von IP-Adressen.
Probleme: Das Verfahren ist recht aufwendig, außerdem könnte die Detailanalyse des Datenverkehrs deutschen Datenschutz-Grundsätzen widersprechen.

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